Umgang mit Amselküken - Titel

Amseln gehören zu den häufigsten Singvögeln, die in menschlicher Nähe anzutreffen sind. Kein Wunder, dass man manchmal beim Spaziergang ein Amselküken findet. Wann und wie der Jungvogel Ihre Hilfe braucht, lesen Sie in diesem Beitrag.

Auf den Punkt gebracht

  • Amselküken verlassen nach 13 bis 15 Tagen das Nest
  • zu diesem Zeitpunkt fast vollständig befiedert
  • werden noch von den Eltern gefüttert
  • nicht mitnehmen, sondern Rückkehr der Eltern abwarten
  • unverletzte Nestlinge zurück ins Amselnest setzen

Richtige Hilfe für Amselküken

Wenn Sie eine junge, fast vollständig befiederte und auf dem Boden hockende Amsel finden, dann sollten Sie sie nicht gleich mitnehmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Jungtier tatsächlich von seinen Eltern verlassen wurde, ist sehr gering. Stattdessen handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen so genannten Ästling, der das Amselnest bereits verlassen hat. Ästlinge

  • sind fast vollständig befiedert
  • tragen das amseltypische braune Jugendkleid
  • sitzen meist auf dem Boden
  • sind häufig gut versteckt, etwa in einem Gebüsch
  • wirken auf Menschen fast zutraulich
  • unternehmen erste Flugversuche
  • sind noch auf die Fütterung durch ihre Eltern angewiesen
Amselküken auf dem Boden

Beobachten Sie den oder die Jungvögel für mindestens ein, besser zwei Stunden von einer etwas weiter entfernten, Ihrerseits versteckten Warte aus. Die Elternvögel befinden sich auf Futtersuche und suchen ihren Nachwuchs innerhalb dieser Zeitspanne zur Fütterung auf. Wenn Sie die Alttiere nähern, machen sich die Jungen durch lautes Rufen und ein aktives Verhalten bemerkbar. Diese Jungamseln sind gut versorgt und benötigen Ihre Hilfe nicht.

Verlassene Ästlinge

Anders sieht es aus, wenn das oder die Amselküken tatsächlich verlassen wurden. Das kann tatsächlich vorkommen, etwa weil die Elterntiere bei der Futtersuche einem Unfall oder einer Katze zum Opfer gefallen sind. Da Sie dies jedoch nach ein oder zwei Stunden Beobachtungszeit nicht sicher abschätzen können – schließlich kann der Altvogel Sie bereits bemerkt haben und sich deshalb nicht nähern – sollten Sie noch etwas warten. Junge Amseln in diesem Entwicklungsstadium überleben etwa einen Tag ohne Wasser und Futter. Werden sie weiterhin von ihren Eltern gefüttert, wirken sie gesund und haben glänzende Augen.

Wann eingreifen?

Unterbleibt die Fütterung hingegen, merkt man dies dem Vogel an: Gefieder und Augen wirken stumpf und er wird immer schwächer. In diesem Fall:

  • feste Handschuhe anziehen
  • ersatzweise ein Handtuch nehmen
  • Jungvogel in einen mit Luftlöchern präparierten Karton setzen
  • mit Würmern füttern (z. B. Mehlwürmer aus der Zoohandlung)
  • mit einer Pipette etwas Wasser geben
  • einen auf Wildvögel spezialisierten Tierarzt kontaktieren
  • alternativ die örtliche Wildtierauffangstation

Hinweis: Wo sich ein verwaistes Jungtier befindet, hocken mit Sicherheit in der Nähe noch weitere. Junge Ästlinge sitzen nicht alle auf einem Fleck, sondern verteilen sich in einem Radius von ca. 20 Metern.

Nestling

Ist das aufgefundene Amselküken jedoch nur wenig oder nicht vollständig befiedert und kann sich noch nicht selbst auf den Beinen halten, ist es wahrscheinlich tatsächlich aus dem Vogelnest gefallen. Aber auch in diesem Fall müssen Sie es nicht zwangsläufig mitnehmen und per Hand aufziehen – in der Tat ist nämlich die Handaufzucht die schlechteste aller Möglichkeiten. Stattdessen sollten Sie schauen, wo sich das Amselnest befindet und den Jungvogel – sofern dieser unverletzt ist – wieder hineinsetzen.
Achten Sie dabei darauf, dass die Altvögel sich nicht in der Nähe befinden und Sie beobachten! Die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihr Junges anschließend weiter füttern, ist hoch. Keinesfalls sollten Sie Amselküken jedoch in ein fremdes Vogelnest, womöglich einer anderen Vogelart, setzen. Das funktioniert nur bei manchen Vogelarten, eine Amsel hingegen bemerkt fremde Jungtiere meist und wirft sie wieder hinaus

kleiner Amsel-Ästling

Hinweis: Sie können den Jungvogel problemlos auch ohne Handschuhe anfassen. Vögel nehmen keinen „Menschengeruch“ wahr und füttern das Küken einfach weiter.

Handaufzucht

Die so genannte Handaufzucht ist die letzte Möglichkeit und kommt nur dann in Frage, wenn alle anderen ausgeschöpft sind – die Elternvögel tatsächlich nicht wieder gekommen sind oder (beim Fund eines Nestlings) das Nest zerstört ist. Ein Amselküken mit der Hand aufzuziehen ist mühsam und zudem wenig erfolgversprechend:

  • junge Nestlinge tagsüber alle 30 bis 45 Minuten füttern
  • ab einem Alter von 13 bis 15 Tagen etwa alle ein bis zwei Stunden
  • Karton mit Küchenpapier auslegen
  • dieses mehrmals täglich wechseln
  • kein Heu oder Stroh verwenden
  • enthält möglicherweise Krankheitserreger
  • kann den Vogel krank machen

Suchen Sie außerhalb der Fütterung keinen weiteren Kontakt zu der jungen Amsel, damit Sie diese nicht unnötig auf den Menschen prägen. In diesem Fall könnte das Tier nicht mehr ausgewildert werden bzw. hätte in freier Wildbahn kaum Überlebenschancen.

Häufig gestellte Fragen

Was tun, wenn man ein verlassenes Amselnest mit Eiern findet?

Für Amseleier gilt dasselbe wie für die Küken: Erst einmal sollten Sie beobachten, ob die Vogeleltern die zwei bis fünf bläulichen Eier tatsächlich verlassen haben – die Amselmutter brütet nicht durchgehend, sondern fliegt gelegentlich zur Futtersuche aus. Ansonsten sind Wildvogeleier schwer künstlich auszubrüten und die daraus geschlüpften Jungtiere nicht leicht aufzuziehen. Für einen Laien ist diese Aufgabe kaum zu schaffen, zumal Sie nicht wissen, wie lange das Gelege schon unbebrütet ist.

Womit füttert man ein Amselküken?

Junge Amseln fressen zunächst ausschließlich tierisches Futter. Einem Nestling können Sie vor allem Würmer anbieten. Später kommen auch Beeren und fleischige Früchte – beispielsweise Johannisbeeren oder Kirschen – hinzu.

Was tun, wenn der Jungvogel verletzt ist?

Einen auch nur leicht verletzten Nestling setzen sie nicht wieder zurück ins Nest, sondern bringen diesen möglichst zu einem auf Wildvögel spezialisierten Tierarzt. Eine verletzte, junge Amsel wird mit Sicherheit dauerhafte Schäden davontragen, die ihr das Überleben erschweren. Deshalb sollten Verletzungen geheilt werden und die Tiere anschließend per Hand aufgezogen werden.