Aprikosenbaum lässt Blätter hängen / welke Blätter am Marillenbaum

Ursprünglich stammt der wärmeliebende Aprikosenbaum aus Armenien und China. Heute ist er in unseren Regionen weitverbreitet und teilweise auch unter dem Namen Marillenbaum bekannt. Er ist nicht nur wegen seiner süßen Früchte so beliebt, sondern er ist auch verhältnismäßig pflegeleicht. Denn Marillenbäume stellen keine großen Ansprüche an den Boden. Doch sie lieben einen warmen, regen- und windgeschützten Standort. Jedoch nur in Trockenperioden sollte eine regelmäßige Wassergabe erfolgen. Im Frühsommer können mitunter bei einer trockenen Witterung und hohen Temperaturen die Blätter an den Marillenbäumen schlaff herab hängen, anfangen zu welken und letztendlich abfallen. In diesem Fall ist es notwendig den Ursachen dafür auf den Grund zu gehen.

Ursachen

Welke Blätter nicht durch Wassermangel

Im ersten Moment kann bei einem solchen Anblick schnell die Vermutung entstehen, dass Wassermangel die Blätter welken und vertrocknen lässt, da dieses Phänomen meist in Trockenperioden auftritt. Doch auch Wassergaben können hier dem Baum nicht helfen. Die Pflanze trocknet weiter langsam aus. Die Ursache dafür kann ein Anzeichen für verschiedene Krankheiten sein, wie:

  • Verticillium- Welke
  • Apoplexie
  • Monilia laxa

Verticillium-Welke

Diese Krankheit wird durch die Schadpilze Verticillium dahilae (dunkle Mikrosklerotien) und Verticillium albo-atrum (Dauermyzel) hervorgerufen. Wobei deren Pilzsporen mehr als zehn Jahre im Boden ohne Wirtspflanze überleben können. Sie gelangen über die Wurzeln, beispielsweise nach Wurzelschnitt, in die Pflanzen, bilden dort Toxine und verstopfen letztendlich die Wasserleitungsbahnen des Baumes. Anzeichen sind:

  • Blätter welken bis hin zum Abfallen
  • Reduzierung des Blätterwachstums
  • Rissbildung an Ästen und Trieben
  • Verkahlen und Absterben einzelner Triebe, später auch ganzer Äste
  • Absterben des ganzen Baumes nach einigen Jahren
  • Auftreten anfangs meist nur einseitig
  • Zusätzliches Auftreten von Blattvergilbungen und Nekrosenbildung möglich
  • Schleppender Krankheitsverlauf
  • Trockenperioden und hohe Temperaturen beschleunigen Verlauf
  • Früchte sind klein, teilweise ungenießbar
  • Eindeutiger Nachweis nur durch Laboruntersuchung des Bodens

Tipp: Durch Einritzen der Rinde in Bodennähe oder an betroffenen Trieben sind darunter längs liegende Wasserleitungsbahnen bräunlich verfärbt.

Verticillium im Astschnitt
Verticillium im Astschnitt

Maßnahmen

Kein Fungizideinsatz bei Verticillium-Welke möglich

Bisher ist keine direkte Bekämpfung der Schadpilze durch chemische Mittel möglich. Wenn erste Symptome sichtbar werden, sollte wie folgt gehandelt werden:

  • Abgefallene Blätter sorgfältig zusammenharken, im Hausmüll entsorgen
  • Tote Äste und Zweige direkt am Ansatz entfernen
  • Keine Stummel stehen lassen
  • Schnittwunden verschließen
  • Kranke Triebe weit ins gesunde Holz zurückschneiden, mindestens 50 cm
  • Verwendung sauberer und scharfer Schneidwerkzeuge
  • Durchführung von Schnittmaßnahmen bei trockenem, sonnigem Wetter
  • Abgestorbene Bäume vollständig entfernen
  • Gegebenenfalls Erde erneuern

Tipp: Ringförmige dunkle Verfärbungen im Bereich der Leitungsbahnen weisen bei einem quer durchgeschnittenen Ast auf Verticillium-Welke hin.

Apoplexie

Apoplexie bei Aprikosen ist auch als Schlagtreffen bekannt. Marillenbäume können innerhalb kürzester Zeit absterben. Ursächlich kann ein Kälteschaden aufgrund von Winter- oder Spätfrösten sein. Diese führen dabei zu einer Schädigung der Leitungsbahnen unter der Rinde. Besonders kritisch ist dies bei Aprikosen, da sie als erste die Winterruhe beenden, meist treten dann noch Spätfröste auf. Doch auch ein starker Fruchtbehang im Vorjahr, auftretender Bakterienbrand, Schrotschusskrankheit oder Monilia laxa können das Auftreten des „Schlagtreffens“ begünstigen. Erste Anzeichen einer Apoplexie:

  • Nach anfänglichem Austrieb welken Blätter und Triebspritzen
  • Übergriff auf einzelne Zweige, Äste oder der ganzen Krone
  • Typischer Gummifluss unterhalb welkender Partien (Verstopfung Leitungsbahnen)
  • An starken Ästen und im Stammbereich Rinde aufgerissen
  • Höchste Sterberate zwischen 3. und 7. Standjahr

Maßnahmen

Baumgesundheit und Frostfestigkeit stärken

Bei den ersten Anzeichen von Apoplexie sollte umgehend gehandelt werden.

  • Ende Mai absterbende Äste entfernen
  • Jedoch Stress durch hohen Fruchtbehang oder starkes Wachstum bei fehlendem Ertrag
  • Ausgewogene Fruchtausdünnung, mindestens eine Frucht pro Handbreite
  • Bei Neupflanzungen auf frostharte Unterlage der Aprikosen achten

Marillenbaum

Monilia laxa

Monilia laxa ist auch als Spitzendürre bekannt. Von der Knospenbildung bis nach der Blüte erfolgt eine Infizierung mit dem Pilz Monilia laxa. Dabei breitet sich das Myzel rasant aus und dringt ins Fruchtholz ein. Ebenso wird die Spitzendürre durch eine niederschlagsreiche Witterung begünstigt. Jedoch können die Pilzsporen auch an den vertrockneten Blättern, Zweigen und Fruchtmumien am Baum überwintern. Da sie eine hohe Keimfähigkeit besitzen, erfolgt im Frühjahr nach der Blüte eine schnelle Vermehrung. Die Verbreitung erfolgt dann durch Regen, Wind und Insekten. Dabei sollte auf folgende Symptome geachtet werden:

  • Schwarzfärbung der Blütennarbe
  • Fahl-grüne Blätter an einjährigem Holz
  • 3 bis 4 Wochen nach Blüte welken Triebspitzen, Blüten und Blätter
  • Übergriff auf ganze Zweigpartien, führt zur Spitzendürre
  • Gummifluss an Grenze zwischen krankem und gesundem Gewebe

Maßnahmen

Rückschnitt bei Befall

Um weitere Schädigungen zu vermeiden, muss bei einem Befall mit Monilia laxa schnellsten gehandelt werden.

  • Keine chemische Behandlung bei Befall mehr möglich
  • Ausschneiden aller befallenen Äste, infizierten Blüten und Fruchtmumien
  • Rückschnitt absterbender Äste bis auf 30 cm ins gesunde Holz
  • Vorbeugende Fungizid-Spritzung (Pilzfrei Ectivo oder Duaxo Universal Pilz-Frei)
  • Außerdem Spritzung bei Vollblüte
Monilia laxa an einem Apfelbaum
Monilia laxa an einem Apfelbaum

Allgemeine prophylaktische Maßnahmen

Um einen Krankheitsausbruch von vornherein zu vermeiden, sollte auf einiges geachtet werden. Denn hierbei ist es ratsam verschiedene vorbeugende Maßnahmen zu kombinieren. Einer üppigen Ernte der leckeren süßen Früchte über Jahre hinweg steht dann nichts im Wege.

  • Optimalen Standort wählen, leichte durchlässige Böden in geschützter Lage
  • Böden mit Staunässe meiden, gegebenenfalls verbessern
  • Nicht zu tief pflanzen, Wurzeln dabei nicht beschädigen
  • Baumschnorchel beim Pflanzen einsetzen
  • Falls notwendig Absenkung pH-Wert des Bodens mittels Beigabe von Traubentrester, Kompost aus Nadelhölzern oder Torf
  • Dabei gegebenenfalls komplettes Erdreich austauschen
  • Bodenverbesserung durch Einarbeitung aktiver Pflanzensubstanzen (zum Beispiel Rettich- oder Senfpflanzen)
  • Ausgewogene Wasser- und Nährstoffversorgung
  • Trockenstress durch regelmäßiges Gießen vermeiden
  • Düngung mit Kompost, Patentkali oder auch Hornmehl und -späne
  • Stickstoffbetonte Düngung vermeiden
  • Regelmäßiges Auslichten und Zurückschneiden
  • Offene Schnittwunden sofort verschließen
  • Keine Aststummel und Fruchtmumien stehen lassen
  • Richtige Sortenwahl, wie zum Beispiel Goldrich, Sylvevcot, Bergarouge, Harlayne

Tipp: Baumschnorchel sind mit Blähton gefüllte Jutesäcke, für eine gute Wurzelbelüftung. Um Wurzelbeschädigungen bei einem nachträglichem Einbau zu vermeiden, ist die Beauftragung einer Fachfirma ratsam.

Pflanzenstärkung durch Naturmittel

Nur gesunde und kräftige Bäume verfügen über eine gute Widerstandskraft gegenüber Krankheiten. Jedoch können zur Gesunderhaltung und gleichzeitigen Stärkung der Pflanzenzellen zusätzlich biologische Stärkungsmittel verabreicht werden. Dabei haben sich Jauchen aus Ackerschachtelhalm, Brennnessel, Rainfarn, Beinwell oder Wermut wirksam erwiesen. Diese lassen sich schnell und ohne viel Aufwand selbst herstellen, wie beispielsweise eine Jauche aus Ackerschachtelhalm:

  • 500g frischen Ackerschachtelhalm mit 5l Wasser übergießen
  • Sud 3 Stunden ziehen lassen, erhitzen, 30 Minuten köcheln
  • Nach Abkühlung durchseihen
  • Anwendung alle 2 Wochen über mindestens 4-6 Wochen

Tipp: Im Fachhandel sind ebenfalls Präparate aus Algenextrakten und ätherischen Ölen zur Stärkung der Widerstandskraft erhältlich. Doch daneben gibt es auch anorganische Stärkungsmittel, wie Silikate, Carbonate und Phosphor- und Kalisalze.

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