Bambus entfernen: Anleitung | Wie tief liegen Bambuswurzeln?

Winterharter Bambus ist eine gute Möglichkeit, rasch eine pflegeleichte und immergrüne Grundstücksbegrenzung zu installieren. Viele Arten beginnen jedoch ohne zusätzliche Wurzelsperre innerhalb kürzester Zeit sich großflächig auszubreiten und andere Anpflanzungen zu verdrängen. Soll der Bambushain nach einigen Jahren begrenzt oder gänzlich ausgegraben werden, ist dies nicht ohne Muskelkraft und viel Geduld zu schaffen – mit dem bloßen Abschneiden der Halme ist die Arbeit nicht getan. Stattdessen müssen die unterirdischen Rhizome sorgfältig entfernt werden.

Bambus entfernen

Wuchsformen

Wer den Bambusdschungel auf seinem Grundstück effektiv entfernen möchte, sollte zunächst die konkrete Art in Erfahrung bringen. Die rund 150 verschiedenen Bambusoideae-Arten und -Sorten im Handel werden grundsätzlich in zwei Gruppen eingeteilt, jeweils nach ihren individuellen Wuchsformen:

  • hainbildender Bambus: wächst horstig, bildet keine Rhizome aus, breitet sich nicht aus
  • rhizombildender Bambus: breitet sich über unterirdische Rhizome großflächig aus

Während die hainbildenden Bambusarten (z. B. Fargesia) relativ unkompliziert zu beseitigen sind, bereiten rhizombildende Varietäten desweilen gewaltiges Kopfzerbrechen. Insbesondere die sehr wuchsfreudigen Pyllostachys-Arten können sich auf einer Fläche von bis zu 100 Quadratmetern ausbreiten – je Pflanze. Dabei wachsen die Rhizome oftmals unbemerkt unterirdisch weiter, um dann viele Meter von der eigentlichen Pflanzfläche entfernt völlig unvermutet aus dem Boden zu brechen.

Fargesia murielae, Schirmbambus, Muriel-Bambus

Tipp: Diese Bambusoideae sollten niemals ohne tiefliegende Wurzelsperren gepflanzt werden, denn bei einer Beseitigung müssen die zahlreichen Rhizome ebenfalls mit ausgegraben werden – anderenfalls wuchert das Gras einfach weiter.

So tief wurzelt Bambus

Rhizombildende Bambusarten bilden nur wenige Wurzeln im eigentlichen Sinne aus, sondern sogenannte Rhizome. Dabei handelt es sich um unterirdisch verlaufende Sprosse, die von der Pflanze zur Speicherung von Nährstoffen sowie zur selbstständigen Vermehrung genutzt werden. Je nach Art und Sorte des Bambus‘ können die Rhizome bis zu einen Meter tief in die Erde wachsen, wobei das Wachstum der Bambuswurzeln stark abhängig von der zu erwartenden Endhöhe der konkreten Bambussorte ist:

  • Arten bis sieben Meter Endhöhe: Rhizomtiefe bis ca. 70 Zentimeter
  • Arten über sieben Meter Endhöhe: Rhizomtiefe bis mindestens einen Meter

Bedenken Sie zudem, dass sich Bambus je nach Endhöhe unterschiedlich weit ausbreitet. Um die nach einigen Jahren vermutlich mit Rhizomen durchzogene Fläche zu berechnen, sollten Sie die Endhöhe der Halme im Quadrat rechnen. Für Bambusarten mit einer Höhe von etwa sieben Metern ergibt dies eine Fläche von knapp 50 Quadratmetern, die bei der Entfernung gründlich bearbeitet werden muss.

Bambus effektiv entfernen

Angesichts der genannten Zahlen wird deutlich, dass das nachhaltige Entfernen von Bambusanpflanzungen mitsamt den Wurzeln keine leichte Aufgabe ist – zumal die Pflanze aus im Boden liegen gebliebenen Rhizomteilen immer wieder aufs Neue austreiben. Die folgende Anleitung listet detailliert die Schritte auf, die für eine gründliche Beseitigung aller Pflanzenteile einschließlich der Bambuswurzeln notwendig sind.

1. Fläche eingrenzen

In einem der ersten Schritten sollten Sie die vom Bambus zu befreiende Fläche bestimmen und eingrenzen, da sämtliche Arbeitsschritte am leichtesten von den Außenkanten nach innen durchgeführt werden. Soll der gesamte Bambusbestand entfernt werden, berechnen Sie anhand der im vorigen Abschnitt angegebenen Zahlen die vermutet zu bearbeitende Fläche. Wollen Sie dagegen nur einen Teil der Bepflanzung ausgraben, um das Dickicht zu lichten, gehen Sie am besten wie folgt vor:

  • Berechnung der zu bearbeitenden Fläche
  • bodennahes Abschneiden aller Halme bis zur gewünschten Pflanzfläche
  • tiefgründiges Ausgraben der Rhizome
  • dabei Rhizome kappen zu den Bambuspflanzen, die erhalten bleiben
  • hierzu eignet sich ein scharfer Spaten
  • Installation einer Wurzelsperre, um ein erneutes Ausbreiten zu verhindern
  • Fräsen und Abdecken der befreiten Fläche
  • alternativ regelmäßiges Abmähen neuer Triebe

2. Halme abschneiden

Ganz gleich, ob Sie den gesamte Bambusbestand oder lediglich einen Teil entfernen möchten, Sie schneiden zunächst alle Halme möglichst dicht über dem Boden ab. Verwenden Sie für größere Flächen eine motorisierte Säge wie für einen Heckenschnitt, da dieser Vorgang einige Zeit in Anspruch nimmt. Für eine kleinere Fläche genügt manchmal auch eine simple Astschere. Dünne Halme wiederum lassen sich so weit wie möglich herunterschneiden und anschließend mit einem Rasenmäher tiefgründig abmähen.

Fargesia murielae, Schirmbambus, Muriel-Bambus

Tipp: Grundsätzlich können Sie einen Bambushain zu jeder Jahreszeit beseitigen. Am besten funktioniert es aber, wenn Sie die Halme zum Zeitpunkt des Austriebes im Frühjahr kappen. Die Pflanzen nutzen nun die in den Rhizomen gespeicherte Energie für ihr frisches Grün, weshalb sie durch das stetige Abschneiden für das Wachstum wichtiger Energie beraubt werden.

3. Rhizome gründlich ausgraben

Sind die Halme abgeschnitten, graben Sie die Rhizome mit Hilfe einer Schaufel oder eines Spatens tiefgründig aus. Diese Arbeit kann, je nachdem, wie groß die zu bearbeitende Fläche ist und wie tief die Bambuswurzeln liegen, sehr aufwändig ausfallen. Für größere Flächen empfiehlt sich daher der Einsatz eines Mini-Baggers, um tatsächlich alle Rhizomreste aus der Erde zu holen. Aus diesen können immer wieder neue Pflanzen sprießen. Zudem wachsen die Rhizomteile auch unterirdisch weiter – zumindest, wenn sie größer als etwa fünf Zentimeter sind. Nehmen Sie das Ausgraben der Rhizome möglichst an demselben Tag vor, an dem Sie auch die Halme abgeschnitten haben. Die extrem schnellwüchsigen Bambusoideae sind sonst eher wieder nachgewachsen.

Tipp: Stattdessen können Sie die Fläche auch mit einer Motorfräse kräftig bearbeiten und die im Boden liegenden Rhizomteile dabei in möglichst kleine Stücke hacken. Bedenken Sie dabei jedoch, dass aus diesen Stückchen immer wieder neue Bambuspflanzen sprießen können – und die unterirdischen Teile zudem erst nach rund zehn Jahren oder mehr verrottet sind. Dies erschwert unter Umständen das Anlegen neuer Beete.

4. Nacharbeiten und Kontrolle

Nachdem Halme und Rhizome entfernt wurden, ist die Arbeit trotzdem noch nicht getan. Es verbleiben immer Wurzel- und Rhizomreste mehr oder weniger tief im Boden, die immer wieder austreiben. Kontrollieren Sie die Fläche daher ebenso regelmäßig wie sorgfältig und entfernen Sie auftauchende Neuaustriebe so schnell wie möglich. Ohne ihre oberirdischen Pflanzenteile sterben auch die Wurzeln nach spätestens drei bis fünf Jahren ab, da sie durch die fehlende Photosynthese keine Nährstoffe speichern können.

5. Photosynthese und Nährstoffversorgung kappen

Allerdings lässt sich diese Zeit mit Hilfe von Pappkarton und Unkrautfolie deutlich verkürzen: Bringen Sie mehrere Schichten von Pappkarton auf der bearbeiteten Fläche aus und bedecken Sie diese mit einer lichtundurchlässigen Unkrautschutzfolie. Lassen Sie die Abdeckung mehrere Monate liegen – dies sieht zwar nicht besonders attraktiv aus, tötet aber aufgrund der gekappten Versorgung mit Sonnenlicht und damit der fehlenden Photosynthese sämtliche noch vorhandenen Pflanzenreste zuverlässig ab. Nachteil ist allerdings, dass neben den Bambusresten auch alle anderen Pflanzen absterben.

Bambus als Heckenpflanze

Einsatz chemischer Mittel

So mancher Gärtner mag angesichts dieser arbeitsintensiven Anleitung auf den Gedanken kommen, sich die Mühe zu sparen und den wuchernden Bambus stattdessen mit Herbiziden (beispielsweise „Roundup“ bzw. Glyphosat) zu bekämpfen. Abgesehen davon, dass wirksame Mittel für den Hobbygebrauch in der Regel nicht zugelassen sind, holen Sie sich damit starkes Gift in den Garten. Glyphosat beispielsweise ist schon seit Jahren stark in der Diskussion, da das Mittel als hochgradig krebserregend gilt. Herbizide töten zudem nicht nur die unerwünschten Bambuspflanzen, sondern auch alles andere Leben – pflanzlichen wie tierischen Ursprungs – im Umkreis. Daher ist von einem Einsatz derartiger Mittel dringend abzuraten.