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Bauernregeln im Mai: kalte Sophie, Eisheilige & Co

Bauernregeln im Mai - Titelbild

Bauernregeln im Mai dienen vielen Hobbygärtnern als Orientierung für den Garten. Denn die Wetterregeln basieren auf der Erfahrung von Jahrhunderten. Im Mai markieren sie den Übergang zwischen Frühjahr und Sommer.

Auf den Punkt gebracht

  • Wetterregeln teilweise nur regional anwendbar
  • manchmal mit gegensätzlichen Inhalt
  • bekannteste Bauernregel im Mai zu den Eisheiligen

Bauernregeln

Bauernregeln sind viele Jahrhunderte alt. Sie beruhen auf der Beobachtung des Wetters. Sie besitzen eine gewisse Allgemeingültigkeit. Da sie jedoch regional entstanden sind, beziehen sie sich oft auf einen bestimmten Ort und den dort vorherrschenden klimatischen Bedingungen. Dies führt dazu, dass es auch gegensätzliche Wetterregeln gibt. Ob die Regeln heute noch zutreffen, ist umstritten. Nichtsdestotrotz orientieren sich viele Hobbygärtner daran. Denn im Wonnemonat geht es auch darum, kälteempfindliche Pflanzen zu schützen.

Bauer

Bauern- und Wetterregeln

Die wohl bekannteste Wetterregel ist jene der Eisheiligen. Sie ist aber bei Weitem nicht die Einzige. Denn im Wonnemonat gibt es fast für jeden Tag eine Bauernregel. Hinzukommen Lostage und Wetterregeln, die für den gesamten Monat gelten. Inhaltlich gesehen, geben die Regeln

  • „Tipps“ zum Pflanzzeitpunkt
  • „Prognosen“ für den bevorstehenden Sommer, das Wetter und die Ernte und

beschreiben den Wechsel zum Sommer. Zudem warnen sie vor Kälteeinbrüchen.

Bauernregeln für den Mai

Regen und eine kühle Witterung

Hinter diesen Bauernregeln im Mai steht,

  • die Hoffnung auf Regen und
  • eine „kühle“ Witterung.

Denn im Wonnemonat ist diese notwendig, damit die Ernte im Sommer reichlich ausfällt. Mit „Regen“ sind dabei keine kurzen Schauer gemeint, sondern vielmehr ein typischer Landregen, der mehrere Stunden andauert. Es muss über Tage hinweg immer wieder regnen, damit sich die Pflanzen gut entwickeln können. Die Bezeichnung „kühl“ richtet sich gegen (große) Hitze, die Saat und Pflanzen schädigt. Daher kann „kühl“ mit einer milden Witterung übersetzt werden.

Sommerregen

Beispiele sind:

  • „Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauern Scheun und Fass.“
  • „Mairegen auf die Saaten, dann regnet es Dukaten.“
  • „Ein kühler Mai wird hochgeacht‘, hat stets ein gutes Jahr gebracht.“
  • „Nasser Mai bringt ein fruchtbar Jahr, trockener macht es dürr fürwahr.“
  • „Ist der Mai recht heiß und trocken, kriegt der Bauer kleine Brocken, ist er aber feucht und kühl, dann gibt’s Frucht und Futter viel.“
  • „Mairegen bringt fürs ganze Jahr Brot und Heu.“
  • „Maienmonat trocken und warm, macht den Bauern arm.“
  • „Mairegen, mild und warm, tut den Früchten keinen Harm.“

Nordwinde

  • „Nordwind im Mai bringt Trockenheit herbei.“

Diese Wetterregel bezieht sich auf die Luftströmung. Kommt sie aus Norden, bringt sie meistens trockene Luftmassen. Da sich im Wonnemonat die ersten Hochdruckgebiete über mehrere Tage halten können, bestimmen sie auch die Windrichtung. Das Thermometer klettert tagsüber auf 15 bis 20 Grad Celsius. In der Nacht fällt auf 0 bis 5 Grad Celsius, weshalb es häufig leicht friert.

Gewitter

Wie sich Gewitter auf die Ernte auswirken, wird in den Bauernregeln unterschiedlich beschrieben. Es gibt dazu sowohl positive wie negative Aussagen:

  • „Donner und Fröste im Wonnemond, Müh‘ und Arbeit wenig lohnt.“
  • „Das Jahr fruchtbar sei, wenn’s viel donnert im Mai.“
  • „Viel Gewitter im Mai, singt der Bauer Juchei.“
  • „Gewitter im Maimonat bringen Früchte herbei.“
Gewitter im Mai

Bauernregeln zu den Eisheiligen

Die sogenannten Eisheiligen beziehen sich auf Gendenktage für verschiedene Heilige. Mit „Eis“, also Kälte und Frost, haben die Legenden der Heiligen nichts zu tun. Die Bezeichnung leitet sich von der Witterung ab. Denn zwischen dem 12. und 15.05. kommt es oft zu den letzten Nachtfrösten, die bei Pflanzen erheblichen Schaden anrichten können. So liegt die Wahrscheinlichkeit für Bodenfrost zu Monatsbeginn bei 30 Prozent und nach den Eisheiligen bei nur mehr fünf Prozent.

Hinweis: Da zum typischen Wetter während der Eisheiligen Frost gehört, handelt es sich bei einer kühlen und unbeständigen, aber frostfreien Witterung genau genommen nicht um die Eisheiligen.

Wie viele Eisheilige es gibt, ist regional unterschiedlich. Im Norden Deutschlands sind es fünf (beginnend mit Mamertus), im Süden sind es vier (beginnend mit Pankratius):

  • Mamertus (11.05.)
  • Pankratius (12.05.)
  • Servatius (13.05.)
  • Bonifatius (14.05.)
  • Sophie / Sophia (15.05.)

Die Gedenktage dieser Heiligen sind heute in der Monatsmitte. Ursprünglich waren sie jedoch später im Kalender zu finden. Deshalb gelten diese Bauernregeln genau genommen erst zehn Tage nach dem Gedenktag des jeweiligen Eisheiligen. Bekannte Wetterregeln sind:

  • „Vor Bonifaz kein Sommer, nach Sophie kein Frost.“
  • „Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist.“
  • „Kalte Sophie wird sie genannt, denn oft kommt sie mit Kälte daher gerannt.“
  • „Oft hat Sophie Frost gebracht und manche Pflanze totgemacht.“
  • „Gehen die Eisheiligen ohne Frost vorbei, schreien die Bauern und Winzer juchei.“
Frost zu den Eisheiligen

Hinweis: Es gibt auch spezifische Bauernregeln zu den anderen Eisheiligen, die wie jene zur Sophie vor Kälte und Frost warnen.

Ob die Eisheiligen kommen oder nicht, hängt von der Wetterlage ab. „Zutaten“ sind:

  • trockene Polarluft
  • ein klarer Himmel in der Nacht
  • ein abgeschwächter Wind

Spielen diese Kriterien zusammen, ist es am frühen Morgen noch sehr kalt und es kommt zu Bodenfrost. Daher empfiehlt es sich, frostempfindliche Pflanzen erst nach den Eisheiligen auszupflanzen. Kübelpflanzen sollten draußen an einen geschützten Ort gestellt oder während der Nacht nach drinnen geholt werden.

Bauernregeln für einzelne Tage

Walburga (01.05.)

Der 01.05. ist einer jener Tage, an welchen die Hoffnungen auseinandergehen. So wird an Walburga entweder auf Regen oder auf Sonnenschein gehofft. Bauernregeln für Regen sind:

  • „Am 1. Mai Reif oder nass, macht den Bauern immer Spaß.“
  • „Regnet’s am ersten Maientag, viele Früchte man erwarten mag.“

Eine Bauernregel, die auf Sonne hofft, ist beispielsweise:

  • „Wenn die Sonne gut ist am 1. Mai, gibt es viel Korn und ein gutes Heu.“
Getreide und Sonne

Florian (04.05.) und Gordian (10.05.)

Vor den Eisheiligen warnen die Wetterregeln zu Florian und Gordian vor Schäden:

  • „Der Florian, der Florian, noch einen Schneehut tragen kann.“
  • „Der Gordian, der Gordian, der richtet oft noch Schaden an.“

St. Urban (25.05.)

Für den 25.05. gibt zwei Bauernregeln.

  • „St. Urban gibt der Kälte den Rest, wenn Servatius (Eisheiliger) noch was übrig lässt.“

Diese Bauernregel sagt, bis wann noch mit Nachtfrösten gerechnet werden muss. Denn in ungünstigen Lagen können bis Ende des Monats Kaltlufteinbrüche auftreten.

  • „Wie’s Wetter am St. Urbanstag, so es im Herbst wohl werden mag.“

In dieser Wetterregel dient der 25.05. als Stichtag für einen Ausblick auf das Herbstwetter. Zwar gibt es keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Maiwetter und der Witterung im Herbst, aber die Wetterstatistik zeigt eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen sonnigen Herbst, wenn die Sonne im Wonnemonat häufig geschienen hat. So ist der Herbst in drei von fünf Jahren überdurchschnittlich sonnig, wenn es an St. Urban viele Sonnenstunden gibt. Ist dies nicht der Fall, ist die Sonnenscheindauer im Herbst in drei von vier Jahren unterdurchschnittlich.

Häufig gestellte Fragen

Gelten die Wetterregeln auch für Österreich?

Die Bauernregeln im Mai gelten auch für Österreich. Allerdings ist bei jeder Wetterregel zu beachten, dass sie nicht zwangsläufig für alle Regionen gilt. Die Eisheiligen sind aber auch in Österreich weit verbreitet.

Muss ich mich an jede Bauernregel halten?

Von „müssen“ kann hier nicht die Rede sein. Selbstverständlich bleibt es Ihnen überlassen, ob sie die eine oder andere Wetterregel beachten. Allerdings empfehlen auch viele Gärtnereien frostempfindliche Pflanzen erst ab der zweiten Maihälfte zu pflanzen, was wiederum so mancher Bauernregel entspricht.

Hat der Klimawandel die Bauernregeln im Mai bereits überholt?

Diese Frage kann nicht eindeutig beantwortet werden. Die Warnung verschiedener Wetterregeln vor einem trockenen und zu heißem Frühling spricht beispielsweise für die Bauernregeln. Wie es in Zukunft mit Spätfrösten aussehen wird, wird sich zeigen.

Michelle ist mit vielen Haus- und Hoftieren auf dem Bauerngut ihrer Eltern aufgewachsen. Nebenbei kümmert sich die Vegetarierin hingebungsvoll um ihre Kräuter- und Gemüsebeete. Sie notiert ihr erworbenes Wissen und teilt es gerne mit den Plantopedia-Lesern und Leserinnen.

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