Baum verliert Rinde: ist es schlimm, wenn Baumrinde abfällt?

Wenn ein Baum großflächig Rinde verliert, muss das nicht zwangsläufig in einer Katastrophe münden. Es kann aber ein deutliches Alarmzeichen dafür sein, dass etwas nicht stimmt. Auch wenn es Bäume wie etwa Platanen gibt, bei denen abfallende Baumrinde Teil des natürlichen Wachstumsprozesses ist – bei Obstbäumen im Garten ist es definitiv nicht normal. Den Ursachen dafür sollte unbedingt auf den Grund gegangen werden. Und zum Glück lassen die sich meist gut bekämpfen.

Natürliche Ursachen

Wachstum

Dass bei Bäumen die Rinde fällt, kommt häufiger vor, als man gemeinhin denkt. Bei Birken und Platanen ist es sogar ein vollkommen natürlicher Vorgang, der sich in regelmäßigen Abstand wiederholt. Grund dafür ist das Wachstum der Bäume. Die Durchmesser von Stamm und Ästen nehmen zu, die nicht mitwachsende Baumrinde wird dadurch abgesprengt. Es ist, als ob sich die Bäume damit aus einem Korsett befreien würden. Häufig sind dann der komplette Stamm und zumindest die dickeren Äste regelrecht nackt.

Vögel

Immer wieder kommt es auch vor, dass sich insbesondere in Städten die Bürger Sorgen um den Baumbestand machen. Zur Sorge besteht in so einem Fall allerdings kein Anlass. Ein betroffener Baum verliert nämlich nicht nur seine Rinde, sie wächst auch relativ schnell wieder nach. Das gilt im Übrigen auch, wenn nicht das Wachstum der Grund für den Rindenverlust bei Birken und Platanen ist, sondern Vögel. Vor allem Spechte sorgen immer wieder dafür, dass sich größere Rindenteile vom Stamm lösen. Die Tiere beschädigen auf der Suche nach Futter die schützende Hülle. Die Schäden sind freilich in der Regel nie so groß, dass sie dem Baum gefährlich werden könnten.

Specht, Picidae
Specht, Picidae

Obstbäume

Etwas anders verhält es sich hingegen, wenn Obstbäume im Garten plötzlich mit Rindenabplatzungen oder einem kompletten Rindenverlust zu kämpfen haben. Betroffen sind hier meist Apfelbäume, die schon etwas älter sind. Freilich kann es auch hier vollkommen natürliche Ursachen haben. Kommt der Rindenverlust beispielsweise nur an der Sonnenseite vor, ist schlicht eine zu starke Sonneneinstrahlung der Grund dafür bzw. der damit verbundene Hitzestau zwischen Stamm und Borke. Durch einen Anstrich mit Kalk lässt sich das Problem aber sehr leicht beheben. Alternativen zum Kalk sind Breigemische aus:

  • weichem, fast flüssigem Lehm
  • frischem, sehr flüssigem Kuhfladen
  • zerstampften und in Wasser eingeweichten Kräutern wie etwa dem Schachtelhalm
Ein Kalkanstrich auf der Baumrinde schützt vor starker Sonneneinstrahlung
Kalkanstrich auf der Baumrinde

Grundsätzlich gilt: Der Rindenverlust bei Obstbäumen stellt meist keine Gefahr für den Baum dar, solange sich nicht noch andere Veränderungen wie etwa eine Braunfärbung der Blätter zeigen.

Ursache ergründen

Ist dies jedoch der Fall, wird es höchste Zeit, den Ursachen dafür auf den Grund zu gehen. Bei Obst- und insbesondere bei Apfelbäumen können diese äußerst vielfältig sein. Die Spanne reicht dabei von tiefergehenden Verletzungen über Krankheiten bis hin zu einem akuten Pilzbefall. Erste Alarmzeichen sollten deshalb unbedingt ernst genommen werden. Alarmzeichen können beispielsweise sein:

  • Risse in der Rinde
  • kleinere Abplatzungen
  • Braunfärbung der Blätter
  • geringe oder keine Fruchtausbildung

Die genaue Ursache festzustellen, ist leider nicht gerade einfach. Am besten, man zieht in so einem Fall einen erfahrenen Fachmann zu Rate. Insbesondere muss dabei festgestellt werden, ob es sich um einen Pilzbefall handelt.

Pilzbefall

Vor allem der Pilz Diploida Mutila kann bei Apfelbäumen dazu führen, dass die Baumrinde fällt. Meist beginnt es mit kleineren Rissen und Abplatzungen. Das Problem dabei: Über diese offenen Stellen kann sich der Pilz dann noch leichter über den gesamten Baum hinweg ausbreiten. Außerdem werden dadurch diversen Insekten Tür und Tor geöffnet, um eindringen zu können. Bei einem Befall mit Diploida Mutila ist nicht nur die Baumrinde betroffen, sondern auch die wasserleitende Schicht im Stamm. Irgendwann verliert der Baum zwangsläufig seine Flüssigkeitsversorgung und stirbt ab. Die akute Bekämpfung eines derartigen Pilzbefalls kann nur über autorisierte Fachleute erfolgen. Es sind freilich vorbeugende Maßnahmen möglich.

Vorbeugung

Damit ein Obstbaum seine Rinde nicht verliert, sind einige vorbeugende Maßnahmen ratsam. Die Gefahr kann dadurch erheblich vermindert, wenn nicht gar komplett verhindert werden. Die wichtigste dieser Maßnahmen ist ein regelmäßiger Schnitt, der den gesamten Baum kräftigt. Aber auch eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen kräftigt den Baum und bewahrt ihn vor einem Befall mit Pilzen, Schädlingen oder ganz allgemein Krankheiten.

regelmäßiger Baumschnitt
Ein regelmäßiger Schnitt kräftigt den Baum

Tipp: Das abgefallene Laub im Herbst einfach unter dem Baum liegen und dort verrotten lassen.

Sofortmaßnahmen

Verliert ein Obstbaum kleinere Rindenteile oder zeigen sich Risse, macht es Sinn, diese offenen Stellen sofort wieder zu verschließen. Um es klar und deutlich zu sagen: Diese Verletzungen insbesondere der Baumrinde sind Einfallstore für Schädlinge. Um sie verschließen zu können, eignen sich sogenannte Wundverschlussmittel aus dem Fachhandel, die sich problemlos aufbringen lassen und für einen zuverlässigen Schutz sorgen.

Ansonsten gilt: Insbesondere ältere Apfelbäume sollten regelmäßig auf Risse, Abplatzungen oder andere Beschädigungen der Rinde kontrolliert werden.

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