Bewässerungssystem für Zimmerpflanzen selber bauen | 5 Möglichkeiten

Wer Zimmerpflanzen sein Eigen nennt, hegt und pflegt diese in aller Regel mit Elan und den Wunsch, diesen ein möglichst optimales Umfeld für ihr Gedeihen zu bieten. Schwierig wird es dagegen für diejenigen, die sich zeitweise nicht mit dem Gießen befassen können. Denn Wassermangel führt mitunter sehr schnell zu Mangelerscheinungen von Welken bis Absterben. Wir erklären, wie sich ein Bewässerungssystem einfach selber bauen lässt und welche Möglichkeiten dabei zur Verfügung stehen.

Bewässerungssystem für Zimmerpflanzen selber bauen

Wer nicht immer wiederkehrend zur Gießkanne greifen möchte, kann mit einem Bewässerungssystem aus der nachfolgenden Liste den Aufwand reduzieren und die Bewässerung deutlich gleichmäßiger und zuverlässiger vornehmen:

Tongranulat

Mit geringem Aufwand lassen sich durch den Einsatz von Tongranulat zahlreiche Effekte erzielen. Einer der Hauptpunkte ist die Speicherung großer Mengen an Wasser im Granulat, auf das die Pflanzen dann permanent zurückgreifen können. So werden die Gießintervalle erheblich verlängert und die Zimmerpflanzen können sich bis zu einigen Wochen lang selbst versorgen.

So gehen Sie vor:

  • Pflanze aus dem Topf entnehmen
  • Erde vollständig entfernen und Wurzelballen abspülen
  • Pflanze in üblicher Art und Weise eintopfen, dabei Tongranulat anstatt Erde verwenden
  • Granulat intensiv wässern, bis an der Oberfläche Feuchtigkeit in Form einer dunkleren Oberfläche feststellbar ist

Hydrokultur durch Blähton

Tipp: Wer seine Pflanze kennt, weiß mit der Zeit in etwa die erforderlichen Gießintervalle einzuschätzen. Einfacher geht es dagegen mit einem Wasserstandsanzeiger, der zuverlässig anzeigt, ob bzw. wie viel Wasser noch im Topf ist.

Glas- oder PET-Flaschen

Immer wieder finden sich in den Angeboten von Baumärkten, aber auch Kunsthandwerkern so genannte Gießkugeln. Mit Ihnen lässt sich den Zimmerpflanzen ein zusätzliches Wasserreservoir beistellen, durch das auch längere Abwesenheiten Ihrerseits problemlos überbrückt werden kann. Ein solches Reservoir lässt sich allerdings auch problemlos selber machen.

Vorgehen:

  • Glasflasche oder feste Kunststoffflasche mit Wasser befüllen
  • Deckel aufschrauben und mit Nagel, Stechahle oder anderem Werkzeug perforieren
  • Flasche umgekehrt in die Erde des Pflanztops stellen und Flaschenhals etwas eingraben
  • Gegebenenfalls Flasche mit Rankstab oder Ähnlichem gegen Umfallen stützen

Achtung: Die verwendeten Flaschen müssen unbedingt druckfest sein. Handelsübliche Einweg-PET-Flaschen mit sehr dünner Wandung sind dagegen nicht in der Lage, das Wasser im Inneren zu halten und nur langsam abzugeben.

Die DIY-Tropfbewässerung

Was im Garten funktioniert, zählt auch für die Zimmerpflanzen zu den durchaus machbaren Möglichkeiten. Bauen Sie sich einfach ihre eigene Tropfbewässerung. Während der bereits beschriebenen Methode mittels Flaschen durch deren Volumen eine Grenze gesetzt ist, lassen sich hier nahezu beliebig viele Pflanzen über einen sehr langen Zeitraum bewässern:
Vorgehen:

  • Wassertank, z.B. Kanister, mit tiefliegendem Ablaufhahn wählen und befüllen
  • Tank über Niveau der Zimmerpflanzen, z.B. auf einem Regal oder einem Sockel aus Steinen, Büchern etc. positionieren
  • Zum Kanisterauslass passenden Schlauch wählen
  • Schlauch über alle Pflanztöpfe führen und oben auf Erdreich auflegen
  • Schlauch mit Nadel, Reißzwecke oder anderem geeignetem Werkzeug je Pflanztopf mehrere Male perforieren
  • Zunächst kleine Löcher stechen und Wasseraustritt beobachten, bei Bedarf Öffnungen vergrößern

Hinweis: Auch wenn bei kleinen Pflanzentöpfchen theoretisch nur ein Tropfauslass ausreichen würde, empfehlen sich Bewässerungen mit mehreren Öffnungen zu bauen. Wird ein Loch durch Schmutz im Wasser zugesetzt, kann die Bewässerung trotzdem über die anderen Öffnungen von statten gehen.

Bewässern mit Schnur

Der Tropfbewässerung nicht unähnlich ist das Bewässern der Zimmerpflanzen über einen Docht. Hierbei macht man sich die Eigenschaft von Wolle oder anderen Naturfasern zu Nutze, als Schnur gedreht oder geflochten Wasser anzusaugen. So kann aus einem Behälter gezielt Wasser zu allen Pflanztöpfen transportiert werden. Da es dabei grundsätzlich erst einmal egal ist, ob das Reservoir höher oder tiefer steht, bieten sich hier zahlreiche unterschiedliche Möglichkeiten, eine individuelle Lösung in Abhängigkeit der Pflanzenzahl und der räumlichen Gegebenheiten zu bauen.

Vorgehen:

  • Offenen Behälter, z.B. Schüssel oder Eimer, mit Wasser füllen
  • Zu bewässernde Pflanzen mit möglichst geringem Abstand um das Reservoir herum platzieren
  • Dicke Schnur aus Wolle, Hanf oder Baumwolle mit einem Ende in den Wasserspeicher, mit dem anderen Ende in den Blumentopf hängen
  • Ende im Blumentopf in die Erde eindrücken

Bewässerungssystem mit Wolle selber bauen

Hinweis: Diese Methode ist vor allem für Urlaubszeiten etc. geeignet, zeigt sich auf Grund der möglichst kurzen Distanz von den Zimmerpflanzen zum Tank aber für den Alltag eher ungünstig. Alternativ kann für den „Dauerbetrieb“ etwa eine Pflanze direkt auf das Reservoir gestellt werden und durch die Ablauföffnungen des Topfs mittels der Schnur von unten versorgt werden. Häufig trifft man diese Konstellation beispielsweise bei fertigen Bonsai-Bäumchen aus dem Baumarkt an.

Das Badewannen-Prinzip

Speziell in Urlaubs- oder anderen Abwesenheitszeiten lässt sich ein langfristiges Bewässerungssystem auch ganz einfach mit dem, was ohnehin bereits vorhanden ist, „bauen“. Ob Badewanne, Planschbecken oder andere Behältnisse, die Größe vorhandener Behälter gibt letztlich die mögliche Bewässerungsdauer vor.

Vorgehen:

  • Behälter mit ebenem Boden wählen, z.B: Badewanne, oder auch großen Untersetzer
  • Grünpflanzen ohne Übertopf in den Behälter stellen
  • Behälter mit Waser füllen, bis Töpfe einige Zentimeter im Wasser stehen
  • Alternativ: Behälter vor dem Befüllen mit zusammengedrehten Handtüchern um die Pflanzen auslegen, um Verdunstung entgegen zu wirken

Hinweis: Die Behälter mit den Topfpflanzen dürfen nicht zu weit mit Wasser gefüllt werden. Steht den Zimmerpflanzen das Wasser bildlich bis zum Hals, besteht die Gefahr von Schimmel und Fäulnis.

Allgemeine Tipps im Umgang mit Bewässerungssystemen

Ganz gleich, welches Bewässerungssystem Sie wählen um Ihre zimmerpflanzen zu bewässern, einige Dinge sollten Sie beachten, um letztlich auch wirklich den erhofften Effekt einer unkomplizierten und vor allem selbstständig funktionierenden Bewässerung zu erzielen:

1. Direkte Besonnung reduzieren

Pflanzen, die nicht direkt der Sonne ausgesetzt sind, verbrauchen weniger Wasser. Ihre Bewässerungsanlage kann also länger durchhalten, wenn die Topfpflanzen vorübergehend mit etwas weniger Sonnenlicht auskommen. Zudem wird so auch die Verdunstung aus möglichen offenen Wasserspeichern reduziert, so dass den Zimmerpflanzen im Endeffekt mehr Wasser zur Verfügung steht.

2. Kontrolle

Bevor Sie sich blind auf Ihr System zur Wasserversorgung verlassen und beispielsweise in den Urlaub fahren, sollten Sie es zunächst einige Tage testen und beobachten. So stellen Sie sicher, dass es auch langfristig funktioniert und die zugeführte Wassermenge auch dem Bedarf der Gewächse entspricht. Ansonsten besteht die nicht zu unterschätzende Gefahr, dass Sie falsch bewässern und nach der Abwesenheit letztlich entweder mit Fäulnis oder verdorrten Blättern begrüßt werden.

3. Das richtige System wählen

Ganz gleich, ob Ihnen ein bestimmtes Bewässerungssystem für Ihre Zimmerpflanzen empfohlen wird, oder ob sie nach dieser Auflistung bereits eine eigene Idee zum selber bauen entwickelt haben, probieren Sie im Laufe der Zeit möglichst unterschiedliche Systeme aus. So können Sie Vor- und Nachteile selbst beurteilen. Schritt für Schritt nähern Sie sich so dem für Ihre Gegebenheiten und Anforderungen optimalen Modell, dass die fortan bei Bedarf einfach bauen können.

Pflanze gießen