Birnengitterrost erkennen und bekämpfen | Sind die Birnen essbar?

Birnengitterrost

Leuchtet die Krone des Birnbaums im Sommer rot-orange, dann handelt es sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit um einen Befall mit dem Birnengitterrost. Denn dieser Pilz nistet sich ab dem Frühjahr auf den Bäumen ein und verschwindet im Herbst wieder. Da er zu Ernteeinbußen und zur Schwächung der Birnbäume führen kann, sollten Sie bei starkem Befall handeln.

Birnengitterrost

Der Birnengitterrost ist ein Pilz aus der Ordnung der Rostpilze (Uredinales). Sein wissenschaftlicher Name laute Gymnosporangium fuscum bzw. Gymnosporangium sabinae. Der Birnengitterrost ist ein wirtswechselnder Pilz, der zwischen Wacholder und Birnbäumen „pendelt“.

Schadbild

Birnen, besser gesagt Birnbäume, sind der Sommerwirt des Pilzes, der auch Quitten infizieren kann. So erkennen Sie den Pilz am Birnbaum:

  • erste Symptome ab der Blütezeit im Frühjahr
  • gelbe bis orange-rote Flecken auf der Blattoberseite ab Mai/Juni
  • vergrößern sich im Verlauf des Sommers
  • Bildung von Sommersporen
  • Baumkrone mehr orange-gelb bzw. rot als grün
  • zweites Befallsstadium an der Blattunterseite im Spätsommer
  • ovale bis warzenförmige Wucherungen mit Wintersporenlagern
  • bräunliche Farbe
  • bis zu 1,5 Zentimeter lang
  • geben Wintersporen frei
  • infizieren den Wacholder

Birnengitterrost

Ein starker Befall liegt vor, wenn der Birnbaum seine Blätter vorzeitig abwirft. Einen schweren Befall erkennen Sie jedoch auch an folgenden Merkmalen:

  • Infektion von mindestens 40 Prozent der Blätter
  • infizierte Blätter mit mehr als drei Flecken

Wie sehr der Pilz dem Birnbaum tatsächlich schadet, ist umstritten. Fest steht, dass der Pilz für junge Birnbäume eine tödliche Wirkung haben kann. Bei erwachsenen Bäumen gilt der Pilz als weiterer Stressfaktor, der den Baum schwächt. Dieser kann im Zusammenspiel mit anderen Faktoren jedoch zum Absterben des Baumes führen.

Schadbild Wacholder

Der Wacholder ist der Winterwirt des Pilzes. So erkennen Sie die Infektion am Wacholder:

  • ab Mitte April: warzenartige Verdickungen der Äste an den befallenen Stellen
  • Bildung von erst braunen, danach gelben Sporenlagern
  • im feuchten Zustand gallertartig
  • Größe: bis zu zwei Zentimeter
  • Sporenlager dehnen sich je nach Luftfeuchte und Niederschlag aus oder schrumpfen
  • starker Befall: ganze Zweigpartien leuchten orange

Hinweis: Für den Wacholder ist Gymnosporangium sabinae unbedenklich, da er die Pflanzen nicht nennenswert schädigt.

Ursachen

Die Ursache für den Birnengitterrost an Birnen liegt letztendlich am Befall von Wacholderpflanzen. Denn von diesen wird der Pilz im Frühjahr durch den Wind verbreitet und infiziert die Blätter der Birnbäume. Der Flugradius der Sporen beträgt in der Regel 500 Meter. Sie können jedoch bei starkem Wind auch darüber hinaus getragen werden. Hat der Pilz auf den Blättern Sommersporen gebildet, dann werden diese durch Wind und Insekten verbreitet. Denn es wird vermutet, dass Fliegen und Wespen durch die orange-rote Farbe der Flecken und ausgeschiedenem „Nektar“ angelockt werden. So kann es zu einer explosionsartigen Verbreitung des Pilzes kommen.

Sind die Wintersporen reif, dann reißen die Wucherungen auf der Blattunterseite der Birnen gitterartig auf. Dabei werden dunkelbraune Sporen freigesetzt, die wiederum die Wacholderpflanzen infizieren. Allerdings lässt sich der Birnengitterrost nicht auf allen Wacholderarten nieder. Vom Befall betroffen sind v.a. Wacholderarten, die aus Asien stammen, wie zum Beispiel Juniperus sabina (Sadebaum) oder Juniperus media. Zudem ist die Empfänglichkeit für den Pilz zwischen den einzelnen Zuchtsorten unterschiedlich.

Tipp: Der heimische Wacholder (Juniperus communis) wird vom Birnengitterrost nicht befallen.

Bekämpfung und Vorbeugung

Eine effektive Bekämpfung des Pilzes ist derzeit weder am Wacholder noch am Birnbaum möglich. Daher wird empfohlen, die Infizierungsgefahr soweit wie möglich einzudämmen. Dies betrifft wiederum den Wacholder und umfasst zwei Punkte:

  • regelmäßige Kontrolle
  • manuelle Entfernung des Pilzes

Um eine Ausbreitung des Pilzes auf dem Wacholder zu vermeiden, sollten Sie Wacholderpflanzen im Garten regelmäßig kontrollieren, auch wenn Sie selbst keine Birnbäume im Garten haben. Stellen Sie eine Infektion fest, dann sollten Sie die erkrankten Triebe herausschneiden. Da der Pilz im Wacholder sehr tief im Holz sitzt, muss jedoch sehr großzügig geschnitten werden. Das bedeutet, dass Sie bis weit in das vermeintlich gesunde Holz schneiden müssen, denn Pilze bilden im Holz Myzele aus, die für den Menschen unsichtbar bleiben. Bei stärkerem Befall sollte der Wacholder vollkommen entfernt werden. Das Bekämpfen des Pilzes am Wacholder mit der chemischen Keule ist nicht möglich.

Birnengitterrost

Hinweis: Das Ausschneiden und Entfernen des Wacholders ist jedoch keine Garantie, dass Ihr Birnbaum nicht mit dem Pilz infiziert wird, da die Sporen bis zu 500 Meter vom Wind transportiert werden.

Hat der Pilz den Birnbaum infiziert, können Sie nur bis in den Herbst warten. Denn dann wird der Baum den Pilz durch das Abfallen der Blätter auf natürliche Weise wieder los. Eine vorbeugende Maßnahme für den Birnbaum ist die Verabreichung eines Pflanzenstärkungsmittels, wie zum Beispiel eines Schachtelhalm-Extrakts. Dieses Hausmittel macht den Baum widerstandfähiger und verringert den Infektionsdruck. Um den Baum zu stärken, sollten Sie ihn mit Beginn des Blattaustriebs drei bis vier Mal alle 10 bis 14 Tage gründlich damit einsprühen. Den Extrakt bekommen Sie im guten Fachhandel oder Sie bestellen ihn im Internet. Wichtig ist, dass Sie den Schachtelhalm-Extrakt gemäß der Packungsanleitung vor dem Besprühen mit Wasser verdünnen. Zudem sollten Sie die Lösung nur auf den trockenen Birnbaum an einem bedeckten Tag sprühen. Der ideale Zeitpunkt zum Bekämpfen des Pilzes ist am Vormittag oder am Abend.

Schachtelhalmjauche herstellen

Für die eigene Herstellung einer Schachtelhalmjauche brauchen sie ein Kilogramm frische Schachtelhalme, die sie an staunassen Standorten finden.

  • Halme mit einer Schere zerkleinern
  • mit 10 Liter Wasser in einen Eimer geben
  • umrühren
  • eine Handschaufel Steinmehl hinzufügen (gegen den Geruch)
  • umrühren
  • Eimer mit einem Stofftuch verschließen
  • zwei Wochen an einem sonnigen Standort gären lassen
  • alle paar Tage umrühren

Steigen keine Blasen mehr auf, ist das Hausmittel fertig. Zum Ausbringen verdünnen Sie sie mit 5 Liter Wasser auf einen Liter Jauche.

Die Behandlung des Baums mit Mitteln gegen Birnenschorf ist möglich, wird jedoch von Experten zum Bekämpfen nicht empfohlen.

Tipp: Stellen Sie einen mittleren bis starken Befall fest, sollten Sie sich an das Pflanzenschutzamt Ihrer Gemeinde wenden.

Eine weitere Maßnahme gegen den Pilz ist der Umstieg auf widerstandsfähigere Birnensorten. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Clapps Liebling
  • Trévoux
  • Condo
  • Bunte Juli
Birnensorte Bunte Julibirne
Birnensorte Bunte Julibirne

Tipp: Der Umstieg auf widerstandsfähigere Birnensorten ist auch durch Veredelung möglich.

Birnen: Essbar oder nicht?

Da der Pilz nur die Blätter infiziert, bleiben die Birnen selbst essbar. Allerdings sind sie nicht lagerfähig. Letzteres hängt mit dem Reifegrad der Birnen zusammen. Ist der Baum infiziert, dann fallen die Birnen oft vor der Vollreife ab und nicht vollausgereifte Birnen sind nicht bzw. weniger lagerfähig als reife, jedoch essbar.

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