Blühender Rhabarber – ist er während er blüht noch essbar?

Rhabarber, Rheum rhabarbarum

In jedem Mai lebt im privaten Nutzgarten das Gerücht auf, blühender Rhabarber sei giftig und keinesfalls mehr essbar. Zahlreiche Hobbygärtner schenken der Parole Glauben und beenden die ohnehin kurze Erntezeit, wenn sich die Rhabarberblüte entfaltet. Bringen Sie hier Ihre Kenntnisse auf den neuesten Stand, inwiefern die Blüten einen Einfluss nehmen auf die Ernte und Genießbarkeit. Wie es faktisch um den Giftgehalt von Rhabarber bestellt ist, finden Sie hier heraus.

Oxalsäure stört Genuss

Oxalsäure – Störenfried beim unbeschwerten Rhabarbergenuss

Seit Rhabarber mit fruchtig-säuerlichem Geschmack den heimischen Speisezettel bereichert, steht das Thema eines möglichen Giftgehaltes im Raum. Dabei richtet sich der Blick auf Oxalsäure, die neben Vitaminen und Mineralstoffen in dem Fruchtgemüse enthalten ist.

Der geruchs- und geschmacklose Stoff beeinträchtigt im menschlichen Körper die Aufnahme von Eisen, greift den Zahnschmelz an und bindet Kalzium. Bedenklich sind diese Eigenschaften vornehmlich für Kinder und Nierenkranke. Ernsthafte Auswirkungen auf die Gesundheit hat Oxalsäure indes erst in großen Mengen, wie die folgenden Zahlen verdeutlichen.

  • Oxalsäuregehalt in frischen Rhabarberstangen: je 100 Gramm von 180 bis 765 Milligramm
  • giftig ab einer Dosis von 600 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht

Rhabarber im Nutzgarten

Demnach müsste ein 20 Kilogramm schweres Kind satte 12 Kilogramm frischer Rhabarberstangen verzehren, um ernsthaft Schaden zu nehmen. Für einen 60 Kilogramm schweren, nicht nierenkranken Erwachsenen liegt die letale Menge bei schwindelerregenden 36 Kilogramm des Fruchtgemüses. Endgültige Entwarnung zum Giftgehalt gibt die Tatsache, dass sich Oxalsäure in ihrer höchsten Konzentration in den Schalen von Gemüserhabarber befindet. Werden die Stiele im Rahmen der Zubereitung geschält, reduziert sich der Gehalt auf ein Minimum.

Blütezeit und Oxalsäure

Keine Wechselbeziehung zwischen Blütezeit und Oxalsäure

Hartnäckig hält sich unter Hausgärtnern der Irrglaube, dass blühender Rhabarber einen so hohen Gehalt an Oxalsäure aufweist, dass er nicht mehr essbar ist. Diese Fehlannahme resultiert daraus, dass in zahlreichen Kräutern mit Beginn der Blütezeit ein unangenehmer, bitterer Geschmack entsteht, der einen Verzehr unmöglich macht.

Für die Blüten einer Rhabarberpflanze hat dieser Vorgang hingegen keine Relevanz. Fakt ist, dass Blüte und Oxalsäure in keiner Wechselbeziehung zueinander stehen. Während die Pflanze blüht, können Sie die Stangen bedenkenlos ernten und verspeisen. Gleichwohl gibt es einen überzeugenden Grund, dennoch die Knospen und jede einzelne Blüte zu entfernen. Warum das so ist, vermittelt der folgende Abschnitt.

Blüten entfernen

Rhabarberblüten entfernen hat Vorteile

Rhabarber-Liebhaber müssen sich sputen, wenn sie die kurze Erntezeit des belebenden Fruchtgemüses auskosten möchten. Kaum hat sich im April das Zeitfenster für das säuerliche Vergnügen geöffnet, naht im Juni auch schon wieder das Ende der Erntezeit. Selbst diese kurze Frist wird reduziert, wenn sich die cremeweißen Blütenrispen entfalten. Im Mai und Juni investiert die Pflanze ihre gesamte Energie darin, sich für Bienen, Hummeln und andere Bestäuber aufzuhübschen.

Rhabarber mit Blattstiel

Mit seinen Blütenständen verfolgt das Fruchtgemüse primär das Ziel, sich möglichst zahlreich zu vermehren. Dabei rückt das Wachstum der fruchtigen Stangen in den Hintergrund. Damit der Ernteertrag nicht vorzeitig geschmälert wird, entfernen erfahrene Hausgärtner die Knospen und Blüten.

So geht es:

  • Knospe oder Blüte nicht mit Messer oder Schere schneiden
  • stattdessen den Stielansatz mit den Fingern umfassen
  • zeitgleich im Uhrzeigersinn drehen und ausbrechen

Sobald die Pflanze das Fehlen der Rhabarberblüte registriert, leitet sie ihre Energie um in das Wachstum frischer Stangen. Indem Sie die opulente Blüte opfern, werden Sie mit einem höheren Ernteertrag über eine längere Zeit belohnt.

Blüte ist essbar

Im Verlauf des Wachstums sprießen schon früh die ersten Knospen und Rhabarberblüten. Sobald die Pflanze über 12 bis 16 Wochen Temperaturen von unter 10 Grad Celsius ausgesetzt war, setzt die Blüteninduktion ein. In unseren Breiten kann bereits ab Mitte/Ende April erforderlich sein, die Blütenpracht für einen optimierten Ernteertrag zu entfernen.

Rhabarberpflanze mit seinen großen grünen Blättern

Haben Sie eine Knospe oder Blüte ausgebrochen, werfen Sie diese nicht auf den Kompost. Hobbygärtner mit einem Faible für kulinarische Experimente haben herausgefunden, dass sich Blütenknospen ausgezeichnet eignen als pikant-säuerliche Gemüsebeilage. In Salzwasser gedünstet und mit Sahnesoße serviert, bereichern Rhabarberblüten das Speisenangebot.

Erntezeitpunkt

Johannistag terminiert die Erntezeit

Die Erntezeit endet nicht, wenn eine Rhabarberpflanze blüht. Traditionell stellen umsichtige Hausgärtner am Johannistag, dem 24. Juni, die Ernte ein.

Die folgenden Überlegungen sprechen für die Beachtung dieses Datums:

  • der Wachstumsschub Ende Juni dient der Regeneration
  • im Verlauf des Sommers steigt der Gehalt an Oxalsäure deutlich an

Rhabarber enthält Oxalsäure

In jedem Rhabarber steckt die Lebenskraft für bis zu 10 Jahre. Um über diesen langen Zeitraum alljährlich eine reiche Ernte abzuliefern, muss der Pflanze eine Phase der Regeneration gegönnt werden. Daher ernten Hausgärtner ab Ende Juni keine Rhabarberstangen mehr, zumal der Gehalt an Oxalsäure ohnehin einen Stand erreicht hat, der auch gesunden Erwachsenen nicht mehr zuträglich ist. Einzige Ausnahme gilt im ersten Jahr der Ernte. Um die noch junge Pflanze zu schonen, endet die Erntezeit bereits im Mai.

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