Elstern vertreiben

In den letzten Jahren erobern die rabenähnlichen Vögel vermehrt Wohngebiete in Stadt und Land. Hier finden sie leicht Nahrung, ebenso ausreichende Nistmöglichkeiten und ganz nebenbei gibt es weitaus weniger natürliche Feinde. Jedoch sind Elstern nicht überall gern gesehen, denn sie plündern Vogelnester und verwüsten Gärten. Den kleinen, selbstsicheren Raubvögeln wird Klugheit nachgesagt, sie sind aber auch sehr laut, aufdringlich, frech und diebisch.

Natürlicher Lebensraum

Meist wird das vermehrte Auftauchen der kleinen Räuber in Wohngebieten, Parks und Gärten als eine explosionsartige Vermehrung dargestellt. Allerdings ist es so nicht richtig, obwohl die Vögel hier durchaus leichte Lebensbedingungen vorfinden. Genauer betrachtet, wurden die Rabenvögel doch eher gezwungen ihren ursprünglichen Lebensraum zu verlassen, woran der Mensch nicht ganz unschuldig ist.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann dann die systematische Zerstörung ihrer Heimat, der Feldflur durch

  • eine extensive Landwirtschaft
  • Einsatz von Pestiziden
  • Beseitigung von Hecken und Gehölzen
  • eine intensive jagdliche Verfolgung

So mussten die Elstern ihren naturnahen Lebensraum verlassen und eine neue Bleibe suchen. In der Nähe der Menschen finden sie ohne große Anstrengung ganzjährig genügend Nahrung. Die heutige Plage ist daher nicht auf eine zahlenmäßige Zunahme der Vögel zurückzuführen, sondern es handelt sich dabei eher um eine Populationsverschiebung.

Eine dauerhafte Vertreibung der Elstern aus den Siedlungsgebieten kann normalerweise durch die Wiederherstellung der natürlichen Lebensräume dieser Tiere erfolgen wie:

  • kein Pestizideinsatz zugunsten ökologischer Pflanzenschutzmaßnahmen
  • Schaffung von Rückzugsorten
  • gezielte Anlage von Gehölzstreifen und Hecken
  • Randstreifen an Gewässern und Äckern belassen
  • Nutzpflanzenanbau in Mischkultur anstelle von Monokultur

Elster im natürlichen Lebensraum

Hinweis: Die „diebische“ Elster liebt alles was glänzt und glitzert. Viele Gegenstände sind für sie attraktiv, daher sollten diese nicht unachtsam liegen gelassen werden. Sie könnten sonst schnell verschwinden.

Elster steht unter Schutz

Elstern sind nicht nur sehr laut, sondern auch äußerst aufdringlich und dreist. Mit der Zeit haben sie ihre Scheu vor Menschen abgelegt. Sie sind auch verhältnismäßig klug, können sich schnell Menschen und bestimmte Ereignisse merken. Jedes Jahr aufs Neue zur Brutzeit der Singvögel plündern die Elstern deren Nester und kein Garten ist vor ihnen sicher. Es ist nur allzu gut verständlich, diese Räuber loswerden zu wollen. Allerdings ist hierbei einiges zu beachten, denn laut der EU-Vogelschutzrichtlinie aus dem Jahre 1979 stehen alle europäischen Vögel, so auch Elstern unter Schutz.

Obwohl im Laufe der Jahre neue Verordnungen und Richtlinien auch hinsichtlich der Jagdbarkeit von Elstern erlassen wurden, ist die Vertreibung dieser rabenähnlichen Vögel weiterhin verboten. Aufgrund einer Änderung der Jagdzeitenverordnung auf Landesebene gelten Elstern in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern als jagdbare Art. Mit Inkrafttreten des Landesjagdgesetzes 2014 ist eine Jagd außer in der Schonzeit vom 1. März bis 31. Juli möglich. Allerdings ist zu beachten, dass in dicht besiedelten Gebieten dieses Jagdrecht ruht.

Nach wie vor gilt dabei jedoch für alle Privatpersonen ohne Jagdschein das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG). Dieses besagt, dass Elstern geschützte Wildtiere sind, die unabhängig von der Jahreszeit weder

  • vertrieben
  • gejagt oder
  • getötet

werden dürfen. Weiterhin stehen unter Strafe

  • die Zerstörung von Nestern
  • Beschädigung von Eiern und
  • Tötung von Jungtieren

Um die Plagegeister dennoch loszuwerden, muss nach anderen Lösungen gesucht werden. Naheliegend wären hier Maßnahmen, die die Elstern gar nicht erst zum Verweilen im Garten einladen.

Hinweis: Normalerweise gelten Elstern als Schädlinge. Allerdings genauer betrachtet sind sie doch eher für das ökologische Gleichgewicht nützlich, denn auf ihrem Speiseplan stehen neben Spinnen auch Insekten, Mäuse, Aas und Abfall.

Elstern fern halten statt vertreiben

Lebensgrundlage entziehen

Da nun das Bundesnaturschutzgesetz eine Vertreibung von Elstern in jeglicher Form untersagt, sollten vorbeugende Maßnahmen erfolgen, um den schwarz-weißen Rabenvögeln den Garten so ungemütlich wie es nur geht zu machen. Dafür gibt es verschiedene, wirkungsvolle Möglichkeiten:

  • Entziehung von Nahrungsquellen
  • Einsatz von natürlichen Feinden
  • Beseitigung von Versteckmöglichkeiten
  • Schutz von Saatbeeten, Obstbäumen und Sträuchern
  • Schutz der Singvögel

Nahrungsgrundlage beseitigen

Elstern sind bei ihrer Nahrung nicht sonderlich wählerisch. Neben Vogeleiern, Jungvögeln, Spinnen, Mäusen und anderen Insekten begnügen sie sich auch mit Abfällen und Aas. Damit die Rabenvögel keine leichte Beute machen können, sollten

  • keine Lebensmittelreste offen liegen gelassen
  • Komposthaufen mit Plane abgedeckt
  • Küchenabfälle nicht im Freien und in Papiertüten gelagert
  • Deckel von Mülltonnen geschlossen
  • beschädigte Mülltonnen umgehend repariert oder ausgetauscht und
  • Futterreste an Teichen entfernt

werden. Ratsam ist es ebenfalls im Winter die Futterquellen für Singvögel vor Elstern geschützt aufstellen. Gut eignen sich dabei Futterhäuschen mit kleinen Öffnungen. Heruntergefallenes Futter und Obst sollte stets aufgefegt werden.

Natürliche Feinde

Elstern haben Furcht vor Hunden, Katzen und auch ihren natürlichen Fressfeinden wie Raben, Krähen und Habichten. Diese Angst sollte sich zunutze gemacht werden. Jedoch ist dabei einiges zu beachten:

  • Hund oder Katze anschaffen
  • alternativ Gäste mit Hunden einladen
  • wiederholtes Simulieren von Hundegebell oder Katzenfauchen
  • zusätzliche Verteilung von Büscheln von Katzen-oder Hundehaaren
  • dazu entsprechende Geräusche simulieren
  • echt wirkende Tierfiguren in Form von Raben, Krähen oder Habichten im Garten platzieren
  • nur effektiv in Kombination mit Rufen und Schreien der entsprechenden Vögel

Katzen als natürliche Feinde der Elster

Tipp: Elstern sind sehr intelligent. Sie durchschauen schnell die Strategie, wenn ein Hund oder Katze sich nur in großen Zeitabständen sehen lassen, wissen sie genau, es besteht keine Gefahr.

Der Garten muss daneben so angelegt sein, dass ein Raubvogel auch wirklich jederzeit herabstoßen kann. Nur dann ist eine erfolgreiche Abwehr garantiert, da die Elster so etwas auch bemerkt. Dazu ist es notwendig

  • Eindruck einer freien Flugbahn zu schaffen
  • daher Gehölze regelmäßig auslichten

Keine Versteckmöglichkeiten bieten

Die schwarz-weißen Rabenvögel suchen gern Schutz in dichten Gehölzen, hauptsächlich Baumkronen. Es gilt nun diese Verstecke zu beseitigen:

  • Gehölze und Baumkronen regelmäßig auslichten
  • ohne Versteckmöglichkeiten ziehen Elstern weiter

Pflanzen schützen

Eine besondere Vorliebe haben Elstern für Saatkörner, Keimlinge und auch sprießende Jungpflanzen. Daher ist es notwendig

  • Ausaatbeete mit engmaschigem Netz abzudecken
  • im Abstand von 40 bis 50 cm kleine Holzstäbe oder spezielle Netzhalter in Boden stecken
  • Vogelschutznetz mithilfe von Halterungen über Beet ziehen und fixieren
  • Maschenbreite sollte 2 bis 3 cm betragen
  • alternativ Beet bespannen
  • zwischen Holzstäbe dünne Nylon- oder Baumwollschnüre kreuz und quer über Fläche ziehen

Tipp: Diese Methode hat den Vorteil, dass zum Boden ein größerer Abstand besteht, als bei Verwendung von Vogelschutznetzen. Die Jungpflanzen können sich so ungehindert entwickeln.

Daneben sollten aber auch Früchte am Obstbaum- oder Strauch vor diesen gefräßigen Vögeln geschützt werden.

  • Verwendung von Vogelschutznetzen
  • Löcher sollten maximal einen Durchmesser von 10 cm haben
  • Singvögel kommen so noch an vorhandene Raupen und andere Insekten
  • Elstern haben keine Angriffsfläche
  • regelmäßig Fallobst aufsuchen und entsorgen

Singvögel vor Räubern schützen

Jedes Jahr zur Brutzeit der Gartenvögel werden auch die rabenähnlichen Vögel sehr aktiv. Sie plündern dann die Nester, bevorzugt von Amseln, fressen Eier und auch Jungvögel. Jährlich werden dabei ungefähr 10 Prozent einiger Singvögelarten Opfer von Elstern.
Ein Schutz der Nester und Jungtiere ist mit einigen Maßnahmen schnell umsetzbar.

  • geschützte Rückzugsorte schaffen
  • immergrüne Hecken mit Dornen sind geeignete Nistplätze für Meisen, Fink und Amsel
  • Gewöhnliche Mahonie, Feuerdorn, Stechpalme liefern dichte, immergrüne Hecken
  • auch Himbeer- oder Brombeersträucher bestens geeignet
  • Aufhängen von Nistkästen mit kleinen Einflugslöchern
  • mit entsprechenden Nistkästen ist Zusammenleben der Vogelarten möglich
Nistkasten im Garten
Nistkasten im Garten

Hinweis: Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Elstern und andere Rabenvögel keine wirkliche Gefährdung für den Bestand von Singvögeln darstellen. So erreichen Meise, Fink und Amsel, die in Nachbarschaft mit Elstern leben nachweislich eine höhere Siedlungsdichte. Für das Sterben von Singvögeln ist jedoch hauptsächlich der Mensch verantwortlich.

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