Erdbeeren selbst vermehren: 2 Wege mit schrittweiser Anleitung

Erdbeeren sind sehr beliebte Früchte

Junge Erdbeerpflanzen liefern reichlich Früchte, doch sie verausgaben sich schnell. Schon nach wenigen Jahren müssen sie durch frische Exemplare ersetzt werden, damit eine gleichbleibend gute Ernte gesichert ist. Doch Jungpflanzen, ob für Neupflanzung oder Erweiterung einer bestehenden Erdbeerfläche, müssen nicht immer teuer im Handel gekauft werden. Der Nachwuchs kann kostenlos aus dem heimischen Garten kommen. Zwei Wege stehen Ihnen für das Vermehren von Erdbeeren offen: Nutzung der zahlreichen Ausläufer und die Samenaussaat.

Erdbeeren vermehren durch Ausläufer

Zu dieser einfachen Methode der Vermehrung verhelfen uns die meisten Erdbeerpflanzen selbst, da sie jedes Jahr reichlich Ausläufer bilden. Diese werden oft auch als Kindel bezeichnet, weil sie sich schon nach kurzer Zeit zu Mini-Erdbeerpflanzen entwickeln.
Im Zusammenhang mit dem Vermehren von Erdbeeren ist häufig auch die Rede von Ablegern, wenn auch diese Bezeichnung im engen Sinne nicht zutreffend ist, da von der Ursprungspflanze keine Ableger geschnitten werden. Da sich dieser Begriff im Hobbybereich jedoch fest etabliert hat, ist er auch in der nachfolgenden Anleitung zu finden.

1. Vermehrungsnotwendigkeit

Wenn Sie in Ihrem Garten ein Erdbeerbeet anlegen, so werden Sie im ersten Jahr – sofern Standort und Pflege stimmen- reichlich rote Früchte ernten können. Wie lange die gute Fruchtbildung in den Folgejahren anhält, ist nicht exakt vorauszusagen. Je nach Sorte kann noch zwei, drei oder vier Jahre die Erntemenge zufriedenstellend ausfallen, bevor die Pflanzen ermüden. Sobald Sie bemerken, dass der Ertrag zurückgeht, sollten Sie die Erdbeeren aus Ablegern vermehren und ein neues Beet anlegen.
Natürlich können Sie darüber hinaus jederzeit Erdbeeren aus Ausläufern vermehren, beispielsweise um das eigene Erdbeerbeet zu vergrößern, junge Erdbeerpflanzen an Freunde zu verschenken oder Balkonkästen und Kübel damit zu bepflanzen.

Tipp: Viele gezüchtete Erdbeerpflanzen aus dem Handel liefern nur im ersten Jahr eine gute Ernte und sind danach nur noch eine Enttäuschung. Alte Sorten sind dahingehend ausdauernder und immer eine Überlegung wert. Zum Beispiel die wohlschmeckende Mieze Schindler.

2. Geeignete Ausläufer

Ab etwa Mitte Mai bilden die meisten Erdbeerpflanzen neben ihren Blüten und Früchten auch die ersten Ranken, an denen sich auch schon bald Ausläufer entwickeln. Diese rauben der Mutterpflanze eine Menge Energie und Sie sollten sie nur dann an ihr belassen, wenn Sie sie zum Vermehren der Erdbeeren benötigen.

Jeder Ausläufer ist genetisch identisch mit der Mutterpflanze, deswegen sollten Sie nur Ausläufer von gut tragenden Exemplaren vermehren. Pflanzen, die nur wenige Früchte tragen, stecken ihre Energie in die Bildung kräftiger Ausläufer. Lassen Sie sich nicht davon täuschen.

  • ertragreiche Mutterpflanzen mit einem Stab markieren
  • ihre kräftigsten Ausläufer wachsen lassen
  • ideal ist der Ausläufer, der nah an ihr wächst
  • alle anderen Ausläufer entfernen

Ausläufer an einer Erdbeerpflanze

Tipp: Wenn Sie schon im Vorjahr eine gut tragende Staude markiert haben und jetzt von ihr viele Ableger gewinnen möchten, sollten Sie alle ihre Blütentriebe entfernen. So kann die Pflanze ihre gesamte Energie auf die Ausläufer konzentrieren und Ihnen so das erfolgreiche Vermehren der Erdbeeren erleichtern.

3. Optimaler Zeitpunkt

Die optimale Zeit für die Neupflanzung von Fragaria, wie die Erdbeere botanisch heißt, ist der Spätsommer. Der August als Pflanzmonat verspricht die beste Ernte im Folgejahr, aber auch der September kann noch für das Umpflanzen der Kindel genutzt werden.
Sie können die Ableger bis dahin an der Mutterpflanze belassen, wo sie weiter heranwachsen, sich mit dem Boden verbinden und Wurzeln schlagen. Zum Zeitpunkt der Umpflanzung werden diese Jungpflanzen einfach samt Wurzeln ausgegraben. Diese Vorgehensweise ist sehr zeitsparend. Alternativ können Sie aber auch Schritt 4 der Anleitung ausführen.

4. Ableger vorübergehend in Töpfe pflanzen

Statt den Ausläufer einer Fragaria bis zur Umpflanzung einfach frei weiter wachsen zu lassen, können Sie ihn zwischenzeitlich auch in einen eigenen Topf pflanzen, wobei die Verbindung zur Mutterpflanze bestehen bleibt. Im eigenen „Topfreich“ wurzelt der Ausläufer schnell an und entwickelt sich zu einer kräftigen Pflanze. Pro Ausläufer benötigen Sie einen unglasierten Tontopf, der einen Durchmesser von etwa 10 cm haben sollte. Plastiktöpfe sind nicht gut geeignet, da ihre Wände undurchlässig sind. Das Eintopfen geschieht wie folgt:

  1. Suchen Sie aus mehreren Ausläufern einer Mutterpflanze denjenigen aus, der ihr am nächsten gelegen ist. Er sollte noch nicht angewurzelt sein aber schon über einige kräftig entwickelte Blätter verfügen.
  2. Schieben Sie den Ausläufer vorsichtig zur Seite.
  3. Graben Sie an der Stelle, wo der Ausläufer zuvor gestanden hat, ein ausreichend tiefes Loch, in das der Tontopf hinein passt.
  4. Füllen Sie den Tontopf mit dem Aushub, lassen Sie dabei etwa 2 cm frei. Sollte die Gartenerde humusarm sein, können Sie sie mit normaler Blumenerde oder Laubkompost aufwerten.
  5. Pflanzen Sie den Ausläufer mittig und flach in den vorbereiteten Topf. Schneiden Sie den Bodentrieb ab, damit sich nicht weitere Kindel bilden und wertvolle Energie zehren. Achtung: Trennen Sie nicht die Verbindung zur Mutterpflanze.
  6. Stellen Sie den Topf ins Loch und füllen Sie die Zwischenräume mit Erde auf. Der Topf sollte guten Kontakt zum Boden haben, damit Feuchtigkeitsaustausch möglich ist.
  7. Gießen Sie die Erde gut an und achten Sie weiterhin darauf, dass die Erde nicht ganz austrocknet.

Tipp: Wenn Sie Ausläufer nicht direkt anwurzeln lassen, sondern in Töpfe mit neuer, gekaufter Erde pflanzen, können Sie zudem verhindern, eventuell im Boden vorhandene Pilzsporen an den neuen Standort mitzunehmen.

5. Jungerdbeeren auspflanzen

Die Vermehrung ist abgeschlossen, wenn die aus Ablegern gebildeten Jungpflanzen im Spätsommer an ihren endgültigen Standort eingepflanzt werden, wo sie sich zu kräftigen Erdbeerpflanzen weiter entwickeln können.

  • einen sonnigen Standort wählen
  • darauf sollten mehrere Jahre keine Erdbeeren gestanden haben
  • Jungpflanze von der Mutterpflanze trennen
  • Pflanze bzw. Topf vorsichtig ausgraben
  • aus dem Topf herausnehmen
  • und an neuen Standort sofort einsetzen

Erdbeerpflanzen

Tipp: Erdbeerpflanzen einer Sorte zeigen sich durchaus unterschiedlich im Ertrag. Wenn sich in Ihrem neuen Beet eine Staude mit reichlich Früchten hervortut, sollten Sie sie am besten sofort mit einem kleinen Bambusstock markieren.

Erdbeeren vermehren durch Aussaat

Das Vermehren von Erdbeeren mithilfe von Ausläufern ist der einfachere der beiden Wege, doch auch die Samenaussaat ist eine in der Praxis erfolgversprechende Methode. Bei einigen Erdbeersorten, die keine Ausläufer bilden, ist sie sogar der einzige Weg, zu neuen Pflanzen zu kommen, ohne den Fachhandel aufzusuchen. Auch hier ist es wichtig, die nachfolgend detailliert beschriebene Anleitung Schritt für Schritt zu befolgen.

1. Samenreife abwarten

Die Fragaria platziert ihre Samen außen gut sichtbar auf ihren roten Früchten. Das sind die kleinen, gelbgrünen Punkte, die sich zahlreich und gleichmäßig verteilt auf jeder Erdbeere finden. Sie sind so fein, dass sie einfach unbeachtet mitverspeist werden. Diese kleinen Samen sind in Wirklichkeit aber Nüsse. Erdbeeren sind keine Beeren, wie ihr Name es vermuten lässt, sondern Sammelnussfrüchte. Diese kleinen Nüsse sind es, die das Potenzial für neue Erdbeeren in sich tragen. Eine reife Erdbeerfrucht ist dabei gleichbedeutend mit reifen und keimfähigen Nüssen.

2. Erdbeersamen gewinnen

Wählen Sie für die Vermehrung vollreife und vollkommen gesunde Früchte aus. Jede einzelne Erdbeerfrucht enthält um die 100 Samen, deswegen müssen Sie nur wenige leckere Früchte für die Samengewinnung opfern. Versuchen Sie nicht, die Nüsschen aus den Früchten zu pullen, da sie dabei leicht beschädigt und somit unbrauchbar gemacht werden.

  • Früchte halbieren
  • Erdbeerhälften auf Zeitungspapier oder Küchenkrepp verteilen
  • mit Schnittstelle nach unten und mit etwas Abstand zueinander
  • Samen zunächst mit dem Fruchtfleisch trocknen lassen

Erdbeeren vermehren

3. Erdbeersamen bis zur Aussaat lagern

Nachdem die halbierten Erdbeerfrüchte vollständig getrocknet sind, sollten die Erdbeersamen vom Fruchtfleisch befreit werden. Dafür reicht es aus, wenn Sie das Zeitungspapier mit etwas Schwung hin und her bewegen. Die trockenen Nüsschen fallen heraus und können eingesammelt werden. Festsitzende Erdbeersamen können Sie vorsichtig mit der stumpfen Seite eines Messers lösen.

  • Erdbeersamen in ein verschließbares Gefäß füllen
  • es sollte dunkel und trocken sein
  • ideal ist ein sauberes Schraubglas aus braunem Glas

Bewahren Sie das Glas kühl, trocken und lichtgeschützt auf, bis die Zeit der Aussaat im Frühjahr gekommen ist. Sie sollten Erdbeersamen so frisch wie möglich verwenden, d.h. sie sollten nicht jahrelang aufbewahrt, sondern zum nächstmöglichen Zeitpunkt ausgesät werden.

Tipp: Sie können Erdbeersamen auch unmittelbar nach der Gewinnung aussäen und die Jungpflanzen noch im Spätsommer auspflanzen. Die Aussaat sollte jedoch spätestens Mitte Juli erfolgen, damit die Pflänzchen vor dem Winter noch genügend Kraft entwickeln können.

4. Keimhemmung brechen

Die Aussaat der Erdbeersamen sollte frühestens ab Mitte Februar und bis spätestens Anfang März erfolgen. Eine zu frühe Aussaat lässt die Pflanzen aufgrund von Lichtmangel vergeilen, während eine späte Aussaat den Erntebeginn verschiebt.

Bevor Sie mit der Aussaat starten können, muss allerdings erst die Keimruhe beendet werden. In der Natur geschieht das durch die winterliche Kälte, daheim müssen Sie die kleinen Samen ausreichend lange der Kälte aussetzen. Dieser Vorgang der Keimbrechung durch Kälte ist als Stratifizieren bekannt.

  • Erdbeersamen in den Kühlschrank stellen
  • alternativ in einer unbeheizten Garage o. Ä.
  • außen auf Fensterbrett, etc.
  • Mitte Januar beginnen
  • vier Wochen sollten genügen
  • wer sicher gehen will, beginnt früher und stratifiziert 3 Monate

5. Erdbeersamen vorquellen

Geben Sie die Samen kurz vor der Aussaat in ein Glas mit lauwarmem Wasser und lassen Sie sie darin für etwa 3-4 Stunden quellen. Wenn Sie zeitig am Morgen aussäen wollen, können Sie die Samen auch über Nacht im Wasser stehen lassen.

6. Erdbeeren aussäen

Um die Erdbeeren auszusäen, füllen Sie einen oder mehrere große Aussaattöpfe mit sandiger, magerer Erde. Verteilen Sie die Erdbeersamen gleichmäßig darauf und drücken Sie sie leicht an. Als Lichtkeimer dürfen Erdbeersamen mit maximal 3 mm Erde bedeckt werden. Befeuchten Sie die Erde mit einer Sprühflasche, damit die Samen durch die Kraft eines Wasserstrahls nicht von ihrer Position weggespült werden. Für die optimale Keimung sollten Sie noch folgende Hinweise beachten:

  • hell aber nicht sonnig aufstellen
  • durchgehend feucht halten
  • Topf mit durchsichtiger Folie bedecken
  • Folie jeden zweiten Tag lüften
  • mind. 16 °C bieten, optimal sind 20 °C

Die Keimdauer ist sortenabhängig und kann zwischen zwei und sechs Wochen betragen. Sobald Sie die ersten Keimlinge erblicken, sollten Sie die Abdeckung wieder entfernen.

Erdbeerpflanzen Blüte

7. Keimlinge pikieren

Wenn die Keimlinge eine Höhe von 2 cm erreicht haben, müssen Sie in eigene kleine Töpfe pikiert werden. Sie können Sie aber auch im Anzuchttopf belassen, wenn Sie Ihnen darin ausreichend Platz verschaffen. Sie können dafür einen Teil der Keimlinge herauszupfen und so die Bepflanzung ausdünnen. Natürlich sollten danach immer noch genügend Keimlinge übrig bleiben, um ihre Vermehrungswünsche abzudecken.

8. Jungpflanzen auspflanzen

Ab einer Höhe von 5 cm sind die neuen Pflänzchen kräftig genug, um das freie Bett zu bewohnen. Sie dürfen und sollten sogar zeitnah ausgepflanzt werden.