Falkenarten in Deutschland - Titel

Falken sind perfekte Jäger. Haben sie ein Beutetier erspäht, stürzen sie sich blitzschnell darauf. Kaum ein Tier kann dem kräftigen Vogel mit dem Hakenschnabel entkommen. Welche Arten leben in Deutschland?

Auf den Punkt gebracht

  • Falken (Falconidae) gehören offiziell nicht zu den Greifvögeln
  • Kennzeichen sind lange, spitz zulaufende Flügel, kleiner Kopf, große Augen, Hakenschnabel, schlanker Körper, kräftige Zehen
  • Ruf: hohes Keckern „gig-gig-gig“
  • mehr als 30 Falkenarten weltweit

Falken

Falken sind beeindruckende Tiere. Sie gelten als Inbegriff von Schnelligkeit und Kraft, vor allem ihre Sehkraft ist rekordverdächtig. Wer aufmerksam durch die Natur streift, kann den imposanten Vogel auch in Deutschland beobachten. Wir stellen die fünf heimischen Arten vor.

Baumfalke (Falco subbuteo)

Baumfalke (Falco subbuteo)
Quelle: Imran Shah from Islamabad, Pakistan, Eurasian Hobby (Falco subbuteo) (23341381161), bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 2.0
  • Größe: 36 bis 48 Zentimeter
  • Flügelspannweite: 74 bis 84 Zentimeter
  • Merkmale: nur durch die geringere Größe vom Wanderfalken zu unterscheiden
  • Färbung: schwarzer Rücken, schwarzes Gesicht, schwarze Unterseite mit rotbraunem Muster, Beingefieder
  • Lebensraum: Wälder und Felder, offene und locker bewaldete Gebiete
  • Verbreitung in Deutschland: in allen Teilen Deutschlands, zweithäufigste Falkenart
  • Brutzeit: Mai bis August, eine Jahresbrut
  • Brutplätze: in alten Nestern anderer großer Vögel
  • Gelege: 2 bis 4 weißliche Eier mit rotbraunen Flecken
  • Nahrung: Insekten, Libellen, Singvögel
  • Zugverhalten: Stand- oder Zugvogel

Merlin (Falco columbarius)

Merlin
  • Größe: 26 bis 32 Zentimeter Flügelspannweite: 55 bis 69 Zentimeter
  • Merkmale: amselgroß, kurzer Schwanz, spitze Flügel
  • Färbung: grauer Rücken, orangefarbene, gestrichelte Unterseite mit rotbraunem Muster, Beingefieder
  • Lebensraum: Kiefer- und Birkenwälder
  • Verbreitung in Deutschland: in allen Teilen Deutschlands Brutzeit: April bis Juni, eine Jahresbrut
  • Brutplätze: in alten Nestern von Greifvögeln und Krähen
  • Gelege: 3 bis 5 braune Eier mit dunkleren Flecken
  • Nahrung: kleine Vögel
  • Zugverhalten: Stand- oder Zugvogel

Hinweis: Der Merlin, der kleinste heimische Falke, ist nur so groß wie eine Amsel. Typisch sind seine Flugmanöver beim Beutezug. Er jagt seine Beute dicht über dem Boden.

Rotfußfalke (Falco vespertinus)

Rotfußfalke (Falco Vespertinus), Falken
Männliches Exemplar; Quelle: Andy Morffew, Red-footed Falcon (Male) (19973885145), bearbeitet von Plantopedia, CC BY 2.0
  • Größe: 28 bis 34 Zentimeter
  • Flügelspannweite: 65 bis 76 Zentimeter
  • Merkmale: zierlich, taubengroß, lange, spitze Flügel, langer Schwanz
  • Färbung: orangefarbene Füße, orangeroter Schnabel und Augenring, Gefieder dunkelgrau mit rostroten Unterschwanzecken, Weibchen mit weißem Gesicht und schwarzem Bartstreif
  • Lebensraum: Waldränder, Wiesen, Weiden, Felder
  • Verbreitung in Deutschland: sehr selten
  • Brutzeit: Mai bis September, eine Jahresbrut
  • Brutplätze: in alten Nestern von Krähen
  • Gelege: 3 bis 5 hellbraune Eier mit braunen Flecken
  • Nahrung: Insekten
  • Zugverhalten: Zugvogel

Hinweis: Rotfußfalken sind in Deutschland hauptsächlich als Durchzügler zu beobachten. Seit 2005 wurden keine Brutvorkommen mehr nachgewiesen.

Turmfalke (Falco tinnunculus)

Turmfalke, Falco tinnunculus, Falken
Turmfalke, Falco tinnunculus
  • Größe: 32 bis 39 Zentimeter
  • Flügelspannweite: 65 bis 82 Zentimeter
  • Merkmale: zierlich, taubengroß, lange, spitze Flügel, langer Schwanz
  • Färbung: rotbrauner Rücken, helle Unterseite mit rotbraunem Muster, Federn an der Spitze dunkler
  • Lebensraum: Wiesen, Weiden, Felder, in der Nähe von Siedlungen
  • Verbreitung in Deutschland: in allen Teilen Deutschlands
  • Brutzeit: März bis Juli, eine Jahresbrut
  • Brutplätze: in alten Nestern von Greifvögeln, Krähen, Eichhörnchen oder Nistkästen
  • Gelege: 4 bis 6 gelbliche Eier mit braunen Flecken
  • Nahrung: kleine Säugetiere, Vögel, Insekten
  • Zugverhalten: Stand- oder Zugvogel

Hinweis: Der Turmfalke ist die in Deutschland häufigste Falkenart. Beim Jagen bleibt er oft 10 bis 20 Meter über dem Boden in der Luft stehen und verfolgt seine Beute mit den Augen. Dieses Verhalten wird als „Rütteln“ bezeichnet.

Wanderfalke (Falco peregrinus)

Wanderfalke (Falco peregrinus), heimische Greifvögel, Falken
  • Größe: 36 bis 48 Zentimeter Flügelspannweite: 95 bis 110 Zentimeter
  • Merkmale: kompakter Körperbau, breite Brust
  • Färbung: schiefergrauer Rücken, helle Unterseite mit dunklen Flecken
  • Lebensraum: Gebirge und Flachland, offene und locker bewaldete Gebiete, an hohen Gebäuden in Städten
  • Verbreitung in Deutschland: in allen Teilen Deutschlands, besonders häufig im Südwesten
  • Brutzeit: März bis Juni, eine Jahresbrut
  • Brutplätze: in Fels- oder Baumhöhlen, an hohen Gebäuden
  • Gelege: 3 bis 4 rostfarbene Eier mit dunklen Flecken
  • Nahrung: kleinere Vögel
  • Zugverhalten: Stand- oder Zugvogel

Hinweis: der Wanderfalke ist der schnellste Vogel der Welt. Im Sturzflug erreicht er Geschwindigkeiten von mehr als 300 Kilometer pro Stunde.

Häufig gestellte Fragen

Wo brüten Falken?

Falken bauen ihre Nester nicht selbst. Sie brüten in verlassenen Nestern anderer großer Vogelarten, wie zum Beispiel Kolkraben und Krähen. Mit Federn, Gewöll und Stroh kleiden sie diese neu aus. Auch andere Vögel, wie der Uhu, sind an den verlassenen Nestern interessiert.

Was tun, wenn ein junger Falke außerhalb des Nests aufgefunden wird?

Wenn der kleine Vogel nicht verletzt erscheint, bauchen Sie nichts unternehmen. Junge Falken laufen mehrere Wochen auf der Erde herum, bevor sie fliegen können. Falkeneltern füttern ihren Nachwuchs dann auch außerhalb des Horstes. In dieser Zeit leben sie sehr gefährlich. Halten Sie Hunde an der Leine und nehmen Sie die Falken auf keinen Fall mit. Wenn Sie unsicher sind, wenden Sie sich an den Förster oder eine Aufzuchtstation.

Was ist der Grund für den Rückgang der Falken in Deutschland?

Die Verwendung von Pestiziden wie DDT und Lindan in der Landwirtschaft hat zur Verringerung der Bestände geführt. Diese Mittel haben die Fruchtbarkeit und den Bruterfolg der Vögel beeinträchtigt. Die Schalen der Vogeleier erreichten nicht mehr die notwendige Festigkeit und zerbrachen im Nest. Heute sind diese Pestizide verboten, doch die Gefahr ist nur teilweise gebannt. Monokultur in der Landwirtschaft, Windräder, fehlende Nistplätze sowie die Nachstellung durch Taubenzüchter sind nur einige Gründe für die Abnahme der Populationen.