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Feigenbaum klein halten: so bleibt er jung

Feigenbaum klein halten

Einen Feigenbaum (Ficus carica) kann man mit speziellen Schnitttechniken klein und „jugendlich“ frisch halten. Dazu bedarf es jedoch der richtigen Rückschnitt-Anleitungen, die im Folgenden erörtert werden.

Auf den Punkt gebracht

  • richtiger Zeitpunkt für Rückschnitt von Bedeutung
  • Erziehungs- und Verjüngungsschnitt durchführen
  • Radikalschnitt für sehr lichte, vergreiste Feigenbäume

Grundsätzliches

Eine Feige kann in hiesigen Gefilden bis weit über fünf Meter Wuchshöhe erreichen. Für manch einen Hobbygärtner ist das zu hoch. Abgesehen davon, verliert die mediterrane Pflanze mit jedem Meter Höhe und zunehmendem Alter an Vitalität. In der Folge kann der Ficus carica immer lichter werden und sich dadurch die Fruchtbildung kontinuierlich reduzieren. Wer seinen Feigenbaum klein halten möchte, kommt um ein Schneiden ebenfalls nicht umhin. Wichtig ist, die richtige Schnitttechnik zum richtigen Zeitpunkt durchzuführen.

Erziehungsschnitt

Mit dem Erziehungsschnitt kann man einen Feigenbaum von Anfang an klein halten. Das ist vor allem für die Kübel-Kultivierung von Bedeutung, damit sich kein riesiges Gewächs entwickelt, das nicht mehr für den Umzug ins Winterquartier zu bewegen ist.

Bester Zeitpunkt

Überwintert ein Feigenbaum in milden Regionen im Freien, sollte der Erziehungsschnitt im Spätwinter zwischen Mitte Februar und Mitte März erfolgen.

Feigenbaum im Kübel

Kübel-Exemplare werden geschnitten, wenn sie aus dem Winterquartier ins Freie gesetzt werden. Empfehlenswert ist, die Gewöhnungsphase abzuwarten. Diese sollten Feigenbäume erhalten, um sich an die wärmer werdende Sonne zu gewöhnen. Ansonsten drohen Verbrennungen. Weil ein Schneiden stets Stress für die Pflanzen bedeutet, ist deshalb ein Zeitpunkt Mitte bis Ende März optimal. Verläuft der Winter mild und Kübel werden bereits zeitig an die Frischluft gewöhnt, kann auch schon ab Mitte Februar geschnitten werden. 

Im Idealfall wird mit dem Erziehungsschnitt bereits bei Jungpflanzen begonnen.

Anleitung

  • direkt nach Einpflanzung: alle Bodentriebe bis auf den Mitteltrieb an den Ansätzen entfernen
  • bis auf vier Seitentriebe (Grundgerüst) am Mitteltrieb regelmäßig abschneiden
  • Mitteltrieb durch Stützhalterung gerade nach oben führen; hier bildet sich Stammverlängerung zur Krone aus
  • zur Kronenausbildung Mitteltrieb erst schneiden, wenn mindestens vier Knospen über gewünschten Kronenansatz sichtbar sind
  • dann Spitze mindestens einen Zentimeter über den Knospen abtrennen
  • von unten nach oben Bäumchen pyramidenförmig schneiden
  • Häufigkeit: je nach Wuchsgeschwindigkeit und gewünschter Höhe einmal jährlich; leichte Korrekturschnitte Ende Juli bis Mitte August möglich

Hinweis: Kürzen Sie die Mitteltriebspitze bereits, bevor sich vier oder sechs Knospen gebildet haben, „erziehen“ Sie sich ein mickriges Wachstum und halten den Feigenbaum so klein.

Verjüngungsschnitt      

Ein Verjüngungsschnitt regt alte Holztriebe zur Bildung neuer Triebe an. Das führt zu einer Revitalisierung insbesondere älterer Feigenbäume und sichert ein dichtes Laubwerk sowie hohe Fruchterträge. 

Bester Zeitpunkt

Feigenbaum schneiden

Für den Verjüngungsschnitt wählt man einen Termin vor dem ersten Austrieb der Blätter. Das ist in der Regel bis in die späten Wintermonate Februar, März gegeben. Ist der Austrieb bereits in vollem Gange, wird zu viel Energie in diesen Prozess gesteckt. In der Folge fehlt es an Energie und Kraft, um aus den „schlafenden Augen“ frische Neutriebe wachsen und Feigenbäume jung wirken zu lassen.

Verjüngungsschnitt

  • be- und erfrorenes Geäst abschneiden
  • totes Altholz am Ansatz entfernen
  • verbliebenes Geäst auf tiefe und nach außen führende Seitentriebe ableiten
  • sich kreuzende und eng nebeneinander liegendes Geäst durch Abschnitt „auflockern“
  • Schnitthäufigkeit: jährlich; Ausnahme: schneiden von Bodentrieben nur alle fünf bis zehn Jahre erforderlich 

Tipp: Um abgestorbenes Geäst eindeutig als dieses zu erkennen, hilft der Blick auf das Gewebe. Dazu wird der Ast leicht angeritzt. Zeigt sich unter der Rinde ein trockenes, bräunliches Gewebe, handelt es sich um einen abgestorbenen Zweig.

Radikalschnitt

Ist ein Feigenbaum über viele Jahre nicht geschnitten worden und er präsentiert sich sehr lichte mit Wachstumsstörungen der Früchte, reicht ein Verjüngungsschnitt häufig nicht mehr aus. Dann kann dem altersschwachen Ficus carica ein Radikalschnitt zu neuer „Jugendlichkeit“ verhelfen. Allerdings bedeutet dies auch ein Ausbleiben der Fruchtbildung mindestens für das Schnittjahr.

Anleitung

  • frostfreien Wintertag zwischen Ende Februar und Anfang April während laubfreier Zeit wählen
  • Baum bis auf 30 Zentimeter kürzen
  • keine weiteren Rückschnitte in dem Jahr vornehmen
  • im Folgejahr die stärksten Triebe zur Hälfte abschneiden
  • restlichen Seitentriebe am Ansatz entfernen und Erziehungsschnitt vornehmen
  • Häufigkeit: so selten wie möglich und nie zwei Jahre hintereinander
Feigenbaum schneiden - Fokus auf Handschuhe

Hinweis: Beim Schneiden und insbesondere beim Radikalschnitt ist der Austritt von reichlich Milchsaft aus Feigenbäumen möglich. Dieser kann bei Hautkontakt Juckreiz und Allergien mit Ausschlag und Ekzembildung auslösen, weshalb Sie stets Handschuhe und lange Bekleidung beim Schneiden tragen sollten.

Häufig gestellte Fragen

Wie ist stark zurückgefrorenen Feigenbäumen zu neuer Energie zu verhelfen?

Um umfangreich erfrorene/zurückgefrorene Feigenbäume zu revitalisieren, hilft in der Regel nur ein Radikalschnitt. Wie sie dabei vorgehen sollten, ist im Ratgeber mit entsprechender Anleitung beschrieben. In den meisten Fällen erholen sich die betroffenen Pflanzen wieder und treiben noch im gleichen Jahr neu aus.

Warum sollte ein Feigenbaum nicht im Herbst verjüngt werden?

Ein Rückschnitt bedeutet für einen Feigenbaum stets ein Eingriff in natürliche Prozesse und eine hohe Belastung. Insbesondere im Herbst ist dies gegeben, weil sich der Ficus carica dann bereits auf den Winter und die dringend benötigte Winterruhe vorbereitet. Ein Rückschnitt würde dem Baum viel abverlangen und im schlimmsten Fall zu stark für die Wintersaison schwächen.

Welche Rolle spielen Leitäste bei der Kleinhaltung von Feigenbäumen?

Die Leitäste bilden das Grundgerüst. Von ihnen gehen die Verzweigungen ab, die für das dichte Wachstum und letztendlich für die Wuchshöhe sowie -breite sorgen. Ein regelmäßiges Zurückschneiden der Leitäste und die Entfernung von alten verzweigten Ästen lassen neue Triebe für junges Aussehen wachsen.

Mirko ist zwar studierter Anglist, beherrscht aber auch die Sprache der Pflanzen perfekt. Er wuchs quasi im Schrebergarten seiner Großeltern auf und verbringt den Großteil seiner Freizeit in der Natur, wenn er nicht gerade schreibt.

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