Feigenbaum schneiden – die Grundlage des Rückschnitts von Ficus carica

Feigenbaum richtig schneiden

Der pflegeleichte Feigenbaum gedeiht auch, wenn er keinen Schnitt erhält. Wurde er im Freiland kultiviert, kann er so sehr auswuchernd wachsen und eine beachtliche Größe und Breite erlangen. Doch dann fällt auch die Ernte der schmackhaften Früchte häufig recht gering aus. So kann der Feige mit einem gezielten Formschnitt Einhalt geboten werden, damit es im Garten nicht wüst aussieht. Und auch die Fruchtbildung kann durch zum Beispiel den Frühlingsschnitt angeregt werden.

Idealer Zeitpunkt

Der ideale Zeitpunkt für einen Erziehungs- und auch Erhaltungsschnitt der Feige sind die späten Wintermonate Februar und Anfang März. In jedem Fall sollte der Frühjahrsschnitt vor dem neuen Austrieb des Feigenbaums erfolgen. Im Herbst sollten Feigen, die im Freiland kultiviert sind nicht zurückgeschnitten werden. Denn hier besteht die Gefahr, dass Frost durch die Schnittstellen eindringt und den Baum insgesamt schädigt.

Bäume im Kübel oder direkt vor einer Hauswand kultiviert, die über den Winter in einen frostfreien Raum ziehen oder ansonsten geschützt werden, können oder sollten sogar im Herbst geschnitten werden. Denn es ist einfacher, einen kleineren Baum für den Winter vorzubereiten. Zudem kann ein Sommerschnitt erfolgen, bei dem lange Triebe entfernt werden.

Werkzeug

Für den Rückschnitt werden vor allem scharfe und desinfizierte Werkzeuge benötigt. Sind die Geräte unscharf, entstehen Unebenheiten und Risse an der Schnittstelle, in die Bakterien und Viren schneller eindringen können. Sind die Geräte nicht desinfiziert, kann es ebenfalls zum Eindringen von anhaftenden Bakterien, Viren oder Pilzsporen kommen. Mittel zum desinfizieren sind im gut sortierten Gartenhandel erhältlich, auch reiner Alkohol aus der Apotheke ist hier zu empfehlen.

Feigenbaum sollte zum richtigen Zeitpunkt geschnitten werden

Für den Rück- und Formschnitt werden folgende Geräte empfohlen:

  • Rosenschere für junge Triebe
  • Astschere für ältere Triebe
  • Säge für dicke Äste

Bei jedem Rückschnitt sollte darauf geachtet werden, dass lange Kleidung und Handschuhe getragen werden. Denn bereits bei kleinen Verletzungen am Holz oder auch dem Abbrechen der großen Blätter tritt ein Milchsaft aus, der leicht giftig ist und bei Berührung Hautreizungen verursachen kann.

Frühjahrsschnitt

Ein Feigenbaum, der im Freiland kultiviert wurde, wird in der Regel im Februar oder März zurückgeschnitten, wenn der Austrieb noch nicht begonnen hat. Hierbei ist darauf zu achten, dass Sie vor allem geschädigte Äste und Triebe kappen. Gerade die ein- oder zweijährigen Triebe sind besonders frostanfällig, ältere Äste sind von einem Frostschaden meist nicht betroffen.

Zudem neigt ein älterer Feigenbaum dazu, von Innen zu verkahlen, was durch das Schneiden ebenfalls behoben werden kann. Daher sollte bei dem Frühjahrsschnitt bei Freilandbäumen wie folgt vorgegangen werden.

So gehen Sie dabei vor:

  • immer von unten nach oben schneiden
  • dicke Triebe, die Wachstum behindern, in Bodennähe abschneiden
  • alle abgestorbenen oder erfrorenen Äste und Triebe entfernen
  • immer eine Verzweigung oder ein Auge stehen lassen
  • hieraus bildet sich im Sommer neuer Trieb
  • bei älterem Feigenbaum kräftig zurückschneiden
  • so wird einer Verkahlung vorgebeugt
  • allerdings muss in dem Schnittjahr auf Früchte verzichtet werden

Es sollte immer darauf geachtet werden, dass möglichste viele zweijährige Triebe stehen bleiben, da sich an diesen die Blüten und Früchte bilden. Zudem sollte bei größeren Schnitten, wenn zum Beispiel ein dicker Ast entfernt wurde, Baumwachs auf die Wunde gestrichen werden, das wie ein Pflaster wirkt.

Sommerschnitt

Auch im Sommer können Kübelpflanzen ohne weiteres zurückgeschnitten werden, wenn lange Triebe aus der Krone oder dem Wurzelballen herauswachsen und das Gesamtbild stören. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass sich an den ausgesuchten Trieben eine Blüten oder schon Früchte befinden. Auch Freilandfeigen können so noch einmal beschnitten werden, wenn die ersten Frostnächte noch lange nicht zu erwarten sind.

Herbstschnitt

Im Herbst, kurz vor der Überwinterung, sollten nur solche Feigenbäume geschnitten werden, die vor Frost geschützt werden. Hierzu gehören Kübelpflanzen, die in ein Winterquartier umziehen, oder Pflanzen, die direkt vor einer Hauswand oder in einer Ecke kultiviert wurden und hier auch mit Pflanzenvlies vollständig ummantelt werden können. Bei diesen Feigen ist es vor allem wichtig, dass sie nicht so ausladend wachsen, daher sollte beim Herbstschnitt auf das Folgende geachtet werden.

Feigenbaum mit seinen dunkelgrünen Blättern

So gehen Sie vor:

  • zweijährige Triebe in der Regel stehen lassen
  • von Innen störende Triebe herausschneiden
  • soweit zurückschneiden, dass die Kübelpflanze ins Winterquartier passt

Den Feigenbaum im Kübel oder an einer Hauswand/Ecke können Sie zurückschneiden, soweit Sie es wünschen. Feigenbäume vertragen auch einen größeren Rückschnitt. Es sollten genügend zweijährige Triebe verbleiben, damit auch hier die Ernte im nächsten Sommer wieder gewährleistet ist.

Erhaltungsschnitt

Ein Erhaltungsschnitt kann zu jeder Zeit im Jahr erfolgen, auch bei den Freilandfeigen. Denn dieser dient dazu, dass die Feige besser gedeihen kann. So werden beim Erhaltungsschnitt die folgenden Pflanzenteile entfernt.

  • abgestorbene oder erfrorene Äste und Triebe
  • können jederzeit entfernt werden
  • gelb werdende Blätter
  • abgestorbene Früchte

So bekommt der Baum wieder genügend Kraft, um weiter zu wachsen. Auch ein Radikalschnitt ist als Erhaltungsschnitt möglich. Sind daher die meisten Äste und Triebe in einem harten Winter abgestorben, oder ein alter Baum verkahlt, dann hilft nur noch der Radikalschnitt. Hierbei wird die Feige bis auf Bodennähe insgesamt zurückgeschnitten. Der Baum wird von der Wurzel an wieder neu austreiben.

Natürlich ist hier dann etwas Geduld gefragt, bis Ficus carica wieder so weit ist, um neue Früchte zu bilden. Daher ist es sinnvoller, den Baum im Winter zu schützen und regelmäßig zu schneiden, damit ein Frostschaden oder eine Verkahlung gar nicht erst entstehen kann.

Feigenbaum mit Feigenfrucht

Erziehungsschnitt

Der Erziehungsschnitt sollte vor dem neuen Austrieb im späten Winter erfolgen. Dieser wird in der Regel für den Aufbau einer schönen Krone durchgeführt. Daher sollte bei dem Erziehungsschnitt wie folgt vorgegangen werden.

  • alle störenden Triebe direkt in Bodennähe entfernen
  • einen mittigen, geraden Haupttrieb als späteren Stamm stehen lassen
  • Nebentriebe im Bereich der Krone ebenfalls entfernen
  • alle nach Innen wachsenden Triebe entfernen
  • sich kreuzende Triebe entfernen
  • einige neue Triebe stehen lassen
  • allerdings nur zwei Haupttriebe im Bereich der Krone stehen lassen
  • einen Haupttrieb, der zu lang wird, ebenfalls einkürzen
  • in eine runde Form bringen, alle überwachsenen Äste einkappen
  • Krone so schneiden, dass immer genügend Licht nach Innen fällt

Der Erziehungsschnitt wird nicht nur für die Formung einer ansprechenden Krone genutzt, auch für die Fruchtbildung kann dieser entscheidend sein. Denn die Früchte bilden sich nur an den zweijährigen Trieben, daher sollte darauf geachtet werden, dass von diesen möglichst viele stehen gelassen werden, damit die Ernte reichhaltig ausfällt. Und auch an den neuen Trieben entwickeln sich Früchte, allerdings erst später im Jahr. Werden daher ein- und zweijährige Triebe beim Erziehungsschnitt gefördert und nicht entfernt, kann es zu einer zweimaligen Ernte in dem Jahr kommen.

Feigenbaum als Spalier

Ein Feigenbaum kann auch in einem Spalier kultiviert werden. Hierzu benötigt er jedoch den passenden Formschnitt. Gerade in kleinen Gärten ist Spalierobst recht platzsparend und kann auch einen Sichtschutz zum Nachbarn ersetzen.

Hierzu wird wie folgt vorgegangen:

  • Feige auf zwei bis drei Haupttriebe reduzieren
  • diese wachsen direkt aus den Wurzeln
  • die Haupttriebe an das Spalier binden
  • alle Nebentriebe, die stören, schneiden
  • auch in die falsche Richtung wachsende Triebe kappen
  • alle anderen Triebe an das Spalier binden
  • auf genügend Luft und Licht zwischen den einzelnen Trieben achten

Feigenbaum mit Früchten

Der Feigenbaum als Spalier kann einzeln in einem großen Kübel oder mit mehreren Pflanzen gemeinsam vor einem Zaun oder einer Hauswand kultiviert werden. Der Vorteil hierbei ist der Platz, der gespart wird, da die Feige nicht so ausladend wächst, wie bei einem Baum mit Krone. Natürlich fällt bei diesem Spalierobst aufgrund der wenigen Triebe die Ernte auch geringer aus. Dennoch ist dies eine gute Möglichkeit, auch in einem kleinen Garten oder auf einer kleinen Terrasse/Balkon nicht auf die schmackhaften Früchte verzichten zu müssen.

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