Fledermäuse bestimmen - Titel

Fledermäuse haben leider immer noch einen schlechten Ruf, dabei sind es sehr faszinierende Tiere. Viele Arten leben auch in den hiesigen Gebieten, von denen im folgenden Artikel einige einmal genauer vorgestellt werden.

Auf den Punkt gebracht

  • Fledermäuse gibt es bereits seit 50 Millionen Jahren
  • einzige Säugetierart, die es jemals gelernt hat, aktiv zu fliegen
  • leben in der Dunkelheit, schlafen tagsüber an einem dunklen Ort und fliegen nur nachts
  • Fledermäuse schlafen immer kopfüber hängend auf dem Speicher an Dachbalken oder in einer Höhle am Felsen
  • finden durch Ultraschallrufe ihren Weg

Wald- und Felsenfledermäuse

Zu diesen Arten gehören alle Fledermäuse, die sich von den Häusern fernhalten und lieber direkt in der freien Natur, im Wald oder in den Bergen leben. Hier schlafen sie bevorzugt in Höhlen, in dichten Bäumen oder in Felsspalten. Abends machen sie im Wald oder auf Wiesen Jagd nach den bevorzugten Insekten.

Arten von A – F

Alpenfledermaus (Hypsugo savii, Syn.: Pipistrellus savii)

Alpenfledermaus (Hypsugo savii)
Quelle: This illustration was made by (User:Royonx) and released under the license(s) stated above. You are free to use it for any purpose as long as you credit me and follow the terms of the license. Example :  © Michel Royon / Wikimedia Commons If you use this image outside of the Wikimedia projects, I would be happy to hear from you par courriel ( royonx gmail.com). Thanks !
Ce message en français, Vespere de Savi, bearbeitet von Plantopedia, CC0 1.0
  • lebt bevorzugt in den Bergen
  • nur in südlichen Regionen des Landes
  • lebt in felsenreichen Lebensräumen
  • zwischen Alpen und Mittelmeerküste
  • immer mehr auch in urbanen Bereichen gesichtet
  • „bunter Hund“ unter Fledermäusen
  • braungold schimmernd
  • langhaarig
  • breite, kurze, abgerundete Ohren
  • hält Flügel im Gleitflug halb geschlossen

Hinweis: Die höchste Höhe, in der die Alpenfledermaus gesichtet wurde, liegt bei 3.300 Meter. Daher gilt die Alpenfledermaus auch unter allen Fledermausarten als Bergsteiger.

Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)

Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)
  • lebt in einem Jahr an 50 verschiedenen Quartieren
  • große Ohren
  • langhaariges Fell
  • daher recht langsamer Flug
  • breite, kurze Vorderflügel
  • helfen bei wendigen Flugmanövern
  • sogar zwischen Blättern von Bäumen und Büschen
  • nutzen nur kurze Ultraschallrufe
  • die großen Ohren nehmen kleinstes Echo wahr

Hinweis: Die Bechsteinfledermaus jagt nicht nur in der Luft nach Insekten, sondern kann auch auf dem Boden oder Blättern sitzende Insekten während ihres Fluges absammeln.

Arten von G – J

Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)

Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)
  • bis zu 60 km/h sehr schnelle Jagdgeschwindigkeit
  • in Morgen- und Abenddämmerung
  • schmale, lange, spitze Flügel für schnellen Flug
  • Spannweite zwischen 32 und 40 Zentimetern
  • sehr ausdauernd, 10 km Flugweite üblich
  • sehr große Fledermausart
  • kann nicht gut manövrieren
  • anliegendes, glattes, speckiges, rostbraunes Fell
  • wandernde Art
  • fliegen bis zu 1.600 km zum Winterquartier

Große Bartfledermaus (Myotis brandti)

Große Bartfledermaus (Myotis brandti)
Quelle: Rauno Kalda, Brandt’s bat (Myotis brandtii), bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 4.0
  • bevorzugt feuchte Gegenden
  • Moore, feuchte Wälder und an Gewässern
  • kleine Fledermausart
  • sehr langes Fell
  • dunkelbraungraue Basis
  • goldglänzend an den Rückenfellspitzen

Hinweis: Fledermäuse können mit den „Ohren sehen“ indem sie verschiedene Geräusche ausstoßen, deren Frequenzen für uns Menschen meist nicht oder nur ganz gering hörbar sind. Nach dem Schall der darauf erfolgt, lassen sie sich leiten.

Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum)

Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum)
  • Rufe werden über die Nase abgegeben
  • nicht wie bei anderen Fledermäusen über die Schnauze
  • Nase ist hufeisenförmig
  • auffälliger Hautlappen an Nase
  • im Sommer auf Dachböden von Türmen oder Höhlen
  • im Winter in Gewölben und Höhlen
  • Männchen paaren sich mit allen Weibchen der Familie
  • sind hier aber treu
  • die Art kann sehr alt bis zu 30 Jahre werden

Arten von K – Q

Kleiner Abendsegler (Nyctalus leisleri)

  • kleine Schwesternart des Großen Abendseglers
  • jährliche weite Wanderungen
  • kaum kleiner als die große Art
  • Flügelspannweite 26 bis 32 Zentimeter
  • kurze, zweifarbige, enganliegende Haare
  • Basis schwarzbraun, Spitzen rostbraun
  • jagen oft entlang von linear kultivierten Gehölzen
  • zum Beispiel Alleen oder Baumreihen
  • auch an beleuchteten Straßenzügen

Kleine Bartfledermaus (Myotis mystacinus)

Kleine Bartfledermaus (Myotis mystacinus)
  • Verwechslungen mit Zwerg- und Nymphenfledermaus
  • ebenso mit der Großen Bartfledermaus
  • nur wenig kleiner als die „große“ Schwester
  • sehr seltene Fledermausart
  • schwarzbraune Flug- und Gesichtshäute
  • krauses, langes Fell
  • dunkelgraubraun auf Oberseite
  • jagt auf Wiesen und in Wäldern
  • schläft in Bauwerken
  • in den Verschalungen
  • auch hinter wenig genutzten Fensterläden

Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii)

Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii)
  • kommt auch nördlich vom Polarkreis vor
  • weit verbreitet in Europa
  • da kaltes Klima bevorzugt wird
  • bevorzugtes Jagdgebiet der Waldrand
  • auch an Teichen
  • unter Laternen
  • schnappt ihre Beute aus der Luft
  • im Sommer in Spalten von Gebäuden
  • im Winter in Höhlen oder Felsspalten
  • kann bis zu 20 Jahre alt werden

Nymphenfledermaus (Myotis alcathoe)

Nymphenfledermaus (Myotis alcathoe)
Quelle: Manuel Ruedi, Myotis alcathoe – Manuel Ruedi – 1, bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 3.0
  • wurde 2001 als eigene Art anerkannt
  • ähnelt der Kleinen Bartfledermaus
  • besitzt allerdings eine andere Genetik
  • Gebiss und Ruf unterscheiden sie ebenfalls
  • in Deutschland zum ersten Mal 2005 gesehen
  • Name aus der griechischen Mythologie
  • eine Nymphe wurde zur Strafe in eine Fledermaus verwandelt

Arten von R – Z

Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii)

Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii)
Quelle: Evgeniy Yakhontov, Pipistrellus nathusii 01, bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 3.0
  • schläft auf Dachböden jagt in Wäldern
  • benötigt viele Gehölze zum jagen
  • Quartier bevorzugt in der Nähe von Gewässern
  • jagen im Uferbereich
  • Wochenstubenkolonien finden sich in engen Spalten
  • im Sommer auch in Baumhöhlen
  • sehr kleine Art
  • nicht viel größer als Mücken- oder Zwergfledermäuse
  • zum Winterquartier werden bis zu 1.900 km zurückgelegt

Tipp: Hängen Sie in Ihrem Garten Fledermauskästen auf. Diese werden von der kleinen Rauhautfledermaus gerne angenommen, auch wenn sie eher als Waldfledermaus eingestuft wird.

Teichfledermaus (Myotis dasycneme)

Teichfledermaus (Myotis dasycneme)
Quelle: Gilles San Martin from Namur, Belgium, Myotis dasycneme, bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 2.0
  • große Flügelspannweite
  • zwischen 20 und 30 Zentimetern
  • bevorzugen gewässerreiche Gebiete in Norddeutschland
  • an Flüssen oder großen Seen
  • benötigen große Wasserflächen zum Jagen
  • geradliniger, schneller Flug
  • bevorzugen Köcherfliegen und Zuckmücken

Hausfledermäuse

Zu den Hausfledermäusen gehören alle die Arten, die sich gerne in der Nähe der Menschen aufhalten und hier bevorzugt auf Dachböden übernachten. Diese Fledermäuse jagen dann auch überwiegend in den Gärten und Parks am Rande von großen Städten und in kleinen Dörfern.

Arten von A – F

Braunes Langohr (Plecotus auritus)

Braunes Langohr (Plecotus auritus)
  • Ultraschallrufe werden durch Nase und Mund abgegeben
  • Insekten werden von Blättern gesammelt
  • besitzen Schalltrichterohren
  • können so auch leise Echos wahrnehmen
  • Jagdgebiet Wald und Garten
  • auch Scheunen oder in Nähe von Häusern
  • bevorzugen Wickler, Motten und Spanner
  • Wochenstubenkolonien vermehrt auf Dachböden
  • verkriechen sich in Spalten im Dach
  • Winterschlaf bevorzugt in feuchten und kühlen Kellern

Tipp: Wenn Sie es in der Nacht ganz ruhig ist, können Sie die flüsternden Ultraschallrufe der Langohrfledermäuse sogar hören, diese liegen bei über 50 Kilohertz und somit über der menschlichen Hörfähigkeit.

Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)

Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)
  • lebt gerne versteckt in Dehnungsfugen oder Spalten
  • zwischen Isolierung und Dachpfannen
  • typische „Hausfledermaus“
  • kommt direkt nach Sonnenuntergang aus Quartier
  • fliegt behäbig und langsam
  • Geschwindigkeit zwischen 20 und 30 km/h
  • Jagdraum direkt im anliegenden Garten
  • bevorzugt auch unter Straßenlaternen

Hinweis: Wussten Sie, dass es Fledermäuse bereits seit vermuteten 50 Millionen Jahren auf der Welt gibt. Die Säugetiere sind die einzigen, die es gelernt haben, selbstständig zu fliegen.

Fransenfledermaus (Myotis nattereri)

Fransenfledermaus (Myotis nattereri)
  • sowohl Wald- als auch Hausfledermaus
  • bevorzugt Dachböden für die Aufzucht des Nachwuchses
  • hier in Hohlräumen
  • zwischen Innen- und Außenwänden
  • auch in Kuhställen zu finden
  • werden oft auch für Nahrungssuche nicht verlassen
  • borstige Haare auf Schwanzflughaut

Arten von G – Z

Graues Langohr (Plecotus austriacus)

Graues Langohr (Plecotus austriacus)
Quelle: Andrei Sakhno, Plecotus austriacus1, bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 4.0
  • Ohren sehen aus wie das Horn des Widders
  • kann mit Braunem Langohr verwechselt werden
  • graues Fell
  • lange Schnauze
  • bevorzugt Gebäudespalten
  • im Winter in Gewölben und Höhlen
  • Rufe können kaum wahrgenommen werden
  • hört sich an wie „vrrrrrt“

Großes Mausohr (Myotis myotis)

Großes Mausohr (Myotis myotis)
  • hat sehr gute Ohren
  • nimmt Rascheln im Laub auf Boden wahr
  • bevorzugt Dachböden
  • vor allem in Schlössern oder Kirchen
  • hängt hier kopfüber und frei
  • Wochenstube mehr als 2.000 Tiere
  • Hängezeit hier ist saisonal im Sommer
  • nur Weibchen mit Nachwuchs
  • kommen über viele Generationen wieder

Häufig gestellte Fragen

Sind ausgestorbene Fledermausarten bekannt?

In Deutschland gilt die Langflügelfledermaus (Miniopterus schreibersii) als ausgestorben. Hat sie sich in den 60ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts noch am Kaiserstuhl fortgepflanzt, so gibt es seit den 90zigern jedoch keine Nachweise mehr, dass sie noch in Deutschland lebt. Im Mittelmeerraum ist sie jedoch noch verbreitet.

Gibt es eine „Fledermausart des Jahres 2020“?

„Fledermaus des Jahres 2020/21“ ist die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), die ihren Namen ihrer gedrungenen Nase verdankt, die dem Mops ähnlich ist. Die Mopsfledermaus gehört zu den Waldfledermäusen, bezieht im Winter aber auch gerne Keller.

Welche ist die kleinste Fledermausart in Deutschland?

Bei der Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus, Syn.: Pipistrellus mediterraneus), die erst vor wenigen Jahren entdeckt wurde, handelt es sich um die kleinste Fledermausart in den hiesigen Gebieten. Vorher war nur die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) bekannt. Es ist allerdings noch weitgehend unerforscht, wie sich die Lebensweise der beiden kleinsten Arten unterscheidet.

Wie viele Fledermausarten gibt es?

Auf der Erde leben zurzeit mehr als 1.200 Fledermausarten. Die meisten hiervon bevorzugen jedoch die Wärme und leben daher in den tropischen Klimazonen. Je weiter man jedoch nach Norden kommt, desto geringer wird die Artenvielfalt. So sind in Deutschland zurzeit 25 Fledermausarten bekannt, die hier die Gärten und Wälder bewohnen.