Frostschäden an Weinreben

Reblaus, Heu- und Sauerwurm oder die Rebenpockenmilbe- Weinreben besitzen viele Schädlinge. Mit Pflanzenschutzmitteln lassen sich diese jedoch effektiv bekämpfen. Es ist der Frost, der dem Winzer wahre Sorge bereitet. Obgleich bereits zahlreiche Schutzmaßnahmen bekannt sind, gegen klimatische Bedingungen sind Landwirte noch immer machtlos. Um den Launen der Natur dennoch zu einem gewissen Teil entgegenwirken zu können, ist es wichtig, Frostschäden an den Reben zu erkennen.

Gefährdete Gebiete

Vor allem in sogenannten Frostlagen ist ein erhöhter Winterschutz unabdingbar. Dabei handelt es sich um Gebiete, in denen der Luftfluss behindert wird. Zumeist findet man diese problematischen Standortbedingungen in Tälern und Niederungen oder auch an bebauten Orten, an denen sich beispielsweise Lärmschutzdämme als störende Faktoren erweisen. Um die Weinreben vor der Witterung zu schützen, ist ein erhöhter Arbeitsaufwand nötig. In manchen Fällen können auch nur bestimmte Sorten angebaut werden.

Weinrebe mit Trauben

Frostschäden

Bei Frostschäden an Weinreben unterscheidet man in 3 verschiedene Gruppen. Gruppiert werden die Schäden dabei nach dem Zeitpunkt des Frosteintritts.

  • Frühfrost
  • Winterfrost
  • Spätfrost

Frühfrost

Frühfröste setzen noch vor dem Blattabwurf im späten Herbst ein. Sind die Weinreben zu diesem Zeitpunkt aber schon gut entwickelt, besteht nur wenig Gefahr für Folgeschäden des Holzes. Zudem existieren Wein Sorten, die eine hohe Resistenz gegen früh einsetzenden Frost aufweisen.

Frühfrostschäden an der Weinrebe

Winterfrost

Winterfröste werden von Rebsorte zu Rebsorte unterschiedlich gut vertragen. Der Kälteeinbruch stört die Nährstoffaufnahme und dessen Speicherungen in den Reservezellen. Sind diese bereits gut ausgebildet, bleibt ein Temperaturabfall bis zu -20°C folgenlos. Entscheidend für die Schädigung ist allerdings der Witterungsverlauf. Ein plötzliches Absinken der Temperatur führt zu stärkeren Schäden als eine gleichmäßige Abkühlung.

Spätfrost

Spätfröste können noch bis Mitte Mai auftreten. Erst nach den Eisheiligen sinkt die Wahrscheinlichkeit. Von Winzern wird diese Art von Frost am meisten gefürchtet, da die jungen Reben in dieser Zeit besonders anfällig für Temperaturen unter dem Gefrierpunt sind. Bereits -1°C oder -2°C setzen den Weinreben in dieser Jahreszeit stark zu. Während sich die Reben in der kalten Jahreszeit zwischen November und März in eine Art Winterruhe zurückziehen, treiben sie im kommenden Frühling erneut aus und sind wie alle Pflanzen sehr anfällig. Hier entsteht ein Zwiespalt zwischen Vor- und Nachteilen eines warmen Frühlings. Einerseits bedeutet ein früher Austrieb eine sehr lange Reifezeit des Weins und somit gute Chancen auf eine erhöhte Mostgewichtszunahme. Andererseits besteht im April ein erhöhtes Risiko, dass die jungen Weinstöcke durch klare, kühle Nächte Schaden davontragen.

Spätfrostschäden an der Weinrebe

Symptome

Leidet der Wein unter Frost, treten folgende Symptome auf:

Sofort erkennbare Symptome

  • rötlich braune Verfärbung der Blätter
  • die Blätter rollen sich ein
  • verfrühter Blattabwurf
  • unreife Beeren weisen eine rotbraune Verfärbung auf
  • ihr Geschmack verändert sich
  • Wucherungen durch Bakterieneinlagerung (Mauke)

Spätfolgen

  • Diaphragma- beziehungsweise Kambiumschaden
  • Augenschaden
  • Apoplexie

Diaphragmaschaden

Diese Veränderung am Stock der Weinrebe wird auch als Holzbrücke bezeichnet. Die Pflanzen speichern Nährstoffe im Bast, die unter anderem ihre Stabilität aufrechterhalten. Ab einer Temperatur von ca. -10°C erfrieren jedoch die Speicherzellen, sodass das Holz marode und brüchig wird. Lediglich bei Dickenzuwachs bleibt das Schadbild aus, da hier eine ausreichende Isolation gewährleistet ist. Junge Reben sind besonders gefährdet, da sie in der Regel nur wenige Nährstoffe aufgenommen haben. Zunächst bleibt der Schaden unerkannt. Erst nach mehreren Monaten trifft es den Winzer aber umso heftiger, wenn einzelne Stockteile oder sogar der ganze Rebstock abstirbt. Schneidet man erkrankte Stöcke auf, zeigt sich deutlich eine schwarze Verfärbung des eigentlich grünen Kambiums.

 Diaphragma geschädigt durch Winterfrost

Augenschaden

Ähnliche Verfärbungen zeigen sich beim Augenschaden, auch als Knospenschaden bekannt. Ein deutliches Merkmal für diese Art von Frost an der Weinrebe ist der verspätete Austrieb. Bei vollständiger Erfrierung bleibt er sogar vollständig aus.

Apoplexie

Bei der Apoplexie erfolgt der Austrieb im Frühjahr wie üblich. Allerdings platzt das Holz an den Stöcken auf, da der Wasserhaushalt durch den Frost aus dem Gleichgewicht geraten ist. Kommt es in warmen Sommern zu einem erhöhten Wasserbedarf, kollabiert die Weinrebe und stirbt ab. Sind nur geringe Teile beschädigt, können diese Symptome auch noch nach mehreren Jahren auftreten. Auf einen Frostschaden lässt sich dann nicht mehr genau schließen.

Hinweis: Obgleich die genannten Symptome in der Regel erst nach einigen Monaten sichtbar werden, lässt sich schon früh auf einen Frostschaden schließen. Zunächst treiben die Weinreben zwar noch aus und scheinen wohlauf zu sein. Sie bilden grüne Blätter und machen einen gesunden Eindruck. Bei genauerer Betrachtung ist jedoch kein Fruchtansatz zu erkennen. Für den Winzer bedeutet das selbigen Arbeitsaufwand wie in den vergangenen Jahren, wobei der Ernteertrag allerdings vollständig ausbleibt.

Frostschäden erkennen

Um das Ausmaß der Frostschäden festzustellen, muss die Analyse erst nach den Eisheiligen erfolgen. Zwei Verfahren sind dafür üblich:

  • ein Längsschnitt der Augen
  • die Entnahme von Einaugenstecklingen, die mithilfe der Schwimmmethode auf ihren erneuten Austrieb geprüft werden

Für die Untersuchung werden dem Rebstock mindestens zehn Ruten diagonal aus dem Anbau entnommen. Übersteigt der Augenausfall bei den genannten Verfahren eine Quote von 30 %, liegen akute Frostschäden vor. Ein Ergebnis unter diesem Wert gilt hingegen als natürlicher Verlust.

Weinreben schützen

Um einem Frostschaden an Weinreben vorzubeugen, sollten die oben beschriebenen Frostlagen vermieden werden. Das bedeutet:

  • eine geeignete Standortwahl beim Anbau des Rebstocks (Hänge und Täler vermeiden)
  • Begrünungen regelmäßig zurückschneiden
  • bevorzugt frostharte Wein Sorten anbauen
  • regelmäßige Pflanzenschutzmaßnahmen
  • keine Düngung vornehmen, schon gar nicht mit stickstoffhaltigen Mitteln
  • den Boden nur flach bearbeiten, um möglichst wenig Stickstoff freizusetzen (dieser fördert den frühen Austrieb)

Ferner sollte der Winterschutz individuell nach dem Alter des Weinstocks erfolgen.

Neu- und Junganlagen

  • ein hochgelegenes Erziehungssystem wählen (vor allem Bodennahe Rebstöcke fallen dem Frost zum Opfer)
  • neue Reben erst nach den Eisheiligen pflanzen und anhäufeln

Ältere Weinreben

  • Frostruten anschneiden
  • bereits im Herbst anhäufeln
  • später Rebschnitt
  • Rebstöcke eingraben

Weinrebe mit grünen Trauben

Behandlung bereits geschädigter Reben

Teilgeschädigte Rebstöcke

  • fallen die erfrorenen Triebe und Blätter nicht von alleine ab, müssen diese zum Schutz vor einer Botrytisinfektion entfernt werden
  • nachfolgende Geiztriebe abschneiden und gegebenenfalls als Frostrute nutzen
  • Austriebe des Stammes entfernen
  • für genügend Lichtzufuhr sorgen, indem das störende Laub entfernt wird
  • ein Frostschaden führt zu zeitversetzter Wein Reife. Daher zwei Lesen durchführen

Vollständig geschädigte Rebstöcke

  • Triebe nicht an der Bogrebe brechen
  • Traubenzone offen halten, um Fäulnis zu verhindern
  • neue Triebe als Frostruten heranziehen
  • keine Herbizide zum Wiederaufbau der Reben verwenden
  • eine erforderliche Rodung muss der Weinbaukartei gemeldet werden

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