Gartenkalk richtig ausbringen

Es heißt, wer Gemüse oder auch Kräuter im Garten anbaut, der sollte seinen Garten kalken. Auch Gärtner mit einem Rasen kennen die Empfehlung, die Grünfläche regelmäßig zu kalken. Doch wo liegt eigentlich der Vorteil? Muss jedes Beet oder Rasen gekalkt werden und wie viel Kalk benötigt man? Diese und viele weitere Fragen beantworten wir Ihnen in diesem Artikel rund ums Thema Gartenkalk.

Gartenkalk

Wirkungsweise

Gartenkalk wird zur Bodenverbesserung eingesetzt. Er versorgt die Pflanzen mit lebenswichtigem Calcium und ist daran beteiligt, Nährstoffe im Boden für die Pflanzen verfügbar zu machen. Dadurch werden die Pflanzen widerstandsfähiger. Gleichzeitig wird der pH-Wert im Boden angehoben, um einer Übersäuerung der Erde entgegenzuwirken. Das Kalken des Gartenbodens hat eine ganze Menge Vorteile, dazu gehören die Folgenden.

  1. Gartenkalk schafft eine feinkrümelige Erde
  2. sorgt für Stabilität im Boden, indem er die Bodenstruktur verbessert
  3. schützt den Gartenboden vor Verschlämmung
  4. stärkt die Pflanzen, sodass sie weniger anfällig für Krankheiten sind
  5. reguliert den Säuregehalt im Erdreich, indem er die Säure neutralisiert
  6. fördert die Verbreitung und biologische Aktivität von wichtigen Organismen im Boden
  7. erschwert das Wachstum von vielen ungewünschten Rasenunkräutern
  8. fördert im Frühjahr die rasche Erwärmung des Gartenbodens

Gartenkalk zur Bodenverbesserung

Doch das Ausbringen von Gartenkalk hat nicht nur Vorteile. Wer im Garten zu viel Kalkdünger ausbringt, der fördert den schnellen Abbau von Humus. Das setzt zwar kurzfristig jede Menge Nährstoffe frei, laugt auf Dauer aber den Boden aus. Verschwindet der Humus, verschlechtert sich die Struktur des Gartenbodens und das Speichervermögen für Wasser und Nährstoffe schwindet.

Optimale pH-Werte

Je nach Bodenart gibt es Erfahrungswerte, bei welchem Wert der optimale pH-Wert in der Erde liegen sollte. Fehlt es an Kalk, ist der pH-Wert zu niedrig. Bitte kalken Sie niemals Areale in Ihrem Garten, in denen Pflanzen wachsen, die ein stark saures Bodenmilieu benötigen. Hierzu gehören beispielsweise Rhododendren, Azaleen oder auch blaue Hortensien.

  • Lehmboden: pH-Wert von 7
  • sandiger Lehmboden: pH-Wert von 6,5
  • lehmiger Sandboden: pH-Werte um 6
  • reiner Sandboden: pH-Wert etwa 5,5

Bodentest durchführen

Im Handel gibt es spezielle Kalkprüfer-Sets für den Gartenboden, mit dem auch Gärtner ohne chemische Vorbildung mittels einer Färbereaktion den genauen pH-Wert des Bodens messen können. Dabei wird nach Anleitung eine Bodenprobe entnommen und in ein Glasröhrchen gefüllt. Anschließend wird mit destilliertem Wasser aufgeschlämmt und eine Test-Tablette hinzugegeben. Nach dem Umschütteln wird gewartet, bis sich die Feststoffe absetzen und die überstehende Lösung mit einer Farbskala verglichen. Der Test kann für Gemüsebeete, Rasenflächen oder auch Blumenbeete verwendet werden. Es gibt auch Tests, die statt einer Tablette Teststreifen mit Farbskala enthalten.

Zeigerpflanzen

Hinweise auf den Kalkgehalt im Boden liefern auch bestimmte Pflanzenarten. Wenn Sie etwas genauer hinsehen, müssen Sie eventuell keinen Bodentest durchführen. Es gibt sogenannte Zeigerpflanzen, das sind Gewächse, die sich ausschließlich bei ganz bestimmten Bedingungen wohlfühlen. So gibt es auch Zeigerpflanzen, die auf einen Kalkmangel oder hohe Kalkmengen hindeuten.

Zeigerpflanzen für Kalkmangel (mögen einen eher sauren Boden):

  • Bauernsenf (Teesdalia nudicaulis)
  • Hasen-Klee (Trifolium arvense)
  • Hundskamille (Anthemis)
  • Moos
  • Sauerampfer (Rumex acetosa)
  • Schachtelhalm (Equisetum)
  • Stiefmütterchen (Viola)

Zeigerpflanzen für hohe pH-Werte im Boden (mögen kalkhaltige Böden):

  • Brennnessel (Urtica)
  • Hirtenäschel (Capsella bursa-pastoris)
  • Taubnessel (Lamium)

Kalkmenge

Wie viel Kalk benötigt man?

Die Frage, die sich wohl die meisten Hobbygärtner stellen, ist, wie viel Gartenkalk man eigentlich benötigt. „Viel hilft viel“ ist hier die falsche Devise. Denn wer zu viel kalkt, bewirkt meist das Gegenteil von dem, was er sich erhofft. Zu viel Gartenkalk ist schädlich für viele Pflanzen. Nicht alleine deshalb, weil er verschiedene Nährstoffe in eine Form überführt, die sich nicht mehr in Wasser löst. Damit werden diese Nährstoffe, wie beispielsweise Eisen, nicht mehr für die Pflanzen verfügbar, sodass andere Mangelerscheinungen auftreten können. Von Natur aus sinkt der pH-Wert in meisten Böden im Laufe der Zeit ab. Dass er ansteigt, ist nur sehr selten zu beobachten.

Gartenkalk für den Gartenboden

Bei leichten Unterschreitungen der oben genannten Werte für die einzelnen Bodenarten müssen Sie natürlich weniger Gartenkalk ausbringen als bei starker Unterschreitung. Deshalb unterscheidet man zwischen einer Gesundkalkung und einer Erhaltungskalkung.

Erhaltungskalkung

Solange die Pflanzen auf dem Gartenboden keine Anzeichen einer Unterversorgung zeigen, ist es ratsam, die Kalkung so vorzunehmen, dass der bestehende Versorgungsgrad erhalten bleibt. Bei dieser sogenannten Erhaltungskalkung sollte lediglich der optimale pH-Bereich erhalten bleiben.

Gesundkalkung

Eine etwas radikalere Maßnahme ist immer dann notwendig, wenn verstärkt Anzeichen auftreten, die auf eine deutliche Unterversorgung der Pflanzen hindeuten. Sehr saure Erde (pH 5 oder darunter) ist für die Struktur des Bodens ungünstig. Die krümelige Struktur geht verloren und der Boden verliert die Fähigkeit, das Wasser gut abzuleiten. Die Folge ist einerseits eine Verschlämmung des Bodens, andererseits werden die Mikroorganismen gehemmt. Es gibt verschiedene Anzeichen an Pflanzen, die durch einen Kalkmangel hervorgerufen werden. Sie sind bei näherer Betrachtung auch für das etwas ungeübte Auge zu erkennen. Bei einem Nährstoffmangel von Calcium sind an den Pflanzen beispielsweise folgende Anzeichen zu beobachten.

  • geschwächtes Wachstum
  • gehemmte Wurzelbildung
  • hellgrüne oder bräunliche Flecken auf den Blättern
  • trockene Blattränder (trotz ausreichender Wassermengen)
  • Blütenfäule bei Fruchtgemüse (wie Paprika, Gurke oder Tomate)

Algenkalk ist ein natürlicher Rohstoff

Kalkarten

Bei Kalk handelt es sich aus chemischer Sicht um eine Verbindung des Elementes Calcium. Calcium gehört zu den wichtigsten Nährstoffen und mineralischen Bausteinen bei Pflanzen. Es wird beispielsweise beim Aufbau der Zellwände benötigt. In der Natur kommt Calcium in unterschiedlichen Gesteinen oder auch Sedimenten der kalkhaltigen Schalen von Muscheln oder Schnecken als sogenannter „kohlensaurer Kalk“ vor. Hierbei handelt es sich um Calciumcarbonat (CaCO3). Viele der im Handel erhältlichen Kalkdünger basieren auf kohlensaurem Kalk.

Im Handel werden die unterschiedlichsten Bezeichnungen für Gartenkalk verwendet. Hinter den Handelsnamen verstecken meist ähnliche Grundstoffe. Je nach Bodenart hat man die Wahl zwischen unterschiedlichen Produkten.

Im Allgemeinen wird empfohlen:

  • Algenkalk: für humusreiche Böden
  • kohlensauer Kalk: für humusreiche Erde
  • Gartenkalk: für leichte und mittelschwere Böden
  • Kalkmergel: für sehr sandige Böden

Ätzkalk (Branntkalk) und gelöschter Kalk

Bei ungelöschtem Kalk oder Ätzkalk handelt es sich um Calciumoxid, das mit Wasser zum sogenannten gelöschten Kalk (Calciumhydroxid) reagiert. Beide Formen wirken sehr schnell, da sie in einer gut wasserlöslichen Form vorliegen. Anwendung finden sie vor allem in der Landwirtschaft. Für privaten Hausgarten sind beide Produkte nicht zu empfehlen. Es handelt sich um sehr aggressive Substanzen, die nicht nur Haut und Schleimhäute irreversibel verätzen können, sondern auch die Pflanzen und die Umwelt bei unsachgemäßer Anwendung schädigen. Greifen Sie lieber auf eine milde Variante mit Calciumcarbonat zurück!

Kohlensaurer Kalk (Naturkalk)

Es gibt verschiedene Kalksorten, die als Kalkstein in der Natur vorkommen, beispielsweise in Kreidestein, Dolomitkalk, Kalkstein oder auch Kalkmergel. Hauptbestandteil dieser kalkhaltigen Gesteine ist Calciumcarbonat, auch kohlensaurer Kalk genannt. Da sich diese Kalkart nur langsam auflöst, wirkt sie schonend und lange anhaltend. Am besten wird sie im Herbst ausgebracht. Dolomitkalk enthält zusätzlich noch Magnesium. Der erhöhte Magnesiumgehalt eignet sich vor allem für Pflanzen mit hohem Magnesiumbedarf wie beispielsweise Nadelbäume. Wer regelmäßig kalkt, sollte keine Produkte mit Magnesiumanteil über 10% verwenden, da sonst ein Überangebot entsteht.

Kalkmergel

Kalkmergel enthält in der Regel etwa 60 bis 70% kohlensauren Kalk. Der Rest besteht aus Ton, der die Speicherfähigkeit sehr sandiger Böden optimiert. Kalkmergel verbessert auch deshalb nachhaltig die Bodenqualität, da der Tonanteil dazu beiträgt, den pH-Wert zu stabilisieren.

Algenkalk

Algenkalk besteht zu einem Großteil aus Calciumcarbonat (um 70%), der aus den abgestorbenen Ablagerungen von Rotalgen gewonnen wird. Er enthält neben Kalzium auch Magnesium (bis zu 10% Magnesiumcarbonat) und verschiedene Spurenelemente. Algenkalk ist jedoch relativ teuer.

Algenkalk als ökologischer Dünger
Algenkalk

Gartenkalk/Rasenkalk

Als Gartenkalk oder auch Rasenkalk werden je nach Verwendung verschiedene, meist natürliche Kalkprodukte bezeichnet. In der Regel handelt es sich um Varianten von gemahlenem Naturkalk mit einem etwas geringeren Magnesiumanteil. Verwendet wird Gartenkalk in der Regel für leichte bis mittlere Gartenböden in Beeten oder für Rasen. Da Gartenkalk von Natur aus schwer löslich ist, entfaltet er seine Wirkung langsam und schonend. Grundsätzliche unterscheidet sich Gartenkalk nicht von Rasenkalk und beide Produkte können überall eingesetzt werden, insofern sie keine Zusatzstoffe wie Unkrautvernichter oder gezielte Dünger enthalten.

Gesteinsmehl

Gesteinsmehle, auch Urgesteinsmehle können in ihrer Zusammensetzung sehr stark variieren. Während einige Produkte vorwiegend Calciumcarbonat, Magnesium, Kalium und einige Spurenelemente enthalten, haben andere einen hohen Anteil an sauren Komponenten. Deshalb ist im Einzelfall zu überprüfen, ob sich das Gesteinsmehl überhaupt zum Kalken des Gartenbodens eignet.

Kombination aus Kalk und Dünger

Zusätzlich gibt es eine Vielzahl an Produkten, die neben dem eigentlichen Gartenkalk auch verschiedene zusätzliche Dünger enthalten. Die meisten Arten von Rasenkalk sind Kalkdünger, die beispielsweise gezielte Langzeitdünger für Gräser beinhalten.

Gartenkalk zur richtigen Zeit ausbringen

Zeitpunkt

Zeitpunkt zum Ausbringen

Auch der Zeitpunkt für das Ausbringen des Kalks ist ein wichtiger Faktor. Die perfekte Jahreszeit zum Kalken von Blumen- und Gemüsebeeten ist das Frühjahr oder der Herbst. Da kalkhaltige Produkte jedoch nicht zusammen mit stickstoffhaltigen Düngern ausgebracht werden sollten, da in diesem Fall Stickstoffverluste zu verzeichnen sind, ist in den meisten Fällen eine Herbstkalkung sinnvoller. Milde Produkte aus Calciumcarbonat können Sie ganzjährig als Rasenkalk ausbringen, wenn dies notwendig sein sollte. Am besten wird die Rasenfläche gekalkt, nachdem Sie vertikutiert haben.

Anleitung

Ein paar Bedingungen sollten Sie beachten, wenn Sie Gartenkalk auf die Beete oder den Rasen ausbringen. Dazu gehört, dass der Gartenkalk möglichst breitflächig und gleichmäßig auf den Gartenboden oder die Rasenfläche verteilt werden sollte.

  • nur bei trockenem Boden kalken
  • verkrustet, wenn er mit Regen oder Feuchtigkeit in Kontakt kommt
  • auf Beeten tief in die Erde einarbeiten
  • bei Rasen mit der Harke in den Boden einarbeiten
  • nicht direkt nach dem Aussäen von Rasensamen anwenden
  • möglichst nicht über die Pflanzen (Blätter, Blüten und Triebe) streuen
  • die Verwendung einiger Produkte führt zu Verbrennungen bei den Pflanzen

Gartenkalk ausbringen

Kalkbedarf ermitteln

Ist der pH-Wert mittels Bodenuntersuchung ermittelt worden, kann der Kalkbedarf je nach Bodenart ermittelt werden. Je nachdem, wie stark der gemessene Wert von dem optimalen Wert abweicht, ist die Kalkung des Bodens mehr oder weniger wichtig und dringend.

Es gilt:

  • bei Abweichungen von mehr als 1,0 pH-Einheiten: Kalkung hat oberste Priorität
  • bei Abweichungen von etwa 0,5 : die Kalkung erfolgt in der Fruchtfolge
  • bei Abweichungen von weniger als 0,3 : geringe Abweichung, nur anspruchsvolle Pflanzen kalken
  • leichte Abweichungen nach oben: keine Kalkung
  • bei deutlicher Abweichungen nach oben (pH-Wert über 0,5 größer als angestrebt): eventuell saure Düngung für sensible Pflanzen

Kalkempfehlung für verschiedene Bodenarten

Da nicht jedes Produkt gleiche Inhaltsstoffe enthält, ist auf den Verpackungen immer auch der Gehalt an CaO (Calciumoxid) angegeben. Damit Sie vor dem Ausbringen des Gartenkalks keine aufwendigen Berechnungen durchführen müssen, haben wir die folgende Tabelle für Sie erstellt. Da die meisten käuflichen Produkte etwa 60% oder 80% CaO beinhalten, sind zu beiden Gehalten die benötigten Mengen je Quadratmeter angegeben.

Kalkempfehlung für unterschiedliche Bodenarten

Empfindliche Pflanzen

Es gibt eine Reihe an Kulturpflanzen, die etwas empfindlich auf eine frische Kalkung im Gemüsebeet reagiert. Diese sollten erst dann wieder auf dem Beet angebaut werden, wenn mindestens eine kalkverträgliche Pflanzenart im Vorfeld angebaut wurde. Aus diesem Grund sollte man auch niemals alle Gemüsebeete gleichzeitig behandeln, sondern nur dann, wenn der Turnus der Fruchtfolge kalkverträgliche Pflanzen vorsieht.

Unempfindlich gegenüber einer frischen Kalkung:

  • alle Kohlsorten
  • Mangold
  • Meerrettich
  • Radieschen
  • Rhabarber
  • Rettich
  • Rüben
  • Rote Bete
  • Spinat
Rhabarber mit seinen großen grünen Blättern
Rhabarber

Empfindlich:

  • Bohnen
  • Erbsen
  • Erdbeeren
  • Feldsalat
  • Gurke
  • Kartoffeln
  • Kürbis
  • Karotte
  • Paprika
  • Petersilie
  • Sellerie
  • Schwarzwurzel
  • Tomate

Bewertung: 4.7/5.. Aus 6 Stimmen.
Bitte warten...