Gießwasser entkalken: so senken Sie den pH-Wert im Wasser

Gießwasser entkalken

Das Gießwasser ist eines der wichtigsten Elemente für Pflanzen, egal ob diese im Garten, im Kübel auf dem Balkon oder als Zimmerpflanze im dekorativen Topf gehalten werden. Je nach Art benötigen die Gewächse einen unterschiedlichen pH-Wert, um gedeihen zu können. Problematisch für viele, vor allem tropische, Pflanzen wird es in Mitteleuropa aufgrund des Härtegrads des Wassers und des hohen Kalkgehalts, was zu Mangelerscheinungen und Krankheiten wie der Chlorose führen kann.

Warum entkalken?

Ihr Kohl fühlt sich in den Kalkböden Süddeutschlands wohl? Sie haben keine Probleme damit, zahlreiche Gemüsesorten mit kalkhaltigem Wasser zu gießen? Nicht alle Gewächse bevorzugen alkalische und kalkhaltige Böden, geschweige denn hartes Gießwasser. Pflanzen wie Rhododendren, Hortensien, Azaleen, verschiedene Bambusarten oder Primeln wünschen einen neutralen bis leicht sauren Boden, damit sie problemlos die Nährstoffzugaben aufnehmen können. Hartes Leitungswasser hat einige Nachteile, die sich negativ auf das Wachstum der Pflanzen auswirken und sogar zu Krankheiten führen können:

  • Nährstoffe werden ausgeschwemmt
  • pH-Wert des Substrats wird auf Dauer erhöht
  • weiße Beläge auf Substrat und Pflanzen werden gebildet
  • zahlreiche Mangelerscheinungen wie Chlorose treten auf

Je häufiger Sie kalkhaltiges Wasser verabreichen, desto schlechter geht es der Pflanze. Der Nährstoffmangel ist einfach zu hoch, was die Gewächse auf Dauer nicht aushalten. Daher sollten Sie unbedingt checken, wie hart das Gießwasser in Ihrer Region ist und entsprechend entkalken oder eine Senkung des pH-Werts vornehmen.

Gießen mit Wasserschlauch

Wasserhärte messen

Bevor Sie eine der weiter unten folgenden Lösungen für das Entkalken nutzen, sollten Sie den Härtegrad Ihres Wassers messen. Dadurch können Sie genau überprüfen, um welchem Härtegrad es sich handelt und entsprechend agieren. Die typischen Wasserhärten sind:

  • weich (1): unter 1,5 mmol, 0 bis 8,4 °dH
  • mittel (2): 1,5 bis 2,5 mmol, 8,4 bis 14 °dH
  • hart (3): 2,5 bis 3,8 mmol, 14 bis 21 °dH
  • sehr hart (4): ab 3,8 mmol, ab 21°dH

Das Gießwasser muss mittel bis weich sein. Werte über 3,8 mmol sollten vermieden werden, sind aber häufig in vielen Regionen Deutschlands anzutreffen. Die Maßeinheiten beziehen sich auf die Karbonathärte und je nach Testmittel werden entweder mmol (Millimol per Liter) oder °dH (Deutsche Härtegrade) verwendet. Die Verwendung von mmol bietet sich jedoch für Testkits aus dem Ausland an. Die Karbonathärte bezeichnet die Lösung von Stoffen mit Kohlensäure, die das Gießwasser härter machen:

  • Magnesium
  • Kalzium
  • Sulfate
  • Chloride
  • Nitrate
  • weitere Salze

Bis auf Magnesium und Kalzium sind die anderen Salze nicht durch Entkalken, sondern nur durch die Senkung des pH-Werts zu lösen. Sie bringen die Wasserhärte und pH-Werte über die folgenden Quellen in Erfahrung:

  • Wasserversorger kontaktieren
  • Wasserhärte-Teststreifen (5 – 7 Euro)
  • Wasserhärte-Test-Kits (etwa 15 Euro)
  • pH-Teststreifen (7 – 10 Euro)
  • elektronisches pH-Messgerät (50 – 150 Euro)

pH-Wert mit Teststreifen testen

Tipp: ein schneller Check für hartes Leitungswasser ist die Verwendung eines durchsichtigen Glases, das Sie mit frischem, kaltem Leitungswasser füllen. Ist das Leitungswasser weißlich trüb, handelt es sich um Kalk, der für eine hohe Wasserhärte sorgt.

Entkalken

Das Entkalken von Gießwasser lässt sich problemlos über zwei Methoden bewerkstelligen. Diese sorgen dafür, dass die Salze im Gießwasser aufgelöst werden, was dieses weicher und somit ideal zum Gießen von allerlei Pflanzen wie Orchideen macht. Bei diesen Methoden wird der pH-Wert des Wassers nicht gesenkt, was Sie unbedingt beachten sollten. Wenn Sie nur kalkarmes, aber kein direkt weiches Wasser benötigen, sind diese Methoden zu empfehlen:

1. Entsalzen

Beim Entsalzen mischen Sie H2O aus der Leitung mit demineralisiertem Wasser, was dazu führt, dass dieses entkalkt wird. Angeboten wird dies unter verschiedenen Begriffen, zum Beispiel Batteriewasser, wobei es sich um H2O handelt, welches frei von gelösten Salzen ist. Bei einer Wasserhärte von 3 mischen Sie 1 Teil demineralisiertes mit 2 Teilen Leitungswasser, bei einer Wasserhärte von 4, 2 Teile demineralisiertes mit 1 Teil Leitungswasser. Dieses können Sie nun zum Gießen benutzen.

2. Erhitzen

Erhitzen Sie das Gießwasser, wird der Kalk gelöst und es kann verwendet werden. Dafür bietet sich entweder ein Wasserkocher oder ein Topf an. Nach dem Erhitzen müssen Sie das Leitungswasser noch für einen Tag stehen lassen, bis es entkalkt ist.

3. Filtern

Wasserfilter können Sie problemlos zum Entkalken des Wassers verwenden. Dafür einfach nur das Leitungswasser durch einen Wasserfilter laufen lassen und schon können Sie gießen, da das Wasser dabei deionisiert wird.

Tipp: Alle Wasserformen, die komplett rein sind, können Sie für das Entsalzen verwenden, außer Bügelwasser. Dieses hat zwar die gleichen Eigenschaften, dafür ist es häufig mit Parfüm vermischt, was sich negativ auf die Pflanzen auswirkt.

 Blumen gießen

pH-Wert senken

Nicht nur die Maßnahmen zum Entkalken lassen sich nutzen, um Ihr Gießwasser weich zu machen. Sobald Sie wissen, welchen Härtegrad Ihr Leitungswasser hat, können Sie problemlos einige Mittel nutzen, um dieses auf einen pH-Wert von 4,0 bis 6,0 zu bringen. 6,0 ist der ideale Wert für den Großteil der Zierpflanzen und viele Bäume, jedoch geht ein Wert von 4,0 in Ordnung, da die Senkung des Werts manchmal etwas ungenau sein kann. Wenden Sie eine der folgenden Methoden an:

1. Rindenmulch

Mit Rindenmulch laufen Sie nicht Gefahr, den Wert des Wassers soweit zu senken, dass dieses zu sauer ist. Dieser muss von Nadelbäumen stammen, da diese saure Eigenschaften haben. Alternativ können Sie einfach Nadelbaumholz benutzen, falls Sie keinen Rindenmulch zur Verfügung haben. Sie benötigen für eine Menge von 10 l Flüssigkeit 500 g Rindenmulch, damit der Wert sinkt. Füllen Sie den Rindenmulch in einen Sack aus Baumwolle und lassen Sie diesen 24 bis 48 Stunden in der Gießkanne wirken. Über diesen Zeitraum sinkt der Wert des Wassers so weit, dass es weich wird.

2. Tannennadeln

Ebenso effektiv wie Rindenmulch sind Tannennadeln. Besonders Tannen und Fichten sind dafür geeignet, Sie können aber auch Kompost auf der Basis von Nadelbäumen wählen, da dieser die gleichen Eigenschaften aufweist. Für 10 l benötigen Sie 300 g Tannennadeln, die auf die gleiche Weise für 24 Stunden wie der Rindenmulch wirken müssen. Jedoch müssen Sie den Sack unbedingt mit einem Gummiband verschließen und diesen mit einem Stein beschweren, da die Nadeln gerne nach oben schwimmen.

3. Essig

Essig ist eine Methode, die schnell schief gehen kann. Da es sich hierbei um eine Säure handelt, kann der pH-Wert innerhalb kurzer Zeit bis auf 4,0 absinken. Im Durchschnitt senkt ein Teelöffel Weißweinessig den Wert von sechs Litern Gießwasser um 0,5. Jedoch sollten Sie bei dieser Methode immer wieder eine Messung des pH-Werts durchführen, um auf Nummer sicher zu gehen. Wundern Sie sich nicht, wenn schon nach kleinen Mengen Essig der Wert deutlich sinkt, das ist normal.

4. Torf

Torf ist ein Klassiker, wenn es um das Senken des ph-Werts im Substrat geht. Das Sediment können Sie jedoch ebenfalls für das Gießwasser verwenden. Es bietet sich vor allem gut an, wenn Sie Angst davor haben, das Wasser zu versäuern. Dies mit dem Material nicht möglich. Falls Sie den Stoff verwenden wollen, gehen Sie wie folgt vor:

  • für 10 l Gießwasser zwischen 100 und 200 g Torf verwenden
  • funktioniert mit hartem Wasser
  • in Säckchen oder Strumpf füllen
  • verschließen
  • mindestens 24 h einwirken lassen

Sie benötigen so viel des Sediments, da ein Gramm den Wert um 1 °dH senkt. Bedenken Sie jedoch, dass diese Methode nicht wirklich umweltfreundlich und kostengünstig ist. Daher sind die anderen Methoden stärker zu empfehlen.

Ein Vorteil an der Senkung des pH-Werts ist der Erhalt der wichtigen Nährstoffe, die beim Entkalken komplett verloren gehen. Vor allem der Gehalt an Kalzium und Magnesium wird nicht gesenkt, was sich positiv auf das Wachstum der Pflanzen auswirkt. Der einzige Stoff, der durch diese Mittel herausgespült wird, ist Karbonat. Zudem wirkt das Senken des pH-Werts deutlich besser für die Pflanzen als das Entkalken, da Kalk ab einem pH-Werten von unter 7,0 nicht mehr an die Pflanzen abgegeben wird.

Rindenmulch im Garten
Rindenmulch im Garten

Tipp: Eine umweltbewusste und zugleich günstige Methode, um dem Wasser einen neutralen Wert zu ermöglichen, ist Kaffeepulver. Brühen Sie einen Kaffee auf und verwenden Sie den getrockneten Kaffeesatz in der gleichen Menge wie den Torfanteil.

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