Wie giftig ist die Glockenblume? Gefahren für Kinder, Hunde und Katzen

Wie giftig ist die Glockenblume

Wer kennt sie nicht Campanula – die Glockenblume? Sie ist so lieblich anzusehen. Es gibt sie in verschiedenen Farben und Arten. Wild wächst die Glockenblume an Wald- und Wegrändern und Wiesen. Gern gesehene Gäste sind sie auch in Staudenbeeten, wenn ihre Blüten von Juni bis August diese in ein blaues Blütenmeer verwandeln. Jedoch kommen immer wieder Gerüchte auf, dass im Umgang mit Glockenblumen Vorsicht geboten ist, da sie giftig sind. Ist es nun nur ein Gerücht oder Tatsache?

Mythos oder Wirklichkeit

Die Glockenblume ist von vielen uralten Mythen und Märchen umgeben. Wer könnte sich eine Fee oder Elfe ohne Glockenblume als Kopfbedeckung vorstellen? So werden diese Fabelwesen schon seit Jahrhunderten dargestellt. Aber auch das Märchen „Rapunzel“ hat, seinen Namen einer Glockenblume zu verdanken und zwar der Rapunzel-Glockenblume.

Ein alte englische Geschichte besagt, wenn ein Mensch unabsichtlich innerhalb eines Ringes aus Glockenblumen verweilt, dann ist er einem Urteil der Feen und Elfen ausgesetzt. Sie entscheiden hier über Leben und Tod. Solche Mythen führten unter anderem zur Entstehung der Meinung, dass Glockenblumen giftig sind und aus diesem Grund unbedingt gemieden werden sollten. In der damaligen Zeit konnten die Menschen abhängig von ihrem Glauben solche Dinge nicht richtig deuten. Aber was genau ist nun an solchen Behauptungen dran ?

Tipp: Die Rapunzel-Glockenblume (Campanula rapunculus) wurde früher als Gemüse angebaut. Ihre fleischigen Wurzeln sind sehr nahrhaft.

Karpaten-Glockenblume, Campanula carpatica
Karpaten-Glockenblume, Campanula carpatica

Giftigkeit

Das Gerücht über die Giftigkeit der Glockenblume hält sich nach wie vor auch heute noch. Allerdings konnten bisher Experten keine Toxine in den Pflanzen nachweisen. Sie konnten aber auch nicht eindeutig belegen, dass die Glockenblume generell ungiftig ist. Der Giftgehalt der Pflanzen wird daher noch immer kontrovers diskutiert. Kurzum, bisher gibt es noch keinen wissenschaftlichen Nachweis über die Giftigkeit. Daneben ist die Glockenblume auch in keinem Verzeichnis für Giftpflanzen zu finden. Es wird davon ausgegangen, dass

  • die Toxizität der Pflanzen artenabhängig
  • bestandteilabhängig und
  • abhängig vom Organismus der jeweiligen Person

ist.

Gerade empfindliche Menschen sollten daher beim Umgang mit Glockenblumen egal welcher Art gut aufpassen und vorsichtig sein.

Tipp: In der Naturheilkunde finden verschiedene Teile der Campanula Verwendung. Sie gelten als harntreibend, desinfizierend und blutstillend.

Vorsicht beim Umgang

Da bisher die Toxizität der verschiedenen Arten noch nicht vollständig geklärt ist, ist dennoch ein wachsamer Umgang mit Glockenblumen ratsam. Für einen erwachsenen Menschen sind Glockenblumen selbst nicht tödlich giftig. Allerdings sollte einiges beachtet werden, da die Giftigkeit umstritten ist

  • Kinder und Babys von Glockenblumen fernhalten
  • ebenfalls Katze und Hund Umgang nicht ermöglichen
  • Glockenblumen nicht als Tierfutter verwenden (Pferde, Nager, Schildkröten)
  • Schnittgut auf den Kompost verbringen
  • nicht unbedingt Pflanzenteile verspeisen
  • geringe Mengen sind zwar unbedenklich, mitunter Auftreten von Übelkeit

Tipp: Zur Vermeidung von einer Vergiftung ist es ratsam bei der Pflege von Glockenblumen, Handschuhe zu tragen. So können Hautreizungen vorgebeugt werden.

Campanula portenschlagiana, Dalmatiner Glockenblume als Bodendecker
Campanula portenschlagiana, Dalmatiner Glockenblume

Verschiedene Arten essbar

Generell ist es ratsam keine Pflanzenteile von Glockenblumen zu verspeisen. Hauptsächlich gilt dies für sehr empfindliche Menschen und vor allem für Kinder und Babys.
Obwohl die Giftigkeit aller Arten der Campanula noch nicht wirklich geklärt ist, gelten einige Vertreter dieser Gattung als sehr wohlschmeckend und bekömmlich. Zu den essbaren Pflanzenteilen gehören

  • Blätter im Frühjahr, leicht süßlicher Geschmack
  • Blüten
  • Triebe und Stängel
  • teilweise auch Wurzeln, beispielsweise Rapunzel-Glockenblume

Sehr beliebt bei Kennern sind dabei die Arten

  • Wiesen-Glockenblume (Campanula patula)
  • Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia)
  • Hängeglockenblume (Campanula poscharskyana)
  • Zwergglockenblume (Campanula cochtearifolia)
  • Rapunzel-Glockenblume (Campanula rapunculus)

Die Blüten eignen sich hervorragend als Dekoration für Salate und Suppen. Knospen und Blüten der Wiesen-Glockenblume haben dabei einen mild-aromatischen Geschmack, ähnlich der Erbsen. Die Blätter und Triebe schmecken mild und leicht nussig, eignen sich sehr gut als Zutat von Salaten.

Es sei jedoch gewarnt, nicht von allen Menschen werden diese Pflanzenteile gleich gut vertragen. Nach dem Verzehr kann es mitunter zum Brennen und Kratzen an den Schleimhäuten kommen. Schlimmstenfalls treten Magen- und Darmbeschwerden auf.

Erste-Hilfe

Normal ist die Glockenblume nicht wirklich tödlich giftig für den Menschen. Jedoch kann jeder Mensch, der in Berührung mit dieser Pflanze kommt anders reagieren. So kann es zu Hautreizungen kommen, aber bei Verzehr auch durchaus zu Unwohlsein und Bauchbeschwerden. In solchen Fällen muss als erstes stets Ruhe bewahrt werden. Durch hektisches Tun kann die bestehende Situation nur noch verschlimmert werden. Es sollten dann die ersten Hilfsmaßnahmen eingeleitet werden:

  • ein Glas Wasser oder Tee verabreichen
  • bei anhaltenden schwerwiegenden Symptomen (Herzrasen oder Atemnot) Notarzt verständigen oder aufsuchen
  • betreffende Pflanze für den Arzt sicherstellen

Hund und Katze

Erste Symptome können sich in

  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Zittern
  • Muskelkrämpfen
  • starkes Speicheln
  • dunklen Schleimhäuten

äußern.

Hund mit Katze vor dem Haus

Die Symptome erscheinen meist einige Zeit nach Aufnahme des Giftes. Auch hier ist Ruhe zu bewahren und es sollte umgehend telefonisch der Tierarzt über Symptome und Verdacht informiert werden. Dieser wird dann Anweisungen zur Erstversorgung geben. Jedoch sollte der Patient schnellstens in die Praxis oder Tierklinik zur weiteren Behandlung. Sollte kein Tierarzt erreichbar sein, kann die Gabe von Aktivkohle erfolgen, aber nur dann. Diese bindet die Giftstoffe an ihrer Oberfläche. Das Gift kann somit nicht vom Darm in den Blutkreislauf gelangen. Die Verabreichung sollte erfolgen

  • 1 g Aktivkohle pro 1 kg Körpergewicht
  • Kohle mit 5 bis 10 ml Wasser pro g Aktivkohle vermischen
  • Brei mit einer Spritze ins Maul geben
  • weitere Behandlung Tierarzt überlassen

Tipp: Wer sicher gehen möchte, dass Kinder und Haustiere nicht mit Glockenblumen in Berührung kommen, sollte diese aus dem Garten verbannen.

Hinweis: Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag keinesfalls einen Arztbesuch ersetzt. Es besteht keine Gewährleistung auf Richtigkeit medizinischer Aussagen.
Ausführliche Informationen zur ersten Hilfe bei Vergiftungen und wichtige Angaben zu den Giftnotrufzentralen finden Sie hier.