Grüne Tomaten nachreifen lassen – Anleitung | Sind sie grün giftig?

grüne Tomaten nachreifen lassen

Je schöner der Sommer, desto früher können Tomaten geerntet werden. Sind die Bedingungen nicht optimal, kann es passieren, dass Tomatenpflanzen im Spätsommer und Herbst noch viele grüne, unreife Früchte tragen. Aufgrund der kühleren Temperaturen werden diese Früchte nicht mehr rot. Wenn man jetzt nicht nachhilft und die Früchte beim Reifen unterstützt, geht ein Teil der Tomatenernte verloren. Das Nachreifen kann ohne größeren Aufwand, auf unterschiedliche Art und Weise erfolgen.

Tomaten nachreifen lassen

Erntezeitpunkt

Nicht zu lange mit der Ernte warten

Mit der Ernte unreifer Früchte sollte man nicht zu lange warten, denn schon kleinste Minusgrade würden sie verderben lassen. Sinken die Temperaturen unter 10 Grad, werden die Früchte draußen nicht mehr rot oder gelb, je nach Sorte. Der kalte nächtliche Tau kann auf der Tomatenhaut bereits Schäden in Form glasiger Stellen hervorrufen und sie faulen lassen.

Folglich ist es ratsam, zu ernten, bevor die Temperaturen dauerhaft unter 10 Grad fallen. Je nach Platzangebot kann man die einzelnen Früchte ernten, ganze Rispen abschneiden oder die kompletten Pflanzen samt Früchten aus dem Boden ziehen und die Tomaten an der Pflanze reifen lassen.

Erntet man einzelne Früchte, sollte man sie nicht vom Strauch abreißen, sondern samt Stiel abschneiden. Durch das Reißen können die Früchte beschädigt werden, was wiederum das Eindringen von Keimen begünstigt. Der Stiel sollte generell an der Frucht bleiben. Er sorgt während des Reifeprozesses für das intensive Aroma.

Tipp: Früchte, die Druckstellen, Risse oder andere Beschädigungen haben, eignen sich nicht mehr nicht zum Nachreifen. Dazu sollten ausschließlich intakte Früchte verwendet werden.

Tomaten enthalten viele Nährstoffe und Vitamine

Optimale Bedingungen zum Nachreifen

  • Tomaten benötigen zum Reifen Wärme und hohe Luftfeuchtigkeit
  • Temperaturen zum Reifen zwischen 16 °C und 25 °C
  • Optimal sind 18-20 °C
  • Je kühler es ist, desto länger dauert es bis zur Vollreife
  • Reifeprozess kann sich dann bis Dezember/ Januar hinziehen
  • Bei ausreichend Wärme und Luftfeuchtigkeit dauert es bis zu drei Wochen
  • Relative Luftfeuchte von mehr als 80 Prozent ideal

Auf Licht kann komplett verzichtet werden. So lange Tomaten wachsen, Früchte und Samen ausbilden, benötigen sie auch ausreichend Licht. Sobald sie voll ausgewachsen sind, kommen sie mit deutlich weniger Licht zurecht, denn Licht wird für die typische Rotfärbung nicht zwingend benötigt.

Methoden und Vorgehensweise

In Tongefäßen

In Tongefäßen wie z. B. einem Römertopf oder einem orientalischen Lehmtopf (Tajine) soll die Tomate besonders schnell und schonend nachreifen. Bevor der Topf befüllt werden kann, muss er gut gereinigt werden. Anschließend legt man ihn für einige Stunden ins Wasser.
Dann schichtet man die trockenen Früchte in das Tongefäß und deckt es bestenfalls mit einem Deckel aus Ton ab. Den Untersetzer befüllt man mit Wasser, und sobald das Wasser verdunstet ist, füllt man wieder nach. Das Ganze stellt man anschließend an einen entsprechend warmen und luftfeuchten Platz. Nun dauert es nicht mehr lange und die ersten Tomaten sind rot und schmecken wie in der Sonne gereift.

In Kisten oder Kartons

Bei größeren Mengen an Früchten kann man zum Nachreifen auch Kisten, Kartons oder Körbe verwenden, in die man die unreifen Tomaten schichtet.

  • Kisten oder Kartons zuerst mit Zeitungspapier auslegen
  • Darauf die losen Früchte oder Tomatenrispen nebeneinander auslegen
  • Ausschließlich gesunde und unbeschädigte Früchte verwenden
  • Bei größeren Mengen, Früchte in zwei Schichten übereinanderlegen
  • Zuvor die erste Schicht mit mehreren Lagen Zeitungspapier bedecken
  • Darauf dann die zweite Schicht Früchte auslegen
  • Mehr als zwei Schichten sollten es nicht sein
  • Abschließend auch die zweite Schicht mit Papier abdecken
  • Kisten an einen warmen, dunklen und luftfeuchten Platz stellen

Ab jetzt sollten die Tomaten täglich auf Fäulnis oder Schimmelbildung kontrolliert und kranke oder beschädigte aussortiert werden. Wer den Reifeprozess zusätzlich noch etwas beschleunigen möchte, kann einen Apfel, eine Birne oder Banane zu den Tomaten in die Kiste legen. Das in diesem Obst enthaltene Ethylen lässt unreife Tomaten schneller reifen.

Tomaten reifen auch unreif geerntet nach

Tipp: Häufig verderben Früchte, deren Reifeprozess mit Ethylen beschleunigt wurde, schneller, obwohl sie das Gas auch selbst produzieren. Aus diesem Grunde sollte man auch ethylenempfindliche Lebensmittel nicht in der Nähe von Äpfeln lagern bzw. aufbewahren.

Mittels Frühbeet oder kaltem Kasten

Sofern es die Wetterbedingungen zulassen und die Außentemperaturen nicht unter 12 °C fallen, kann man unreife Tomaten auch in einem Frühbeet oder kalten Kasten reifen lassen. Zunächst benötigt man eine feste Unterlage wie z. B. ein Holzbrett. Das soll verhindern, dass die Früchte Kontakt zum Boden haben und faulen.

Das Brett legt man neben oder vor die Pflanze und knickt sie um, sodass die Tomaten auf dem Brett liegen. Nun stülpt man einen Frühbeet- oder kalten Kasten über die Früchte und deckt das Ganze noch mit einem isolierenden und blickdichten Vlies oder einer wärmenden Folie ab. Auf diese Weise können diese Früchte auch in einem Gewächshaus nachreifen.

An der Pflanze nachreifen lassen

Grüne, unreife Früchte können auch sehr gut an der Pflanze nachreifen, vorausgesetzt es steht entsprechend Platz zur Verfügung. Dazu zieht man die komplette Pflanze samt Wurzel aus dem Boden oder schneidet sie bodennah ab. Anschließend entfernt man die Blätter, da es ansonsten passieren kann, dass die Tomaten schrumpelig werden. Nun hängt man die Pflanzen kopfüber an einem warmen, luftfeuchten Platz auf. Das kann ein dunkler Dachboden, Keller oder ein ähnlich dunkler Raum mit hoher Luftfeuchtigkeit sein. Auch hier ist darauf zu achten, dass alle Früchte unbeschädigt sind.

Grüne, unreife Früchte sind giftig

Unreife, grüne Tomaten lässt man nachreifen, um unerwünschte Wirkstoffe in den Früchten zu verringern und sie zur Vollreife zu bringen. Was man niemals tun sollte, ist unreife grüne Früchte zu essen, denn sie sind giftig. Das liegt an dem Stoff Solanin, den man auch von grünen Kartoffeln kennt.

  • In unreifen Früchten ist Solanin in hoher Konzentration enthalten
  • Solanin in dieser Konzentration ist gesundheitsgefährdend
  • Pro 100 g Frucht zwischen 9 und 32 Milligramm Solanin enthalten
  • Ab einer Dosis von 25 Milligramm gilt dieser Wirkstoff als giftig
  • Ab einer Dosis von 400 Milligramm ist dieses Naturgift tödlich
  • Solanin ist fett-unlöslich und hitzebeständig
  • Giftigkeit bleibt deshalb auch im gekochten Zustand erhalten

Erste Vergiftungserscheinungen können bei einer Aufnahme ab 200 Milligramm auftreten. Es kann zu Kratzen im Hals, Übelkeit und Erbrechen sowie zu Magen-Darm-Problemen, Kopfschmerzen, Benommenheit, Berührungsempfindlichkeit und Atemproblemen kommen. Bei noch höheren Dosen sind Gliederschmerzen, Nieren- und Darmentzündung sowie Herzrhythmusstörungen und Lähmungserscheinungen möglich. Im Laufe des Reifeprozesses nimmt die Konzentration des Giftes in den Früchten ab. Sie enthalten zwar immer noch Solanin, aber in so geringer Konzentration, dass es nicht mehr gesundheitsgefährdend ist.

grüne Tomaten sind giftig

Tipp: Man sollte unreife grüne Tomaten nicht mit grünfleischigen Sorten verwechseln, die im vollreifen Zustand leicht gelbgrün aufgehellt sind. Auch sie enthalten im unreifen Zustand große Mengen Solanin und sind giftig.

Hinweis: Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag keinesfalls einen Arztbesuch ersetzt. Es besteht keine Gewährleistung auf Richtigkeit medizinischer Aussagen.
Ausführliche Informationen zur ersten Hilfe bei Vergiftungen und wichtige Angaben zu den Giftnotrufzentralen finden Sie hier.