Brombeer-Krankheiten

Ab August hängen entlang von Wegesrändern und in zahlreichen Gärten die Brombeersträucher voller schwarzer, saftiger Früchte. Manchmal ist die erhoffte Ernte jedoch gefährdet, denn auch die an sich robusten Brombeeren sind nicht vor Krankheiten gefeit. Vor allem dornenlose Varietäten sind betroffen, aber auch alte Sorten erwischt es gelegentlich. Welche 7 Infektionen besonders häufig vorkommen und wie Sie diese erkennen sowie behandeln, erläutern wir Ihnen in diesem Artikel.

Brombeerrost

Vor allem bei den dornenlosen Neuzüchtungen ist Brombeerrost ein Problem. Der Pilz Phragmidium violaceum verursacht diese recht häufig auftretende Krankheit, die zumeist ab Ende Juni / Anfang Juli in Erscheinung tritt. Doch auch wenn Sie noch keine Symptome erkennen, können Ihre Brombeeren bereits infiziert sein: Der Pilz überwintert im Falllaub sowie an dem an den Ranken verbliebenen Laub. Von hier aus steckt er die im Frühjahr neu austreibenden Blätter an.

Schadbild

Sie erkennen den Brombeerrost an diesen charakteristischen Symptomen:

Brombeerrost Krankheiten
Quelle: Björn S…, Phragmidium violaceum on Blackberry – Rubus fruticosus agg. (42411154342), Bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 2.0
  • violette bis rötliche Flecken auf der Blattoberseite
  • später Bildung von orangeroten Sporenlagern auf den Blattunterseiten
  • verfärben sich mit der Zeit braun bis schwarz

Ohne Behandlung verschwindet der Pilz nicht, sondern infiziert die Brombeeren jedes Jahr aufs Neue.

Bekämpfung und Vorbeugung

Brombeerrost gehört zu den eher ungefährlichen Krankheiten, denn erst bei einem starken Befall ist die Ernte in Gefahr. Greifen Sie daher nicht gleich zu chemischen Pflanzenschutzmitteln, sondern versuchen Sie es zunächst mit diesen Methoden:

  • befallene Blätter vom Strauch entfernen bzw. vom Boden aufsammeln
  • auf keinen Fall auf den Kompost werfen
  • Sporen überleben dort und verursachen im nächsten Jahr eine erneute Infektion
  • Entsorgung des infizierten Laubes über den Hausmüll oder durch Verbrennung

Brombeeren schneiden

Die Krankheit lässt sich ganz gut durch einen regelmäßigen Auslichtungsschnitt im Sommer verhindern. Außerdem sollten Sie stickstoffhaltigen Dünger nur sehr sparsam einsetzen, da dieser die Brombeeren empfindlicher gegenüber einer Pilzinfektion macht.

Tipp: Wer Brombeerrost vermeiden möchte, kann auch resistente Sorten wie die stachellose ‚Arapaho‘ anpflanzen. Als besonders anfällig hingegen gilt die Sorte ‚Thornless Evergreen‘.

Colletotrichum-Fruchtfäule

Problematischer für eine reiche Brombeeren-Ernte ist hingegen die Colletotrichum-Fruchtfäule, die durch Pilze der Art Glomerella cingulata verursacht wird. Diese Welkekrankheit wird auch als Anthraknose bezeichnet und tritt häufig auch an Johannisbeeren auf. Daher ist eine Infektion der Brombeerpflanzen von benachbarten Johannisbeersträuchern wahrscheinlich.

Die Colletotrichum-Fruchtfäule tritt bei feuchter und warmer Witterung auf, ist also in gleichzeitig feuchten wie warmen Sommern nicht ungewöhnlich. Der Erreger verbreitet sich sehr schnell und kann Ernteausfälle von bis zu 30 Prozent nach sich ziehen.

Schadbild

Die Colletotrichum-Fruchtfäule gehört zu den Krankheiten an Brombeeren mit einem charakteristischen Erscheinungsbild und lässt sich daher selbst für Laien diagnostizieren. Typische Symptome sind:

  • erstmalige Anzeichen bei beginnender Fruchtreife
  • betrifft zunächst nur einzelne Beeren
  • färben sich nicht erst rot und dann schwarz, sondern milchigtrüb
  • an der Oberfläche kleine Pusteln, die rosafarbene Sporen enthalten
  • befallene Beeren trocknen ein, mumifizieren
  • bleiben am Strauch hängen, fallen nicht ab

Ist der Befall stark, leidet die gesamte Pflanze darunter und zeigt beispielsweise ein verkrüppeltes Wachstum und eine verzögerte Reifung verbliebener Brombeeren.

Bekämpfung und Vorbeugung

Die Krankheit tritt hauptsächlich an spättragenden Sorten auf, weshalb Sie durch das Anpflanzen früherer Brombeeren den Ausbruch einer eventuellen Infektion vermeiden können. Außerdem sollten Sie einen erneuten Krankheitsausbruch im Folgejahr vermeiden, indem Sie Fruchtmumien konsequent entfernen und die befallene Pflanze im Herbst kräftig zurückschneiden. Der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel ist nicht notwendig.

Echter Mehltau

Auch der Echte Mehltau gehört zu den pilzlichen Krankheiten. Er wird von Pilzen aus der Gruppe der Erysiphaceae verursacht und tritt an zahlreichen Gartenpflanzen auf, nicht nur an Brombeeren. Die Krankheit trägt den Beinamen „Schönwetterpilz“, da eine Infektion nur bei warmem und trockenem Wetter auftritt. Ideal für die Sporenbildung und rasche Ausbreitung sind Temperaturen ab 24 °C, weshalb der Echte Mehltau vornehmlich in den warmen Sommermonaten zu sehen ist.

Echter Mehltau
Echter Mehltau auf Ahornblatt. Quelle: Jerzy Opioła, Powdery Mildew Acer DK43 (1), Zuschnitt von Plantopedia, CC BY-SA 4.0

Schadbild

Zunächst befällt der Pilz nur die Blätter und zeigt sich als weißlicher, mehlig wirkender und leicht abwischbarer Belag auf den Blattoberflächen. Außerdem können auch Triebe und Blütenknospen befallen sein. Im Anfangsstadium lässt sich der Echte Mehltau noch sehr gut mit Hausmitteln behandeln. Greifen Sie hingegen zu spät ein, befällt die Infektion die gesamte Pflanze und kann sogar benachbarte Gewächse anstecken. Weitere Symptome eines Pilzbefalls sind außerdem eingerollte und verkrüppelte Blätter, die schließlich abfallen.

Bekämpfung und Vorbeugung

Pilzliche Krankheiten wie Mehltau müssen unbedingt behandelt werden, da die Sporen an der Pflanze überwintern und so jedes Jahr für eine neue Infektion sorgen. Auf Dauer schwächt dies die Pflanzen und sorgt dafür, dass das Wachstum nachlässt und immer weniger Blüten und Früchte ausgebildet werden. Gehen Sie daher wie beschrieben vor:

  • Rückschnitt befallener Blätter und anderer Pflanzenteile
  • Schnittgut nicht auf den Kompost werfen
  • Entsorgung über Hausmüll, Wertstoffhof oder Verbrennung
  • Brombeerpflanze mit Spritzkur behandeln
  • Milch-Wasser-Gemisch (1 Teil möglichst frische Vollmilch, 9 Teile kalkarmes Wasser) verwenden

Alternativ können Sie auch mit Natron spritzen: Vermischen Sie hierfür ein Päckchen Natron (kein Backpulver!) mit einem Liter Wasser und 20 Millilitern Speiseöl. Ein Spritzer Spülmittel sorgt dafür, dass Wasser und Öl miteinander emulgieren. Sie können die Spritzkur bei gefährdeten Pflanzen (etwa welchen, die im Vorjahr schon erkrankt waren) auch vorbeugend durchführen. Besprühen Sie sie zu diesem Zweck ab dem Austrieb im Frühjahr alle zwei Wochen.

Tipp: Der weiße Pilzbelag auf den Blättern ist zwar nicht giftig, kann bei bestimmten Menschen jedoch allergische Reaktionen hervorrufen. Besonders gefährdet sind Patienten, die eine Penicillinallergie oder andere Pilzallergien haben. Sind Sie betroffen, schützen Sie sich durch die Verwendung einer Atemmaske und Handschuhen.

Falscher Mehltau

Falscher Mehltau

Der Falsche Mehltau gehört ebenfalls zu den Krankheiten, die vornehmlich die Blätter befallen. Verursacher sind Pilze aus der Gruppe der Peronosporaceae, wobei es sich um so genannte Eipilze handelt. Diese treten vornehmlich bei kühlerem, feuchtem Wetter in Erscheinung, da sie durch Regen übertragen werden und in die nassen Blätter der Brombeeren eindringen. Hier bilden die Pilze weitere Sporen aus, die benachbarte Pflanzen leicht anstecken. Der Falsche Mehltau tritt vor allem im Frühjahr und im Herbst auf.

Schadbild

Sie können den Falschen Mehltau leicht an seinem charakteristischen Schadbild erkennen:

  • zunächst weißgrauer, abwischbarer Belag auf den Blattunterseiten
  • wirkt mehlig, lässt sich aber nur schwer abwischen
  • gelbbraune Flecken auf den Blattoberseiten
  • Wachstumsstörungen / Krüppelwuchs bei starkem Befall
  • verzögerte Blüten- und Fruchtausbildung
  • verzögerte Fruchtreife

Aufgrund seines verstärkten Auftretens bei schlechtem Wetter wird der Falsche Mehltau auch als „Schlechtwetterpilz“ bezeichnet.

Bekämpfung und Vorbeugung

Wie so viele pilzliche Krankheiten überwintert auch dieser Erreger an der befallenen Pflanze und infiziert diese im nächsten Frühjahr erneut. Um das und eine weitere Ausbreitung zu verhindern, sollten Sie umgehend Gegenmaßnahmen ergreifen:

  • befallene Blätter und andere Pflanzenteile abschneiden
  • nicht auf den Kompost werfen, sondern über den Hausmüll entsorgen
  • Brombeeren mit Ackerschachtelhalmsud spritzen
  • alternativ Knoblauchsud verwenden
  • Anwendung im regelmäßigen Abstand wiederholen
  • möglichst für Trockenheit sorgen

Tipp: Brombeeren und andere Gartenpflanzen sind weniger gefährdet, wenn Sie sie an einen luftigen Standort pflanzen. Außerdem ist ein regelmäßiger Auslichtungsschnitt wichtig, damit die Blätter nicht zu dicht stehen und nach einem Regenguss rasch abtrocknen.

Grauschimmel

Grauschimmel, Krankheiten
Quelle: John Yesberg, SemillonBotrytisCinerea, Bearbeitet von Plantopedia, CC0 1.0

Zu den häufigsten Brombeer-Krankheiten gehört der durch den Pilz Botrytis cinerea verursachte Grauschimmel. Dieser befällt vornehmlich die Beeren, weshalb man auch von einer Fruchtfäule spricht. Die Grauschimmel-Fruchtfäule tritt bei hoher Luftfeuchtigkeit (etwa infolge eines regnerischen Sommers) auf oder weil die Brombeeren zu dicht und nicht luftig genug stehen.

Schadbild

Die Krankheit zeigt sich durch einen grauen, stäubenden Belag auf den Früchten. Sie können nicht mehr gegessen und auch nicht verarbeitet werden. Nur bei einem stärkeren Befall sind auch Ranken und Blätter betroffen.

Bekämpfung und Vorbeugung

Botrytis-Sporen sind in jedem Garten vorhanden, so dass eine Infektion bei passenden Bedingungen wahrscheinlich ist. Sorgen Sie daher einem Krankheitsausbruch durch einen regelmäßigen Auslichtungsschnitt sowie einem geeigneten Standort (sonnig und luftig) vor. Befallene Pflanzenteile müssen umgehend abgeschnitten und entsorgt werden, jedoch nicht über den Kompost. Schneiden Sie ruhig großzügig.

Rankenkrankheit

Zu den bei Brombeeren typischen Krankheiten gehört vor allem die Rankenkrankheit. Diese tritt vor allem bei regnerischem Wetter auf.

Schadbild

Die Rankenkrankheit zeigt sich durch diese Symptome:

  • violette Flecken auf den Ranken
  • oft mit rötlicher Umrandung versehen
  • und im Zentrum bräunlich
  • starker Befall führt zu Schwächung, Kümmerwuchs und Absterben der Pflanze

Von einer Infektion betroffen sind zumeist diesjährige – das heißt also junge – Ranken, die zwischen April und Juni mit dem Erreger Rhabdospora ramealis kontaminiert werden. Die Krankheit tritt in manchen Regionen besonders häufig auf.

Bekämpfung und Vorbeugung

Im Falle einer Infektion schneiden Sie die befallenen Ranken großzügig weg und entsorgen das Schnittgut. Auch hier gilt, die mit Sporen verseuchten Pflanzenteile nicht auf den Kompost zu werfen, da eine erneute Infektion dann wahrscheinlich ist. Wählen Sie bei einer Neuanpflanzung resistente bzw. unempfindliche Sorten, beispielsweise ‚Thornless Evergreen‘.

Rubusstauche

Die Rubusstauche gehört nicht zu den pilzlichen, sondern zu den bakteriellen Krankheiten. Sie wird durch parasitär lebende Bakterien verursacht, die so genannten Phytoplasmen. Diese sitzen vor allem in den Pflanzenwurzeln. Die Übertragung der Erreger erfolgt über Insekten, vornehmlich Zikaden. Neben Brombeeren sind zudem Himbeeren von dieser gefährlichen Krankheit betroffen.

Schadbild

Typisch für diese Krankheit sind nicht nur die auffälligen Deformationen der Blüten und Früchte, sondern auch die Ausbildung von zahlreichen kleinen, dünnen Ruten aus den Rankenknospen. Aus diesem Grund bezeichnet man die Rubusstauche auch als Verzweigungskrankheit oder Hexenbesen.

Bekämpfung und Vorbeugung

Eine Bekämpfung ist nicht möglich, stattdessen müssen befallene Pflanzen restlos gerodet werden. Entfernen Sie vor allem die Wurzeln, da der Erreger hauptsächlich hier zu finden ist. Pflanzen Sie an diese Stelle keine Rubus-Arten mehr an. Zu diesen gehören neben den verschiedenen Brombeer- und Himbeerarten auch Moltebeeren und Taybeeren.