Heilkräuter - Titel

Heilkräuter sind in der Regel auch gleichzeitig beliebte Gewürze im Küchenkräutergarten. So besitzen viele der in den Speisen verwendeten Kräuter gleichzeitig auch eine heilende Wirkung. Die Liste gibt Aufschluss über die wichtigsten Heilkräutergewächse.

Auf den Punkt gebracht

  • Heilkräuter findet man viele unter den Dolden- sowie den Lippenblütlern
  • viele als Gewürzkräuter in der Küche genutzt
  • an dem Zusatz officinalis im botanischen Namen wird ein in der Medizin genutztes Heilkraut erkannt
  • nicht immer unbedenklich, die Wirkstoffe sollten vor dem Verzehr in größeren Mengen immer geprüft werden
  • Die ersten Heilkräuter werden auf 3000 v.Chr. datiert, erste medizinische Versuche machte der Grieche „Hippokrates von Kos“ (ca. 460- 370 v.Chr.)

Doldenblütler (Apiaceae)

Viele Kräuter die eine heilende Wirkung besitzen kommen aus der Familie der Doldenblütler. Das natürliche Vorkommen liegt hier oftmals im Mittelmeerraum sowie in subtropischen Gebieten. Doch auch in den heimischen Klimagebieten können diese Heilkräuterpflanzen gut kultiviert werden.

Arten von A – J

Anis (Pimpinella anisum)

Anis (Pimpinella anisum) gehört zu den Heilkräutern
  • bei Erkrankungen der Atemwege
  • gegen Krämpfe und Blähungen
  • können allergische Reaktionen auslösen
  • einjährig
  • Blüte Juli bis August
  • Ernte zwischen Juli und September
  • gesamte Pflanze trocknen
  • sonniger windgeschützter Standort
  • wenig Gießen und düngen

Dill (Anethum graveolens)

Doppeldoldige Blütenstände
  • Dillsamen (Anethi fructus)
  • Dillkraut (Anethi herba)
  • wirken beruhigend auf Magen und Darm
  • einjährig
  • winterhart
  • junge Blätter bei Bedarf pflücken
  • Blätter trocknen oder einfrieren
  • sonniger windgeschützter Standort
  • Erde feucht halten

Arten von K – Z

Kamille (Matricaria chamomilla)

Kamille im Kräuter-Beet
  • Tee wirkt antibakteriell, entzündungshemmend und krampflösend
  • gegen Entzündungen im Mund-Rachenraum
  • bei Zahnfleischentzündung
  • vereiterten Mandeln
  • gegen Magen- und Darmbeschwerden
  • einjähriges Kraut
  • Verwendung finden die aufgekochten Blüten
  • sonniger Standort
  • nährstoffreicher, trockener Boden

Kerbel (Anthriscus cerefolium)

Kerbel gedeiht in halbschattigen Lagen
  • harntreibend
  • äußerlich bei chronischen Ekzemen
  • roh viel Vitamin C, Magnesium, Eisen und Karotin enthalten
  • einjährig
  • vor der Blüte die Blätter ernten
  • Blütezeit von Mai bis August
  • halbschattiger Standort
  • nur wenig gießen

Koriander (Coriandrum sativum)

Koriander (Coriandrum sativum)
Quelle: Hungda, Rau mùi (ngò) -Coriandrum sativum, bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 3.0
  • hauptsächlich krampflösend bei Magen-Darm-Problemen
  • Korianderfrüchte enthalten ätherische Öle
  • reife Samen bei nicht krankhaftem Mundgeruch einsetzbar
  • einjährig
  • Samen, frische Blätter und Blüten ernten
  • sehr pflegeleicht
  • sonniger Standort
  • aufgrund Größe ggf. abstützen

Kümmel (Carum carvi)

Kümmel (Carum carvi) ist nciht nur ein Gewürz sonder auch ein Heilkraut
  • oft in Tee für die Milchbildung enthalten
  • hilft bei Blähungen der Säuglinge
  • gegen Völlegefühl
  • appetitanregend
  • zweijährig
  • winterhart
  • sonniger bis halbschattiger Standort
  • sehr pflegeleicht
  • auch für einen Topfgarten geeignet

Tipp: Kümmel können Sie gut in Gerichten verwenden, die ansonsten Blähungen verursachen würden, wie zum Beispiel bei dicken Bohnen oder in einem Linseneintopf.

Liebstöckel (Levisticum officinale)

Levisticum officinale, Liebstöckel, Maggikraut
Levisticum officinale, Liebstöckel, Maggikraut
  • auch als Maggikraut bekannt
  • nicht bei Nierenleiden oder in Schwangerschaft einsetzen
  • wurde früher als Aphrodisiakum verwendet
  • hilft bei Blähungen und Verdauungsbeschwerden
  • mehrjähriges Kraut
  • winterhart
  • sonniger bis halbschattiger Standort
  • benötigt im Herbst Düngung mit Kompost
  • mäßig gießen

Hinweis: Ein medizinisches Heilkraut erkennen Sie am botanischen Namen mit Zusatz officinalis. Dieser wird von Offizin abgeleitet, ein Begriff der heute bei der Zubereitung von Medikamenten in der Apotheke steht und das Heilkraut mit Vorsicht einzusetzen ist

Johanniskräuter (Hypericaceae)

Die Johanniskräuter werden auch Hartheugewächse genannt und bilden eine eigene Familie, müssen aber als Heilkraut in der medizinischen Anwendung auf jeden Fall erwähnt werden.

Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Johanniskraut, Hypericum perforatum
Johanniskraut, Hypericum perforatum
  • gilt als mildes Antidepressivum
  • wird oft in der Menopause den Frauen verabreicht
  • nicht ohne ärztlichen Rat anwenden
  • bereits aus der Antike bekannt
  • mehrjährig
  • leicht giftig
  • landwirtschaftlicher Anbau
  • sonniger Standort
  • pflegeleicht

Hinweis: Es gibt viele verschiedene Arten von Johanniskräutern, die jedoch weniger im Kräutergarten sondern mehr in Blumenbeeten Verwendung finden. So setzt zum Beispiel das Polster-Johanniskraut (Hypericum polyphyllum) farbige Akzente in Mauern und Steingärten. Teppich-Johanniskraut (Hypericum calycinum) ist hingegen ein beliebter Bodendecker.

Lippenblütler (Lamiaceae)

Auch in der Pflanzenfamilie der Lippenblütler gibt es viele beliebte Küchenkräuter, die ebenfalls auch eine heilende Wirkung besitzen und daher gleichzeitig auch zu den Heilkräutern gezählt werden können. In der Küche in geringer Menge verwendet, ist die heilende Wirkung in der Regel jedoch gering, kann aber unterstützend zu anderen Medikamenten wirken.

Arten von A – K

Basilikum (Ocimum basilicum)

Basilikum anbauen
  • reines Öl nur sparsam verwenden
  • wird häufig in der Aromatherapie verwendet
  • Inhaltsstoff Estragol ist allerdings gesundheitlich bedenklich
  • einjähriges Kraut
  • sonniger Standort
  • direkte Mittagssonne vermeiden
  • viel gießen
  • vor Schnecken schützen
  • kann Fliegen fernhalten

Bohnenkraut (Satureja hortensis)

Bohnenkraut mag Windgeschütze und sonnige Plätze
  • als Tee für Durchfallerkrankungen
  • auch bei Gallen-, Leber- und Nierenbeschwerden einsetzbar
  • ebenso Schleimlöser bei festsitzendem Husten
  • einjähriges Kraut
  • in fast jedem Bauerngarten zu finden
  • sonniger, warmer und feuchter Standort
  • nur wenig düngen
  • passt perfekt zu Bohnengerichten

Brennnessel (Urticae dioica)

Urtica, Brennnesseln, Heilkräuter
Urtica, Brennnesseln
  • Brennhaare hinterlassen bei Berührung Quaddeln auf Haut
  • ungefährlich aber auch sehr unangenehm
  • kann unterstützend bei Rheuma wirken
  • ebenso bei Gicht, Diabetes und Arthritis
  • äußerlich bei Furunkeln und Fisteln
  • mehrjährige, winterharte Staude
  • sehr pflegeleicht
  • gedeiht auf allen Böden
  • sonniger bis halbschattiger Standort

Arten von L – R

Lavendel (Lavandula angustifolia)

Lavendel benötigt eine warme und trockene Umgebung
  • Duft vertreibt Insekten und Motten
  • Lavendelöl entspannt und beruhigt
  • gegen Unruhe und nervöse Einschlafstörungen
  • gegen Kreislaufbeschwerden
  • in der Fußpflege durchblutende Wirkung
  • mehrjähriger, winterharter Halbstrauch
  • warmer und sonniger Standort
  • im Winter mit Reisig und Mulch auf Erde schützen

Minze (Mentha)

Pfefferminze
  • viele verschiedene Arten
  • mentholhaltig oder fruchtig-frisch
  • Tee gegen Übelkeit, Darmproblemen
  • auch bei Erkältungen anwendbar
  • winterhartes, mehrjähriges Kraut
  • starke Rhizomenbildung
  • Topfkultivierung empfehlenswert
  • nährstoffreicher, leicht feuchter Boden
  • mit Kompost düngen
  • sonniger, warmer Standort

Rosmarin (Rosmarinus officinalis)

Rosmarin mit seinen nadelartigen Blättern, Heilkräuter
  • nicht während der Schwangerschaft verwenden
  • „Heilpflanze des Jahres 2011“
  • Rosmarinöl gegen rheumatische Beschwerden
  • auch gegen Kreislaufbeschwerden
  • fördert Durchblutung
  • äußerlich bei Verstauchung und Quetschungen
  • mehrjähriger Halbstrauch
  • sonniger Standort
  • trockener Boden
  • benötigt Winterschutz

Arten von S – Z

Salbei (Salvia officinalis)

Salbei sollte geschnitten werden
  • nicht während einer Schwangerschaft
  • nicht in größeren Mengen oder längeren Zeitraum
  • entzündungshemmende Eigenschaften
  • bekannt sind Salbeibonbons bei Halsentzündung
  • auch gegen Verdauungsbeschwerden
  • winterharter, mehrjähriger Halbstrauch
  • sonniger Standort
  • mäßig gießen und düngen
  • benötigt Winterschutz

Thymian (Thymus vulgaris)

Thymian ist eine Steingartenpflanze
  • „Heilpflanze des Jahres 2001“
  • „Arzneipflanze des Jahres 2006“
  • wirkt antiseptisch
  • als Hustenlöser bei grippalen Infekten
  • äußerlich bei entzündlichen Hautkrankheiten
  • gegen Verstauchungen und Zerrungen einsetzbar
  • mehrjähriger Halbstrauch
  • trockener, kalkhaltiger Boden
  • sonniger Standort
  • wenig gießen und düngen

Zitronenmelisse (Melissa officinalis)

Melissa officinalis, Zitronenmelisse, Heilkräuter
Melissa officinalis, Zitronenmelisse
  • Anwendung in der Aromatherapie
  • wirkt beruhigend und ausgleichend
  • gegen nervöse Einschlafstörungen und Unruhe
  • winterharte, mehrjährige Staude
  • sonniger Standort
  • leicht feuchte Erde
  • benötigt viel Kompostdünger
  • kann im Topf kultiviert werden
  • beruhigende Wirkung auf Magen und Darm

Hinweis: Heilkräuter sind Pflanzen mit medizinischem Nutzen durch heilende Wirkung. Heutzutage werden viele Heilkräuter aber auch den Küchengewürzen oder den Genussmitteln zugeordnet.

Weitere Heilkräuter und -pflanzen

Auch in vielen anderen Pflanzenfamilien gibt es bekannte und beliebte Kräuter, die eine heilende Wirkung besitzen.

Baldrian (Valerianae officinalis)

Baldrian (Satureja hortensis) gehört zu den bekanntesten Heilkräutern
  • Familie der Baldriangewächse (Valerianaceae)
  • nicht über längeren Zeitraum nehmen
  • besser nach Rückfrage mit dem Arzt
  • gegen innere Unruhe und Schlafstörungen
  • winterhart
  • mehrjährig
  • Wurzeln werden verwendet
  • sonniger bis halbschattiger Standort
  • mit viel Kompost düngen
  • genügend gießen

Frauenmantel (Alchemilla xanthochlora)

Frauenmantel Alchemilla, Stauden xanthochlora
  • Familie der Rosengewächse (Rosaceae)
  • nicht in Schwangerschaft einnehmen
  • gegen Beschwerden bei Menstruation und Wechseljahren
  • gegen Magen- und Darmbeschwerden
  • Linderung von Entzündungen in Mund und Rachen
  • winterharte, mehrjährige Staude
  • sonniger bis teilschattiger Standort
  • regelmäßig mit Kompost düngen
  • bevorzugt Lehmboden

Schafgarbe (Achillea millefolium)

Schafgarbe gehört zu den Heilkräutern
  • Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae)
  • „Heilpflanze des Jahres 2004“
  • nicht in Schwangerschaft einsetzen
  • Korblütlerallergiker sollten Pflanze meiden
  • krampflösend und entzündungshemmend
  • wird oft wie Kamille verwendet
  • mehrjährig
  • winterhart
  • pflegeleicht
  • sonniger Standort

Wermut (Artemisia absinthium)

Wermut (Artemisia absinthium) gehört zu den Heilkräutern
  • Familie der Korbblütler (Asteraceae)
  • kann Allergien auslösen
  • Tee gegen Magen- und Darmerkrankungen
  • hilft bei Appetitlosigkeit
  • Halbstrauch
  • bildet Rhizome aus
  • leicht giftig
  • winterhart
  • sonniger bis halbschattiger Standort

Häufig gestellte Fragen

Seit wann ist die heilende Wirkung von verschiedenen Pflanzen bekannt?

Bereits bei dem in den Alpen gefundenen 5300 Jahre alten „Ötzi“ wurden zur Wundheilung genutzte Birkenporlinge gefunden. Aus Mesopotamien (dem heutigen Syrien und Irak) sind die ersten Aufzeichnungen für Heilpflanzen von etwa 3000 v.Chr. bekannt. Die wissenschaftliche Medizin wurde um 400 v.Chr. von „Hippokrates von Kos“ mit „Corpus hippocratium“ begründet.

Wie viele Heilkräuter werden insgesamt genutzt?

Die Kraft von Heilkräutern wurde in den letzten Jahren wieder neu entdeckt und ist durch die bessere Forschung nach Inhaltsstoffen sowie auch aus alten Überlieferungen angestiegen. Mittlerweile werden weltweit etwa 50.0000 Pflanzenarten für Arzneien genutzt, sowohl in der modernen Medizin als Phytopharmaka als auch traditionell, in der Homöopathie, der Hildegard-Medizin sowie in der Kosmetik.

Heilkräuter sind Pflanzen, warum sollte ich beim Verzehr trotzdem vorsichtig sein?

Auch wenn es sich bei Heilkräutern um natürliche, pflanzliche Stoffe handelt, sollten Sie immer bedenken, dass diese nicht unbedingt harmlos sein müssen. So können diese in großen Mengen verzehrt auch Neben- und Wechselwirkungen sowie Allergien auslösen, wie dies bei chemisch hergestellten Stoffen der Fall ist. Zudem sind einige der in Heilkräuter eingestuften Pflanzen auch leicht giftig und dürfen nicht in großen Mengen verzehrt werden.

Was kann ich tun, wenn sich Vergiftungserscheinungen nach dem Verzehr zeigen?

Wenn ein Notfall passiert ist, weil vielleicht ein Kind Blätter in den Mund genommen hat, von denen Sie nicht wissen, ob es sich hierbei um eine giftige Pflanzen-Art handelt, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen oder den Notruf wählen. Gleichzeitig können Sie auch die Giftnotrufzentrale anrufen. Die Mitarbeiter können Ihnen nach der Beschreibung weiterhelfen und sagen, ob die Pflanze giftig ist und welche Maßnahmen eingeleitet werden sollten.