Herbstzeitlose giftig für Haustiere & Pferde? - Titelbild

Die hübschen rosafarbenen oder violetten Herbstblüten der Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale) lassen leicht vergessen, wie tödlich giftig diese Pflanze ist – ganz besonders für Sammler von Wildkräutern, Kinder, Haustiere und Pferde.

Auf den Punkt gebracht

  • Herbstzeitlose giftig für Mensch und Tier
  • Vergiftung häufig tödlich
  • bei Tieren Ursache oft verunreinigtes Heu
  • bei Menschen Verwechslung mit Bärlauchblättern
  • Pferde und Schweine besonders empfindlich

Ist die Herbstzeitlose giftig?

Eine Mischung von mehr als 20 verschiedenen Alkaloiden macht die Herbstzeitlose so giftig. Aus diesem Mix sticht jedoch vor allem Colchizin hervor, welches schon in extrem geringen Mengen sowohl für Menschen als auch Tieren tödlich giftig wirkt. Bei erwachsenen Menschen genügt schon eine Dosis von rund fünf Milligramm, was etwa 60 Gramm frischen Blättern entspricht. Tödliche Dosen für Tiere liegen bei durchschnittlich 80 Gramm frischem Pflanzenmaterial je 100 Kilogramm Körpergewicht, weshalb ca. 400 Gramm getrocknete Herbstzeitlose für ein Pferd bereits tödlich wäre – die Giftwirkung bleibt fatalerweise auch im Heu erhalten.

  • Pferde und Schweine besonders gefährdet
  • reagieren schon bei kleinsten Mengen
  • Ziegen und Schafe weniger empfindlich
  • zeigen häufig keine Vergiftungserscheinungen
Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale)

Hinweis: Problematisch bei Milch gebenden Weidetieren, wie Kühen, Ziegen und Schafen, ist zudem, dass die Giftstoffe in die Milch übergehen und so selbst bei konsumierenden Menschen noch eine möglicherweise tödliche Vergiftung durch das Herbstzeitlosengift verursachen können.

Tod durch Heu

Weidetiere, wie Pferde oder Rinder, fressen frische Herbstzeitlose nur sehr selten, da sie die Pflanze instinktiv meiden. Ausnahme sind unerfahrene Jungtiere oder weideunerfahrene Tiere, weshalb Tierbesitzer die Weideflächen stets von der Giftpflanze freihalten sollten. Problematischer ist jedoch Heu oder Silage, welches Herbstzeitlosenbestandteile enthält. Werden diese einmal getrocknet, verlieren sie ihren bitteren Geschmack und die Tiere können die Pflanzenteile nicht mehr aussortieren – sie fressen sie einfach mit. Deshalb erfolgen die meisten Vergiftungserscheinungen und daraus resultierende Todesfälle bei Haus- und Nutztieren auch durch verunreinigtes Heu. Das gilt übrigens nicht nur für Pferde und Rinder, sondern auch für Heu fressende Haustiere wie

  • Kaninchen und Hasen
  • Meerschweinchen
  • Hamster

Aber auch neugierige Hunde und Katzen sind gefährdet, da sie an als Zierpflanzen im Garten kultivierten Herbstzeitlosen gerne knabbern.

Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale)

Hinweis: Auf Weiden und anderen landwirtschaftlichen Flächen muss die giftige Herbstzeitlose dadurch konsequent im Frühjahr nach dem Austrieb der Blätter bekämpft werden, etwa durch Mähen. Im Herbst während der Blüte durch Ausgraben der Knollen.

Folgen

Das in der Herbstzeitlosen enthaltene stark giftige Colchicin ist ein Kapillar- und Mitosegift, d. h. es stört die Zellbildung und hat zahlreiche weitere dramatische Auswirkungen. Bei Menschen und Tieren treten als Folge einer Vergiftung etwa

  • Koliken
  • schwere Stoffwechselstörungen
  • starkes Speicheln
  • Husten
  • neurologische Störungen (z. B. Stolpern, Sehstörungen, Halluzinationen)
  • Muskelschwund
  • Muskellähmungen bis hin zur Atemlähmung
  • Organversagen

auf, wobei die Schwere der Erscheinungen sich nach der aufgenommenen Giftmenge bemisst. Gefährlicherweise zeigen sich die ersten Symptome oft erst nach frühestens zwei bis 12 Stunden nach der Aufnahme von giftigem Pflanzenmaterial. Zu diesem Zeitpunkt hat das Gift jedoch seine tödliche Wirkung oft schon entfaltet und Gegenmaßnahmen wie zum Beispiel das Auspumpen des Magens sind wirkungslos. Bei geringen aufgenommenen Mengen zeigen sich die Symptome über einen längeren Zeitraum, da sich die Giftstoffe im Körper, vor allem in der Leber, anreichern.

Hinweis: Der regelmäßige Genuss von Colchicin-belasteter Milch kann bei Menschen zur Tumorbildung führen und so Krebserkrankungen verursachen.

Vergiftungssymptome bei Tieren

Bei Tieren, wie Pferden oder Rindern, zeigt sich eine Vergiftung in drei Phasen.

  1. Phase: Koliken, häufige Blähungen, Abgeschlagenheit oder auffallende Nervosität
  2. Phase: Herzrhythmusstörungen, neuromuskuläre Störungen (d. h. Beeinträchtigung der Muskelfunktionen), Leberinsuffizienz,
    -> Anhalten der zweiten Phase über mehrere Tage
  3. Phase: Leukozytose (weiße Blutkörperchen vermehren sich krankhaft), Haarausfall
Hufrehe - Symptom für Vergiftung beim Pferd
Hufrehe ist ein Symptom bei Vergiftungen durch die Herbstzeitlose und tritt meist bei Pferden auf.

Bei Pferden tritt außerdem häufig Hufrehe auf. Der Tod kann nach einigen Tagen bis Wochen eintreten, meist durch Kreislaufversagen und Atemlähmung. Eine schnelle Reaktion nach Konsum der giftigen Herbstzeitlose ist schon bei den ersten Symptomen (z. B. beim Auftreten einer Aufblähungskolik) für die Tiere lebenswichtig. Füttern Sie kein Heu mehr und rufen Sie umgehend den Tierarzt, den Sie von Ihrem Verdacht informieren müssen.

Häufig gestellte Fragen

Wie zeigt sich eine Vergiftung durch Herbstzeitlose beim Menschen?

Beim Menschen treten die ersten Vergiftungserscheinungen ebenfalls erst recht spät, nach zwei bis sechs Stunden, auf. Zunächst äußern sich diese durch ein Brennen im Mund, welches durch Schluckbeschwerden, Erbrechen und Übelkeit gefolgt wird. Dabei sind auch blutige Durchfälle typisch. Der Tod tritt ebenfalls durch Atemlähmung und / oder Kreislaufversagen ein, wobei der Betroffene bis zum Schluss bei Bewusstsein bleibt. Die Sterblichkeitsrate nach einer Vergiftung mit der Herbstzeitlosen ist mit rund 90 Prozent extrem hoch.

Welche Erste-Hilfe-Maßnahmen sollte man durchführen?

Schon beim kleinsten Verdacht einer Vergiftung durch Herbstzeitlose sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Schnelles Handeln ist immens wichtig, um gravierende Schäden oder sogar einen Todesfall zu vermeiden. Geben Sie dem Betroffenen viel Wasser zu trinken. Milch ist tabu, da diese die Giftwirkung noch verstärkt. Wasser hingegen hilft dabei, die Giftstoffe auszuschwemmen. Auch sollten Sie den Patienten nicht zum Erbrechen bringen.

Wie kann ich Herbstzeitlose und Bärlauch unterscheiden?

Das beliebte Wildkraut Bärlauch ist, im Gegensatz zur Herbstzeitlose, nicht giftig und wird im Frühjahr gern gesammelt. Gefährlicherweise sehen die Blätter der Herbstzeitlosen Bärlauchblättern sehr ähnlich und wachsen auch noch an denselben Standorten. Eine Unterscheidung ist schwierig, weshalb Sammler ganz genau hinschauen müssen: Bärlauchblätter etwa haben einen Stiel, den Herbstzeitlosenblätter nicht haben. Außerdem riechen die Blätter des Bärlauchs nach Knoblauch oder Lauch, die der Herbstzeitlosen hingegen nicht