Vergiftungsgefahr: Herbstzeitlose oder Bärlauch - Titelbild

Jedes Jahr von März bis Mai sammeln zahlreiche Menschen Bärlauch in den deutschen Wäldern. Damit es nicht zu einer Verwechslung und Vergiftung kommt, müssen Sie Bärlauch und Herbstzeitlose unterscheiden können.

Auf den Punkt gebracht

  • Bärlauch und Herbstzeitlose ähneln sich sehr
  • bilden jeweils ovale, lange Blätter aus
  • Bärlauchblätter riechen nach Knoblauch
  • Herbstzeitlose bilden beidseitig glänzende Blätter
  • Vergiftungen durch Herbstzeitlose können tödlich ausgehen

Bärlauch erkennen

Um Bärlauch und Herbstzeitlose unterscheiden zu können, müssen Sie vor allem die Eigenschaften der jeweiligen Pflanze kennen. Beide Pflanzen werden am häufigsten im Frühjahr aufgrund ihrer Blätter verwechselt, die sich aufgrund ihrer ovalen Form, der Breite und dem sattgrünen Farbton stark ähneln. Dennoch gibt es einige vegetative Merkmale, auf die Sie bei der Ernte achten sollten, um Bärlauch und Herbstzeitlose zu unterscheiden. Vor allem die Blätter helfen dabei, wenn Sie näher hinschauen:

  • pro Stängel ein Blatt
  • Stängel wächst direkt aus dem Boden
  • es werden dreikantige, hohle Stängel ausgebildet
  • Blätter stehen dicht zusammen
  • parallelnervig
  • glänzende Blattoberseite
  • matte Blattunterseite
  • weich
  • Spitzen rollen sich manchmal ein
Bärlauch (Allium ursinum)

Das wichtigste Erkennungsmerkmal des Bärlauchs (Allium ursinum) ist aber das Aroma der Blätter. Wenn Sie ein Blatt vorsichtig zwischen den Fingern reiben, steigt ein starker Knoblauchgeruch in die Nase. Die Blätter der Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) dagegen haben kein nennenswertes Aroma. Anhand des Geruchs ist es deutlich einfacher, eine Verwechslung zu vermeiden. Achten Sie darauf, dass das Aroma mit der Zeit an den Fingern verbleibt und eine genaue Zuordnung vielleicht nicht mehr möglich ist. In diesem Fall sollten Sie immer vorsichtshalber die vegetativen Merkmale überprüfen.

Bärlauch mit Blüten

Hinweis: Sie können sich nicht an der Blüte orientieren, wenn Sie Bärlauch sammeln wollen, da die Blätter während der Blütezeit faserig, bitter und ungenießbar werden. Die Herbstzeitlose blüht erst im Herbst, was die Unterscheidung anhand der Blätter so wichtig macht.

Herbstzeitlose erkennen

Damit es beim Sammeln von Bärlauch nicht zu einer Vergiftung durch die Herbstzeitlose kommt, müssen Sie das Gewächs anhand der Blätter unterscheiden können. Leider ist es nicht möglich, die Wurzeln miteinander zu vergleichen, da beide Pflanzen aus Zwiebeln wachsen. Glücklicherweise ist die Herbstzeitlose durch die Blätter problemlos zu bestimmten, wenn Sie die Gewächse gründlich auf die folgenden Merkmale überprüfen:

  • mehrere Blätter wachsen aus einer Rosette
  • kein sichtbarer Stängel
  • hellerer Grünton
  • fleischig und fest
  • stehen aufrecht
Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)

Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie die Blattunterseiten betrachten. Herbstzeitlose sind beidseitig glänzend, während beim Bärlauch die Unterseite matt ist. Das erleichtert die Bestimmung deutlich und schützt vor einer Verwechslung.

Standortunterschiede

Eine weitere Möglichkeit, Bärlauch und Herbstzeitlose zu unterscheiden, ist der Standort. Die bevorzugten Areale der Pflanzen überschneiden sich zwar, sind aber nicht exakt gleich. Beide Arten bevorzugen Böden, die feucht, humos und nährstoffreich sind. Der größte Unterschied zeigt sich im Lichtbedarf:

Aus diesem Grund bevorzugt der Bärlauch dichte Wälder, in denen er geschützt vor der Sonne ist. Herbstzeitlose dagegen finden Sie häufig auf Wiesen und Lichtungen, die über ein Mindestmaß an Sonnenschein verfügen.

Herbstzeitlose: Vergiftungserscheinungen

Falls Sie aus Versehen Blätter der Herbstzeitlosen anstelle des Bärlauchs gesammelt und verzehrt haben, kann es zu schweren Vergiftungserscheinungen durch das enthaltene Colchicin kommen. Es handelt sich um ein Zellgift, das innerhalb weniger Stunden Zellen schwer schädigen kann, bis sie absterben. Es reichen schon kleine Mengen der Blätter für eine Vergiftung aus, die an den folgenden Symptomen zu erkennen ist:

  • erste Symptome nach etwa 2 bis 6 Stunden
  • Übelkeit und Benommenheit
  • seltener bläulich gefärbte Lippen
  • Erbrechen und Magenbeschwerden
  • Durchfall, häufig blutig
  • intensiver Harndrang
  • starke Schweißausbrüche
  • Lähmungs- und Krampfzustände können folgen
  • können zum Schock führen
  • Tod durch Herz-Kreislaufversagen oder Atemlähmung möglich
Bärlauch (Allium ursinum) & Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) (v.l.n.r.)
Quelle: Bild von Herbstzeitlose (rechts) Cheva, Vrbenské rybníky, Colchicum autumnale (01), bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 3.0

Sobald Sie diese Symptome nach dem Verzehr der vermeintlichen „Bärlauchblätter“ bemerken, sollten Sie sofort einen Notarzt rufen oder ein Krankenhaus aufsuchen. Nehmen Sie Teile der Blätter mit, damit die Ärzte die Pflanze sofort identifizieren können. Weiterhin sind die folgenden Erste Hilfe-Maßnahmen empfehlenswert:

  • Pflanzenteile ausspucken
  • Tee oder Kaffee warm trinken
  • Natriumsulfat oder Aktivkohle verabreichen
  • Schocklagerung ausführen

Hinweis: Reagieren Sie so schnell wie möglich, wenn eine Herbstzeitlosenvergiftung wahrscheinlich ist, da die tödliche Dosis bereits nach 0,8 Milligramm der Pflanzenteile pro Kilogramm Körpergewicht erreicht wird. Die Sterblichkeitsrate der Herbstzeitlosen liegt bei etwa 90 Prozent.

Häufig gestellte Fragen

Gibt es noch weitere Methoden, um eine Verwechslung zu verhindern?

Neben dem Vergleich der vegetativen Merkmale kann es sich lohnen, eine geführte Kräuterwanderung in Ihrer Nähe zu buchen. Bei einer Kräuterwanderung zeigt Ihnen ein Profi, auf was Sie beim Sammeln von Wildkräutern achten müssen. Ebenfalls können Sie Apps mit Bildern zur Bestimmung von Kräutern nutzen.

Mit welcher Pflanze kann Bärlauch noch verwechselt werden?

Neben der Herbstzeitlosen wird Bärlauch häufig mit Maiglöckchen (Convallaria majalis) verwechselt. Im Vergleich zum Bärlauch glänzen die Blattunterseiten des Maiglöckchens und der Stängel wird von maximal zwei Blättern umschlossen. Zudem zeigt sich Convallaria majalis erst ab Mitte April, also deutlich später als Bärlauch. Die Blätter des Maiglöckchens haben einen kaum vernehmbaren Geruch.

Was sollte bei der Bärlauchernte beachtet werden?

Wenn Sie wilden Bärlauch sammeln wollen, sollten Sie nicht zu viele Blätter von der Pflanze ernten, damit sie sich wieder erholen kann. Pro Pflanze sollte maximal ein Blatt geerntet werden. Falls Sie bereits abgeerntete Exemplare finden, sollten Sie sich zur nächsten Pflanze begeben. Nutzen Sie für die Ernte ein scharfes Messer oder eine Schere, die zuvor desinfiziert wurde.