Hydrokultur für Zimmerpflanzen | Vorteile | Anleitung: So gelingt es

Hydrokultur bei Zimmerpflanzen

Bereits im 17. Jahrhundert fanden Forscher heraus, dass Pflanzen eine Handvoll Nährstoffe zum Überleben benötigen und nicht in Erde wachsen müssen. Bis heute hat sich die minimalistische Kultur von Zimmerpflanzen in speziellen Kugeln als erfolgreich erwiesen. Ein Spezialdünger ist von großer Bedeutung, denn die chemischen Bodeneigenschaften weichen stark vom natürlichen Zustand in der Erde ab. Hydrokultur bringt im Gegensatz zur Kultivierung in Erde zahlreiche positive Effekte mit sich.

Hydrokultur für Zimmerpflanzen

Der Begriff Hydrokultur bedeutet übersetzt so viel wie Wasseranzucht. Bei dieser Art der Kultivierung wachsen die Pflanzen nicht in konventioneller Blumenerde, sondern in einem speziellen Substrat, welches Wasser speichert. Blähton ist die häufigste Variante, in der verschiedenste Pflanzen gezogen werden. Die Kugeln bieten den Wurzeln eine stabile Basis, in der sie sich festhalten können. Lebensnotwendige Nährstoffe werden den Pflanzen über das Gießwasser zugeführt.

Vorteile

Zimmerpflanzen in Hydrokultur müssen weniger oft umgetopft werden, wobei das Umtopfen leichterer und sauberer vonstattengeht. Die Wurzeln werden besser mit Luft versorgt und können leichter auf mögliche Schäden kontrolliert werden. Viele Pflanzen wachsen im Spezialsubstrat besser, sodass ihre Langlebigkeit erhöht wird. Außerdem können sich hier keine Schädlinge ansiedeln, die sich bevorzugt in der Erde von Zimmerpflanzen niederlassen. Hausstauballergiker profitieren von einer besseren Raumluft, denn das Substrat bietet keinen Nährboden für Allergene. Vorteile ergeben sich auch hinsichtlich der Pflege:

  • Gießeinheiten reduzieren sich
  • kalkhaltiges Wasser wird durch Ionenaustauscher neutralisiert
  • Düngung seltener erforderlich
  • alle Pflanzen bekommen den gleichen Dünger
  • keine Gefahr der Überdüngung
  • Substrat kann nach dem Auskochen wiederverwendet werden

Hydrokultur durch Blähton

Geeignete Pflanzen

Fast alle Pflanzen eignen sich für die Hydrokultur. Da diese Form der Kultivierung auf Langlebigkeit ausgerichtet ist, sind Grünpflanzen besser geeignet als kurzlebige Blühpflanzen. In Krankenhäusern, Banken oder Bürogebäuden werden Palmen, Farne und Blattpflanzen wegen der zahlreichen Vorteile bevorzugt in Hydrokultur gezüchtet. Wenn Sie sich für diese Kultivierungsform interessieren, sollten Sie Stecklinge von den gewünschten Pflanzen schneiden und diese in Blähton anziehen. Besonders gut eignen sich diese Arten:

Im Handel werden viele Zimmerpflanzen speziell für diese Form der Kultivierung angeboten, denn ihre Züchtung erfolge im entsprechenden Milieu. Wenn Ihre Zierpflanzen noch jung sind und ein kräftiges Wurzelsystem entwickelt haben, können Sie auch diese auf die Nasskultur umgewöhnen. Eine Umstellung von Erde auf Blähton zeigt sich bei älteren Zimmerpflanzen als problematisch. Diese haben bereits ein stark verzweigtes Wurzelsystem entwickelt, welches sich nur schwer von Erde befreien lässt. Wurzelbeschädigungen sind nicht ausgeschlossen und bieten Krankheitserregern Eintrittspforten.

Tipp: Kakteen und Orchideen eignen sich ideal für die Kultivierung in Blähton. Allerdings benötigen sie ausreichend lange Trockenphasen, nachdem der Wasserstandsanzeiger auf sein Minimum gesunken ist.

Das richtige Gefäß

Es gibt spezielle Pflanzkübel, die mit einem Wasserstandsanzeiger ausgestattet sind. Auf diese Weise wissen Sie genau, wann Sie Ihre Pflanzen erneut gießen müssen. Praktisch ist ein Topf mit einem speziellen Düngeschacht, in den ein Langzeitdünger eingefüllt wird. Die Pflanzen holen sich nur die Nährstoffe, die sie zum Wachstum benötigen. Im Handel finden Sie ein breites Angebot, sodass Sie die Töpfe ganz nach Ihrem Geschmack auswählen können. Pflanzgefäße für die Hydrokultur gibt es aus Keramik, Metall, Kunststoff, Holz oder Glas. Sie müssen nicht zwangsläufig vorgefertigte Hydrokulturtöpfe kaufen, wenn Sie die entsprechenden Utensilien bereits zur Verfügung haben:

  • ausreichend großer Übertopf
  • spezieller Pflanzeinsatz, der nicht bis zum Topfboden reichen muss
  • Steck-Wasserstandsanzeiger für den Pflanzeinsatz
  • geeignetes Substrat wie Blähton

Hydrokultur bei Zimmerpflanzen

Hinweis: Achten Sie darauf, dass der Pflanzeinsatz absolut wasserdicht ist. Dann können Sie diesen auch in Tontöpfe oder unbehandelte Holzgefäße stellen.

Geeignete Substrate

Die Pflanzen werden bei der Hydrokultur in ein anorganisches Substrat gesetzt, welches frei von Kalk ist. Es können verschiedene Stoffe genutzt werden. Sie unterscheiden sich in der Körnung und haben ein unterschiedlich hohes Vermögen zur Speicherung von Wasser. Sie können sowohl Ziegelsteinscherben oder Kokosfasern als auch Vermiculit oder Diahydro verwenden. Wenn Sie ein nicht quellfähiges Substrat nutzen, muss die Wasserversorgung über ein externes Pumpsystem erfolgen. Die Stoffe haben unterschiedliche Vorzüge:

  • Perlit: vulkanisches Gestein, welches Feuchtigkeit speichert und Nährstoffe bindet
  • Basalt: vulkanisches Gestein, das für einen stabilen Halt sorgt
  • Blähton: gebackene Tonkugeln mit leichtem Gewicht und hohem Quellvermögen
  • Steinwolle: künstlich hergestelltes Substrat aus mineralischen Fasern, das unanfällig für Krankheitserreger ist
  • Sand: wegen geringer Wasserspeicherfähigkeit für Pflanzen mit niedrigem Wasserbedarf geeignet
  • Kies: günstig und ästhetisch, aber hohes Gewicht und keine Speicherung von Wasser möglich

Anleitung zum Umtopfen

Bevor die Pflanze in das entsprechende Substrat umgesetzt werden kann, muss das Wurzelwerk vollständig frei von alten Erdresten sein. Schon geringste Partikel bieten Pilzsporen einen optimalen Nährboden. Duschen Sie den Wurzelballen mit lauwarmem Wasser ab, bis dieser vollständig sauber ist. Wenn Sie das Hydrokultursubstrat bereits verwendet haben, sollten Sie dieses säubern und im Ofen sterilisieren. Bedecken Sie den Boden des Pflanzeinsatzes mit Kugeln aus Blähton, Styropor oder Perlit und setzen Sie die Pflanze ein. Beim anschließenden Auffüllen ist größte Behutsamkeit gefragt, damit die Wurzeln keinen Schaden davontragen. Klopfen Sie das Gefäß vorsichtig auf einen Untergrund, damit sich die Kügelchen gleichmäßig verteilen und verdichten. Eventuell ist ein Nachfüllen notwendig. Die Pflanze muss anschließend auf die Hydrokultur vorbereitet werden:

  • mit lauwarmem Wasser gießen, bis sich Wasserstandsanzeiger in der Mitte einpendelt
  • Standortwechsel in den kommenden Monaten vermeiden
  • wenn Pflanzen neue Wurzeln gebildet haben, können sie wie alle Hydrokulturpflanzen gepflegt werden

Hydrokultur beim Usambaraveilchen

Pflege

Bei allen Hydrokulturen ist die Bewässerung ähnlich. Gießen Sie so lange, bis der Wasserstandsanzeiger auf seinem Optimum steht. Es ist nicht schlimm, wenn Sie nicht bis zum maximalen Pegelstand gießen. Sollte der Anzeiger nicht sofort reagieren, hilft ein leichtes Klopfen. Dadurch löst sich angestautes Pulver. Die Pflanzen verbrauchen das Wasser in unterschiedlichen Intervallen, bis der Pegel auf sein Minimum sinkt. Zur Vorbeugung von Wurzelfäule sollten Sie eine drei- bis sechstägige Gießpause einlegen und erst dann wieder Wasser auffüllen. Für ein optimales Wachstum sorgen außerdem diese Pflegemaßnahmen:

  • Substrat einmal jährlich reinigen
  • bei fauligem Geruch Substrat vollständig austauschen und reinigen
  • Spezialdünger verwenden
  • braune Blätter und Triebe abschneiden und vom Substrat entfernen