Igel füttern

Viele Wildtiere haben in menschlichen Siedlungsgebieten einen neuen Lebensraum gefunden, so auch der Igel. Die stacheligen Säugetiere sind unheimlich anpassungsfähig. In der freien Wildbahn können sich die putzigen Tiere normalerweise sehr gut selbst versorgen. Ein Füttern der Igel ist daher nicht notwendig, sondern kann ihnen sogar schaden. Zwar gehören Igel nicht zu den bedrohten Arten, allerdings können sie in einigen Fällen ein wenig Unterstützung gebrauchen.

Igel füttern

Igel (Erinaceidae) gehören zu den Säugetieren, die weltweit in 24 verschiedenen Arten vorkommen. Bei uns leben fast ausschließlich Braunbrustigel (Erinaceus europaeus). Seltener sind die Nördlichen Weißbrustigel (Erinaceus roumanicus), die gelegentlich in den östlichen Randgebieten Deutschlands anzutreffen sind. Igel sind Einzelgänger und durchstreifen normalerweise auf ihrer Nahrungssuche große Reviere. Als typische Kulturfolger findet man sie aber immer häufiger auch in Hausgärten, ja sogar in den Stadtparks von Großstädten. Die Tiere haben ein sehr breites Nahrungsspektrum, allerdings sind sie weder Vegetarier noch Allesfresser. Auf ihrem Speisezettel stehen:

  • Asseln
  • Heuschrecken
  • Insekten und deren Larven
  • Käfer
  • Mehlwürmer
  • Ringelwürmer
  • Schnecken
  • Spinnen
  • Tag- und Nachtfalter sowie deren Larven und Raupen
  • Tausendfüßer
  • Vogeleier
  • Frösche oder kleine Schlangen
  • gelegentlich kleine Säugetiere
  • selten Aas

Igel im heimischen Garten

Über den Winter braucht der kleine Säuger keine Nahrung. Er zehrt von seinen Fettreserven, während er die kalte Jahreszeit im Winterschlaf verbringt.

Wann brauchen Igel Hilfe?

Normalerweise finden die Tiere ausreichend Nahrung in der freien Natur. In einem abwechslungsreichen Lebensraum mit Sträuchern, Hecken und Wiesen ist ihr Tisch immer reich gedeckt. Dennoch gibt es Zeiten, in denen die Tiere eventuell Unterstützung benötigen.

Frühjahr (März bis April)

Treffen im Frühling die ersten warmen Sonnenstrahlen auf den Gartenboden, erwacht der Igel aus seinem langen Winterschlaf. In der Regel sind ältere, männliche Tiere ein paar Wochen früher dran als Jungtiere und Weibchen. Um zu Kräften zu kommen, brauchen sie jetzt sehr viel zu fressen. Fällt der Frühling mild aus, finden sie dies problemlos in ihrer Umgebung. Fallen die Temperaturen wieder oder ist das Nahrungsangebot noch unbefriedigend, verkriechen sich viele der Tiere wieder in ihr Winterquartier.

Herbst (Oktober bis November)

Auch im Herbst kann das Essen knapp werden. In dieser Zeit ist es jedoch sehr wichtig, dass sich die Tiere ausreichend Winterspeck anfressen, da sie ansonsten die kalten Monate nicht überleben. Betroffen sind vor allem Muttertiere, die durch die Geburt und die Aufzucht ihrer Jungen sehr viel Energie verloren haben. Als letztes suchen sich Jungtiere ein behagliches Versteck für den Winter. Sie benötigen etwas mehr Zeit als ausgewachsene Tiere, um ein ausreichendes Gewicht für den Winterschlaf zu erlangen.
In beiden Zeiträumen kann es notwendig sein, die Igel zu füttern.

Tipp: Bringen Sie stark geschwächte oder verletzte Tiere umgehend zu einem Tierarzt oder ein eine Wildtierauffangstation!

Falsch verstandene Hilfe

Nicht jeder Igel, der im Frühjahr oder Herbst im Garten herumstreunt, ist auch hilfebedürftig. Die hübschen Knopfaugen und das freche Gesicht wecken bei vielen Menschen jedoch das dringende Bedürfnis, die Igel generell zu füttern. Die natürliche Igelnahrung ist sehr abwechslungsreich und lässt sich kaum durch Katzenfutter oder käufliches Igelfutter ersetzen. Da die Tiere ziemlich bequem und dazu auch noch verfressen sind, lehnen sie solche zusätzlichen Futterangebote fast nie ab. Eine Zufütterung kann jedoch folgende Probleme nach sich ziehen:

  1. In der Natur begeben sich Erinaceidae in Winterschlaf, wenn sie kaum noch etwas zu fressen finden. Sorgen Sie für einen reich gedeckten Tisch, kann dieser Zyklus gestört werden und das Tier geht nicht in den Winterschlaf.
  2. Falsche Ernährung kann schwere gesundheitliche Folgen für die Tiere haben. Neben Mangelernährung kommt es häufig auch zu einer Verfettung. Hautprobleme, Stachelausfall und Fehlbildungen gehören dabei noch zu den harmlosen Folgen.
  3. Damit die Wildtiere langfristig überleben können, müssen Igelkinder erst einmal lernen, wo sie ihr Futter suchen müssen und was sie essen dürfen. Das lernen sie jedoch nicht, wenn ihnen jeden Tag ausreichend Nahrung vor die Nase gestellt wird.

Zeitpunkt für die Fütterung

Füttern Sie in der freien Natur lebende Igel vorzugsweise am Abend. Die stacheligen Säugetiere sind dämmerungs- und nachtaktiv und gehen bei Sonnenuntergang auf Nahrungssuche. Ab September sind sie auch gelegentlich über den Tag zu sehen, da sie jetzt vermehrt fressen, um Fettreserven für den Winterschlaf anzulegen. Eine Ausnahme beim Fütterungszeitpunkt bilden geschwächte Individuen, vor allem spät geborene Igeljunge. Ihnen sollte ab Ende Oktober jederzeit ausreichend Futter zur Verfügung stehen. Dabei eignen sich mehrfache kleine Portionen über den Tag verteilt besser als eine große Menge Futter.

Igel im Garten

Das richtige Igelfutter

Entdecken Sie im Spätherbst oder zeitigen Frühjahr bei Temperaturen von dauerhaft unter 6 °C einen untergewichtigen Igel in Ihrem Garten, dann sollten Sie dem Tier etwas zu essen und trinken anbieten. Geben Sie dem Stachelhäuter jedoch nicht einfach irgendetwas, sondern bieten Sie ihm eine Ernährung, die es gesund hält und kräftigt. Grundsätzlich gilt, dass sie in dieser Zeit vor allem Nahrungsquellen mit hohem Fett- und Eiweißanteil brauchen. Die Tiere essen normalerweise kaum pflanzliche Nahrung, da sie diese nicht gut verdauen können. Geben Sie das Futter in eine flache, kippsichere Schale und stellen es an eine geschützte Stelle im Garten oder auf die Terrasse, an die keine anderen Tiere herankommen.

  • Nassfutter für Katzen (ohne Soße)
  • gekochte Eier
  • ungewürztes Rührei
  • angebratenes, ungewürztes Hackfleisch
  • gekochtes Geflügelfleisch (pur)

Mangelernährung vorbeugen

Solange sich ein Erinaceus zusätzlich im Garten von Insekten oder Regenwürmern ernähren kann, besteht keine Gefahr für eine Mangelernährung. Ist das von Ihnen angebotene Futter jedoch vorwiegende oder gar alleinige Nahrungsquelle, sollten Sie die Zusammensetzung spätestens alle zwei Tage ändern, um einer einseitigen Ernährung vorzubeugen. Zudem sind geringe Mengen an Ballaststoffen für eine ausgewogene Verdauung wichtig. Mischen Sie etwa ein bis zwei Teelöffel der folgenden Komponenten pro 100 Gramm Grundnahrung zu:

  • Weizenkleie
  • Haferflocken
  • Leinsamen
  • spezielles Igeltrockenfutter

Tipp: Achten Sie darauf, dass das Igelfutter Zimmertemperatur hat, wenn Sie es füttern.

Das sollten Sie nicht füttern

Zwar fressen Erinaceidae in der freien Natur vorzugsweise Insekten, Schnecken und Würmer, bei einer Zufütterung sollten Sie diese Nahrungsquellen jedoch meiden. Sie können Parasiten und Krankheiten übertragen und die untergewichtigen Tiere weiter schwächen. Im Allgemeinen sind Igel bei ihrem Futter keine Kostverächter. Sie probieren nahezu alles, was sich prinzipiell als Essen anbietet. Allerdings bekommt ihnen noch lange nicht jedes Futter. Folgende Nahrungsmittel eignen sich nicht als Igelfutter:

  • Gemüse
  • Nüsse
  • Obst
  • Rosinen
  • Salat
  • Essensreste
  • Milchprodukte (Joghurt, Käse oder Quark)
  • ausschließlich Igeltrockenfutter (enthält zu viele Kohlenhydrate)
  • Hundefutter (enthält zu wenig Protein)
  • Insekten oder Würmer (können Parasiten übertragen)

Übrigens: Fügen Sie dem Futter niemals zusätzliche Vitaminpräparate zu.

Trinken

Die putzigen Gartenbewohner nehmen die meiste Feuchtigkeit über ihre Nahrung auf, deshalb benötigen sie in der freien Natur nur kleine Mengen zu trinken. Der Bedarf an Trinkwasser kann sich jedoch bei Zufütterung deutlich erhöhen. Vor allem dann, wenn Sie Trockenfutter oder anderes Fressen anbieten, das nur einen geringen Wassergehalt enthält. Geben Sie niemals Milch zu trinken, denn die Tiere sind grundsätzlich laktoseintolerant. Von Milchprodukten bekommen Igel Durchfall, der sie unnötig schwächt oder bei kranken Tieren zum Tod führen kann.

  • flache, kippsichere Schale
  • Wasser täglich wechseln

trinkender Igel

Gartenteiche oder Bachläufe im Garten sollten mindestens eine flache Stelle haben, an der ein Stachelhäuter gefahrlos trinken kann. Alternativ können Sie auch eine Ausstiegsmöglichkeit anlegen, damit er leicht wieder den festen Boden erreicht, wenn er hineinfällt. Igel sind gute Schwimmer. Sind die Wände jedoch zu hoch, wird das Tier irgendwann entkräftet untergehen. Legen Sie einfach ein paar große Steine in den Uferbereich oder nutzen Sie ein Brett, das Sie schräg ins Wasser legen.

Hygiene

Achten Sie beim Füttern der Igel unbedingt auf Sauberkeit. Entsorgen Sie Nahrungsreste, verstreutes Futter und auch Kot in der Nähe der Futterstelle mindestens einmal am Tag und spülen Sie sämtliche Näpfe mit heißem Wasser oder in der Geschirrspülmaschine.

Garten igelfreundlich gestalten

Helfen können Sie Igeln am besten mit einer naturnahen Gestaltung des Gartens. Je vielfältiger Sie Ihren Garten nutzen, umso reichhaltiger sind auch die Nahrungsquellen und Versteckmöglichkeiten für die stacheligen Säugetiere. Natürlich sollten Sie auf den Einsatz jeglichen Giftes verzichten. Bei den Vorbereitungen für die Überwinterung können Sie die Wildtiere perfekt unterstützen, indem Sie ihnen einen geeigneten Schlafplatz anbieten:

  • dichte Hecken oder Gebüsche
  • Reisighaufen
  • trockene Hohlräume (im Holzstapel oder unter Treppen)

Tipp: Lassen Sie im Herbst unbedingt das abgefallene Laub in einer Gartenecke liegen. Igel nutzen es, um ihre Nester zu isolieren.