Ist die Amaryllis giftig? Infos für Kinder, Hunde und Katzen

ist Amaryllis giftig

Wenn in Mitteleuropa die Tage kürzer werden und das Weihnachtsfest näher rückt, öffnet die als Zimmerpflanze sehr beliebte Amaryllis ihre prachtvollen Blüten. Angesichts dieses Prunks ist die Frage nach der Giftigkeit nicht von der Hand zu weisen, schließlich gehen in der Natur Schönheit und giftige Tödlichkeit oftmals eine unheilvolle Allianz ein. Dies gilt auch für den in vielen Wohnzimmern anzutreffenden Ritterstern – nur wenige Gramm können nach einem Verzehr tödlich sein.

Amaryllis

Echte Amaryllis / Belladonnalilie oder Ritterstern?

Die Bezeichnung „Amaryllis“ steht jedoch nicht nur für die verschiedenen Arten der während der Wintermonate blühenden Gattung Hippeastrum oder Ritterstern, sondern außerdem für die Belladonnalilie oder auch Echte Amaryllis (Amaryllis belladonna). Beide sind beliebte Zimmerpflanzen, gehören zudem derselben Pflanzenfamilie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) an und sehen sich äußerlich sehr ähnlich. Allerdings stammt die Belladonnalilie aus dem tropischen Südafrika und blüht bereits im Herbst. Die Pflanze, die um die Weihnachtszeit herum in vielen Wohnzimmer ihre Blütenpracht zeigt, ist dagegen der aus Südamerika stammende Ritterstern. Hinsichtlich ihrer Toxizität gibt es allerdings keine Unterschiede: Beide Gewächse enthalten, wie auch die ebenfalls nahe verwandten Narzissen und Narzissengewächse, hoch giftige Amaryllidaceen-Alkaloide.

Amaryllis mit ihren großen Blütenkelchen
Amaryllis mit ihren großen Blütenkelchen

Giftigkeit

Beide Amaryllis sind tödlich giftig

Die faszinierend schönen Trichterblüten sowohl von Hippeastrum als auch der Belladonnalilie täuschen so manchen Liebhaber über die extreme Giftigkeit der Pflanze hinweg. In allen Pflanzenteilen sind tödliche giftige Alkaloide enthalten, wobei sich die höchste Giftkonzentration in den Zwiebeln manifestiert. Hauptsächlich wirken Amellin und Lycorin auf das Nervensystem, des Weiteren treten Caranin sowie Acetylcaranin und Undulatin in Erscheinung. Wenige Gramm der Pflanze sind ausreichend, um starke Vergiftungserscheinungen hervorzurufen. Um  Kinder gefährlich zu vergiften, genügen bereits zwei bis drei Gramm der Zwiebelschale. Besteht die Möglichkeit, dass Kinder an die Pflanze gelangen, weil diese beispielsweise auf der Fensterbank im Wohnzimmer steht, so sollten ungiftige Zimmerpflanzen bevorzugt werden.

Die Giftigkeit dieser Pflanzen zeigt sich unter anderem auch daran, dass Extrakte der Belladonnalilie in früheren Zeiten Verwendung als hoch wirksames Pfeilgift fanden.

Vergiftungssymptome

Bei Menschen

Die Inhaltsstoffe aller Amaryllisgewächse wirken zelltoxisch, d. h. sie schädigen Körperzellen bis hin zu deren Absterben. Typische körperliche Reaktionen nach einer Vergiftung sind vor allem die Folgenden.

  • Benommenheit
  • starke Übelkeit
  • Erbrechen und Durchfall
  • starker Schwindel
  • Herzrasen
  • Schweißausbrüche

Des Weiteren können Nierenbeschwerden bis hin zum Nierenversagen auftreten, da die Gifte unter anderem die Nieren angreifen. Im schlimmsten Fall sind die Atemwegsorgane gelähmt, so dass die Vergiftung aufgrund von Atemstillstand tödlich ausgehen kann. Aus diesem Grund intubieren in schweren Fällen Krankenhäuser den Patienten bei einer vorliegenden Vergiftung mit Amaryllisgewächsen und sorgen für eine künstliche Beatmung.

rote Amaryllis-Blütenknospen
rote Amaryllis-Blütenknospen

Richtige Erste-Hilfe-Maßnahmen retten Leben

Auf keinen Fall darf bei Anzeichen einer Vergiftung bzw. wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind gerade Teile der Amaryllis gegessen hat, ein Erbrechen ausgelöst werden! Dabei kann Erbrochenes in die Atemwege gelangen und so zusätzlich Luftnot verursachen. Auch darf Kindern kein Salzwasser verabreicht werden, wie es manchmal als „Hausmittel“ bei Vergiftungen oder zum Auslösen von Erbrechen empfohlen wird. Größere Mengen Kochsalz wirken bei kleineren Kindern ebenfalls giftig. Geben Sie der betroffenen Person keine Milch zu trinken, denn das darin enthaltene Fett sorgt lediglich dafür, dass die fettlöslichen Giftstoffe leichter über den Darm aufgenommen werden.

Stattdessen entfernen Sie gegebenenfalls noch im Mund befindliche Pflanzenteile und geben Sie demjenigen viel klares, stilles Wasser (notfalls aus der Leitung) zu trinken. Suchen Sie sofort einen Arzt auf. Teilen Sie diesem mit, dass der Verzehr von – womöglich unbekannten – Mengen eines hoch giftigen Amaryllisgewächses die Symptome ausgelöst hat. Bringen Sie, wenn möglich, die Pflanze oder Teile der Pflanze mit. Auch der lokale Giftnotruf / das örtliche Giftinformationszentrum, der in allen Regionen Deutschlands ansässig ist, kann weiter helfen.

Hautkontakt vermeiden: Pflanzensaft ist giftig

Übrigens üben die Giftstoffe eines Amaryllisgewächses ihre schädlichen Auswirkungen nicht nur in Folge einer innerlichen Aufnahme aus. Gerät der Pflanzensaft mit der ungeschützten Haut in Kontakt, drohen unangenehme Hautreizungen und Schwellungen bis hin zu Entzündungen. Aus diesem Grund sollten Sie bei allen Arbeiten rund um die Amaryllis immer Handschuhe tragen.

Das gilt vor allem dann, wenn die verwelkten Blätter und Blüten des Rittersterns zurückgeschnitten werden! Außerdem sind die abgeschnittenen Pflanzenteile so zu entsorgen, dass weder Kinder noch Haustiere sich daran vergreifen. Eine Entsorgung im ungesicherten Mülleimer ist daher nicht ausreichend – manche neugierigen Kleinkinder oder auch Hunde öffnen zu gern den Deckel und schauen, was es darunter zu finden gibt. Besser ist es, die Pflanzenteile separat in eine Tüte zu packen und sofort in der Hausmülltonne zu entsorgen. Auch der Kompost ist keine geeignete Entsorgungsstätte, da hier außerdem Wildtiere wie beispielsweise Vögel zusätzlich gefährdet sind.

Bei Tieren

Wirkung auf Haustiere wie Katzen und Hunde

Insbesondere Katzen neigen dazu, an Zimmerpflanzen herumzuknabbern. Im Gegensatz zu Wildtieren ist der natürliche Instinkt von Haustieren stark unterentwickelt. So fressen Katzen und auch Hunde Pflanzen bzw. Pflanzenteile, die für sie giftig sind. Der Ritterstern ist nicht nur für den Menschen potenziell tödlich giftig, sondern auch für alle Haustiere. Insbesondere junge Katzen und Hunde sowie vornehmlich in Wohnungen gehaltene Tiere sind gefährdet, da diese aufgrund von Langeweile, fehlender Erfahrung sowie aus Neugierde von der auffälligen Pflanze probieren. Aus diesem Grund haben Amaryllisgewächse auch in der Nähe von Haustieren nichts zu suchen. Kultivieren Sie die Pflanze am besten dort, wo Ihre Lieblinge absolut keinen Zutritt haben.

Katze
Katze

Vergiftungssymptome bei Tieren und Erste-Hilfe-Maßnahmen

Bei Haustieren kann der Verzehr schon weniger Teile des Rittersterns zu Herzrhythmusstörungen führen, die möglicherweise einen Herzstillstand verursachen.

Die folgenden Symptome deuten auf eine Vergiftung hin:

  • vermehrter Speichelfluss
  • Durchfall und Erbrechen
  • Benommenheit, Taumeln
  • mit Zittern verbundene Krämpfe

Vermuten Sie eine Vergiftung, bringen Sie das Tier sofort zum Tierarzt bzw. in die nächste Tierklinik und schildern Sie Ihren Verdacht. Nennen Sie dabei auch den Namen der verursachenden Pflanze. Lösen Sie vorab kein Erbrechen aus. In der Regel kann dem betroffenen Tier schnell geholfen werden.

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