Ist das Löwenmäulchen giftig für Kinder, Hunde oder Katzen?

Ist das Löwenmäulchen giftig

Löwenmäulchen sind klassische Pflanzen, die aufgrund ihrer Anspruchslosigkeit und der malerischen Blüten oft in Bauerngärten zu sehen sind. Sie bilden recht viele Blüten aus und sind häufig an Wegesrändern oder in der Nähe von Äckern zu finden und ziehen aufgrund ihrer bunten Farben vor allem Kinder magisch an. Viele Eltern, Haus- und Hoftierbesitzer fragen sich deshalb, ob das Wegerichgewächs giftig ist. Kein Wunder, ist Antirrhinum doch mit Giftpflanzen wie Fingerhüten verwandt.

Inhaltsstoffe

Die Frage, ob Löwenmäulchen giftig sind, kann mit einem klaren Nein beantwortet werden. Löwenmäuler sind nicht giftig, weder für Mensch noch Tier. Da Löwenmäuler Wegerichgewächse (bot. Plantaginaceae) sind, gehen viele Menschen davon aus, dass es sich wie bei den Fingerhüten (bot. Digitalis) um vor allem für Kinder giftige Pflanzen handeln muss. Jedoch sind es die Inhaltsstoffe der Pflanzen, die Aufschluss über ihre Giftigkeit geben. So auch bei den Löwenmäulchen, allen voran dem Acker-Löwenmaul (bot. Antirrhinum orontium), welches die häufigste, in Deutschland vorkommende Art der Gattung ist und dem Namen nach vor allem in Ackernähe wächst. Ebenso muss hier das Große Ackermaul (bot. Antirrhinum majus) genannt werden, welches zur Sektion der Mittelmeer-Löwenmäuler gehört. Folgend die Inhaltsstoffe:

  • Vitamine
  • ätherische Öle
  • ungiftige Bitterstoffe als Fraßschutz
  • Mineralstoffe
  • sekundäre Pflanzenstoffe: hauptsächlich für die Färbung zuständig

Wie Sie sehen, handelt es sich bei den Löwenmäulchen nicht um Giftpflanzen, ganz im Gegenteil. Ein Großteil der Inhaltsstoffe ist gesund für den Menschen und überhaupt nicht gefährlich.

Löwenmaul, Antirrhinum

Verwechslungsgefahr

Im Vergleich zu anderen Vertretern der Familie bilden Löwenmäuler keine Glykoside aus, wie es zum Beispiel bei Digitalis (Roter Fingerhut) der Fall ist. Dadurch stellen die Pflanzen überhaupt keine Gefahr dar und können problemlos ohne Handschuhe gesammelt oder gepflegt werden. Kinder dürfen die Blumen sogar selber pflücken, sollten dabei aber aufpassen, da Löwenmäuler mit den folgenden Pflanzenarten verwechselt werden können:

  • Echtes Leinkraut (bot. Linaria vulgaris): Wuchs und Blüten auf den ersten Blick ähnlich
  • andere giftige Wegerichgewächse wie Fingerhut, Bartfaden (bot. Penstemon) oder Ehrenpreis (bot. Veronica)
  • Wolfsmilchgewächse (bot. Euphorbiaceae): ausschließlich aufgrund der Blüten; sonst leicht zu unterscheiden

Wolfsmilchgewächse

Während das Echte Leinkraut, eine alte Heilpflanze, trotz ihres bitteren Geschmacks und der allgemeinen Ungenießbarkeit keine Gefahr darstellt, müssen Sie bei Wolfsmilchgewächsen besonders aufpassen. Diese bilden einen toxischen Milchsaft aus, der für Hunde, Katzen und den Menschen giftig ist. Ein typisches Wolfsmilchgewächs, mit welchem die Löwenmäuler auf den ersten Blick verwechselt werden könnte, ist die Scharfe oder Esels-Wolfsmilch (bot. Euphorbia esula). Für Erwachsene ist der Unterschied in Bezug auf die Blüten schnell erkennbar, die Kleinsten haben damit häufig Probleme. Weitere Wolfsmilchgewächse, die ähnliche Blüten haben:

  • Wunderbaum (bot. Ricinus communis)
  • Vielfarbige Wolfsmilch (bot. Euphorbia epithymoides)
  • Zypressen-Wolfsmilch (bot. Euphorbia cyparissias)

Solange Sie Ihre Schützlinge, Katzen und Hunde nur an die Löwenmäulchen oder selbst das Echte Leinkraut lassen, besteht keine Gefahr auf eine Vergiftung. Da die Wolfsmilchgewächse leicht von den Löwenmäulern zu unterscheiden sind, müssen Sie nur genau hinschauen. Ansonsten müssen Sie sich keine Sorgen machen, selbst wenn mehrere Blüten des Wegerichgewächses verzehrt werden. Auch Hoftiere wie Pferde oder Schweine, Nagetiere und Hasen können die Pflanzen verzehren.

Zypressenwolfsmilch, Euphorbia cyparissias
Zypressenwolfsmilch, Euphorbia cyparissias

Tipp: Die Sektion Saerorhinum mit ihren 15 Arten verfügt ebenfalls über die gleichen Inhaltsstoffe. Falls Sie im USA- oder Kanadaurlaub, dem Verbreitungsgebiet der Sektion, auf ein Löwenmaul treffen, müssen Sie sich also keine Sorgen um eine potentielle Giftigkeit machen.

Löwenmäulchen essbar?

Sie fragen sich, ob Löwenmäuler essbar sind, nachdem Sie erfahren haben, dass die Blumen nicht giftig sind? Dann können Sie sich glücklich schätzen, denn die wunderschönen Blüten sind ein heutzutage vergessenes Highlight für einen süßen Snack zwischendurch. Da die Blüten wie alle Teile der Pflanze ätherische Öle enthalten, begeistern sie mit einem angenehm blumig-zuckrigem Aroma, das sich hervorragend mit den folgenden Speisen kombinieren lässt:

  • Kuchen
  • Torten
  • Joghurt
  • Pudding
  • Fruchtcremes
  • frische Obstsalate
  • Blumensalate

Löwenmäulchen, Antirrhinum

Löwenmäulchen richtig genießen

Sie werden hauptsächlich roh gegessen und begeistern hier schon alleine durch ihr Aroma, vor allen Kindern schmecken sie sehr gut und Pferde haben ebenfalls nichts gegen die Blüten. Wenn Sie die Blumen essen wollen, sollten Sie diese aber vorbereiten, um nicht die ungenießbaren Stängel zu verzehren, die durch ihren bitteren Geschmack abschrecken. Die folgenden Tipps helfen dabei, die Löwenmäuler genießen zu können:

1. Die Blüten werden einfach von der Pflanze abgezogen. Hier greifen Sie mit drei Fingern um den Blütenansatz und knipsen sie vorsichtig mit der Hand ab. Noch einfacher geht es mit einer Schere, die sauber und scharf sein sollte.

2. Wenn Sie die Blüten sofort essen wollen, einfach nur kurz ausschütteln oder schnell durchs Wasser ziehen. Das entfernt ausreichend möglichen Schmutz. Die frischen Blüten eignen sich zudem äußerst gut als Dekoration auf Kuchen und Torten.

3. Falls die Löwenmäulchen noch ein wenig lagern sollen, diese einfach in ein Wasserbad legen. Dort halten die Blüten für mehrere Stunden durch, bevor Sie diese verzehren können.

4. Lassen Sie die Blüten nicht zu lange an der Luft liegen. Sie verwelken sehr schnell und verlieren immer stärker ihr Aroma, was Sie unbedingt vermeiden sollten.

Tipp: Menschen, die allergisch auf bestimmte Pflanzenproteine sind, sollte vom Verzehr der Blumen abgeraten werden, da die gesamte Familie der Wegerichgewächse diese ausbildet. Sie können zu allergischen Reaktionen führen, sobald die Pflanze verzehrt wurde und bei schweren Beschwerden sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht und die betroffene Person nicht außer Acht gelassen werden.

Löwenmaul, Antirrhinum

Ausnahme: Pflanzenschutzmittel

Gefährlich werden Löwenmäuler für die Gesundheit, wenn diese mit chemischen Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden. Da zum Beispiel die wilden Exemplare des Acker-Löwenmauls in ständigem Kontakt mit der Erde, Wasserversorgung und Luft der bestellten Äcker stehen, kann es dazu führen, dass sich Pflanzenschutzmitteln im Gewächs speichern. Insektizide, Fungizide und Herbizide sind auf Dauer nicht gesund und können zu gesundheitlichen Beschwerden führen.

Falls sich in direkter Nähe Äcker, Weinberge und unbestellte Grasflächen wie Brachen befinden, die für den ökologischen Anbau genutzt werden, können Sie dort natürlich ebenfalls sammeln, ohne Gefahr zu laufen, Pflanzenschutzmittel zu verzehren. Exemplare aus dem eigenen Garten sind natürlich besonders zu empfehlen, da Sie deren Aufzucht komplett unter Kontrolle haben. Diese sollten Sie natürlich bevorzugen. Diese Tipps sollten Sie ebenfalls verfolgen, wenn Sie im Urlaub auf Löwenmäuler treffen, da chemische Pflanzenschutzmittel weltweit eingesetzt werden.

Löwenmaul, Antirrhinum

Tipp: Natürlich sollten Sie keine Löwenmäulchen verzehren, wenn Sie Ihre selbst gezogenen oder gepflanzten Exemplare mit chemischen Pflanzenschutzmitteln behandeln. In diesem Fall sollten Sie die Pflanzen nur bewundern, aber nicht in Salate mischen oder einfach so verzehren.

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