Johannisbeeren vermehren

Johannisbeeren gehören neben Heidel- und Himbeeren zu den beliebtesten Beerensträuchern der Deutschen und gedeihen ohne Probleme im eigenen Garten. Schrittweise wachsen die Gehölze von Jahr zu Jahr und bei guter Pflege können Sie sich über eine große Menge an Beeren freuen, die Sie für zahlreiche Gerichte verwenden können. Genau aus diesem Grund ist es für viele Gärtner interessant zu wissen, auf welche Arten die Gewächse vermehrt werden können.

Johannisbeeren vermehren

Eine Johannisbeere allein im Garten wirkt etwas spärlich, vor allem wenn eine wildwachsende Hecke gewünscht ist, die sich schrittweise vergrößern soll. Die Stachelbeergewächse (bot. Grossulariaceae) gehören aufgrund ihrer Wuchsfreude und Anspruchslosigkeit an die Haltung zu den Gehölzen, die selbst in großer Zahl im Garten nicht zu anstrengend für den Gärtner werden. Aus diesen Gründen liegt es nahe, die eigenen Johannisbeeren im Garten zu vermehren, um noch mehr Freude an den Gewächsen zu haben. Ebenso können Sie sich durch die verschiedenen Vermehrungsarten ein komplett neues Exemplar ziehen, wenn Sie selbst noch kein stolzer Besitzer einer Johannisbeere sind. Geeignet zum Vermehren sind die dabei die folgenden Arten:

  • Rote Johannisbeere (R. rubrum)
  • Schwarze Johannisbeere (bot. R. nigrum)
  • Berg-Johannisbeere (bot. R. alpinum)
  • Blutrote Johannisbeere (bot. R. sanguineum)
  • Gold-Johannisbeere (bot. R. aureum)

Bei diesen Arten handelt es sich um die typischen Taxa, die in den heimischen Breiten gedeihen. Es gibt noch zahlreiche, weitere Arten, die aber entweder nicht als Saatgut vorhanden sind oder denen es in Deutschland oder Mitteleuropa sogar zu kalt werden kann. Wenn Sie Johannisbeeren züchten wollen, um eine reiche Ernte einzufahren, sollten Sie die schwarze Variante wählen. Diese sorgt für die höchsten und zugleich sichersten Erträge, vor allem wenn der Standort der Pflanze stimmt. Zugleich sind alle Arten recht unanfällig für Schädlinge und Krankheiten, wenn Sie die Pflege nicht vernachlässigen. Egal für welche Art Sie sich entscheiden, die Vermehrung geschieht auf die gleichen Methoden.

reife, rote Johannisbeeren am Strauch
Ribes rubrum, Rote Johannisbeere

Tipp: Die Stachelbeere (bot. Ribes uva-crispa) lässt sich trotz ihres Namens auf die gleichen Wege wie Johannisbeeren vermehren. Der Grund dafür ist die Zugehörigkeit zur Gattung Ribes, was Stachelbeeren mit ähnlichen vegetativen und generativen Merkmalen auszeichnet.

Vermehrung über Stecklinge

Bei Johannisbeeren hat sich die Vermehrung über Stecklinge als besonders effektiv erwiesen. Der Grund liegt in der Wuchsfreude der Gewächse, denn schon das Steckholz wurzelt innerhalb kurzer Zeit und ermöglicht im Großteil der Fälle einen sicheren Erfolg, selbst wenn Sie nicht mit der Pflege der Gewächse bewandert sind. Die Vermehrung über Stecklinge ist die bevorzugte Variante und hierfür benötigen Sie nur Steckholz, das die folgenden Eigenschaften aufweist:

  • Länge: 10 bis 15 Zentimeter
  • unter- und oberhalb einer Knospe
  • einjährig

Achten Sie darauf, dass die Knospen noch am Steckling vorhanden sind, da das Holz sonst nicht neu austreiben kann und Ihren Versuch zunichte macht. Der beste Zeitpunkt für den Schnitt der Stecklinge sind entweder der Frühling oder der Herbst, da die Johannisbeeren zu diesem Zeitpunkt den größten Anteil an Saft fließen haben, was sich positiv auf die Keimfähigkeit und das Wachstum der Stecklinge auswirken wird. Die Stecklinge sollten Sie ausschließlich mit einer scharfen, desinfizierten Schere abschneiden, um Infektionen zu vermeiden. Diese könnten Ihnen teuer zu stehen kommen. Sobald Sie Ihr Steckholz bereit haben, folgen Sie dieser Anleitung, um schrittweise diese einzupflanzen.

Anleitung

1. Um die Johannisbeeren zu vermehren, wählen Sie entweder den Frühling oder Herbst aus. Wie beim Schnitt der Stecklinge sind diese Zeitpunkte ideal, um die Vermehrung vorzunehmen. Wählen Sie sich dafür einen Tag ohne Schnee aus, um sich das Einpflanzen der Stecklinge zu erleichtern.

2. Der Standort für das Steckholz sollte ein Beet oder ein Kübel sein, das im Schatten liegt. Es wird keine Sonne benötigt, bis Wurzeln gebildet und die Pflanzen umgesetzt werden, sobald diese groß und kräftig genug sind. Als Substrat wählen Sie für die Steckhölzer Erde, die locker und durchlässig ist. Ist diese humos, können die Stecklinge noch einfacher wurzeln. Sie können Kompost in die Erde mischen, um die Bodenqualität des Beets zu verbessern.

3. Nehmen Sie die Steckhölzer und platzieren Sie diese nah beieinander in die Erde. Stecken Sie diese einfach bis zur Hälfte direkt in die Erde und fixieren den Standort, damit die Hölzer nicht umgeweht werden.

4. Lassen Sie die Hölzer nun in der Erde, bis diese wurzeln, was an den ersten Blattaustrieben erkennbar ist. Im Durchschnitt dauert das eine ganze Saison. Sobald sich das junge Grün zeigt, sollten Sie alle Hölzer vorsichtig aus der Erde nehmen und die Enden auf Wundgewebe (Kallus) oder Wurzeln überprüfen. Behalten Sie nur solche Exemplare und entsorgen Sie die anderen auf dem Kompost.

5. Pflanzen Sie diese nun an den gewünschten Platz oder in einen größeren Topf ein. Beachten Sie dabei Pflanzabstände von 20 bis 30 Zentimeter von Pflanze zu Pflanze und Reihe zu Reihe. Ab diesem Zeitpunkt pflegen Sie die Sträucher auf gewohnte Weise. Der große Vorteil an dieser Art der Vermehrung ist die 100-prozentige Sortenreinheit der jungen Pflanzen.

schwarze Johannisbeere, Ribes nigrum

Tipp: Die Vermehrung über Steckholz ist ideal, wenn Sie Ihre Ribes als Hochstamm erziehen wollen, bei der Sie wie gewohnt die unteren Triebe entfernen, um eine Krone zu bilden. Sie benötigen für diese Form der Haltung lange Ruten der Gold-Johannisbeere, die bewurzelt sein müssen und als Unterlage für die Veredelung genutzt werden können.

Vermehrung über Ableger

Neben den Stecklingen und der Aussaat ist die Vermehrung durch Ableger eine weitere Möglichkeit, um Ihre eigenen Johannisbeeren zu vermehren. Diese geschieht im Frühling. Wählen Sie einen jungen, einjährigen Trieb aus, der von oben nach unten bis auf den Boden gebogen werden kann. Dieser darf nicht abknicken und sollte nicht krank oder schwach sein.

Anleitung

Wurde der passende Trieb ausgewählt, folgen Sie dieser Anleitung, um Ihre Johannisbeere über einen Ableger zu vermehren:

  • Zweig auf den Boden biegen
  • sollte in sanftem Bogen verlaufen
  • Zweig an einer Stelle im Boden vergraben
  • Ableger davor mit einer Schicht Sägemehl bedecken
  • leicht Erde andrücken
  • anfeuchten
  • Mutterpflanze wie gewohnt pflegen
  • im Herbst neuen Standort oder Kübel vorbereiten
  • mit einer Schere hinter bedecktem Ableger abschneiden
  • Ableger auf Wurzeln überprüfen
  • neu einpflanzen

Auf diese Weise erhalten Sie eine 100 Prozent sortenreine Johannisbeere, die Sie ohne große Probleme in den Garten pflanzen können. Die Ablegervermehrung ist eine gute Methode, wenn Sie zu Beginn kein Beet oder Kübel frei haben.

Rote Johannisbeere, Ribes rubrum

Vermehrung über Aussaat

Die Aussaat von Johannisbeeren wird als letzte Variante zum Vermehren von Johannisbeeren aufgeführt, da diese ein schwieriges Thema darstellt. Der Grund dafür ist das Saatgut der einzelnen Sorten, die Sie für den Anbau ausgewählt haben. Ausgesäte Samen von Ribes unterliegen wie alle pflanzlichen und tierischen Organismen den Mendelschen Regeln, in diesem Fall der 2. Regel, der Spaltungsregel. Bei dieser sind die Nachkommen der Gehölze nicht mehr uniform, also entsprechend der ursprünglichen Sorte, sondern können Merkmale anderer Sorten vereinen oder eine komplett andere Sorte darstellen. Gerade bei Johannisbeeren ist das der Fall, die häufig zu dieser Regel neiden. Gründe dafür sind:

  • Bestäuber
  • Vögel
  • Wildtiere

An sich sind Johannisbeerensträucher selbstbefruchtend und würden in den meisten Fällen nicht auf Bestäuber oder Tiere zurückgreifen müssen, um ihren Bestand zu erweitern. In diesem Fall würde die Ernte aber deutlich geringer ausfallen, was von vielen Gärtnern nicht gewünscht. Aus diesem Grund wird häufig empfohlen, mehrere verschiedene Sorten beieinander zu pflanzen, damit diese sich untereinander bestäuben und somit die Fruchtanzahl deutlich erhöhen können. Im gleichen Moment sorgt diese Form der Bestäubung dafür, dass die Sorten ihr Genmaterial untereinander tauschen und es so schon in der nächsten Generation zu einer vollkommen anderen Sorte kommt. Diese Problematik müssen Sie in Betracht ziehen, wenn Sie sich für die Vermehrung der Stachelbeergewächse interessieren: Nur in Ausnahmefällen erhalten Sie genau die gewünschte Sorte, die Sie ausgesät haben. Weiterhin müssen Sie folgende Nachteile der Aussaat beachten:

  • geringerer Ertrag
  • schwächerer Geschmack
  • häufiger säuerlich im Aroma

In vielen Fällen überwiegen die Nach- die Vorteile beim Vermehren der Sträucher, da die Ergebnisse nur in wenigen Ausnahmen zufriedenstellend sind.

Saatgut

Falls sie selbst nicht die Stecklings- oder Ablegervermehrung anwenden oder gespannt sind, welche Sorte sich zeigt, steht der Nutzung von Saatgut nichts im Wege. Hierfür benötigen Sie nur Saatgut, das im Durchschnitt zwischen zwei und vier Euro pro 15 bis 20 Samen kostet. Diese Preise sind unabhängig von der Art, solange es sich um eine einheimische handelt. Setzen Sie bei der Samenvermehrung am besten auf R. nigrum, da diese die höchsten Erfolge erzielen und nicht ganz so intensiv sauer wie anderen Varianten sind. Alternativ können Sie Samen den Beeren entnehmen, diese vom Fruchtfleisch befreien, waschen und trocknen. Anschließend folgen Sie diesen Schnitten, die Ihnen erklären, wie Sie Johannisbeeren aus Samen ziehen.

Anleitung

1. Beginnen Sie damit, die Samen zu stratifizieren. Darunter wird ein Kältereiz verstanden, der die Keimfähigkeit der Samen verstärkt. Die Samen werden vor dem Winter entweder in einen Gefrierbeutel mit Sand eingepackt, angefeuchtet und gut verschlossen in den Kühlschrank gelegt oder in eine Mischung aus Kompost und Erde direkt ins Beet gesät. Der Kompost sollte feucht genug sein, denn auf diese Weise fangen die Samen nicht an, über den Winter auszutrocknen.

2. Überprüfen Sie über den Winter, der beste Zeitraum für die Stratifikation ist von Dezember bis Februar, immer mal wieder den Sand oder die Erde. Bei Bedarf befeuchten Sie diese ein wenig, damit die Samen nicht austrocknen. Das würde den Johannisbeeren nicht gut tun.

3. Warten Sie bis auf den Frühling, März oder April, abhängig von den Temperaturen in Ihrer Region. Packen Sie die Samen aus und säen Sie diese ins Beet. Der Platz sollte dabei den Standortansprüchen von Johannisbeeren wie oben beschrieben gerecht werden.

4. Zeigen sich die ersten Keimlinge, warten Sie ab, bis sich erste Blattpaare gebildet haben. Dann betrachten Sie die einzelnen Pflanzen und sortieren solche aus, die zu schwach oder trocken erscheinen. Ebenfalls sollten Sie geschossene Exemplare entsorgen.

5. Ab diesem Zeitpunkt müssen Sie nichts mehr unternehmen, abgesehen von der Pflege. Johannisbeeren sind sehr robust und wachsen in den meisten Fällen ohne Probleme. Bei Bedarf können Sie die Exemplare sogar in den Kübel pflanzen, wenn Sie tragbare Sträucher wünschen.

Rote Johannisbeere, Ribes rubrum

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