Käfer mit langen Fühlern in der Wohnung - Titel

Käfer mit langen Fühlern sind keine angenehmen Mitbewohner. Denn Ihre Larven verunreinigen mit ihren Ausscheidungen nicht nur Lebensmittel, sondern machen auch vor Holz, Leder und anderen Materialien nicht halt.

Auf den Punkt gebracht

  • Käfer mit langen Fühlern gehören zu den Holz-, Material- oder Vorratsschädlingen
  • werden oft mit gekaufter Ware eingeschleppt
  • sind nur schwer wieder loszuwerden
  • in der Regel muss die Bekämpfung von einem professionellen Unternehmen durchgeführt werden

Holzschädlinge bekämpfen

Bei Käfern mit langen Fühlern, die es auf Holzobjekte auch in der Wohnung abgesehen haben, sind die Larven die eigentlichen Schädlinge. Denn diese fressen sich im Laufe ihrer Entwicklung, die manchmal über Jahre gehen kann, regelrecht durch das Holz.

Befallsabschätzung

Bevor Sie eine holzfressende Art selbst oder professionell bekämpfen lassen, sollte eine sog. Befallsabschätzung von einem Sachverständigen durchgeführt werden. Dieser klärt Folgendes ab:

  • Größe und Umfang des Schadens
  • Bestimmung der Art des holzfressenden Insekts (makro- und mikroskopisch anhand von Larven, Puppen oder adulter Käfer)
  • aktiver oder bereits abgeschlossener Befall
Holz von Schädlingen befallen
Holz von Schädlingen befallen

Selbst bekämpfen

Das Selbstbekämpfen von holzfressenden Käferlarven empfiehlt sich in der Regel nur für kleinere Holzgegenstände und Möbelstücke. Je nach der Art des Käfers stehen Ihnen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.

Gemeiner und Bunter Nagekäfer

  • Objekt in einen beheizten Wohnraum stellen (warm und trocken)
  • auf keinen Fall feucht reinigen
  • Absterben der Larven aufgrund der zunehmenden Trockenheit

Alternativ können Sie die beiden Nagekäfer wie folgt bekämpfen:

  • Erwärmung des Holzkerns für ungefähr eine Stunde auf 55 Grad Celsius
  • im Backofen (Heißluft) oder der Sauna bei maximal 120 Grad Celsius Oberflächentemperatur

Tipp: Die Wärmebehandlungen eignen sich nicht für wertvolle Holzgegenstände, da Risse entstehen können. In diesem Fall sollten Sie sich an eine Fachfirma wenden.

Parkettkäfer

  • Holzgegenstände bei minus 20 Grad Celsius lagern
  • für mindestens eine Woche

Professionelle Bekämpfung

Professionelle Bekämpfungsmethoden können auch gegen Käfer mit langen Fühlern angewendet werden. Bei Bauteilen, die der Stabilität dienen, muss zur Prüfung der Statik ein Bausachverständiger hinzugezogen werden. Denn im schlimmsten Fall müssen die befallenen Holzteile ausgewechselt werden.

Begasung

  • erfolgt in stationären Anlagen mit Gasen wie zum Beispiel Kohlendioxid, Stickstoff, Argon oder Sulfuryldifluorid
  • Einwirkungszeit zwischen vier und acht Wochen (je nach eingesetztem Gas)

Chemische Holzschutzmittel (Biozide)

Holzschädlinge bekämpfen
Holz mit Bioziden gegen Schädlinge streichen
  • Fraß- oder Kontaktgift
  • Anwendung in der Wohnung
  • Wiederbetretungszeiten beachten
  • Kinder besonders schützen

Thermische Heißluftbehandlung

  • Umspülung des Holzes bei einer Temperatur zwischen 105 bis 120 Grad Celsius
  • Holzkern mindestens für 60 Minuten bei 55 Grad Celsius halten

Holzfressende Käferarten

Bunter Nagekäfer (Totenuhr, Gescheckter Nagekäfer, Bunter Pochkäfer, wiss. Bezeichnung Xestobium rufovillosum)

  • Aussehen:
    • adulte Tiere: fünf bis neun Millimeter lang, gelb-graue Haarflecken
    • Larven: bis etwa 10 Millimeter lang, beigefarben, schwarze Mundwerkzeuge
  • Befall und Schadbild:
    • oft Sekundärschädling bei vorgeschädigtem Holz (Pilzbefall)
    • Fachwerkhäuser (insbesondere Eichenholz), Möbel, Skulpturen, Holzbilderrahmen, Parkettböden, Holztreppen
    • runde Fraßgänge der Larven
    • Ausfluglöcher: 2 bis 4 Millimeter im Durchmesser
  • Vorbeugende Maßnahme:
    • Verhinderung der Feuchtigkeitsaufnahme durch Holzpflege mit naturbelassenen Stoffen, wie zum Beispiel Leinöl, natürliche Harze oder Bienenwachs

Gemeiner / Gewöhnlicher Nagekäfer („Holzwurm“, wiss. Bezeichnung Anobium punctatum)

Der Gemeine Nagekäfer ist in Mitteleuropa der gefährlichste und häufigste Nagekäfer.

Gemeiner Nagekäfer (Holzwurm)
Quelle: By ©entomartIn case of publication or commercial use, Entomart wishes then to be warned (http://www.entomart.be/contact.html), but this without obligation. Thank you., Attribution, Link
  • Aussehen:
    • adulte Tiere: 2 bis 4 Millimeter lang, graubraun, Behaarung auf Ober- und Unterseite, Flügeldecken mit Punktreihen
    • Larven: bis zu 25 Millimeter lang, weiß bis elfenbeinfarbig
  • Befall und Schadbild:
    • keine bevorzugten Holzarten
    • vor allem in unbeheizten und ungenutzten Räumen
    • feuchtes Abwischen fördert den Befall
    • Fraßspuren an Balken, Brettern, Fußböden, Korbwaren, Möbel, Skulpturen oder Latten
    • Besiedelung von feuchten Dachstühlen sowie Tür- und Fensterrahmen
    • Ausfluglöcher: ein bis zwei Millimeter im Durchmesser
    • Holzmehl / Bohrmehl: ja

Tipp: Um die Befallsaktivität zu prüfen, legen Sie Papier unter die betroffene Stelle. Finden Sie nach einigen Tagen helles Holzmehl darauf, sind die Larven aktiv.

  • Vorbeugen:
    • Vermeidung von Temperaturschwankungen und Kältebrücken
    • Verschlechterung der Lebensbedingungen durch Heizen und Nutzung von Räumen
    • trockenes oder nebelfeuchtes Wischen gegen eine zu hohe Holzfeuchte an Möbelfüßen oder auf Holzfußböden

Hausbock (Hylotrupes bajulus)

Ein Hausbockkäfer-Befall ist in vielen Bundesländern nach den Bauordnungen anzeige- und meldepflichtig. Da die Larven vor allem im Dachgebälk leben, muss die Bekämpfung von einem professionellen Unternehmen durchgeführt werden.

  • Aussehen:
    • Käfer: 7 bis 28 Millimeter lang, braunschwarz mit grauweißer Behaarung und weißen Haarflecken auf der Flügeldecke
    • Larven: bis zu 25 Millimeter lang, weiß bis elfenbeinfarbig
  • Befall und Schadbild:
    • vorwiegend verbaute Dachbalken älterer Gebäude
    • eher selten Möbel und Türen in unteren Stockwerken von Häusern
    • Larven: ernähren sich vom Splintholz, hohe Fraßleistung, bleiben mehrere Jahre im Holz, raspelnden Fraßgeräusche
    • Ausflugloch: oval, ungefähr drei mal sieben Millimeter

Hinweis: Da der Befall oft erst nach Jahren durch die Ausfluglöcher bemerkt wird, können massive Schäden auftreten, wie beispielsweise das Brechen von Dachbalken während eines Sturms.

Um einer Eiablage vorzubeugen, sollten Sie Folgendes vermeiden:

  • Risse im Holz aufgrund von Temperaturschwankungen
  • Holzrisse und frische Anschnittstellen bei Reparaturarbeiten von älteren Holzkonstruktionen

Parkettkäfer (Lyctus linearis)

Parkettkäfer
Parkettkäfer
  • Aussehen:
    • Käfer: 2,5 bis 5 Millimeter lang, rotbraun bis schwarzbraun
    • Larven: etwa sechs Millimeter, cremeweiß, braunes Maul
  • Befall und Schadbild:
    • bevorzugt trockenes Eichenholz und Parkettholz
    • wird oft mit befallenen Parkettstäben eingeschleppt
    • Bohrmehl / Holzmehl: sehr hell und fein
    • Ausfluglöcher: ein bis zwei Millimeter im Durchmesser

Hinweis: Ist der Parkettfußboden befallen, sollten Sie die Parkettstäbe austauschen, da eine effektive Bekämpfung des Fußbodens in der Regel nicht möglich ist.

  • Vorbeugen:
    • Parkett mit Holzschutzmitteln behandeln

Material- und Vorratsschädlinge

Diese Käfer mit langen Fühlern und ihre Larven haben es auf Lebensmittel und Materialien wie Wolle oder Leder abgesehen. Sind verzehrbare Waren betroffen, sollten kontaminierte Produkte nicht mehr konsumiert werden. Denn sie enthalten Kot und Fraßmehl der Insekten. Zudem breiten sich oft auch Milben und Schimmelpilze als Folgeerscheinung darauf aus. (Hygieneschädling)

Bekämpfen

Befallene Lebensmittel müssen grundsätzlich vernichtet und entsorgt werden. Bei anderen Materialien sollten professionelle Bekämpfungsmaßnahmen zum Einsatz kommen, wie zum Beispiel Entwesung, Begasung oder eine thermische Behandlung.

Käferarten

Diebskäfer (Ptininae)

Diebkäfer sind nur wenige Millimeter groß und haben in der Regel eine hell-, gold- oder dunkelbraune Färbung. Die Insekten sind nachtaktiv und flugunfähig, können jedoch enorme Strecken für die Futtersuche zu Fuß zurücklegen. Zu den Material- und Vorratsschädlingen werden u. a. folgende Arten gezählt:

  • Australischer Diebkäfer (Ptinus tectus)
  • Gelbbrauner Diebkäfer (Ptinus clavipes)
  • Kleiner Diebkäfer (Ptinus pusillus)
  • Kräuterdieb (Ptinus fur)
  • Kugelkäfer (Gibbium psylloides)
  • Messingkäfer (Niptus hololeucus)

Befall:

  • Vielzahl von pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln wie beispielsweise Sojamehl, Milchpulver, Mehl, Graupen, Erbsen, Kräutervorräte, aber auch Fischfutter oder Hundekuchen
  • Materialien: Leder oder Textilien, Verpackungen aus Papier, Kunststoff, Isolierungen, weiches Holz

Brotkäfer (Stegobium paniceum)

Brotkäfer (Stegobium paniceum)
  • Aussehen:
    • bis zu drei Millimeter lang, rostbraun
  • Befall und Schadbild:
    • Allesfresser
    • tierische und pflanzliche Produkte wie zum Beispiel Backwaren, Teigwaren, aber auch Suppenwürfel, Schokolade, Gewürze (inkl. Chili), Trockenfisch und sogar Tiernahrung
    • Verpackungen aus Papier und Pappe
    • stecknadelkopfgroße Löcher in befallenen Lebensmitteln (Ausfluglöcher)

Hinweis: Der Befall wird durch kontaminierte Lebensmittel eingeschleppt oder kommt durch ein offenes Fenster in die Wohnung. Ursächlich kann aber auch Salzteiggebäck oder ein altes Lebkuchenherz sein, das in der Schublade vergessen worden ist.

Kleiner Leistenkopfplattkäfer (Cryptolestes pusillus)

  • Aussehen:
    • bis 1,7 Millimeter lang, rostbraun bis gelbrot
  • Befall:
    • Getreide, Getreideprodukte, Kakao- und Kaffeebohnen, Rosinen, Datteln
    • wird über kontaminierte Lebensmittel in die Wohnung eingeschleppt

Häufig gestellte Fragen

Kann ich die Käfer auch schonend bekämpfen oder vertreiben?

Die Käfer lassen sich in der Wohnung weder schonend bekämpfen noch vertreiben. Die liegt zum einen an der geringen Größe der Insekten und zum anderen daran, dass die Larven das eigentliche Übel sind.

Welche vorbeugenden Maßnahmen helfen gegen Vorratsschädlinge?

Gegen Vorratsschädlinge hilft es, wenn Sie Lebensmittel, auch nicht geöffnete, in verschließbaren Dosen oder Gläsern aufbewahren.

Übertragen Käfer mit langen Fühlern auch Krankheiten?

Auf die Übertragung von Krankheiten wird – im Gegensatz zu Kakerlaken, die zu den Schaben gehören – bei den beschriebenen Käferarten nicht explizit hingewiesen.