Fleischfressende Pflanzen überwintern – Pflege von Karnivoren im Winter

Fleischfressende Pflanzen richtig überwintern

Fleischfressende Pflanzen gelten aufgrund ihres Aussehens immer noch als Exoten. Es gibt sie in vielen Sorten und Arten. Da sie auf vielen Kontinenten heimisch sind, stellen fleischfressende Pflanzen unterschiedliche Anforderungen an die Winterpflege und das Winterquartier. Deshalb sollten Sie vor dem Kauf genauer auf die Winteransprüche der fleischfressenden Pflanze achten.

Biologie

Biologische Zuordnung

Fleischfressende Pflanzen werden auch als Karni- bzw. Carni- oder Insektivoren bezeichnet. Weltweit sind über 1.000 karnivore und präkarnivore Pflanzenarten bekannt. Sie finden sich in verschiedenen Gattungsgruppen und Familien wieder, eine eigene Gattung von fleischfressenden Pflanzen im botanischen Sinn gibt es nicht. Daher sind nicht alle direkt miteinander verwandt.

Die meisten Arten gehören zu den Gattungen:

  • Schusspflanzen (Stylidium, über 300 Arten)
  • Wasserschläuche (Utricularia, über 200 Arten)
  • Sonnentau (Drosera, knapp 200 Arten)

Daneben sind fleischfressende Pflanzen auch als Gattungen in botanischen Ordnungen zu finden.

  • Nelkenartige (Caryophyllales): 6 Gattungen, darunter Venusfliegenfallen, Kannenpflanzen, Sonnentau
  • Lippenblütlerartige (Lamiales): 4 Gattungen, darunter Wasserschläuche
  • Heidekrautartige (Ericales): 4 Gattungen: darunter Schlauchpflanzen

Hinzu kommen noch fünf monotypische Gattungen, d.h., die Gattung besteht nur aus einem einzigen Pflanzentyp.

Venusfliegenfalle, Dionaea muscipula
Venusfliegenfalle, Dionaea muscipula

Überwintern

Bei dieser Vielzahl an botanischer Zugehörigkeit ist es nicht verwunderlich, dass fleischfressende Pflanzen nicht per se überwintert werden können. Ausschlaggebend dafür sind ihre natürliche Herkunft und ihre botanische Zugehörigkeit.

Venusfliegenfalle

Die Gattung der Venusfliegenfallen, botanisch Dionaea muscipula, ist eine der bekanntesten fleischfressenden Pflanzen und gehört zur Ordnung der Caryophyllales. Die Pflanze ist nur in einigen Teilen der USA (North und South Carolina und Florida) beheimatet und zeichnet sich vor allem durch ihre markanten Fangblätter aus. Venusfliegenfallen sind nur bedingt winterhart und wechseln im Herbst in die Winterruhe.

Ihren Ruhebedarf macht die Pflanze deutlich durch:

  • die Ausbildung sehr kleiner Blätter
  • das Nichtöffnen der Blätter
  • das Nicht-Verfärben der Blätter (innen keine rote Farbe mehr)
Kannenpflanzen, Nepenthes
Kannenpflanzen, Nepenthes

An Winterquartier und Winterpflege stellt die Venusfliegenfalle folgende Ansprüche:

  • sehr hell
  • konstante Temperaturen zwischen 5 und 10 Grad Celsius
  • keine kalte Zugluft
  • keine Temperaturschwankungen
  • nicht Düngen
  • wenig gießen (alle zwei bis drei Wochen)
  • keine Staunässe im Untersetzer

So eignen sich Kellerräume mit großen Fenstern, Dachböden oder ein unbeheiztes Treppenhaus als Winterquartier für die Venusfliegenfalle.

Tipp: Beim Gießen reicht es, wenn der Wurzelballen zeitweise feucht wird.

Im Kühlschrank

Im Kühlschrank überwintern

Venusfliegenfallen können auch in einem herkömmlichen Kühlschrank überwintern und das folgendermaßen.

  • Pflanze ausgraben
  • Blätter bzw. Fallen entfernen
  • vom Substrat befreien
  • Wurzelballen mit handwarmen Wasser abspülen
  • Wurzelballen in feuchtes Küchenpapier einwickeln (mehrere Lagen)
  • in einen feuchten Plastikbeutel geben
  • mit Kordel verschließen
Venusfliegenfalle, Dionaea muscipula
Venusfliegenfalle, Dionaea muscipula

Die Winterruhe im Kühlschrank ist Mitte April beendet. Während der Kühlschrankzeit muss die Pflanze auf Fäulnis überprüft werden. Auch müssen kranke Pflanzenteile entfernt werden.

Tipp: Bei der Kühlschrank-Überwinterung ist besonders auf Hygiene zu achten. Wurst und Käse kommen in Boxen, und Obst und Gemüse muss regelmäßig auf faule Stellen überprüft werden.

Schlauchpflanzen

Schlauchpflanzen, botanisch Sarracenia, werden auch Trompetenpflanzen genannt. Zur Gattung zählen acht Arten, die alle nur im Osten und Südosten der USA verbreitet sind. Bei uns ist vor allem die Rote Schlauchpflanze eine beliebte Zierpflanze, nicht zuletzt deswegen, weil sie als robust und winterhart gilt. Neben der Roten Schlauchpflanze gibt es aber auch bedingt bzw. überhaupt nicht winterharte Arten, zum Beispiel Weiße oder Braunrote Schlauchpflanze.

Tipp: Schlauchpflanzen begeben sich im Herbst in die Winterruhe. Ausnahmen sind Jungpflanzen bis zum Alter von drei Jahren. Sie benötigen keine Winterruhe.

Nicht winterharte Schlauchpflanzen werden hierzulande im Topf kultiviert und sind sehr empfindlich gegenüber Frost, da der Wurzelballen im Topf sehr schnell durchfriert.

Schlauchpflanzen, Sarracenia werden auch Trompetenpflanzen genannt
Schlauchpflanzen, Sarracenia

Das ideale Winterquartier für die fleischfressenden Pflanzen:

  • ist hell
  • und hat eine Temperatur zwischen 2 und 10 Grad Celsius

Die größte Gefahr für die Pflanzen während der Überwinterung sind Fäulnis und Schimmel.

Für die Winterpflege gilt daher:

  • wenig gießen
  • nicht düngen

Tipp: Zu Beginn der Winterruhe bilden manche Schlauchpflanzen sog. Phyllodien aus. Dies sind nicht karnivore Blätter, die zusammengedrückten Schläuchen ähneln.

Kannenpflanzen

Die Gattung Kannenpflanzen (Nepenthes) gehören zur Ordnung der Caryophyllales (Nelkenartige). Mittlerweile zählen rund 100 Arten zu den tropischen fleischfressenden Pflanzen. Die Hauptverbreitungsgebiete sind Malaysia, die Philippinen und Neuguinea. In ihren Heimatländern werden reine Arten vorwiegend in der Volksheilkunde verwendet. Bei uns finden vor allem die Hybride „Ventrata“, „Mixta“ und „Coccina“ als Zimmer- und Zierpflanzen Verwendung, da sie das ganze Jahr über prima mit konstanten (Zimmer-)Temperaturen auskommen. Bei den reinen Kannenpflanzen wird zwischen Tiefland- und Hochlandkannenpflanzen unterschieden.

Kannenpflanzen, Nepenthes
Kannenpflanzen, Nepenthes

Je nach Art stellen sie unterschiedliche Ansprüche an die Temperatur:

  • Tieflandkannenpflanzen: 20 bis 30 Grad Celsius (24-Stunden, ganzjährig)
  • Hochlandkannenpflanzen: Nachttemperaturen zwischen 10 und 16 Grad Celsius (ganzjährig)

Während die richtige Temperatur bei reinen Arten bereits ein Problem darstellt, gehört Lichtmangel zu den größten Problemen bei der Überwinterung von Kannenpflanzen. Da sie sehr viel Helligkeit brauchen, sollten im Winter Pflanzenlampen zur Unterstützung aufgehängt werden, auch bei Hybriden. Kannenpflanzen legen im Winter eine Blüh- und Wachstumspause ein.

Für die Pflege im Winter bedeutet dies:

  • weniger gießen als im Sommer
  • nicht düngen

Tipp: Auch bei bester Winterpflege können einzelne Blätter vertrocknen, weil die Pflanze zu wenig Licht bekommt.

Wasserschläuche

Wasserschläuche (Utricularia) sind eine Gattung der Ordnung Lamiales (Lippenblütlerartige). Ihr Name spielt auf die Gestalt ihrer Fallen an, die an Wasser- oder Weinschläuche erinnern. Am häufigsten kommen sie in Südamerika und Australien vor. In der Natur leben sie während der Wachstumszeit im oder am Wasser.

Utricularia graminifolia

Grasartiger Wasserschlauch ist bei uns eine beliebte Aquariumspflanze. Wird sie im Aquarium kultiviert, braucht sie keine spezielle Form der Überwinterung. Da sich Grasartiger Wasserschlauch auch als Sumpfwasserpflanze im Gartenteich kultivieren lässt, muss der Hobbygärtner an eine passende Überwinterung denken, da die Pflanze nicht winterhart ist. Die einfachste Form der Überwinterung ist in einem Aquarium.

Grasartiger Wasserschlauch, Utricularia graminifolia
Grasartiger Wasserschlauch, Utricularia graminifolia

Utricularia vulgaris

Gewöhnlicher Wasserschlauch ist eine frei im Gartenteich umhertreibende Pflanze. Diese Art der Wasserschläuche ist winterhart. Die Pflanze rollt sich im Herbst zu einer Kugel zusammen und überwintert am Boden des Teichs. Im Frühjahr entrollt sich der Wasserschlauch wieder oder treibt aus den Kugeln neu aus.

Gewöhnlicher Wasserschlauch, Utricularia vulgaris
Gewöhnlicher Wasserschlauch, Utricularia vulgaris

Tipp: Bei terrestrisch wachsenden Wasserschläuchen sollten Sie unbedingt auf die Herkunft der Art bzw. der Pflanze achten, die gibt den Ausschlag für die Winterhärte.

Sonnentau

Mit knapp 200 Arten gehört die Gattung Sonnentau (Drosera) der Ordnung Caryophyllales (Nelkenartigen) zu den zahlreichsten Arten der fleischfressenden Pflanzen. Drosera ist weltweit verbreitet, ihre Hauptverbreitungsgebiete sind Südafrika, -amerika und Australien.

Innerhalb der Gattung gibt es winterharte und nicht winterharte Arten. Zu den winterharten Pflanzen gehören die sog. temperierten Arten, die auch in Europa heimisch sind. Sie werden im Freiland im Moorbeet kultiviert. Während der Winterruhe zieht sich die Pflanze in eine Überwinterungsknospe zurück. Im Frühling treibt sie dann wieder aus.

Sonnentau, Drosera
Sonnentau, Drosera

Tipp: Achten Sie darauf, dass das Wasser im Moorbeet nicht vollständig gefriert. Denn sonst kann die Pflanze kein Wasser aufnehmen und vertrocknet.

Subtropische Arten werden bei uns als Zimmerpflanzen gehalten. Damit sie gedeihen, brauchen sie viel Sonne und eine Luftfeuchte zwischen 50 und 70 Prozent. Hat Drosera den Sommer im Freien verbracht, wird sie bei normalen Raumtemperaturen überwintert. Wie ihre Freilandkollegen brauchen auch diese Pflanzen im Winter viel Wasser.

Tipp: Tropische Sonnentau-Arten überwintern bei einer Temperatur zwischen 15 und 18 Grad Celsius. Zwergsonnentau-Arten brauchen im Winter eine Temperatur zwischen 12 und 15 Grad Celsius.

Schusspflanzen

Schusspflanzen, botanisch Stylidium, sind eine Gattung der Ordnung Asterales (Asternartige). Mit über 300 Arten bilden sie die größte Gattung der Karnivoren. Ihr Hauptverbreitungsgebiet ist Australien. Schusspflanzen halten keine Winterruhe, trotzdem brauchen sie im Winter weniger Pflege.

Schusspflanzen, Stylidium
Schusspflanzen, Stylidium
  • ab Temperaturen von zehn Grad Celsius ins Innere holen
  • hellen Standort wählen
  • weniger gießen als im Sommer

Tipp: Gewöhnen Sie die Pflanze nach der Überwinterung erst langsam an die Sonne. So vermeiden Sie, dass die Sonnenstrahlen die Pflanze verbrennen.