Kartoffelanbau Grundlagen

Die beliebtesten Knollen hierzulande sind natürlich die Kartoffeln. Ursprünglich stammen sie von den fernen Bergregionen der Anden, wo heute noch mehr als 500 Sorten angebaut werden. Doch auch in unserer Gartenerde fühlen sich viele Kartoffelsorten wohl und liefern uns Jahr für Jahr eine reiche Ernte. Wenn ihre bescheidenen Ansprüche erfüllt werden, gelingt die Kultivierung mühelos.

Kartoffeln anbauen

Sie sind ein ideales Anbaugemüse auch für Einsteiger, nur ein paar Grundregeln gilt es zu kennen.

Standort

Die Kartoffelpflanze mag es warm und hell, weswegen ein sonniger Standort ideal ist. Nur dann gedeiht sie prächtig und bildet reichlich und dazu große Knollen. Das sind ihre weiteren Ansprüche an das Erdreich:

  • leichter bis mittelschwerer Boden
  • nicht zu Staunässe neigend
  • nährstoffreich

Ein schwerer, stark lehmhaltiger Boden kann mit Sand vermischt und so aufgelockert werden. Auf kargen Böden fällt der Ernteertrag bescheidener aus.

Kartoffeln selber kultivieren

Tipp: Eigene Kartoffelernte ist auch auf dem Balkon möglich, denn diese Knolle gedeiht sogar in großen Töpfen prächtig.

Sorten

Keimfähiges Saatgut

Als Einsteiger im Kartoffelanbau werden Sie im ersten Anbaujahr nicht über eigene Saatkartoffeln aus dem Vorjahr verfügen. Diese lassen sich jedoch leicht in einem Gartencenter oder Baumarkt beschaffen. Auch in größeren Supermärkten gibt es zur Pflanzzeit ausgewählte Sorten bereits vorgekeimt im Angebot.

Sie können auch Kartoffelreste aus Ihrer Speisekammer anbauen. Es kann allerdings sein, dass sie schlechter keimen bzw. der Ertrag geringer ausfällt.
Hierzulande sind Kartoffelsorten mit gelber Schale weiter verbreitet als Kartoffelsorten mit roter Schale. Auf den Geschmack der Knolle hat die Färbung allerdings keinen Einfluss.

Unterscheidung nach Anbau- und Erntezeitpunkt

Frühe Sorten

Sie werden bereits im März gepflanzt und ab Juli geerntet. Sie werden zeitnah verzehrt und eignen sich nicht für eine lange Lagerung. Bekannte Frühstarter sind: Agata, Augusta, Rosara, Christa, Hela, Gloria, Karlena und Sieglinde.

Mittelfrühe Sorten

Sie können Sie von April bis Mai anbauen und ab August ernten. Bekannte Sorten sind: Agria, Afra, Nicola, Saskia, Blauer Schwede, Bintje, Hansa und Cilena.

Späte Sorten

Nach der Aussaat im April oder Mai folgt die Ernte Ende August oder sogar erst im September. Gut ausgereift lassen sie sich über lange Zeiträume lagern. Die bekanntesten Vertreter sind: Aula, Bamberger Hörnchen, Datura, Granola und Palma.

Tipp: Die späte Sorte Vitelotte, auch bekannt als Trüffelkartoffel, gilt unter Feinschmeckern als Delikatesse. Der Ertrag bleibt bescheiden, dafür punktet sie mit einem nussig-würzigen Geschmack.

bunte Kartoffelsorten

Unterscheidung nach Stärkegehalt

Kartoffelsorten unterscheiden sich hinsichtlich Stärkegehalt, was sich wiederum auf die Kocheigenschaften auswirkt.

Festkochende Sorten

Sorten wie Annabella, Bamberger Hörnchen, Linda, Sieglinde zerfallen nicht beim Kochen. Sie bleiben schnittfest und sind daher ideal für Bratkartoffeln, Salate und Salzkartoffeln.

Mehlige kochende Sorten

Das Kochen macht sie weich und die Schale springt auf. Adretta, Augusta, Ackersegen, Ora sind für Suppen, Püree und Knödel bestens geeignet.

Hinzu kommen Züchtungen, die als vorwiegend festkochend bezeichnet werden. Sie vereinen die Eigenschaften beider Kartoffeltypen. Agria, Bintje, Hella, Laura, Marabel und Toscana sind einige dieser Mischsorten.

Beliebte Sorten für den leichten Einstieg

Linda

Die festkochende Linda schmeckt köstlich und hat daher viele Fans. Sie ist von intensiver Gelbfärbung und bietet aromatisches Fruchtfleisch. Sie überzeugt mit leichter Pflege und hohem Ertrag.

Bamberger Hörnchen

Diese Sorte produziert kleine und krumme Knollen, die schwer maschinell geerntet werden können. Ihre Beliebtheit sichert ihr allerdings einen festen Platz in privaten Gärten. Sie sind festkochend und werden häufig für Salate verwendet.

Belana

Sie ist eine relativ neue Sorte auf dem Markt, die als eine Art Allzweckkartoffel gilt. Die Knolle ist oval und hat gelbes Fruchtfleisch. Belana wird allerseits als ausgesprochen lecker beschrieben.

Außergewöhnliche und alte Sorten

Neben den bekannten, beliebten und häufig angebauten Kartoffelsorten gibt es noch weit über 200 weitere Sorten, die Sie ebenfalls gut im eigenen Garten anbauen können. Stöbern Sie durch das Internet, vielleicht entdecken Sie eine interessante und „vergessene“ alte Sorte oder eine Sorte mit ungewöhnlichen Eigenschaften.

Pflanzen

Zeitpunkt

Kartoffelsaatgut kommt im Frühjahr ins vorbereitete Beet. Der ideale Zeitpunkt ist immer dann gegeben, wenn der Boden im Garten nicht gefroren ist. Die Temperatur sollte daher über 8 °C liegen, damit sich der Boden ausreichend erwärmt. Der ideale Zeitpunkt für das Setzen der Kartoffeln hängt dabei zudem von der gewählten Sorte ab.

Frühkartoffeln läuten schon Mitte März die Pflanzsaison ein. Ab Mitte April bis Mitte Mai folgen die mittelfrühen sowie späten Kartoffelsorten. Wer beide Arten kombiniert anpflanzt und ihnen die optimale Pflege zukommen lässt, kann sich über einen längeren Zeitraum an der Ernte erfreuen.

das richtige Werkzeug ist bei der Kartoffelernte wichtig

Kartoffelknollen vortreiben

Damit das Wachstum der Solanum tuberosum, wie die Kartoffelpflanze botanisch heißt, im Garten schneller einsetzt, können die Saatkartoffeln in Innenräumen bereits vorgetrieben werden.

  • etwa 6 Wochen vor dem Pflanzen
  • in einem hellen Raum
  • bei 10 °C bis 15 °C
  • die Triebe sollten etwa 3 cm lang sein

Das Vortreiben der Kartoffeln ist im Kartoffelanbau gängige Praxis und bringt einen Zeitgewinn von etwa drei Wochen.

Kartoffeln setzen Schritt für Schritt

1. Lockern Sie die Erde auf und entfernen Sie Unkraut.
2. Damit die Reihen schön gerade bleiben, können Sie sie vor dem Pflanzen mit einer Schur markieren. Der Reihenabstand sollte 50 cm betragen.
3. Graben Sie für jede Kartoffel ein separates Loch im Abstand von 30 cm für Frühkartoffeln und 50 cm für andere Kartoffelsorten. Alternativ können Sie mit einer Harke entlang der Schur eine 15 cm tiefe Rille ziehen.
4. Setzen Sie die Saatkartoffel in die vorbereiteten Löcher bzw. Rille ein, die Triebe sollten dabei nach oben zeigen.
5. Bedecken Sie die Kartoffelsaat mit Erde.
6. Wenn sich die ersten Triebe zeigen, sollten Sie die Erde lockern und Unkraut jäten.
7. Häufeln Sie die Kartoffelpflanzen an, sobald sie eine Höhe von 30 cm erreicht haben. Das bedeutet, dass rund um die Basis die Erde zu einem Hügel aufgetürmt wird.

Kartoffeln pflanzen

Gute und ungünstige Nachbarn

Im Garten werden gleichzeitig verschiedene Gemüsesorten angebaut, doch nicht alle vertragen sich gleich gut. Das günstige Arrangieren der Pflanzen erleichtert auch die Pflege, denn beispielsweise vertreibt Meerrettich die Kartoffelkäfer und Tagetes hilft gegen Knollenfäule.
Vermeiden Sie es, Kartoffeln neben Erbsen, Gurken, Kürbis, Sellerie, Sonnenblumen, Tomaten und Zwiebel zu pflanzen. Gute Nachbarschaft versprechen hingegen folgende Gemüsesorten:

  • Bohnen
  • Kapuzinerkresse
  • Kohlrabi
  • Mais
  • Spinat

Fruchtwechsel

Bei der ersten Kultivierung der Kartoffel spielt sie noch keine Rolle, doch wenn der Anbau in den folgenden Jahren weiter geführt wird, gilt es die Fruchtfolge zu beachten. Diese Pflanze laugt den Boden aus, da nutzt auch die beste Pflege nicht viel. Der Boden benötigt eine Chance zur Erholung.

  • nur alle vier Jahre im gleichen Beet anbauen
  • dazwischen Mittel- und Schwachzehrer anbauen
  • vor erneutem Kartoffelanbau Gründüngung empfehlenswert
  • im Vorjahr Klee, Lupinen, Senf oder Ölrettich säen

Pflege

Düngen

Zu den Grundlagen der Nährstoffversorgung zählen die herbstlichen Düngegaben.

  • Anbaufläche erst umgraben
  • Mist oder reifen Kompost darauf verteilen
  • im Frühjahr in die Erde einarbeiten

Als Einsteiger in den Kartoffelbau neigt man aus Mangel an Erfahrung dazu, des Guten zu viel zu tun. Doch mit dem Düngen während der Vegetationsphase darf nicht übertrieben werden. Folgendes ist dazu anzumerken:

  • ein bis zwei weitere Düngergaben sind erlaubt
  • organische Dünger wie Hornspäne und Mist vorziehen
  • sie unterstützen das Aroma der Knollen

Kartoffeln benötigen Kalium, Phosphate, Schwefel und Stickstoff, die in vielen synthetischen Düngern enthalten sind. Doch mit der synthetischen Düngung sind auch einige Nachteile verbunden:

  • sie beeinflussen das Aroma nachteilig
  • beeinträchtigen die Lagerfähigkeit
  • zusätzlich besteht die Gefahr der Überdüngung

Gießen

Für ein kräftiges und gesundes Wachstum der Solanum tuberosum ist Wasser ein elementares Element. Hier arbeitet der Gärtner Hand in Hand mit der Natur. Wenn der Regen die Kartoffelpflanzen von oben wässert, darf er damit pausieren. Wenn dagegen der Regen lange auf sich warten lässt, muss der Kartoffelbauer zur Gießkanne greifen.

Folgende Grundlagen gelten für das Gießen der Kartoffeln:

  • Pflanzen stets nah an der Basis gießen
  • morgens oder abends wässern
  • abgestandenes Regenwasser ist ideal
  • keine Staunässe verursachen
  • erst gießen, wenn die Erde fingertief angetrocknet ist
  • Kübelpflanzen müssen öfter mit Wasser versorgt werden

Tipp: Greifen Sie beim Gießen lieber zur Gießkanne. Der harte Wasserstrahl eines Schlauchs schwemmt die angehäufelte Erde weg.

Krankheiten & Schädlinge

Krankheiten

Kraut- und Knollenfäule befällt gern die Kartoffeln und ist an folgenden Anzeichen zu erkennen:

  • ab Juni wird das Kraut braun
  • ein silberweißer Pilz ist auf der Blattunterseite sichtbar
  • die Pflanze stirbt mit der Zeit ab

Diese Krankheit lässt sich gut mit folgenden Maßnahmen bekämpfen bzw. vorbeugen:

  • Kartoffeln vorkeimen
  • früheren Pflanztermin wählen
  • beim Pflanzen mehr Abstand lassen
  • nicht in der Nähe von Tomaten setzen
  • befallenes Kraut entfernen
  • kranke Pflanzenteile verbrennen oder in die Biotonne geben

Hinweis: Die Knollen sollten schon bei ersten Krankheitsanzeichen aus der Erde geholt werden, noch bevor diese Krankheit auf sie übergreifen kann.

Schädlinge

Beim Kartoffelanbau im eigenen Garten könnten Ihnen folgende Schädlinge häufiger begegnen:

  • Nematoden
  • Blattläuse als Überträger von Viruskrankheiten
  • Kartoffelkäfer

Nematoden sind kleine Fadenwürmer, die besonders dann auftreten, wenn auf einer Anbaufläche mehrere Jahre hintereinander Kartoffeln angebaut wurden. Die Kartoffelpflanzen wachsen kleiner als üblich und ihre Blätter welken. Halten Sie daher unbedingt eine Anbaupause von 3 bis 4 Jahren ein. Bauen Sie in dieser Zeit auf der abgeernteten Fläche auch keine anderen Schattengewächse an.

Viruskrankheiten führen bei Kartoffelpflanzen zu eingerollten und vergilbten Blättern. Sie werden geschwächt und der Ertrag leidet. Blattläuse sind die Krankheitsüberträger, weswegen sie vorrangig zu bekämpfen bzw. zu vermeiden sind. Die Wahl von resistenten Sorten ist eine Möglichkeit dieser Krankheit zu begegnen. Das Mulchen verhindert zudem die Ausbreitung von Blattläusen.

Kartoffelkäfer, Leptinotarsa decemlineata
Kartoffelkäfer, Leptinotarsa decemlineata

Kartoffelkäfer fressen die Blätter der Kartoffelpflanzen. Was diese Schädlinge zu einer Gefahr macht, ist ihr enormer Vermehrungsdrang. Auf den Blattunterseiten werden zahlreiche Eier „versteckt“ abgelegt, und die geschlüpften Larven ernähren sich ebenfalls von den Kartoffelblättern.

  • im Frühstadium per Hand einsammeln
  • Vermehrung wird dadurch eingedämmt
  • beim fortgeschrittenen Befall helfen spezielle Präparate
  • einige sind auch für den biologischen Anbau geeignet

Ernte

Optimaler Zeitpunkt

In der Regel dauert die Vegetationsperiode etwa drei Monate. So erkennen Sie, dass es Zeit ist, die Knollen aus der Erde zu holen:

  • die oberirdischen Pflanzenteile sind verwelkt
  • die Kartoffelschale ist abriebfest

Tipp: Ein ungeduldiger Einsteiger darf sich durchaus vor dem eigentlichen Beginn der Ernte auf die Suche nach brauchbaren Knollen machen. Dafür wird vorsichtig die Erde abgetragen, große Kartoffeln entnommen und die Erde wieder angehäufelt.

Ernteablauf

Zum Ausgraben der Kartoffeln ist eine Grabegabel bestens geeignet, da sie die Knollen vor Verletzungen schützt. Alternativ können auch ein Spaten und eine Gartenhacke zum Einsatz kommen.

Die Grabegabel wird mit etwas Abstand zur verwelkten Kartoffelpflanze in die Erde gestochen und dann wie ein Hebel nach oben bewegt. Der Stängel kann jetzt mitsamt den Knollen herausgezogen werden. Die Knollen lassen sich gut ablösen. Sie kommen in einen Sammelkorb, während das Kraut auf dem Kompost darf.

Zusätzlich wird das Erdreich vorsichtig umgegraben, da sich darin oft noch einige Knollen befinden. Wenn daran noch feuchte Erde anhaftet, lässt sich diese besser von ihnen entfernen, wenn sie einige Zeit zum Abtrocknen liegen gelassen werden.

Erntereife Kartoffeln können noch lange im Boden verbleiben, ohne Schaden zu nehmen. Es ist daher keine Notwendigkeit, alle Knollen auf einmal zu ernten. Wichtig ist nur, dass sie durchgehend von Erde bedeckt sind. Ansonsten bilden sie das giftige Solanin, welches sich durch eine Grünverfärbung deutlich macht.

Kartoffelernte

Kartoffelernte sichten

Eine üppige Kartoffelernte kann nicht auf einmal verbraucht werden. Zum Glück lassen sich die späten Sorten von Solanum tuberosum gut lagern, während die Frühsorten zeitnah verzehrt werden müssen. Doch vor der Lagerung ist zunächst eine genauere Sichtung der Kartoffelausbeute angesagt:

  • Früchte mit grünen Stellen kommen weg
  • braunfleckige Kartoffeln ebenfalls aussortieren
  • Knollen bis 3 cm Größe sind ideal als Saatkartoffeln für das Folgejahr
  • beschädigte Exemplare für den Sofortverzehr separieren

Lagerung im Winterquartier

Kartoffelknollen können in dunklen Räumen den ganzen Winter gelagert werden. Nachfolgend die weiteren Grundlagen für eine optimale Lagerumgebung:

  • in einem gut belüfteten Raum
  • Frost ist unerwünscht, da er Stärke in Zucker umwandelt
  • Wärme dagegen fördert die Keimung
  • ideal ist daher eine Temperatur von 4 °C bis 8 °C

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