Kiwibeeren anbauen

Exotische Früchte im heimischen Garten anzubauen ist auch in hiesigen Regionen problemlos möglich, wie die Kiwibeeren es beweisen. Die dekorativen Pflanzen sind nicht nur äußerst robust, sondern auch winterhart. Praktisch ist zudem, dass sie sich in Bezug auf die Pflege als sehr genügsam erwiesen haben. Was es beim Anbauen der Kiwibeeren zu beachten gibt, haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst.

Unterschied Kiwi und Kiwi Berries

Kiwibeeren sind mit den handelsüblichen Kiwis zwar verwandt, allerdings unterscheiden sie sich dennoch mitunter stark. Denn sie sind wesentlich kleiner und haben eine essbare, harte Schale. Dennoch stehen sie ihren großen Verwandten um nichts nach, denn sie überzeugen sowohl geschmacklich als auch mit ihrem Vitamingehalt. Besonders beachtlich ist ihr Vitamin C-Gehalt. Die elliptischen Kiwibeeren wachsen ähnlich wie Weintrauben am Rebstock und können direkt nach der Ernte frisch verzehrt werden.

  • Wissenschaftlicher Name: Actinidia arguta
  • Synonyme: Scharfzähniger Scharfgriffel, Honigbeere, Kokuwa, Kiwai, Kleinfruchtige Kiwi, Kiwi Berries
  • Familie: Strahlengriffelgewächse (Actinidiaceae)
  • Gattung: Strahlengriffel (Actinidia)
  • Blütezeit: Mai/Juni
  • Blütenfarbe: meist cremeweiß
  • Wuchshöhe: 3 – 6 m
  • Frosthärte: bis -35 Grad

Hinweis: Als „Kiwi“ werden nur die bekannten Handelsfrüchte bezeichnet, alle anderen Arten fallen unter den Begriff „Kiwibeeren“.

Standort

In der freien Natur wachsen Kiwibeeren wie Lianen in Wäldern, weshalb sie sich dementsprechend am Rand von Bäumen wohlfühlen. Ideal ist ein warmes Plätzchen, denn Kiwi Berries haben es gerne im Kronenbereich sonnig und im Fußbereich schattig. Sonneneinstrahlung und Wärme wirkt sich direkt auf den Fruchtgeschmack und die Ernte aus: Je mehr Sonne die Kiwi Berries erhalten, desto süßer werde die Früchte.

Wenn die Honigbeere jedoch nur als Zierpflanze gehalten wird, kann sie auch an kühleren Standorten gepflanzt werden. Denn sie kommt problemlos mit Minusgraden zurecht, allerdings bleiben Blüte und Früchte meist jahrelang aus. Wer die Pflanze jedoch mit der Absicht auf eine ertragreiche Ernte kultiviert, sollte sie an einem Standort mit folgenden Eigenschaften anbauen:

  • sonnig bis halbschattig
  • Nord-, Ost- und Westlage gut geeignet
  • warm und geschützt
  • Pflanzabstand mindestens 1 m

Hinweis: Kiwi Berries können gerne mit Erdbeeren oder Salaten unterpflanzt werden. Ebenso ist eine Untersaat mit unterschiedlichen Kleesorten, wie zum Beispiel Inkarnatklee, möglich.

Kiwibeeren

Boden/Substrat

Kiwis bevorzugen einen durchlässigen und gleichmäßig feuchten Boden. Dementsprechend sollte die Erde wenig Lehmanteile haben, denn diese behindern die Durchlüftung. Ebenso haben sich zu viele Sandanteile im Erdreich als kritisch erwiesen, da diese das Wasser nicht halten können. Mittelschwere Böden, die zudem möglichst kalkfrei sind, stellen die beste Wahl für die Honigbeere dar.

Hierbei sei jedoch angemerkt, dass Kiwibeeren im industriellen Anbau durchaus auf kalkhaltigen Böden kultiviert wird. Hierfür ist jedoch eine entsprechende Vorbereitung des Bodens sowie regelmäßiges Mulchen und Düngen unabdingbar. Zusammengefasst lässt sich daher sagen, dass die Kiwi Berries am besten auf Böden mit den folgenden Eigenschaften gedeihen:

  • durchlässig
  • gleichmäßig feucht
  • pH-Wert: 5,5 – 6,5
  • wenig Kalk
  • mittelschwer

Hinweis: „Jungfräuliche“ Böden haben sich beim Anbau von Kiwibeeren als vorteilhaft erwiesen.

Einpflanzen

Der Scharfzähnige Strahlengriffel wird am besten im Frühjahr nach den Eisheiligen eingepflanzt, da zu diesem Zeitpunkt das Risiko von Nachtfrösten deutlich geringer ist. Bevor die Pflanze eingesetzt wird, ist es jedoch ratsam, den Boden entsprechend vorzubereiten. Hierfür wird der Boden zunächst aufgelockert und mit Humus, Laub- oder Rinderkompost angereichert. Alternativ eignet sich auch verrotteter Rinderdung. Anschließend kann die Jungpflanze wie folgt eingesetzt werden:

  • Pflanzloch etwa 40 cm tief ausheben
  • Jungpflanze einsetzen
  • Pflanzloch auffüllen mit Aushub
  • gut angießen
  • Wurzelbereich mulchen, z.B.: mit Rindenkompost

Das Mulchen ist generell empfehlenswert, jedoch für Pflanzen an sonnigen Standorten unabdingbar! Denn in der Sonne wird der Boden sehr stark erhitzt, wodurch die Wurzeln nahe der Erdoberfläche vertrocknen könnten. Die Mulchschicht verhindert zudem das Verdunsten des Gießwassers, was den Flachwurzlern sehr entgegen kommt.

Stütze/Rankhilfe

Die Actinidia arguta hat ein ziemlich angeregtes Wachstum, denn sie bildet zahlreiche lange Seitentriebe. Es ist daher ratsam, die Pflanze mit einem Gerüst zu stützen und in Form zu halten. Hierfür eignen sich entweder eine Pergola oder ein Spalier. Letzteres wird besonders gerne eingesetzt, da die Erziehung am Spalier für einen hohen Ernteertrag sorgt. Um die Kiwibeeren an einem Spalier zu erziehen, wird wie folgt vorgegangen:

  • stärksten Haupttrieb auswählen
  • Haupttrieb senkrecht an Spalier befestigen
  • im Folgejahr Seitentriebe „umleiten“
  • kräftigste Seitentriebe auswählen
  • Seitentriebe an seitwärts an Drahtgespannen entlang leiten
  • alle Seitentriebe darunter entfernen

Kiwibeere

Düngen

Kiwibeeren freuen sich zwar über zusätzliche Nährstoffe, allerdings sollte hier mit Bedacht vorgegangen werden. Denn zu viel Dünger begünstigt das Wachstum von langen Jungtrieben, die wiederum anfällig für Frost sind und somit der Pflanze schaden könnten. Generell wird empfohlen, die Pflanzen ab dem 2. Jahr ab März mit einem organischen Dünger zu versorgen. Dieser gibt die Nährstoffe zwar langsamer, dafür regelmäßig ab. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass beim Düngen auf folgende Punkte geachtet werden sollte:

  • ab März bis spätestens im Spätsommer
  • organische Düngermittel verwenden
  • am besten unter die Mulchschicht mischen
  • ab 3. Jahr Tiermist als Dünger möglich

Gießen

Die Actinidia arguta bildet viel Blattgrün aus, die wiederum eine große Verdunstungsfläche darstellen. Insbesondere in trockenen Sommern verliert die Pflanze viel Wasser, weshalb sie dementsprechend regelmäßig gegossen werden sollte. Hinzu kommt, dass sie flache Wurzeln bildet, die nicht sonderlich tief in das Erdreich vordringen können. Ihre natürliche Wasseraufnahme ist somit begrenzt, weshalb sie auf das Bewässern angewiesen ist. Zusammengefasst lässt sich daher sagen, dass bei der Bewässerung folgende Punkte zu berücksichtigen sind:

  • regelmäßig gießen
  • mindestens 2 – 3 Mal pro Woche
  • nicht in der Mittagssonne bewässern!
  • Staunässe vermeiden

Schneiden

Der Scharfzähnige Strahlengriffel bildet zahlreiche Seitentriebe und wächst sehr ausufernd. Dementsprechend kann es durchaus erforderlich sein, die Triebe jährlich zurückzuschneiden. Diese Pflegemaßnahme bringt gleich mehrere Vorteile mit sich: Zum einen kann die Pflanze dadurch in der gewünschten Form gehalten werden und zum anderen werden die Größe und Qualität der Früchte verbessert.

Der beste Zeitpunkt zum Schneiden ist der Sommer, allerdings können die Triebe auch in der absoluten Winterruhe im Januar oder Februar geschnitten werden. Im Frühjahr sollten hingegen keine Schnittmaßnahmen durchgeführt werden, da die Pflanze zu dieser Zeit stark „blutet“. Beim Schneiden wird am besten wie folgt vorgegangen:

  • ab 3. Jahr etwas auslichten
  • im Februar Fruchttriebe auf 5 Knospen zurückschneiden
  • nach Ernte bis auf 2 Knospen zurückschneiden
  • Leittriebe und Haupttrieb jeden Sommer zurückschneiden

Überwintern

Kiwibeeren kommen problemlos mit Temperaturen bis zu -30 Grad Celsius zurecht. Dementsprechend ist es nicht erforderlich, die Pflanzen zu überwintern oder sie mit einem Frostschutz auszustatten. Lediglich Spätfröste könnten ihnen zu schaffen machen, da sie bereits im März neu austreiben. Die jungen Triebe sind jedoch noch nicht so robust und könnten dementsprechend vom Frost beschädigt werden. Den Winter übersteht die Pflanze jedoch meist sehr gut, insbesondere dann, wenn folgende Punkte berücksichtigt werden:

  • geschützter Standort
  • zu viel direkte Sonneneinstrahlung vermeiden
  • Boden gut feucht halten
Kiwibeeren
Qwert1234, Actinidia arguta 0906, Zuschnitt von Plantopedia, CC BY-SA 3.0

Befruchtung

Von den Kiwibeeren gibt es männliche und weibliche Exemplare: Die männlichen befruchten die weiblichen, die anschließend Früchte tragen. Wer Kiwibeeren nicht als Zierpflanze anbauen möchte, sondern eine ertragreiche Fruchternte anstrebt, benötigt somit jeweils eine männliche und eine weibliche Pflanze. Natürlich können auch mehrere Exemplare kultiviert werden, wobei eine männliche Pflanze bis zu sechs weibliche Pflanzen befruchten kann. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die männliche Pflanze im Umkreis von 20 Metern eingepflanzt werden muss.

Ernten

Wer Kiwibeeren mit der Absicht auf eine ertragreiche Ernte anbauen will, muss sich in Geduld üben, denn die Pflanzen tragen erst ab dem 3. Jahr Früchte. Der Erntezeitpunkt kann hierbei je nach Sorte variieren, in der Regel sind die Früchte jedoch ab August bis Oktober reif. Die Früchte sollten jedoch keinesfalls wahllos abgerissen werden, denn dadurch könnte die empfindliche Fruchthaut verletzt werden. Eine Lagerung würde somit unter einem schlechten Stern stehen, da die beschädigten Früchte anfällig für Krankheiten und Schädlinge sind. Deswegen ist es ratsam, beim Ernten folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • ernten wie Rispentomaten
  • Früchte mit Stiel abschneiden
  • am besten mit einer Rebschere
  • Früchte sind sofort verzehrbar

Hinweis: Die Früchte können zwar direkt genascht werden, eignen sich aber auch hervorragend zum Weiterverarbeiten. Besonders beliebt sind die Früchte beispielsweise in Form von Marmelade, Kompott, Saft oder Kuchenbelag.