Ein Kugelahorn stellt seine symmetrische Rundkrone lediglich in den ersten Jahren zur Schau. Spätestens ab dem fünften Standjahr sorgen dann verschiedene Schönheitsfehler im Erscheinungsbild für Verdruss. Unförmige Ausdehnung, herabhängende Zweige und eine vergreisende Krone zeugen dabei von altersbedingten Wachstums-Konflikten, die das Eingreifen des Gärtners erfordern. Mit einer sachkundigen Schnittpflege drehen Sie die Zeit jedoch zurück und bringen Ihren Acer platanoides globosum wieder in Form. Dieser grüne Ratgeber erklärt, wann und wie Sie einen Ahorn als Kugelbaum richtig schneiden.

Schnittzeitpunkt

Die richtige Terminwahl für den Schnitt am Kugelahorn hängt ab von mehreren Faktoren. Bei allen Ahorn-Arten ist das Wachstum geprägt durch einen massiven Saftfluss. Schneiden Sie den Kugelbaum inmitten der Saison, fließt Pflanzensaft in Strömen aus den Schnittwunden und schwächt dabei die Abwehrkräfte gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Vertagen Sie die Schnittpflege jedoch auf den Winter, besteht ein erhebliches Risiko für Frostschäden. Wann sollte man also zur Baumschere greifen?

Im Frühherbst öffnet sich das ideale Zeitfenster für einen Rückschnitt. Zwischen Ende September und Anfang November sinkt im Kugelahorn der Saftdruck auf sein Jahrestief. Klirrender Frost ist zu dieser Jahreszeit in den meisten Regionen noch fern. Darüber hinaus erlaubt das Bundesnaturschutzgesetz ab dem 30. September Schnittmaßnahmen an Bäumen, Sträuchern und Hecken. Basierend auf diesen Prämissen haben sich in der Praxis folgende Zeiträume herauskristallisiert, wann Sie einen Ahorn als Kugelbaum erfolgreich schneiden:

  • Formschnitt: Ende September bis Anfang November (milde Weinbauregionen bis Anfang Januar)
  • Auslichtungsschnitt: Ende September bis Ende Januar
  • Verjüngungsschnitt: Ende September bis spätestens 28. Februar (gemäß § 39 BNatSchG)

Konkrete Rahmenbedingungen signalisieren, dass Sie einen geeigneten Tag ins Auge gefasst haben: Die Krone hat mindestens die Hälfte ihrer Blätter verloren. Es herrscht trockenes Wetter mit bedecktem Himmel, ohne pralle Sonne. Idealerweise zeigt das Thermometer Werte über dem Gefrierpunkt. Leichter Frost ist freilich kein Hinderungsgrund, solange es nicht kälter ist, als – 5 °C.

Kugel-Ahorn 'Globosum'

Kugelahorn schneiden

Es gibt verschiedene Situationen, in denen der Kugelahorn einen Schnitt benötigt. Wie Sie beim Kugelahorn schneiden richtig vorgehen, zeigen die folgenden Anleitungen.

Kugelahorn noch nie verschnitten – Was tun?

Haben Sie Ihrem Kugelahorn zum ersten Mal einen Rückschnitt verordnet? Dann sichern Sie die Schnitt-Premiere ab mit einem Probeschnitt. Schneiden Sie am gewählten Termin einen oder zwei dünne, höchstens fingerdicke Äste ein kleines Stück zurück. Beobachten Sie in der folgenden Stunde den Saftfluss. Rinnt Pflanzensaft in Strömen aus den kleinen Schnittwunden, verschieben Sie den Rückschnitt auf den nächsten Monat, um den Test erneut durchzuführen. Minimaler Saftfluss gibt grünes Licht für die vorgesehene Schnittmaßnahme.

Formschnitt: Anleitung

Mit der Wahl des optimalen Zeitpunktes haben Sie die erste Hürde genommen auf dem Weg zum perfekten Formschnitt. Jetzt kommt es darauf an, wie Sie die Krone schneiden. Folgende Anleitung geleitet Sie Schritt für Schritt durch die richtige Schnittführung:

  • Schneidwerkzeug schärfen, reinigen und desinfizieren
  • Handschuhe und Schutzbrille anlegen
  • eingangs alle aus der Rundkrone ragenden Zweige zurückschneiden
  • zwecks Kronenverkleinerung oder Formkorrektur alle Triebe rundherum um ein Drittel einkürzen
  • Schnittführung: Scherenklingen leicht schräg halten und 3-5 mm über einem Blatt- oder Knospenpaar ansetzen

Wo Sie die Schere ansetzen, ist von entscheidender Bedeutung für das Resultat. In kurzer Distanz zu einem Vegetationspunkt, wie Blatt oder Knospe, aktivieren Sie die Austriebskräfte unterhalb der Schnittstelle, sodass frische Zweige aus schlafenden Augen munter sprießen. Schneiden Sie in zu großem Abstand, trocknet das Holz zurück und zieht die ruhenden Augen in Mitleidenschaft. Schlimmstenfalls stellt ein Kugelahorn an dieser Stelle dann das Wachstum ein.

Hinweis: Wussten Sie, dass im Bauplan von Mutter Natur ein Ahorn als Kugelbaum gar nicht vorgesehen ist? In der Tat ist der malerische Acer platanoides globosum das gelungene Ergebnis aus Kreuzung, Veredelung und genetischer Mutation. Als Stamm dient heimischer Spitz-Ahorn (Acer platanoides). Auf dieser Wildunterlage thront die kugelrunde Krone, deren Knospen nach allen Seiten nahezu gleich stark austreiben, weil das Gesetz der Spitzenknospen-Dominanz außer Kraft gesetzt ist.

Kugelahorn auslichten – Schritt-für-Schritt-Anleitung

Ergänzend zum Formschnitt notieren Sie bitte alle 2 bis 3 Jahre einen Auslichtungsschnitt auf dem Terminplan. Beginnend mit dem fünften Standjahr sammelt sich in der Krone zusehends Totholz an. Damit verbundener Schattenwurf auf aktive Triebe und deren Knospen, beeinträchtigt die Fotosynthese, sodass die Baumkrone von innen her verkahlt. Damit Ihr schöner Acer platanoides globosum ein dichtes Blätterkleid trägt, lichten Sie die Krone so aus:

  • kahle, abgestorbene Äste absägen
  • Obacht: Sägeblatt in ausreichendem Abstand (ca. 5-8 cm) zur Veredelungsstelle ansetzen
  • ins Kroneninnere und quer wachsende Zweige um zwei Drittel zurückschneiden
  • wichtig: stets an Knospen schneiden
  • überlange, herabhängende oder straff aufrechte Äste ableiten

Sind Sie mit der Schnitt-Technik der Ableitung vertraut, gehören störende Lücken im Kronenbild nach einer Auslichtung der Vergangenheit an. Die Kunst beruht darauf, dass Sie nicht irgendwo schneiden. Vielmehr halten Sie in der Nähe vom geplanten Schnittpunkt bitte Ausschau nach einem jungen, nach außen wachsenden Seitentrieb. Wo sich junger und alter Trieb gabeln, wird geschnitten. Setzen Sie Scherenklingen oder Sägeblatt bitte so an, dass Sie das alte Holz bis auf einen winzigen Stummel wegschneiden. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass der junge Trieb ohne Blessuren die Lücke rasch schließen kann.

Kugelahorn

Alten Kugelbaum etappenweise verjüngen

Häufige Anlässe für einen Verjüngungsschnitt am Kugelahorn sind Sturmschäden, massive Pilzkrankheiten sowie besorgniserregender Schädlingsbefall. War Ihrem alten Ahorn als Kugelbaum noch nie ein pflegender Rückschnitt vergönnt, hauchen Sie dem Baum neues Leben ein mit dieser radikalen Schnittmethode. Erfolgsgeheimnis dabei ist ein etappenweises Vorgehen, damit sich der gestresste Baum zwischenzeitlich regenerieren kann. So revitalisieren Sie eine kranke, vergreise oder beschädigte Kugelkrone richtig:

  • im ersten Schritt alles Totholz gründlich auslichten
  • Verjüngungsschnitt aufteilen auf 3 Jahre
  • Krone jeweils um ein Drittel zurückschneiden auf 10 cm kurze Ast-Stümpfe
  • nach jeder Etappe die Regeneration unterstützen mit Kompost oder Rindenmulch

Wie schon beim Auslichtungsschnitt, steht die Veredelungsstelle erneut im Zentrum der Aufmerksamkeit. Schneiden Sie deshalb bitte nicht in die verdickte Veredelungsstelle. Dieser neuralgische Punkt befindet sich im Übergang vom Stamm (Wildunterlage) zur Krone (Edelbereich). Nach Verletzungen in dieser Region treibt der wuchsstarke Spitz-Ahorn durch. Dieser Schnittfehler beendet dann das Wachstum vom Ahorn als Kugelbaum und mündet in eine natürliche, hochovale oder pyramidale Kronenform. Solange der Verjüngungsschnitt ein Köpfchen mit kurzen Stummeln hinterlässt, besteht jedoch kein Grund zur Sorge.

Tipp: Mit Wildtrieben aus dem Stamm stellt der Spitz-Ahorn als Unterlage seine kernige Wuchskraft unter Beweis. Die sogenannten Wasserschosse werden dabei zeitnah entfernt, damit sie die edle Kugelkrone nicht überwuchern. Umfassen Sie einen Wildtrieb mit der Hand und brechen ihn ab. Einen frechen Wasserschoss aus der Baumscheibe reißen Sie bitte aus mit einem kräftigen Ruck.

Werkzeug

In der sachkundigen Schnittpflege von Acer platanoides globosum nimmt das richtige Werkzeug eine Schlüsselfunktion ein. Der schnittempfindliche Kugelahorn übersteht die Prozedur mit Bravour, wenn glatte Schnitte den Pflanzensaft ungehindert ablaufen lassen. Akribische Sauberkeit der Klingen verhindert dabei die Infektion offener Schnittwunden durch pathogene Erreger. Mit welchem Werkzeug und Zubehör Sie für jede Schnittart perfekt gerüstet sind, bringt folgende Übersicht auf den Punkt:

  • Formschnitt: hochwertige Garten- oder Baumschere (Bypass-Mechanik) für dünne bis Daumen-dicke Äste
  • Auslichtung und Verjüngung: Zweihand-Astschere (Bypass-Mechanik) oder Klappsäge (Japanzahnung) ab 3,5 cm Aststärke
  • Spiritus, Sagrotan oder vergleichbares Desinfektionsmittel
  • Lappen
  • Arbeitshandschuhe, Schutzbrille
  • standfeste Leiter

Wir empfehlen Scheren mit Bypass-Mechanik, weil hier zwei scharfe Klingen das Holz glatt durchtrennen. Im Gegensatz dazu arbeiten Amboss-Scheren mit einer scharfen Klinge, die den Ast gegen eine stumpfe Gegenseite drückt und erst dann durchtrennt, was fatale Quetschungen verursachen kann. Besonderer Vorteil einer Klappsäge mit Japanzahnung ist, dass Sie dicke Äste am Kugelahorn auf Zug schneiden. Die Vorwärtsbewegung erfordert keinen Druck, wie beispielsweise bei einer europäischen Baumsäge, was den Kraftaufwand deutlich reduziert. Ein dünnes Sägeblatt mit scharfen Sägezähnen hinterlässt glatte Schnittflächen, die dann rasch verheilen.

Gartenschere zum Schneiden verwenden

Häufige Fehler

Drei häufige Fehler sind verantwortlich, wenn ein Ahorn als Kugelbaum nach einer Schnittmaßnahme verschandelt ist. Um Sie vor diesem Desaster zu bewahren, nennen wir hier typische Schnittfehler beim Namen mit nützlichen Tipps zur Vorbeugung:

im Sommer geschnitten

  • Folge: Kugelahorn blutet aus, wird krank und von Schädlingen befallen
  • Vorbeugung: zwischen Ende September und Anfang November verschneiden

nicht an Knospen geschnitten

  • Folge: kein Austrieb aus schlafenden Knospen
  • Vorbeugung: Schnittpunkt wählen in kurzer Distanz (3-5 mm) zu einem Blatt oder einer Knospe

Veredelungsstelle verletzt

  • Folge: keine Kugelkrone mehr
  • Vorbeugung: Veredelungsstelle stehen lassen als Köpfchen mit kurzen Triebstummeln (5-8 cm lang)

Eine weitere Ursache für Verdruss sind unsaubere Schnittwerkzeuge. Denn Pathogene Erreger nutzen mit Vorliebe Klingen und Sägeblätter als Transportmedium zum nächsten Baum. Offene Schnittwunden bieten Pilzsporen, Viren und Schädlingen ideale Angriffsflächen. Reinigen Sie Baum- und Astscheren sowie Sägen daher vor jedem Einsatz sorgfältig, haben Mehltau, Blattläuse und Konsorten das Nachsehen.