Leimringe für Obstbäume anbringen – wann, wie und wo genau?

Leimringe für Obstbäume anbringen

Werden im Frühjahr die Obstbäume von kleinen Insekten befallen, die die Bäume kahlfressen, dann handelt es sich hierbei in der Regel um die Larven der Frostspanner. Diese sind aber bereits im Herbst auf die Bäume gelangt und haben hier überwintert. Hierbei handelt es sich nicht um fliegende sondern um kriechende Insekten, die über den Baumstamm in die Krone gelangen und dort ihre Eier ablegen. Um den Befall im Frühjahr zu verhindern, muss bereits im Herbst mit Leimringen hiergegen vorgegangen werden.

Leimringe

Leimringe gegen Frostspanner

In vielen Gärten sind sie schon, meist als grünes Band, um Obst- und andere gefährdete Bäume gelegt, die Leimringe. Diese dienen als mildes und in der Regel ungiftiges Mittel gegen flugunfähige Insekten, die vom Boden über den Stamm den Weg in die Krone finden und dort Ihre Eier ablegen.

Frostspanner

Vor allem die Frostspanner-Weibchen werden im Herbst bereits aktiv, die Larven hingegen schädigen den befallenen Baum jedoch erst im Frühling.

Operhophtera brumata Larve, kleiner Frostspanner Larve
Operhophtera brumata Larve, kleiner Frostspanner Larve

Um was handelt es sich beim Frostspanner:

  • Operhophtera brumata (kleiner Frostspanner)
  • unscheinbarer Schmetterling mit flugunfähigen Weibchen
  • Larven schlüpfen im Frühjahr während Blattaustrieb
  • fressen Blätter von Obstbäumen bis auf Mittelrippe kahl
  • Raupen blassgrün mit typischem Aufbuckeln
  • Schmetterlinge schlüpfen im Oktober
  • männliche Exemplare schwirren in der Baumkrone
Operhophtera brumata, kleiner Frostspanner
Operhophtera brumata, kleiner Frostspanner

Schädlinge

Neben den Frostspannern gibt es durchaus weitere Schädlinge, die ebenfalls von den angebrachten Leimringen aufgehalten werden, am Stamm in die Krone zu klettern und diese mit ihren Larven und Raupen extrem zu schädigen. So gibt es weitere Spanner-Arten, wie der große Frost- oder auch der Schneespanner.

Erannis defoliaria, großer Frostspanner
Erannis defoliaria, großer Frostspanner

Doch auch Borkenkäfer, Blutläuse, Apfel-Gespinstmotten und der Haselnuss-Knospenbohrer gelangen dank der angebrachten Leimringe nicht in die Krone oder an den Stamm des Baumes, um hier größeren Schaden zuzufügen.

weitere Schädlinge, die durch Leimringe aufgehalten werden

Bäume

Gefährdete Bäume

In der Regel werden Leimringe um den Stamm von Obstbäumen gewickelt, damit die Ernte geschützt wird. Denn sind alle Blätter kahl gefressen, was bei einem großen Befall von Frostspannern und anderen Insekten durchaus der Fall sein kann, dann können sich auch die Früchte nicht mehr geschützt in der Baumkrone entwickeln.

Schädlinge die Leimringe ebenfalls aufhalten

Doch nicht nur die Obstbäume, die die erste Wahl der Frostspanner sind, werden von diesen befallen. Befinden sich andere Bäume in der Nähe, kann auch hier ein Fraß an den Blättern beobachtet werden, wenn nichts dagegen unternommen wird. So sind die folgenden Bäume vor allem von einem Befall der schädlichen Frostspanner betroffen.

Malus, Apfelbaum
Malus, Apfelbaum
  • Pflaumen, Äpfel und Kirschen vor allem betroffen
  • neben Obstbäumen auch Linde, Hainbuche und Ahorn
Tilia, Linde, Lindenbaum
Tilia, Linde, Lindenbaum

Wurden bereits im eigenen Garten Larven oder die kleinen, unscheinbaren Schmetterlinge entdeckt, sollten zur Vorsorge alle im Garten stehenden Bäume mit einem Leimring geschützt werden. Denn gerade bei im Herbst oft herrschenden starken Winden können die Eier und im Frühjahr auch die Raupen von den nicht geschützten Bäumen auf die mit Leimringen geschützten und bislang nicht befallenen Bäumen geweht werden. Auch sollte bedacht werden, dass nicht nur der Stamm eine Möglichkeit für die Insekten bietet, nach oben zu gelangen, sondern auch Holzpfähle eng am Stamm gestellt oder Spaliere sollten mit Leimringen geschützt werden. Lange, nach unten ragende Triebe und Äste sollten hingegen entfernt werden, wenn diese das Gras oder den Boden berühren.

Carpinus betulus, Hainbuche
Carpinus betulus, Hainbuche

Zeitpunkt

Damit die Bäume für das nächste Jahr gut geschützt werden, müssen die Leimringe bereits im Herbst, Idealerweise im September um die Stämme angebracht werden. Denn im Oktober paaren sich die Frostspanner und die Weibchen klettern in die Baumkronen, um hier bereits jetzt die Eier abzulegen. Doch leider ist es mit einem einmaligen Schutz nicht getan, denn bereits im Dezember lässt die Klebewirkung der Ringe nach und es muss erneut gehandelt werden.

Acer circinatum, Weinblatt-Ahorn
Acer circinatum, Weinblatt-Ahorn

Dabei sollte wie folgt vorgegangen werden:

  • die Leimringe vorsichtig entfernen
  • denn Frostspanner legen die Eier auch auf den Leimringen ab
  • dies kommt dann vor, wenn sie sich hier verfangen haben
  • werden die Ringe wirkungslos, schlüpfen die Raupen
  • und können so im Frühjahr das Hindernis überwinden
  • auch unterhalb des Leimrings am Stamm werden Eier abgelegt
  • daher die Leimringe im Winter nochmals erneuern
  • gegebenenfalls auch nochmals im März/April
  • auch dann könnte Klebewirkung erneut verflogen sein
Leimringe am Obstbaum
Leimringe am Obstbaum

Wichtig ist, dass die entfernten Leimringe vorsichtig zusammengelegt und in einer verschlossenen Tüte im Hausmüll entsorgt werden sollten, damit alle hierauf befindlichen Eier der Schädlinge insgesamt entfernt werden können.

Anbringen

Anbringung über das Jahr

Auch im Frühling bietet es sich an, die Stämme mit einem Leimring zu umwickeln, denn dann ist zwar die Gefahr der Frostspanner erst einmal gebannt, doch es gibt andere, flugunfähige Insekten, die nun über den Stamm in die Baumkrone gelangen könnten. Daher ist ein ganzjähriger Schutz mit Leimringen anzuraten. So sollten die Ringe auch über den Sommer alle drei Monate erneuert werden, damit der Klebeschutz weiterhin gegeben ist. Da die Ringe dem Baum und der Umwelt in keiner Weise schaden, ist dies häufig nur eine Sache der Optik. Doch ein kleines grünes Band um den Stamm ist bei weitem besser und dekorativer als eine kahlgefressene Baumkrone oder ein geschädigter Baum durch Borkenkäfer.

Leimring am Obstbaumstamm
Leimring am Obstbaumstamm

Leimringe richtig anbringen

Die Leimringe müssen richtig am Stamm angebracht werden, damit die Schädlinge nicht unter ihnen hindurch am Stamm hinauf klettern können. Daher ist ein sorgfältiges Arbeiten unumgänglich. Die Ringe werden in der Regel in der Stammmitte angebracht. Hier sollte eine Höhe gewählt werden, dass die Insekten nicht doch über eine Brücke aus Gras oder den Trieben von nebenstehenden Pflanzen über den Ring hinweg auf den Baum gelangen können. Gerade ältere Bäume, die bereits eine zerfurchte Rinde besitzen sollten an der Stelle gut abgebürstet werden. Hierdurch werden lockere Rindenstücke entfernt, unter denen die Schädlinge ansonsten hindurchkriechen könnten. Weiter sollte dann bei der Anbringung der Leimringe wie folgt vorgegangen werden.

Prunus avium, Süßkirsche
Prunus avium, Süßkirsche
  • Leimringe aus dem Handel aus reißfestem Spezialpapier hergestellt
  • werden als Rolle geliefert (ähnlich einem Klebeband)
  • diese um den Baumstamm legen und abmessen
  • an den Enden sollten sich die Ringe überlappen
  • gewünschte Länge abschneiden
  • Papier aufklappen, Leim befindet sich in der Mitte
  • mit Klebeseite nach Außen um Stamm legen
  • möglichst faltenfrei und eng am Stamm
  • Enden können provisorisch zusammengeklebt werden

Zeigt die Rinde des Stammes trotz der vorherigen Bearbeitung mit der Bürste immer noch größere Vertiefungen auf, so sollten diese ausgeglichen werden. Die Zwischenräume können mit Papier oder Stoff so ausgestopft werden, dass die Insekten die angebrachten Leimringe nicht doch noch unterwandern können. Am Ende werden die Leimringe oben und unten mit Bindedraht fest an den Stamm gebunden, damit auch hier keine Insekten unter dem Ring hindurchschlüpfen können. Um ganz sicher zu sein, kann auch der Kleber, der sich auf den Ringen befindet, mit einem flachen Pinsel über den Rand hinaus auf die Rinde gestrichen werden.

Leimringe an Obstbäumen anbringen
Leimringe an Obstbäumen anbringen

Fachhandel

Leimringe aus dem Handel

Der gut sortierte Fachhandel bietet mittlerweile viele verschiedene Varianten der Leimringe an. So können hier bereits fertige, mit Klebstoff versehene Bänder erworben werden, ebenso solche, bei denen Band und Leim erst am Stamm vom Hobbygärtner zusammengebracht werden. Doch unabhängig der Entscheidung für das Produkt aufgrund der Anwendung sollte immer darauf geachtet werden, dass der erworbene Leimring eine grüne bis bräunliche Farbe besitzt. Dies hat den einfachen Grund, dass eine weiße Farbe viele Nützlinge anziehen würde, was hier nicht Sinn der Sache wäre. So ist das Angebot im Handel groß und für die private Nutzung bei wenigen zu schützenden Bäumen auch in der Regel recht preiswert.

Prunus cerasus, Sauerkirsche
Prunus cerasus, Sauerkirsche

Selbermachen

Leimringe selbst herstellen

Natürlich kann jeder Hobbygärtner die benötigten Leimringe auch selbst herstellen, was sich oft jedoch nicht lohnt. Wem jedoch die grüne Farbe an den Baumstämmen nicht gefällt, der hat die Möglichkeit, auch farblich passende Ringe gegen den Schädlingsbefall herzustellen. Hierzu gibt es viele verschiedene Methoden, wie zum Beispiel auch die folgenden.

Leimringe an Bäumen gegen Schädlinge
Leimringe an Bäumen gegen Schädlinge

erste Mischung:

  • 500 g Kolophonium
  • erhältlich im gut sortierten Malerbedarfshandel
  • 700 g Holzteer
  • im Wasserbad erhitzen für gleichmäßige Mischung
  • 300 g Tran
  • 500 g Schmierseife
  • zugegeben, rühren und erkalten lassen

zweite Mischung:

  • 100 g Kolophonium
  • 20 g Terpentin
  • 60 g Olivenöl
  • im Wasserbad erhitzen und mischen

Beide Mischungen können in der Grammangabe verändert werden, je nachdem wie viel Leim für die selbstgemachten Leimringe benötigt wird. Wer nun auf die grünen Ringe an den Bäumen verzichten möchte, greift auf festes, braunes Packpapier zurück, das ebenfalls die Schädlinge, aber keine Nützlinge anzieht. Das Papier fest um den Baum wickeln, mit Draht oben und unten fixieren und mit der Masse einstreichen. Hierbei kann durchaus auch über den Rand hinaus gestrichen werden, damit keine Frostspanner-Weibchen unter dem Paketpapier hindurchschlüpfen und so doch noch in die Krone gelangen können. Auch diese Leimringe sollten nach drei Monaten erneuert werden, da auch diese ihre Klebewirkung mit der Zeit verlieren.

Raupenleim

Anwendung von Raupenleim

Erst seit wenigen Jahren ist Raupenleim im gut sortierten Fachhandel erhältlich. Dieser hilft allerdings auch sehr gut gegen alle Schädlinge, die sich von unten nach oben am Stamm entlang ihren Weg in den Baum bahnen. So wird anstelle des Leimrings mit dem Pinsel der Raupenleim auf dem Baumstamm aufgetragen. Hierbei einen etwa zwanzig Zentimeter breiten Ring bilden. Der Vorteil hierbei ist, dass der Leim auch die kleinsten Schlupflöcher gut abschließt. Vor dem Aufstreichen sollte der Leim auf etwa 30° Celsius erhitzt werden, dann lässt er sich leichter aufbringen. Nach etwa drei Monaten kann er mit einem Spachtel entfernt und neu aufgetragen werden.