Lindenwanzen

Wenn sich rasch eine Gruppe von kleinen, käferähnlichen Tierchen an Malvengewächsen bilden, handelt es sich wahrscheinlich um Lindenwanzen (Oxycarenus lavaterae). Erfahren Sie, was Sie dagegen tun können.

Erkennen

Um zu wissen, ob es Lindenwanzen sind, beziehungsweise Malvenwanzen, wie sie auch genannt werden, die sich an Bäumen und/oder Sträuchern in Gruppen ansammeln, sollten sie vorab identifiziert werden. Das geschieht mit der Abgleichung typischer optischer Eigenschaften sowie mit Hinweisen, wo und wann sie Pflanzen befallen.

Optische Details:

  • Farbe: dunkel-rötlich, schwarz-rot
  • Verwechslungsgefahr: mit Feuerwanzen, die oftmals zur gleichen Zeit vorhanden sind
  • Größe: vier bis sechs Zentimeter
  • Silber schimmernde Flügel
  • Larven: rotbrauner Bauchbereich – Kopf und Brust schwarz
  • Sammeln sich in Kolonien, die rasch größer werden
  • Oft in Begattungsposition an Rinden „heftend“
  • Legen Eier gern in Rindenritzen ab

Lindenwanzen

Jahreszeit für Befall:

  • Vor allem im Frühjahr bei höheren Temperaturen nach ihrer Winterruhe, wenn sie auf Futtersuche sind
  • Frühjahr bis Spätsommer zur Eiablage
  • Im Herbst meist größere Massenansammlungen von Lindenwanzen, weil sie gern in Rindenritzen überwintern
  • Viele sterben im Winter ab, andere überleben den Winterschlaf, der bis ins zeitige Frühjahr anhält

Vorkommnis:

  • Überwiegend nur an Malven- (Malvaceae) und Lindengewächse (Tiliaceae) wie beispielsweise Strauchpappeln, Eibisch und Hibisken
  • Meist an Neu-Pflanzungen
  • Häufig auch an älteren Lindenbäumen
  • Insbesondere gern an Winterlinden (Tilia cordata)
  • Während Vegetationsphase vielfach in Baumkronen
  • Ab Herbst vermehrt an Baumstämmen und dickem Geäst sichtbar
  • Können sich an Hauswänden befinden – meist nur zum Winter hin auf der Suche nach Winterquartier
  • „Verlaufen“ sich gelegentlich in Gebäude/Wohnbereiche
Winterlinde - Linde
Winterlinde

Schadbild:

  • Vereinzelt Blattverfärbungen durch Aussagen den Pflanzensafts
  • Leichte Gelbfärbung unverholzter Triebe, wenn sie daran saugen
  • Bei umfangreicher Koloniebildung auf Ästen, können diese abbrechen

Notwendigkeit einer Bekämpfung

Lindenwanzen sind nicht zwingend zu bekämpfen, da sie für Pflanzen keine lebensbedrohliche Gefahr bedeuten. Sie bewirken kein nennenswertes Schadbild, da sie sich überwiegend aus den Samen der Malven- und Lindengewächsen ernähren und diesen den Saft entziehen. Ebenso haben Menschen nichts zu befürchten.

Dennoch sind sie keine gern gesehenen Gäste im Garten, sodass viele Hobbygärtner eine Bekämpfung wünschen. Sinnvoll ist diese aber in jedem Fall, denn wenn sich andere Schädlinge hinzugesellen, kann ein deutlich umfangreicheres Schadbild entstehen und die Pflanzen durch weniger Widerstandskraft gefährdet sein. Hier ist dementsprechend Vorsicht walten zu lassen, vor allem bei einem Befall mit der wolligen Napfschildlaus (Pulvinaria regalis).

Napfschildlaus
Napfschildlaus, Quelle: Donald Hobern from Copenhagen, Denmark, Pulvinaria regalis (7439920392), Bearbeitet von Plantopedia, CC BY 2.0

Bekämpfung

Wenngleich Lindenwanzen als harmlos zu betrachten sind, folgend einige Bekämpfungsmaßnahmen, wenn sie unerwünscht sind:

Staubsauger

Ein Staubsauger ist eine gute Wahl, um die Oxycarenus lavaterae loszuwerden. Schwierig wird es nur, wenn sie hoch angesiedelt sind, wo mit einem klassischen Bodenstaubsauger kein Herankommen ist. Hier zeigt sich ein sogenannter Rückenstaubsauger als Lösung, mit dem über eine Leiter auch bis in die Kronenspitze zu kommen ist. Wichtig ist, dass das Saugrohr von unten nach oben über die Rinde geschoben wird, um einen abkratzenden Effekt zu erzielen, sodass sich die Schädlinge lösen und direkt durch die Saugluft eingezogen werden. Im Anschluss ist der Saugbeutel fest zu verschließen und sicher im Hausmüll zu entsorgen.

Seifenlauge

Seifenlauge hat sich seit vielen Jahren als ein sehr effizientes Bekämpfungsmittel im Einsatz gegen verschiedene Schädlinge bewiesen. Es wirkt auch gegen die Lindenwanze, die bei Kontakt und Einziehen der Seifenlauge vergällen. Zubereitung und Anwendung funktionieren wie folgend beschrieben:

Sprühflasche gegen Lindenwanzen

  • Biologisch abbaubares Spülmittel, Kernseife oder Schmierseife ohne Zusatzstoffe verwenden
  • Pro einen Liter Wasser circa 100 Gramm/Milliliter Seife/Spülmittel hinzugeben
  • Seife auflösen lassen – Spülmittel gut vermengen
  • Seifenlauge in Sprühbehälter umfüllen
  • Direkt auf die Schädlinge sprühen (tropfnass)
  • Auf jeden Fall Stamm und Boden um Baum herum ebenfalls einsprühen (unabhängig vom Vorhandensein der Malvenwanzen)
  • Dreimal im Abstand von je zwei Tagen wiederholen
  • Falls nicht alle abgestorben sind, Vorgang eine Woche nach letzter Anwendung erneut starten

Tipp: Wenn Sie jedes Jahr im Frühjahr und Herbst anfällige Bäume/Pflanzen mit Seifenlauge großzügig einsprühen, können Sie einem Lindenwanzenbefall vorbeugen. Die Seifenlauge schadet Pflanzen in keinem Fall – im Gegenteil, denn Sie können auch andere Schädlinge bekämpfen, wie beispielsweise Blattläuse.

Absammeln

Bei Absammeln sollte die „Gunst der Stunde“ des Winterschlafs genutzt werden. Dann sind Lindenwanzen nahezu bewegungsunfähig und können leicht selbst aus den Rindenritzen abgesammelt beziehungsweise ausgefegt werden. So funktioniert es am einfachsten:

Lindenwanzen
Lindenwanzen, Quelle: gailhampshire from Cradley, Malvern, U.K, Oxycarenus lavaterae – Flickr – gailhampshire (1), Bearbeitet von Plantopedia, CC BY 2.0
  • Um den Baum/die Pflanze herum Folie oder ähnliches in Größe des Pflanzenumfanges auslegen (zum Auffangen der Schädlinge)
  • Mit härterem Besen alle befallenen Bereiche abfegen
  • Gegebenenfalls mit kleinerem Handfeger Schädlinge in den Rindenritzen lösen/ausfegen
  • Abgefallene Wanzen zusammenkehren und in Zeitungspapier oder anderem Wegwerf-Material entsorgen
  • Darauf achten, dass eine Dichtigkeit der „Entsorgungeverpackung“ besteht, damit „aufgewachte“ Exemplare nicht fliehen
  • Alternative zur Müllentsorgung: Lindenwanzen weit weg vom Garten aussetzen

Tipp: Weil Malvenwanzen für Pflanzen und Menschen ungefährlich sind, ist ein Einsatz von chemischen Bekämpfungsmitteln in keinster Weise gerechtfertigt und sollte deshalb auch keine Verwendung finden, um Umwelt und die eigene Gesundheit zu schonen. Die genannten Hausmittel bieten eine ebenso effektive Lösung.

Umpflanzen gegen Neubefall

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, dass im nächsten Jahr kein Neubefall zusätzliche Arbeit auf den Plan ruft, kann nach einer der oben genannten erfolgten Aktionen anschließend die betroffene Pflanze/den Baum an einen anderen Standort umpflanzen, sofern möglich. Damit wird verhindert, dass sich noch eventuell vorhandene Malvenwanzen im Boden vermehren und sie wieder emporsteigen. Da die Parasiten aber Samen sammeln, besteht die Chance, dass sich an Ort und Stelle ein neues Malvengewächs entwickelt. Wird dies bei Sichtung sofort entfernt, werden sich die Lindenwanzen einen neuen Lebensraum suchen und abziehen.