Litschibaum ziehen: so züchten Sie die eigene Litschi-Pflanze

Ein Litschibaum ist noch immer ein Exot in den hiesigen Breitengraden. Dennoch können Sie die Pflanze aus Samen selbst ziehen. Daher sollten Sie den Kern, der in der Frucht steckt, nach dem Genuss nicht entsorgen, sondern für die eigene Anzucht nutzen. Gerade wer ein Gewächshaus oder einen Wintergarten besitzt, hat gute Chancen, die kleinen Bäumchen zu züchten und die schmackhaften Früchte später zu ernten.

Litschibaum ziehen

Zwei Arten der Anzucht

Einen Litschibaum können Sie auf zwei Arten züchten. Zum einen gibt es die Aussaat, zum anderen aber auch die Vermehrung mit Stecklingen. Bei der zweiten Art benötigen Sie eine bereits vorhandene Litschi-Pflanze, da Sie hiervon Triebe für die Zucht nutzen können. Für die Aussaat hingegen wird nur die Frucht Litschi benötigt, die im Supermarkt meist in den Wintermonaten erhältlich ist. Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile:

  • bei Aussaat kein vorhandener Litschibaum benötigt
  • erste Ernte erst nach etwa fünf bis zehn Jahren
  • für Hobbygärtner mit Geduld
  • bei Stecklingen Mutterpflanze benötigt
  • erste Ernte kann früher erwartet werden
  • Anzucht mit Steckling gelingt immer
  • nicht alle Sämlinge keimen und wurzeln
  • Vorbereitung bei Stecklingen schneller

Litschi Früchte

Aussaat

Samen

Gewinnung von Samen

Wenn im Januar und Februar die ersten Litschi-Früchte an den Obsttheken der Supermärkte liegen, dann ist dies auch der perfekte Zeitpunkt, um die Kerne für die eigene Anzucht eines Litchi chinensis zu gewinnen. Denn nach dem Genuss der Frucht können Sie die Kerne vorbereiten und aussäen. Der perfekt geeignete Samen lässt sich aus einer reifen Litschi gewinnen. Hierbei sollten Sie daher beim Kauf auf das Folgende achten:

  • Schale ist tief rosa gefärbt
  • keinerlei grüne Stellen mehr
  • Schale ist fest und höckerig
  • noch grüne Litschi liegen lassen
  • reifen mit der Zeit nach

Vorbereitung

Damit der gewonnene Samen genutzt werden und ein Litschibaum herangezogen werden kann, müssen die gewonnenen Kerne vorbereitet werden. Hierzu sollten Sie wie folgt vorgehen, um die Keimfreudigkeit anzuregen:

  • Frucht aufschneiden
  • Fruchtfleisch vom Kern lösen
  • Idealerweise mit den Fingern
  • vorsichtig, um Kernschale dabei nicht zu verletzen
  • vorsichtig unter fließendem Wasser abwaschen
  • lauwarmes Wasser nutzen
  • es sollte sich kein Fruchtfleisch mehr am Kern befinden
  • danach in handwarmen Wasser einweichen
  • solange, bis Schale aufplatzt

Litschikern

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, der sollte mehrere Kerne vorbereiten und diese zur Aussaat nutzen. Denn oft gelingt die Keimung nicht sofort. Damit aber mindestens ein Litschibaum heran gezogen werden kann, müssen mehrere Kerne eingesät werden.

Anzuchterde

Für das Ziehen der Keimlinge wird die passende Anzuchterde benötigt. Denn die Litschi-Pflanze stellt spezielle Ansprüche an das Substrat und so muss bereits von Anfang an bei der Anzucht die Zusammensetzung stimmen. So sollte die Anzuchterde wie folgt aussehen:

  • locker und mager
  • gut durchlässig
  • Nährstoffe im Substrat verhindern die Keimung
  • spezielle Anzuchterde aus dem Handel nutzen
  • alternativ Kokosfasern, Perlite und Ton mischen

Anzuchterde einfüllen

Gekaufte Anzuchterde birgt häufig die Gefahr von Schädlingseiern, Bakterien oder Pilzsporen. Damit diese vor dem Gebrauch abgetötet werden, kann die Erde in den Backofen gegeben werden. Bei 150 °C für eine halbe Stunde wird die vorher angefeuchtete Erde erwärmt. Bevor der Kern dann in die Erde gegeben wird, muss diese allerdings erst wieder gut abgekühlt sein.

Vorbereitung für die Aussaat

Wurde die richtige Erde gewählt, dann muss der Topf ausgesucht werden. Hierzu sollten immer nur kleine Töpfe genutzt werden. Wird in jeden Topf nur ein Samen gesteckt, dann muss später nicht pikiert werden. Damit keine Staunässe entsteht, wird auf dem Boden über dem Abflussloch eine Drainage angelegt. Hierzu eine kleine Tonscherbe oder Blähton auf den Boden des Gefäßes geben. Danach ein kleines Stück Pflanzenvlies überlegen, bevor die Anzuchterde eingefüllt wird.

Aussäen

Wenn der Kern im handwarmen Wasser nach einigen Tagen aufgeplatzt ist, können Sie ihn in die Erde geben. Hierzu werden die Samen etwa ein bis zwei Zentimeter tief in die Erde gedrückt. Danach wird weiter wie folgt verfahren:

  • Erde leicht andrücken
  • leicht befeuchten
  • kalkfreies Wasser nutzen
  • Regen- oder abgestandenes Leitungswasser
  • Topf kann von unten bewässert werden
  • hierzu einige Minuten in Wasser tauchen

Litschikern einpflanzen

Topf abdecken

Damit die Keimung der Litschi gut gelingt, ist es wichtig, ein subtropisches Klima zu suggerieren. Hierzu sind Zimmergewächshäuser besonders gut geeignet. Sie sehen nicht nur schön aus sondern halten auch die Feuchtigkeit gut im Innern und können zusätzlich auch gut belüftet werden. Wenn kein Zimmergewächshaus zur Verfügung steht, können Sie die folgenden Alternativen nutzen:

  • durchsichtige Plastiktüte überstülpen
  • PET-Flasche in der Mitte durchschneiden
  • über den Topf stülpen
  • Glas umgekehrt über das Gefäß stellen
  • täglich lüften
  • ansonsten kann es zu Schimmelbildung kommen

Pflanzgefäß mit Folie abdecken

Standort

Der ideale Standort für die Zeit der Keimung ist halbschattig. Direkte Sonneneinstrahlung sollte hier unbedingt vermieden werden. Wichtig hingegen sind konstante Temperaturen, die um die 25° Celsius liegen sollten. Daher sind die folgenden Standorte besonders gut geeignet:

  • in der Nähe einer Heizung
  • auf Fensterbrett von Ost- oder Westfenster
  • eventuell Wärmelampe nutzen
  • günstig ist ein Platz in einem beheizten Wintergarten
  • auch ein beheiztes, helles Gewächshaus im Garten eignet sich
  • auf hohe Luftfeuchtigkeit achten
  • eventuell Schalen mit Wasser um Pflanze herum aufstellen
  • alternativ Luftbefeuchter nutzen

Nach Keimung umtopfen

Zeigen sich nach ein paar Wochen die ersten Blätter, dann war die Keimung erfolgreich. Sobald die junge Pflanze mindestens drei oder mehr Blattpaare besitzt, verfügt sie über eine ausreichende Stabilität. Nun ist der richtige Zeitpunkt, die Litschi-Pflanze umzutopfen, damit sie auch ein anderes Substrat erhält. Denn dies ist wichtig für das weitere Wachstum der Litschi. Daher sollten Sie beim Umtopfen auf das Folgende achten:

  • leicht saure, durchlässige und nährstoffreiche Erde nutzen
  • lehmhaltige Gartenerde mit Kokosfasern und Perliten mischen
  • Drainage auch im neuen Topf anlegen
  • Gefäß etwa ein Drittel größer als Anzuchttopf
  • vorbereitete Erde auf zwei Drittel im Topf einfüllen
  • Pflanze vorsichtig dem Anzuchttopf entnehmen
  • Erde an den Wurzeln belassen
  • in kleine Mulde in Erde einsetzen
  • mit restlicher Erde auffüllen und leicht andrücken
  • gut angießen

Die Litschi-Pflanze wächst nur sehr langsam, ein kleiner Topf reicht daher für die nächsten zwei bis drei Jahre völlig aus, bevor Sie erneut umtopfen sollten. Ist das Gefäß zu groß, konzentriert sich die junge Pflanze auf die Bewurzelung und vernachlässigt das Bilden von Blättern und neuen Trieben.

Litschipflanze nach 5 Wochen und nach 7 Wochen
Litschipflanze nach 5 Wochen und nach 7 Wochen

Aus Stecklingen züchten

Wer bereits einen Litschibaum besitzt, der kann sich neue Pflanzen auch über Stecklinge ziehen. Dies geht schneller und zeigt oft sogar mehr Erfolg, als die Anzucht über Sämlinge. Hierfür werden halb verholzte, nicht blühende etwa 15 cm lange Kopftriebe verwendet. Der Vorteil dieser Vermehrung ist, dass die ersten Früchte früher zu ernten sind und nicht bis zu zehn Jahre gewartet werden muss, wie dies bei aus Kernen gezogenen Litschi chinensis der Fall ist. Bei der Zucht aus Stecklingen ist auf das Folgende zu achten:

  • Stecklinge zu einem Drittel in Anzuchterde stecken
  • bis zum ersten Augen einstecken
  • hieraus bilden sich dann die Wurzeln
  • halbschattiger und heller Fensterplatz
  • etwa konstante 25 °C
  • Stecklinge immer leicht feucht halten
  • nach Bewurzelung umtopfen
  • wie unter Punkt „Nach Keimung umtopfen“ vorgehen

Pflege

Nach dem Umtopfen der kleinen Litschi-Pflanze benötigt diese eine besondere Pflege, damit sie gut anwächst. Die erste Düngung beginnt etwa vier Wochen nach dem Umtopfen. Denn die erste Zeit reichen die Nährstoffe in der frischen Erde völlig aus. Die Pflege für den kleinen Litschibaum sollte wie folgt aussehen:

  • sonniger und warmer Standort
  • jedoch nicht zu heiß
  • keine direkte Mittagssonne
  • besser im Wintergarten als auf Balkon
  • konstante Temperaturen von 25° Celsius
  • Wurzelballen immer feucht halten
  • Staunässe vermeiden
  • Erde an Oberfläche nur leicht antrocknen lassen
  • alle vier Wochen Flüssigdünger für tropische Pflanzen nutzen
  • von April bis Oktober düngen

Davon, dass der Litschibaum nach einer schnellen Keimung nur sehr langsam wächst, sollte sich der Hobbygärtner nicht irritieren lassen. Denn dies ist üblich bei den exotischen Bäumchen.

Litschipflanze 8 Wochen nach Einpflanzung des Kerns

Überwintern

Auch wenn der Litschibaum an durchgängig warme Temperaturen in seiner ursprünglichen Heimat gewohnt ist, so kommt es dennoch seinem Wachstum und einer späteren Ernte sehr zugute, wenn Sie der Pflanze eine leichte Winterruhe gönnen. Dies regt auch die Blüte an, die später dann die schmackhaften Früchte hervorbringt. Steht die Pflanze hingegen das ganze Jahr über am selben warmen Standort, dann werden eine Blüte und somit auch eine Ernte ausbleiben. So sollten Sie die Litschi wie folgt überwintern:

  • kühl aber hell stellen
  • zwischen 12 °C und 15 °C
  • nicht düngen
  • weiterhin feucht halten
  • Staunässe vermeiden
  • hohe Luftfeuchtigkeit
  • Standort im unbeheizten Wintergarten
  • ein helles, kühles Treppenhaus ideal
  • Blätter können abfallen
  • treiben im Frühjahr neu aus

Ernte

Nach frühestens fünf Jahren nach der Anzucht können Sie im Idealfall die ersten Früchte ernten. Im Durchschnitt liegt der Zeitpunkt zum Ernten jedoch erst bei etwa zehn Jahren Lebensdauer. Im Gegensatz zu den großen Litschi-Feldern in Afrika werden die Früchte in den hiesigen Breitengraden im Spätsommer bis Herbst reif. Beim Ernten sollten Sie dabei auf das Folgende achten:

  • dunkle Schale verspricht reife Frucht
  • auch grüne Litschis dürfen geerntet werden
  • reifen noch nach
  • eigene Ernte weniger schmackhaft
  • liegt an geringer Sonneneinstrahlung in hiesigen Breitengraden

Das die Frucht der Litschi chinensis im Supermarkt im Winter angeboten wird liegt daran, dass die hier verkauften aus dem immer warmen Südafrika und Madagaskar stammen. Die hier gezüchteten Pflanzen hingegen benötigen die Wärme im Sommer, um die Litschis gut wachsen und reifen zu lassen.

Litschi