Maulwurf im Garten | Ist er schädlich oder gar nützlich?

Maulwurf im Garten

Der Maulwurf. Ein gern gesehener Gast für einige, ein Schädling für andere. Wenn sich ein Hügel frischer Erde im Garten erhebt, wollen vor allem Rasenbesitzer die Tiere am besten sofort wieder loswerden, da sie die schön gepflegte Grasdecke durchpflügen. Aus diesem Grund werden Maulwürfe in den Augen vieler Gärtner als schädlich betrachtet. Ob es sich bei Talpa europaea, dem Europäischen Maulwurf, wirklich um einen Schädling handelt, ist so allgemein nicht zu sagen.

Das Problem: Rasen und Maulwürfe

Warum ist der Mensch so auf dem Kriegsfuß mit dem Maulwurf? Die Antwort lautet: Erdhaufen und Löcher im Rasen. Es ist nicht leicht, eine Rasenfläche gesund, grün und dicht zu halten. Maulwürfe sorgen für deutlich mehr Arbeit, da sie durch ihr Graben Hügel und Tunnel verursachen, die vielen Rasenbesitzern ein Dorn im Auge sind. Die Löcher müssen nämlich geschlossen und anschließend neue Rasensamen gesät werden, damit im Folgejahr wieder ein dichter Rasen entsteht. Und nein, bei mehreren Hügeln handelt es sich in den meisten Fällen nicht um mehrere Maulwürfe, denn jeder Erdhaufen nimmt eine andere Funktion ein:

  • Schlafkammern
  • Vorratskammern
  • Nestkammern

Selbst die Maulwurfsgänge benötigen zwischendurch einen Erdhügel, damit das Tier Luft schnappen oder möglichen Fressfeinden entfliehen kann. Diese sind jedoch seltener in Gärten anzutreffen. Das gut verzweigte System ist der Grund, warum die grabfreudigen Tiere so viele Hügel anlegen und an diesen so schnell zu erkennen sind. Sie sind Einzelgänger, die ihr Revier gegen andere Maulwürfe intensiv verteidigen. Die einzigen anderen Maulwürfe im Gebiet sind die Jungtiere. Somit haben Sie es immer nur mit einem Maulwurf zu tun.

Maulwufshügel im Rasen

Schädling oder Nützling?

Die grabenden Lebensweise macht Talpa europaea nicht zu einem Schädling. Er kann dagegen mit diesen beiden Begriffen gut beschrieben werden:

  • Nützling
  • Lästlinge

Wenn Sie nicht wissen was Lästlinge sind: Bei diesen Tieren handelt es sich um Organismen, die keinen Schaden anrichten, aber vom Menschen als störend empfunden werden. Das trifft genau auf den Maulwurf zu, da dieser nützlich im Garten ist, aber aus der Sicht des Gärtners gerne wieder verschwinden sollte. Gerade das Abtragen der Erdhügel ist für viele Gärtner ein Graus, da die tüchtigen Tiere den ganzen Tag über an ihrem Bau arbeiten. Jedoch handelt es sich dabei um rein kosmetische „Probleme“, denn die Erde für den Rasen oder in den Gärten wird dadurch weder verunreinigt, verdichtet oder anderweitig negativ beeinflusst.

Tipp: Natürlich ist es nicht ideal, wenn Sie als Hunde- oder Katzenbesitzer einen Maulwurf im Garten haben, da es sich bei diesen um potentielle Fressfeinde der Talpidae handelt, was das Zusammenleben deutlich erschwert. Zudem können Ihre Haustiere in den Gängen feststecken und da diese bis zu 150 Zentimeter tief in die Erde reichen, ist es dann schwer, Bello wieder zu befreien.

Nützling und Zeigertier

Sie sollten sich glücklich schätzen, wenn Sie einen Waulwurf in Ihrem Garten erkennen. Dies zeigt nämlich, dass Ihre Grünoase ein gesundes Ökosystem darstellt, was sich zum Beispiel positiv auf die Qualität Ihrer Ernte und die Vitalität Ihres Rasens auswirkt. Genau das ist es, was Maulwürfe anzieht, denn sie lassen sich nur in gut gepflegten Grundstücken nieder, die eine ausreichende Menge an Nahrung bereitstellen. Und hier kommt es zum großen Missverständnis. Selbst wenn Maulwürfe in der Erde graben und Hügel anlegen, interessieren sie sich nicht für die Gartenpflanzen. Denn Sie sind keine Pflanzenfresser. Ihre Nahrung stellt sich wie folgt zusammen:

  • Regenwürmer
  • Raupen
  • Larven von Schnaken
  • Schnecken

All diese Lebewesen sind ein Anzeichen für Gärten, die über ein gesundes Ökosystem verfügen und in denen es im Boden von Mikroorganismen nur so wimmelt. Dabei ist es egal, ob Sie saftige Karotten anbauen oder wunderschön gepflegte Rosen haben, die Tiere sind in keiner Weise an diesen interessiert. Sie müssen sich zudem keine Sorgen machen, dass Maulwürfe alle Regenwürmer im Boden verzehren. Dafür gibt es zwei Gründe:

  • Regenwürmer breiten sich rasant aus
  • Maulwürfe essen nur einen Teil der Brut, was für stabile Bestände sorgt

Maulwurf, Talpa europeae

Im Allgemeinen benötigt ein Maulwurf pro Tag etwa 100 Gramm Nahrung und kommt somit auf 36 bis 40 Kilogramm Ungeziefer im Jahr. Bedenken Sie: Von dieser Menge sind ein Großteil Schädlinge, die Ihren Pflanzen stark zusetzen. Selbst wenn Sie mit einer Wühlmausplage zu tun haben, sind Maulwürfe hilfreich, da die jungen Wühlmäuse ebenfalls auf dem Speiseplan der grabenden Säugetiere stehen. Wie Sie vielleicht wissen oder am eigenen Leib erfahren haben, fressen Wühlmäuse gerne Gemüsepflanzen und die Wurzeln von Blumen und Bäumen an, darunter:

  • Sellerie
  • Möhren
  • Zwiebeln
  • Rosen
  • Erdbeeren

Maulwürfe sind eine natürliche Alternative zu den häufig brutalen Vorgehensweisen, sich den Mäusen zu entledigen.

Funktionen

Neben der Funktion als Insektenfresser und Schädlingsvertilger bieten sich Maulwürfe für weitere Funktionen an. Sie sind äußerst nützlich und überhaupt nicht schädlich, was sie ideal für den Gärtner macht, der vitale und gesunde Pflanzen wünscht. Neben der Funktion als Schädlingsvertilger nehmen die Maulwürfe noch andere Funktionen ein, die Sie sich zu Nutze machen können:

Feine Erde

Ein großer Vorteil am Graben der Maulwürfe ist die lockere Erde. Die Maulwurfshügel werden von den Tieren stundenlang über die Grabschaufeln an ihren Pfoten fein durchgesiebt und an die Oberfläche gebracht. Diese Erde sollten Sie nicht entsorgen, sondern für Kübel- und Gartenpflanzen verwenden. Sie wirkt ideal als Substrat und kann sogar mit Kompost gemischt werden, um die Eigenschaften noch einmal zu verbessern. Falls Sie die Erde auf diese Weise nicht benötigen, können Sie diese auch auf dem Boden verteilen, um die allgemeine Bodenbeschaffenheit zu verbessern.

Bodenbearbeitung

Während der Grabarbeiten sorgen die Talpidae für eine starke Auflockerung der Gartenerde und schützen Pflanzen vor verdichtetem Substrat. Wenn Sie einen Maulwurf seine Arbeit verrichten lassen, können Sie sich folgende Gartenarbeiten fast komplett sparen:

  • vertikutieren
  • aerifizieren
  • harken
  • umgraben

Gerade wenn Ihre Böden sehr schwer sind, wollen Sie Maulwürfe unbedingt im Garten haben. Selbst schwere Lehmböden machen ihnen nichts aus, da sie den gesamten Tag problemlos mit ihren Pfoten graben. Das Beste: Maulwürfe wiederholen Ihre Grabarbeiten jedes Jahr aufs Neue und somit müssen sie sich kaum mehr selbst um Ihre Böden kümmern. Natürlich ist diese Vorgehensweise für Naturgärten am besten geeignet.

Sie sehen, Maulwürfe können sich aufgrund ihrer natürlichen Lebensweise effektiv in Ihre Grünoase integrieren, ohne als Lästling angesehen zu werden. Gerade wenn Sie natürliche Gartenprojekte im Fokus haben, ist das Tier ein gern gesehener Gast.

Tipp: Besonders scharf sind die Tiere auf Engerlinge, den Larven von Arten wie Mai- oder Junikäfern, die in großer Zahl den Gartenpflanzen schaden können. Mit ihrem Appetit dämmen Maulwürfe die Ausbreitung der Larven deutlich ein, ohne Ihren Pflanzen zu schaden, wodurch Sie selbst nicht auf Nematoden oder andere Bekämpfungsmöglichkeiten setzen müssen.

Maulwurfshügel im Garten

Artenschutz

Fallen Maulwürfe unter den Artenschutz?

Da Sie jetzt wissen, dass es sich bei Maulwürfen um Nützlinge handelt, die sich effektiv auf die Qualität Ihres Gartens auswirken können und Rasenbesitzern vor allem aufgrund von etwas mehr Arbeit lästig sind, muss noch die Frage des Artenschutzes geklärt werden. Falls Sie zum Beispiel aufgrund eines Haustiers oder der reinen Anwesenheit des Insektenfressers diesen wieder vertreiben wollen, müssen Sie die gesetzlichen Auflagen beachten. Maulwürfe werden im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) als „besonders geschützt“ gelistet. Das heißt, Sie dürfen die Tiere weder fangen, noch verletzen oder töten, sonst kann es zu den folgenden Konsequenzen kommen:

  • Strafverfahren wird eingeleitet
  • Geldstrafe von 5.000 bis 50.000 Euro (abhängig vom Bundesland)
  • Freiheitsstrafe

Das gilt ebenfalls für die Jungen der Maulwürfe. Falls Maulwürfe gefangen und verkauft werden, fallen die Strafen meist noch höher aus, da dies als Tierhandel geahndet wird.

Maulwürfe vertreiben

Selbst wenn Sie die Tiere nicht einfangen dürfen, dürfen Sie diese vertreiben. Der Maulwurfbau gehört nämlich nicht mit in das Gesetz und bietet sich an, die Tiere zu vertreiben, falls Sie wirklich nicht mit diesen Leben können. Jedoch dürfen Sie das nur, wenn Sie sich nicht schädlich gegenüber den Maulwürfen verhalten. Nützlich gegen die Tiere sind die folgenden Vorgehensweisen:

  • Jauche aus Holunderblättern herstellen
  • anschließend in Maulwurfgänge gießen
  • intensiver Geruch der Jauche hält die Tiere fern
  • unbedingt verdünnt anwenden, sonst könnte Boden darunter leiden
  • alternativ Öffnungen der Maulwurfshügel mit Zweigen stopfen
  • Lebensbäumen oder Nussbäume
  • enthaltene Öle und Inhaltsstoffe können Maulwürfe überhaupt nicht ausstehen
  • unangenehm für die menschliche Nase ist Einsatz von Heringsköpfen
  • diese einfach in die Gänge legen
  • Eingänge jedoch nicht mit Heringsköpfen verstopfen
  • Maulwürfe können diese nur schwer selbst wegschieben
  • Heringsköpfe nicht empfehlenswert, wenn Sie viele Katzen oder Hunde in der Nähe haben
  • ebenfalls problematisch bei Wildtieren wie Füchsen in der Gegend

All diese Mittel haben den Vorteil, dass sie den gut ausgeprägten Geruchssinn des Maulwurfs angreifen. Wird das Tier auf die Mittel aufmerksam, passiert im Idealfall folgendes:

  • Maulwurf hält sich vom Bau fern
  • aufgrund der Intensität des Geruchs verlässt er Ihr Grundstück
  • sucht sich neues Zuhause in der Nähe

Maulwurf, Talpa europeae

Keine Sorge, Maulwürfe finden schnell einen neuen Platz, für den Nestbau. Überlegen Sie aber gut, bevor Sie einen Maulwurf vertreiben, denn die Zeigertiere halten die natürliche Balance in Ihrem Garten aufrecht. Werden Talpidae vertrieben, vermehren sich zahlreiche Schädlinge äußerst schnell weiter. Diese stürzen sich dann regelrecht auf Ihre Gewächse und innerhalb kurzer Zeit kommt es zu intensivem Schädlingsbefall. Daher sollten Sie den Nachbarn in Ihrem Garten eine Chance geben.

Tipp: Viele Eltern nutzen Maulwürfe im Garten, um Kindern etwas über Naturschutz und die verschiedenen Nützlinge und Schädlinge beizubringen. Die Hügel und Gänge wirken wunderbar als visuelles Lernmaterial.