Trend Microgreens: Superfood ohne Erde anbauen: so geht’s

Früher war die selbst gezüchtete Kresse von der eigenen Fensterbank eine willkommene Bereicherung für Brote, Salate und Suppen. Heute spricht man dagegen vom Trend der Microgreens, meint aber letztlich nichts Anderes. Zahlreiche Gemüse- und Kräuterpflanzen bieten durch die Ernte kurz nach der Keimung eine hohe Ergiebigkeit und – viel wichtiger – einen extrem hohen Vitamin- und Nährstoffgehalt. Wir verraten Ihnen, wie Sie Ihr Superfood selbst und dann auch noch ganz ohne Erde anbauen.

Microgreens

Kleine Gemüse, junge Pflanzen oder gar Superfood – Microgreens werden mit vielerlei Beschreibungen versehen. Insgesamt handelt es sich dabei um „normale“ Kräuter oder Gemüsepflanzen, die bereits kurz nach dem Austreiben geerntet werden. Womit man dieses Trend-Food dagegen nicht verwechseln sollte, sind Sprossen. Entgegen den Sprossen dürfen Microgreens nämlich erste Blätter und Triebe entwickeln. In der Folge werden die Nährstoffe aus dem Samenkorn zwar durch das einsetzende Wachstum angegriffen. Allerdings wird das Angebot der jungen Gewächse durch die einsetzende Photosynthese und Verstoffwechselung um andere wertvolle Inhalte ergänzt. Immer wieder anzutreffende Beispiele für gerne genommene Pflanzenarten sind:

  • Amaranth
  • Basilikum
  • Blumenkohl
  • Bohnen
  • Brokkoli
  • Brunnenkresse
  • Buchweizen
  • Dill
  • Erbsen
  • Fenchel
  • Koriander
  • Kresse
  • Minze
  • Pak Choi
  • Radieschen
  • Rauke
  • Rote Beete
  • Rotkohl
  • Schnittsalate
  • Senf
  • Weizengras
Lepidium sativum, Gartenkresse, Kresse
Lepidium sativum, Gartenkresse, Kresse

Vorraussetzungen

Unerlässlich ist dieses Wissen über das Was und Warum dann, wenn es um den richtigen Anbau der trendigen Microgreens geht. Obwohl es sich um „vollwertige“ Pflanzen handelt, eignen sie sich durch folgende Eigenschaften sehr gut für den Anbau ohne Erde:

  • Nährstoffreserven im Samenkorn vorhanden, kein Angebot aus dem Wachstumssubstrat nötig
  • Externe Feuchtigkeitszufuhr erforderlich, somit Wachstumsmedium vor allem als Wasserspeicher
  • Durch einsetzendes Größenwachstum Bedarf von Haltemöglichkeiten für die Wurzeln
  • Hoher Wärmebedarf für Keimung und erstes Austreiben

Betrachtet man diese Anforderungen genauer, kommt man zu dem Ergebnis, dass es ganz ohne ein Wachstumssubstrat zwar nicht gehen wird, dass der Anbau aber durchaus ohne Erde gelingen kann. Wichtig ist dabei vor allem die Suche nach einem geeigneten Ersatzmedium, auf bzw. in dem die einzelnen Samenkörner und Jungpflanzen optimale Bedingungen vorfinden. In erster Linie sollten in Frage kommende Medien folgende Voraussetzungen bieten:

  • Wasserspeicherfähigkeit
  • Wasserdurchlässigkeit zur Vermeidung von Staunässe
  • Faseriger oder poröser Aufbau für Halt der Wurzeln

Aus dieser überschaubaren, aber unerlässlichen Liste der Anforderungen heraus ergibt sich eine ganze Fülle möglicher Pflanzsubstrate, die sich für den Anbau der Microgreens als selbst gezogenes Superfood eignen:

  • Kokosfaser
  • Tongranulat, z.B. Perlit
  • Mineralisches Nährsubstrat, z.B. Vermiculit
  • Sägespäne
  • Watte
  • Küchenpapier (nur bei schnell wachsenden Sorten, z.B. Kresse)

Microgreens selber anbauen

Sind wir uns der Grundprinzipien der Microgreens, sowie möglicher Substrate für den Anbau im Klaren, geht es an die konkrete Umsetzung. Damit der Anbau problemlos und sicher gelingt, braucht es nur wenige Hilfsmittel:

  • Pflanzschale, z.B. flacher Untersetzer, breiter Blumentopf oder Ähnliches
  • Pflanzsubstrat wie beschrieben
  • Samen der ausgewählten Pflanzenarten
  • Sprühflasche oder kleine Gießkanne mit sehr feinem Gieß-Sieb
  • Schere (für die Ernte)

Liegen alle Dinge bereit, sind nur wenige Handgriffe notwendig, bis die Reise vom Samenkorn zum verzehrfähigen Microgreen beginnen kann:

Brokkolisprossen als Microgreens

1. Standort wählen

Zur Keimung benötigt der Samen vor allem Wärme und Feuchtigkeit. Sind die Sprösslinge erst einmal im Wachstum, kommt dazu Licht als Grundlage der Photosynthese. Gut geeignete Standorte sind daher beispielsweise:

  • Fensterbank über Heizkörper
  • Bodenbereiche hinter Fenstertüren (v.a. bei Fußbodenheizung)
  • Im Sommer: süd-orientierte Standorte in Fensternähe, dann auch ohne Heizung

Die Platzierung am Fenster bringt den zusätzlichen Vorteil, dass die Pflanzschalen immer wieder ins Auge stechen und so die Kontrolle der optimalen Feuchtigkeit nicht vergessen wird.

Hinweis: Eigentlich wäre es möglich, sich zunächst auf einen warmen Standort zu konzentrieren und erst nach der Keimung auch die Helligkeit zu berücksichtigen. Der Einfachheit halber suchen wir uns aber gleich von vorn herein einen Standort, der beides berücksichtigt. So kann das Umstellen der Pflanzschale entfallen und der Fokus der Pflege alleinig bei der richtigen Feuchtigkeit verbleiben.

2. Aussaat

Ist der Standort festgelegt, kann die Pflanzschale platziert werden. Optimal sind breite, flache Behältnisse, die eine möglichst große Anbaufläche bieten. Eine hohe Substratdicke ist auf Grund der sehr frühen Ernte nicht erforderlich, da die Wurzeln in der kurzen Wachstumszeit nur wenig von der Oberfläche in die Tiefe des Substrats vordringen. Auch Wasserablauflöcher und ein Untersetzer erübrigen sich, da das Gießen bzw. Feuchthalten in kurzen Intervallen mit geringer Wassergabe erfolgen sollte.

  • Substrat flächig in der Pflanzschale ausbringen und leicht andrücken
  • Gepresste Substrate, wie z.B. Kokosfasern, vorab auflockern und zerkrümeln
  • Sehr dünne Unterlagen wie Küchenpapier zwei- bis dreilagig vorsehen
  • Substrat durchfeuchten
  • Samen gleichmäßig flächig auf Substrat ausstreuen und leicht andrücken
  • Saat leicht übergießen bzw. besprühen

Kresse auf feuchtem Küchenpapier verteilen

Hinweis: Es reicht völlig aus, die Samen auf die Substrate auszulegen. Ein Eindrücken bzw. Überstreuen mit Substrat ist nicht erforderlich. So erhalten die Samen von Anfang an ausreichend Luft und Wärme, während die Wurzeln nach der Keimung ohnehin ihren Weg in das Substrat finden.

3. Pflege

Ist die Saat erst einmal ausgebracht, beschränkt sich die Pflege der Microgreens im Wesentlichen auf das beständige Feuchthalten der Samen und Pflanzen:

  • Substrat regelmäßig von oben übergießen
  • Staunässe vermeiden (wg. Schimmel und Wegschwimmen der Samen)
  • Optimal: besprühen mit feinem Wassernebel
  • Austrocknen der Saat vermeiden

Sonstige Pflegemaßnahmen erübrigen sich in aller Regel durch die sehr kurze Wachstumszeit bis zur Ernte. Vor allem die Suche nach bzw. den Schutz vor Krankheiten können Sie normalerweise getrost aus Ihrem Pflegerepertoire für die Microgreens streichen. Auch hier fehlt schlicht die Zeit, die Erreger oder auch Parasiten benötigen, um sich auf den Pflanzen auszubreiten.

Hinweis: Die tatsächliche Wachstumszeit der Keimlinge kann auf Grund von Trockenheit und Alter der Samen, von Temperatur und Feuchtigkeit, sowie von der gewählten Sorte deutlich variieren. Die Wartezeit von der Saat bis zur Ernte kann von zwei bis drei Tagen (Kresse) bis hin zu eineinhalb bis zwei Wochen (Rote Beete) betragen. Allgemein kann man sagen, dass alle Pflanzen, die bei „normaler“ Aufzucht besonders lange brauchen, auch als Microgreen zu den langsameren Kandidaten zählen.

4. Ernte

Zuletzt steht die Ernte der nun „ausgewachsenen“ Microgreens an. Da es sich per Definition um nicht vollständig ausgereifte Gewächse handelt, ist es natürlich schwierig, den richtigen Erntezeitpunkt zu finden. Hierzu sei gesagt, dass das Hauptproblem in einer zu späten Ernte liegt. Denn zu früh würde schlicht bedeuten, die Samen selbst zu „ernten“. Bereits mit Ausbildung der Keimblätter sind die Pflanzen im Sinne einer gesunden und nahrhaften Ernährung vollwertig nutzbar und somit auch zu ernten.

Erfolgt die Ernte dagegen zu spät, sind die Nährstoffe aus dem Samenkorn bereits aufgebraucht und die Pflanze beginnt, unter dem Mangel zu leiden. Ein guter Erntezeitpunkt ist daher erreicht, wenn die Pflanzen das erste Blattpaar nach den Keimblättern ausgebildet haben. Dann verfügt die Pflanze noch über eine vollständige Versorgung, aber auch schon über ausreichend Grünmasse für eine gute Nutzbarkeit als Nahrungsmittel. Die eigentliche Ernte erfolgt dann ganz simpel mit der Schere. Knapp über dem Substrat abgeschnitten, werden die Jungpflanzen am besten direkt frisch verzehrt.

Erbsen- und Rotkohlsprossen