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Neue Insekten in Deutschland: Stand 2020

Neue Insekten in Deutschland: Stand 2020 - Titelbild

Neue Insekten in Deutschland gehören zu den spannendsten Entdeckungen der heimischen Tierwelt. Im Jahr 2020 wurde die Liste um einige Arten erweitert, die Ihnen in diesem Artikel vorgestellt werden.

Auf den Punkt gebracht

  • neue Insektenarten in Deutschland werden nur selten gefunden
  • sind häufig schwer erreichbar
  • werden oft mit bekannten Arten verwechselt
  • invasive Insektenarten sind ebenfalls dazugekommen

6 neue Insektenarten

In Deutschland werden regelmäßig neue Insektenarten gefunden, die bis zur Entdeckung entweder nicht aufgefallen sind oder mit bereits erforschten Taxa verwechselt wurden. Aus diesen Gründen werden nur wenige Arten als sicher entdeckt eingestuft. Weiterhin siedeln sich häufig fremde Insektenarten (Neozoen) an, die aus anderen Ländern bekannt sind und die Artenvielfalt erweitern. Die folgenden sechs Taxa wurden in Deutschland neu entdeckt (Stand 2020).

Asiatische Hornisse (Vespa velutina var nigrithorax)

  • Verbreitungsgebiet in Deutschland: Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz
  • Lebensraum: bevorzugt hohe Bäume (min. 10 m), seltener sind Sträucher und Gebäude
  • Völkergröße: 4.000 bis 10.000 Tiere, 1 Königin
  • Nest ab November komplett verlassen, Königinnen überwintern
  • Körpergröße: 25 bis 32 mm (Königinnen), 17 bis 25 mm (Arbeiterinnen), 20 bis 28 mm (Männchen)
  • Färbung: schwarzer Körper, Gesicht, Beine und Endbinden gelb bis rotbraun
  • Behaarung: braun bis schwarz
  • Nahrung: Aas, andere Insekten (vor allem Bienen), Baumsäfte, Nektar, Obst
  • nicht zu verwechseln mit der Asiatischen Riesenhornisse (Vespa mandarinia)
Asiatische Hornisse (Vespa velutina var nigrithorax)
Quelle: nature.catcher, Asian predatory wasp (Vespa velutina var. nigrithorax), bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 4.0

Hinweis: Die Asiatische Hornisse ist im Vergleich zu den heimischen Wespenarten nicht aggressiver. Ihr Verhalten ist mit dem der Hornisse (Vespa crabro) gleichzusetzen.

Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus)

  • Verbreitungsgebiet in Deutschland: Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Ansiedlung in weiteren Bundesländern möglich
  • Lebensraum: urbane und industrielle Gebiete, Waldränder, Wiesen, Felder, sehr anpassungsfähig
  • Größe: 9 bis 10 mm
  • Färbung: schwarz-weiß gestreift, Flügel transparent und nicht gemustert
  • Nahrung: Blut von Menschen, anderen Säugetieren, Reptilien, Amphibien und Vögeln (Weibchen), Pflanzensäfte und Nektar (Männchen)
  • Aktivität: tagaktiv, bevorzugt Dämmerung
  • übertragbare Viren: West-Nil-Virus, Gelbfiebervirus, St.-Louis-Enzephalitis-Virus, Dengue-Viren, Chikungunya-Virus, Zika-Virus
  • besonders aggressive Stechmücke
Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus)

Hinweis: Der Tigermoskito gehört aufgrund seiner Aggressivität und der zahlreichen, übertragbaren Krankheitserreger zu den gefährlichsten Stechmückenarten überhaupt. Vor allem das Denguefieber ist für bereits geschwächte Menschen problematisch.

Geisterfischchen (Ctenolepisma calva)

  • Verbreitungsgebiet in Deutschland: Chemnitz (Museum für Naturkunde), Berlin, München, Frankfurt am Main
  • Größe: 8 mm
  • Färbung: weißgelb, fast durchsichtig, Körperende hellbraun, Augen schwarz
  • Körperform: keilförmig, zwei lange Fühler, drei Schwanzanhänge, mit Borsten versehen
  • Nahrung: wahrscheinlich Stärke-, Protein- und Zuckerquellen wie Aas oder Papierreste
  • gelten als Museumsschädlinge
  • leicht mit dem Silberfischchen (Lepisma saccharina) verwechselbar
neue Insekten: Geisterfischchen (Ctenolepisma calva)
Quelle: Bushnest, Ctenolepisma-calva-01, bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 4.0

Japanischer Buschmoskito (Aedes japonicus)

  • ebenfalls als Asiatische Buschmücke bekannt
  • Verbreitungsgebiet in Deutschland: hauptsächlich Südwest- und Westdeutschland
  • Lebensraum: urbane und industrielle Gebiete, Waldränder, Wiesen, Felder, sehr anpassungsfähig
  • Größe: 9 bis 10 mm
  • Färbung: schwarz-weiß gestreift, Flügel transparent und nicht gemustert
  • Nahrung: Blut von Säugetieren und Vögeln (Weibchen), Pflanzensäfte und Nektar (Männchen)
  • Aktivität: tag- und nachtaktiv
  • übertragbare Viren: West-Nil-Virus, Japan-Enzephalitis-Viren
Japanischer Buschmoskito (Aedes japonicus)
Quelle: James Gathany, CDC, CDC 7887 Ochlerotatus japonicus, bearbeitet von Plantopedia, CC0 1.0

Koreanische Buschmücke (Aedes koreicus)

  • Verbreitungsgebiet in Deutschland: Bayern, Hessen, Ansiedlung in weiteren Bundesländern möglich
  • Lebensraum: urbane Gebiete, Wälder, Gärten, Stadtparks
  • Größe: 8 bis 12 mm
  • Färbung: ähneln stark dem Japanischen Buschmoskito, unterscheidet sich durch helle Basalbande an den Hinterfüßen
  • Nahrung: Blut von Säugetieren und Vögeln (Weibchen), Pflanzensäfte und Nektar (Männchen)
  • Aktivität: tagaktiv
  • übertragbare Viren: Chikungunya-Virus, Japan-B-Enzephalitis-Virus
neue Insekten: Koreanische Buschmücke (Aedes koreicus)
Quelle: Syrio, Aedes koreicus 1, bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 4.0

Stenichnus subseriatus

  • Verbreitungsgebiet in Deutschland: Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Schleswig-Holstein, Thüringen
  • Größe: etwa 1,5 mm
  • Färbung: hellbraun
  • behaarte Deckflügel
  • bisher nur wenig erforscht
Stenichnus Collaris
Ähnliches Familienmitglied „Stenichnus Collaris“; Quelle: URSchmidt, Stenichnus collaris (Mueller & Kunze, 1822), bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 4.0

Häufig gestellte Fragen

Wie viele unentdeckte Insektenarten werden in Deutschland vermutet?

Forscher gehen davon aus, dass es in Deutschland um die 50.000 Insektenarten gibt, von denen etwa zehn Prozent noch unentdeckt sind. Es handelt sich demnach um etwa 5.000 Taxa, die noch entdeckt, beschrieben und benannt werden müssen, um einen kompletten Überblick über die heimische Artenvielfalt zu erhalten.

Wie siedeln sich Neozoen an?

Neozoen gelangen über eine Vielzahl verschiedenster Wege nach Deutschland. Am häufigsten werden sie durch Produkte aus dem Ausland wie Holz oder Nahrungsmittel und Touristen eingeschleppt. Weiterhin spielt das Klima eine große Rolle. Tropeninsekten zum Beispiel können sich durch den Klimawandel leichter in Mitteleuropa etablieren.

Sind eingewanderte Insekten problematisch?

Ja. Neozoen konkurrieren mit den heimischen Arten um Nahrungsquellen und Lebensräume. Da die eingewanderten Arten besser an die Lebensbedingungen im neuen Gebiet angepasst sein können, zum Beispiel durch eine natürliche Krankheitsresistenz, verdrängen sie heimische Insekten. Sie können sich ebenfalls negativ auf die Wirtschaft und den Menschen auswirken.

Michelle ist mit vielen Haus- und Hoftieren auf dem Bauerngut ihrer Eltern aufgewachsen. Nebenbei kümmert sich die Vegetarierin hingebungsvoll um ihre Kräuter- und Gemüsebeete. Sie notiert ihr erworbenes Wissen und teilt es gerne mit den Plantopedia-Lesern und Leserinnen.

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