Ohrenkneifer-Plage in der Wohnung: was tun? | Ohrenkriecher

Ohrenkneifer, Dermaptera

Ohrenkneifer in der Wohnung sind für viele Menschen eine wahre Horror-Vorstellung. Für Panik geben die Tiere jedoch keinen Anlass. Sie sind für den Menschen absolut ungefährlich und treten auch nur in den seltensten Fällen in Massen auf. Was bleibt ist jedoch der Ekelfaktor. Um Ohrenkriecher oder Ohrwürmer, wie sie auch genannt werden, loswerden zu können, reichen ein paar grundlegende Maßnahmen vollkommen aus. Dabei geht es ums Vertreiben, nicht ums Töten.

Ohrenkneifer in der Wohnung

Ohrenkneifer, deren lateinische Bezeichnung Dermaptera lautet, sind eine bereits vor 150 Millionen Jahren im Jura erstmals aufgetretene Insektenart. Sie gehören zur Ordnung der Fluginsekten und haben folglich Flügel, die sie allerdings nur sehr selten oder überhaupt nicht einsetzen. Manche Exemplare sind trotz vorhandener Flügel sogar vollkommen flugunfähig. Die in Mitteleuropa heimischen Arten erreichen meist ein Körperlänge von zehn bis 20 Millimetern. Am häufigsten ist bei uns Forficula auricularia, der gemeine Ohrwurm, anzutreffen. Die nachtaktiven Tiere lieben eine eher feuchte und kühle Umgebung. Ein Haus bzw. eine Wohnung gehören deshalb auch nicht zu ihren bevorzugten Aufenthaltsorten. Im Normalfall sind sie dort eher selten anzutreffen. Da diese Tiere noch dazu verhältnismäßig wenige Eier legen, ist eine Invasion oder gar eine Plage in Innenräumen sehr unwahrscheinlich. Das gilt erst recht, weil sie dort nicht unbedingt die Nahrung finden, die sich bevorzugen – bestimmte Pflanzenteile etwa oder andere Insekten wie beispielsweise Blattläuse.

Ohrenkneifer, Dermaptera

Hinweis: Im Freien dürfen Ohrwürmer nicht gejagt oder getötet werden, da sie unter Naturschütz stehen. Die Tiere fressen Schädlinge und gelten deshalb explizit als wertvolle Nützlinge.

Vorbeugung

Ohrenkneifer gelangen in den meisten Fällen eher zufällig ins Haus. Wer dem Besuch der Tiere vorbeugen will, kann sich mit ein paar kleinen Maßnahmen ganz gut absichern. So sollten etwa kleine Spalten und Risse insbesondere im Bereich der Fenster unbedingt geschlossen bzw. abgedichtet werden. Durch diese oftmals nur minimalen Öffnungen finden die ungebetenen Gäste nämlich einen Zugang. Darüber hinaus muss Wäsche, die im Freien getrocknet wurde, gründlich ausgeschüttelt werden, bevor man sie ins Haus holt. Die Ohrenkriecher verstecken sich darin immer wieder einmal und werden dann unbeabsichtigt eingeschmuggelt. Ganz ähnlich verhält es sich mit Pflanzen, die den Sommer über im Garten standen. Holt man sie im Herbst wieder ins Haus, ist eine genaue Kontrolle sowohl des Blattwerks als auch der Pflanzerde unerlässlich.

Plage

Wie bereits erwähnt, ist eine regelrechte Ohrwurm-Invasion äußerst unwahrscheinlich, da die Lebensbedingungen für die Tiere im Inneren meistens nicht passen. Man wird es also vor allem mit vereinzelten Exemplaren zu tun haben, von denen noch dazu keine Gefahr für Mensch und Haustier ausgeht. Dennoch empfinden viele diese sehr archaisch wirkenden Tiere also Bedrohung. Um sie wieder loswerden zu können, sind diverse Maßnahmen möglich. Die einfachste und brutalste ist dabei sicherlich, sie einfach zu töten, indem man sie erschlägt. Auch wenn das in Innenräumen grundsätzlich erlaubt ist, sollte man es dennoch nicht tun. Sinnvoller ist es da allemal, sie mit einem Glas und einem Stück Papier zu fangen, um sie nach draußen befördern zu können. Sie lassen sich allerdings auch relativ leicht dazu bewegen, die Wohnung alleine wieder zu verlassen. Dazu verschlechtert man einfach die Lebensbedingungen für sie noch mehr. Folgende Maßnahmen empfehlen sich:

  • Heiztemperatur deutlich erhöhen
  • auf das Lüften weitgehend verzichten
  • Zimmerpflanzen in einen anderen Raum verbringen
  • Boden gründlich von Schmutz und eventuellen Pflanzenresten befreien
  • mögliche Verstecke beseitigen
  • schon bei hereinbrechender Dämmerung das Licht einschalten

Alle diese Maßnahmen verleiden den Ohrenkneifern den Aufenthalt in den Räumlichkeiten und führen normalerweise innerhalb weniger Tage dazu, dass sie das Weite suchen.

Tipp: Vor allem die Kombination aus einer hohen Raumtemperatur und viel Licht vertreibt die Tiere relativ zuverlässig.

Tontopf-Falle

Eine hundertprozentige Erfolgsquote stellen die oben beschriebenen Maßnahmen allerdings nicht dar. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte deshalb mit Fallen arbeiten, in denen die Ohrenkneifer lebendig gefangen und dann ins Freie verbracht werden können. Bewährt hat sich dabei die Tontopf-Falle. So baut man sie:

  • handelsüblichen Pflanztopf beliebiger Größe aus Ton verwenden
  • Topf mit Holzwolle, Stroh, einer alten Zeitung und mit etwas Erde füllen
  • Abflussloch dabei frei lassen
  • ihn umgekehrt auf eine Unterlage stellen
  • die Nacht über in dem Raum mit Ohrenkneifern platzieren

Die Bedingungen, die der befüllte Topf den Tieren bietet, wirken ungemein anziehend auf sie. Am nächsten Morgen trägt man dann den kompletten Topf samt Unterlage ins Freie und entlädt ihn dort.

Ohrenkneifer umsiedeln

Stoff-Falle

Ohrenkneifer lieben Feuchtigkeit. Deshalb üben auch feuchte bzw. nasse Stoffstücke eine ungemein große Anziehung auf sie aus. Mit Stoffresten, die einfach nur nass gemacht werden, lassen sich deshalb auch sehr wirkungsvolle Fallen bauen. Die Tiere werden sich nachts mit sehr großer Wahrscheinlichkeit darin verkriechen und können dann ebenfalls am anderen Tag in den Garten gebracht werden. Wichtig ist, dass der Stoff verknüllt wird und so die Möglichkeiten gegeben ist, dass sich die Ohrwürmer darin verkriechen können. Außerdem sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass der übrige Raum trocken und nach Möglichkeit gut geheizt ist. Der nasse Stoff wirkt dann geradezu wie ein Feuchtbiotop auf die Ohrenkriecher.