Ohrwürmer - Titel

Eine Legende besagt, dass der Ohrenkriecher nachts in die Ohren der Menschen kriecht, das Trommelfell zerbeißt, um dort seine Eier zu legen. Stimmt das wirklich? Eine Antwort bekommen Sie hier.

Auf den Punkt gebracht

  • Ohrenhöhler sind nachtaktiv
  • sie lieben Wärme und Feuchtigkeit
  • Ohrwürmer sind Allesfresser
  • Ohrenschliefer sind aber nicht gefährlich

Vorkommen des Ohrenkriechers

Die doch allseits als Ohrwürmer bekannte Insekten haben viele Namen. Sie sind nacht- und dämmerungsaktiv und gehen hier auf Beutefang. Daneben haben sie eine Vorliebe für Wärme und Feuchtigkeit. Tagsüber einen Ohrenkriecher zu sehen, kommt recht selten vor. Meist wurden solche Tierchen aufgeschreckt. Ohrenkriecher sind in

Ohrwurm, Dermaptera
  • Gärten und Parkanlagen
  • an Waldränder und
  • auf Balkons und Terrassen

zuhause. Im Haus und der Wohnung sind sie kaum anzutreffen, lediglich verirrte Tiere. Tagsüber verstecken sie sich gern an dunklen Orten wie:

  • unter Blattlaub
  • unter Steinen
  • in Rindenspalten
  • in Blattscheiden von Doldenblüten oder
  • unter Blumentöpfen auf Balkon und Terrasse

Erwachsene Ohrwürmer überwintern im Boden, aber auch unter Laub- und Reisighaufen, in hohlen Pflanzenstängeln, ebenso in verlassenen Nistkästen von Vögeln.

Steckbrief des Ohrwurms

Bei dem Ohrwurm (Dermaptera) handelt es sich nicht um einen Käfer, obwohl sie mit diesen verwandt sind. Ohrwürmer bilden eine eigenständige Ordnung der Insekten (Insecta). Sie gehören zu den Fluginsekten (Pterygota). In Europa gibt es 30 verschiedene Arten. In Deutschland ist der Gemeine Ohrwurm (Forficula auricularia) am häufigsten anzutreffen. Merkmale sind:

der Gemeine Ohrwurm wird auch Ohrenkriecher genannt
Gemeiner Ohrwurm; Quelle: Katja Schulz from Washington, D. C., USA, European Earwig – Flickr – treegrow, bearbeitet von Plantopedia, CC BY 2.0
  • Länge 10 – 17 mm
  • Weibchen etwas kleiner
  • Farbe rötlich-gelblichbraun bis schwarz
  • gelbliche Beine
  • dreigliedriger Körper
  • Kopf mit scharfen Mundwerkzeugen, Augen und zwei Fühlern
  • Brustabschnitt mit Flügeln versehen
  • je nach Art entweder voll ausgeprägt oder Rückbildung bis zur Fluguntauglichkeit
  • sind lieber zu Fuß unterwegs
  • je nach Geschlecht Hinterleib unterschiedlich stark ausgeprägt
  • am Hinterleib Zangen (Cerci) vorhanden
  • bei männlichen Tieren Zangen stark gebogen
  • bei weiblichen Tieren gerade

Ohrwürmer sind Allesfresser

Bei ihrer Nahrung sind die Ohrenschlüpfer nicht wählerisch. Teilweise bedienen sie sich auch an Obst und Gemüsepflanzen, daher werden sie auch gern als Schädling abgetan. Auf ihrem Speiseplan stehen unter anderem:

  • Blattläuse und Schmetterlingsraupen
  • Eier von Apfelwicklern, Milben und Gespinstmotten
  • Mehltau- und Pilzgeflechte
  • auch tierischer Kot und Aas
  • abgestorbene Pflanzenreste
  • junge Gemüsepflanzen, Blüten und Staubblätter
  • vorgeschädigte Knospen und weiches, leicht beschädigtes Obst

Besonders in trockenen Jahren ernähren sie sich hauptsächlich von Pflanzen wie Kopfsalat, Erdbeeren oder Sellerie. So können sie ihren bestehenden Wasserbedarf abdecken.

Hinweis: Der Sandohrwurm (Labidura riparia) ist ein reiner Fleischfresser. Er ist hauptsächlich an der Ostsee sehr weit verbreitet.

Der Sandohrwurm ist ein Fleischfresser
Sandohrwurm; Quelle: WildBoar, Labidura riparia (Volga), bearbeitet von Plantopedia, CC0 1.0

Gefahr für Menschen?

Schnell werden die Ohrwürmer aufgrund ihres Aussehens als gefährlich betrachtet. Aber für Menschen kann der der kleine „Wurm“ zu keiner Zeit gefährlich werden. Seine bedrohlichen Zangen und scharfen Mundwerkzeuge setzt er lediglich bei der Jagd, zum Festhalten der Beute und zur Abwehr von Feinden ein, ebenso bei der Paarung zum Festhalten des Partners. Die Legende, dass er in Ohren kriecht und dort das Trommelfell zerbeißt, um seine Eier abzulegen ist nur eine Legende. Die Mundwerkzeuge sind dafür viel zu schwach.

Nützling oder Schädling?

Einige Hobbygärtner sehen die Ohrenschliefer als Schädlinge an, da sie sich mitunter an Nutzpflanzen bedienen. Das stimmt generell so nicht, er ist ein Nützling im Garten, denn er ist aktiv an der Zersetzung der Biomasse beteiligt und kann als zuverlässiger Schädlingsbekämpfer seinen Einsatz finden. Die Tiere vertilgen nicht nur lästige Blatt- und Blutläuse und andere Pflanzenschädlinge, sondern beseitigen auch schädliche Pilzgeflechte, Mehltau-rasen und abgestorbene Pflanzenteile. Aus diesen Gründen sollten diese Tiere nicht aus dem Garten vertrieben werden, sondern eher noch angelockt oder umgesiedelt werden. Dafür eignet sich hervorragend ein kleines „Hotel“ eigens für die Ohrwürmer. Ohne viel Aufwand kann es wie folgt, selbst gebaut werden:

  • Blumentopf aus Beton mit Stroh oder Holzwolle füllen
  • entweder ein Netz darüber ziehen und zusammenknoten oder
  • Maschendraht vor der Topföffnung befestigen
  • es darf kein Stroh herausfallen
  • zum Aufhängen vorher durch Abzugsloch eine Kordel mit Querholz ziehen
  • Topf entweder an Baum aufhängen oder in Garten stellen

Tipp: Er sollte schon im zeitigen Frühjahr in der Nähe von den Überwinterungsplätzen postiert werden. Ab Mitte Juni kann das Hotel dann an seinen Bestimmungsort.

Häufig gestellte Fragen

Warum heißen die Tiere Ohrwürmer?

Der Name stammt aus dem Mittelalter. Hier wurden die Tiere zu Pulver zerrieben und als Arznei in der Medizin bei Ohrenschmerzen und auch gegen Taubheit und Schwerhörigkeit eingesetzt. Der Name wurde bis heute überliefert.

Ist chemische Bekämpfung in der Wohnung ratsam?

Sollten einmal Ohrenhöhler in der Wohnung auftauchen, dann kann es sich dabei nur um verirrte Tiere handeln. Eine Bekämpfung ist nicht notwendig. Sie sollten eher wieder ins Freie umgesetzt werden. Dazu kann ein nasses Tuch in einer Zimmerecke hilfreich sein. Über Nacht ziehen sich die Tiere dorthin zurück und morgens können sie problemlos ins Freie umsiedeln.

Wie kann ein Eindringen ins Haus verhindert werden?

Zuerst sollten alle Fugen und Ritzen an Fenstern und Türen mit Silikon verschlossen werden. Weiterhin sollte im Freien getrocknete Wäsche gut ausgeschüttelt werden, bevor sie wieder ins Haus kommt. Ebenfalls ist es ratsam im Herbst, bevor Kübelpflanzen ins Winterquartier umziehen, diese genauestens auf das Vorhandensein der kleinen Insekten zu untersuchen.