Hilfe, mein Orangenbaum verliert Blätter: was tun?

Orangenbaum, Citrus sinensis mit Orangenfrucht

Orangen gelten in unseren Breiten seit jeher als Inbegriff von Exotik und südländischem Flair. Erst recht gilt das für die heimische Terrasse oder den Balkon. Hier sorgt der Orangenbaum für üppiges Grün und – gute Pflege vorausgesetzt – zahlreiche verzehrfähige Früchte. Doch immer wieder verliert der Orangenbaum seine Blätter. Welche Ursachen dazu führen und welche Hilfe tatsächlich wirkt, erfahren Sie hier.

Orangenbaum verliert Blätter

Die Ursachen, warum ein Orangenbaum seine Blätter verliert, können vielfältig sein. Doch erst, wenn man die Gründe kennt, kann man gezielt Lösungen definieren und der gestressten und mitunter sogar kranken Pflanze gezielt Hilfe zukommen lassen:

Orange verliert Blätter während der Überwinterung

Häufig verliert der Orangenbaum seine Blätter während der Überwinterung. Da die Pflanze für in Deutschland typische Winterverhältnisse nicht ausreichend winterhart ist, wird sie meist im Wintergarten oder einem kühleren Wohnraum durch die kalte Jahreszeit gebracht. Stimmt am Winterstandort das Verhältnis von Licht zu Temperatur nicht, gerät der Stoffwechsel der Pflanze aus dem Gleichgewicht. Um Stress zu reduzieren und „unnötigen“ Ballast, der versorgt werden will, zu beseitigen, wirft das Bäumchen innerhalb kurzer Zeit das gesamte Blattwerk ab. Bei der Ermittlung der Ursachen unterscheidet man zwischen zwei völlig entgegengesetzt gelagerten Fällen, die auch völlig unterschiedliche Formen der Hilfe erforderlich machen:

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Warmüberwinterung

Erfolgt die Überwinterung der Orangenpflanze im warmen Raum, besteht meist ein Missverhältnis zwischen Licht und Temperatur zu Ungunsten der Lichtausbeute. Die Temperaturen signalisieren eine Wachstumsperiode und regen den Stoffwechsel der Pflanze an, während das Licht zur Durchführung der Photosynthese nicht ausreicht und darüber hinaus häufig durch Isolierverglasungen etc. um die für die Pflanze wichtigen UV-Bestandteile bereinigt wird.

  • Entstehung: steigende Stoffwechselaktivität durch Temperaturen über 12 °C, jedoch Mangel an UV-Strahlung für vollständige Photosynthese
  • Auswirkungen: Pflanze atmet CO2 aus, CO2-Bindung durch Photosynthese dagegen nicht möglich, in Folge stark kräftezehrender Stoffwechsel und Abstoßung der Blätter zur Reduzierung der zu versorgenden Pflanzenteile
  • Abhilfe: Temperatur des Standorts reduzieren, alternativ Belichtung verbessern

Kaltüberwinterung

Umgekehrt ist der Fall gelagert, wenn die Orange in einem Kaltbereich überwintert. Im Spätwinter gewinnt die Sonne an Kraft und regt die Photosynthese an. Da die kalten Temperaturen noch die Winterruhe signalisieren, fehlt die Zuführung erforderlicher Nährstoffe über die sommerliche Wurzelaktivität.

  • Entstehung: zu hohe Sonneneinstrahlung im Verhältnis zur Temperatur unter 12 °C, dadurch einsetzende Photosynthese bei ausbleibender Wasser- und Nährstoffversorgung durch inaktive Wurzeln
  • Auswirkungen: Orangenbaum verliert Blätter zur Wiederherstellung des Stoffwechselgleichgewichts durch Entfernung der Photosynthese betreibenden Pflanzenteile
  • Abhilfe: Erhöhung der Temperatur, alternativ Reduzierung der Belichtung

Tipp: Da Veränderungen der Belichtung für den Laien meist nur schwer umsetzbar sind, ist es sinnvoll, Gegenmaßnahmen bei winterlichem Blattfall vor allem durch die Anpassung der Temperatur durchzuführen. Sie lässt sich ohne großen Aufwand messen und regulieren.

Staunässe und Wurzelfäule

Zwar bedürfen Orangenbäume einiger Feuchtigkeit für ein gesundes Wachstum und die Erzeugung von Früchten, auf Staunässe reagieren sie dagegen sehr empfindlich. Hier verliert der Orangenbaum die Blätter zwar nicht aktiv als Gegenmaßnahme, sie fallen jedoch als Folge eintretender Schäden ab und sind somit ein deutlich ablesbarer Indikator. Die eigentliche Ursache ist hier zwar nicht die Staunässe, sondern viel mehr die Wurzelfäule. Da diese aber in nahezu allen Fällen aus übermäßiger Nässe im Wurzelbereich entsteht, sind diese beiden Aspekte eng miteinander verknüpft und nicht als getrennte Ursachen zu bewerten.

  • Entstehung: Entstehung von Wurzelfäule durch stehende Nässe am Wurzelwerk
  • Auswirkungen: Braun- bis Schwarzfärbung von Trieben in Folge von Wurzelschäden und Mangelversorgung, frühzeitig Abfall der nicht mehr versorgten Blätter
  • Abhilfe: Staunässe durch gute Bodendurchlässigkeit und moderates Gießverhalten beseitigen, ergänzend gute Belüftung des Standorts für Abtransport übermäßiger Feuchtigkeit an der Bodenoberfläche

Orangenbaum verliert Blätter

Überdüngung

Wenn der Orangenbaum Blätter verliert geht man meist von einem Mangel aus, in dessen Folge sich die Orange von ihrem Laub trennt. Bei der Nährstoffversorgung kann aber auch Gegenteiliges der Fall sein. Der Orangenbaum benötigt Nährstoffe nur während der Wachstumsperiode und auch dann nur in einem bestimmten Maß. Wird es überschritten, wirkt sich diese Überversorgung negativ auf den Stoffwechsel aus.

  • Entstehung: Überangebot an Nährstoffen durch Überdüngung
  • Auswirkungen: Veränderter Osmotischer Druck in den Blattzellen durch gestörten Stoffwechsel, in Folge Braunfärbung, Vertrocknen und Abfall des Laubs
  • Abhilfe: kurzfristig nicht möglich! Nährstoffgaben reduzieren bzw. zeitweise einstellen und auf Neuaustrieb warten, Umtopfen mit Bodenaustausch möglich, um Nährstoffreservoirs im Topf zu beseitigen

Achtung: Man mag geneigt sein, nach einer Überdüngung durch zusätzliches Gießen die überschüssigen Nährstoffe auszuschwemmen. Durch die intensiven Wassergaben besteht aber die Gefahr von Staunässe und Wurzelfäule. Außerdem reagiert die Orange sehr träge und bedarf unmittelbar nach dem Blattabwurf auf Grund der fehlenden Grünmasse zunächst weniger Wasser, so dass die Gefahr von Staunässe zusätzlich steigt!

Pilzerkrankungen

Wie alle in feuchtwarmem Klima gedeihenden Pflanzen ist auch die Orange nicht vor Erkrankungen, darunter am häufigsten Pilzerkrankungen, gefeit. Am bekanntesten ist die Grundfäule, bei der zuallererst das untere Stammsegment betroffen ist. Andere Pilze siedeln sich zunächst an den Blättern an und finden auf diesem Weg Zugang zum Organismus des Orangenbaums. Unabhängig von der spezifischen Krankheit erfolgt durch Schädigung oder Schwächung meist eine Unterversorgung. Erstes Anzeichen ist nahezu immer ein Abwurf des Laubes, da dies die einzigen Bestandteile sind, von denen sich die Pflanze selbstständig trennen kann.

  • Entstehung: feuchtwarmes Klima, bevorzugt bei bereits geschwächter Pflanze oder Befall in unmittelbarer Umgebung (Ansteckung!)
  • Auswirkungen: je nach Krankheit Befall von Wurzeln, Stamm oder Blättern, in Folge Schwächung und Blattfall durch Mangelversorgung
  • Abhilfe: regelmäßige Kontrolle der Pflanze, bei Erkennen von spezifischen Krankheitsmerkmalen Einsatz von Fungiziden und Entfernen befallener Triebe

Parasiten

In erster Linie sind es Läuse und Milben, die dem Orangenbaum als Parasiten zu Leibe rücken. Der der Ernährung dieser Tiere dienende Pflanzensaft wird aus den Blättern gesaugt. In der Folge treten durch die erforderlichen Bisse Schädigungen auf, die letztlich zum Absterben und Abfallen des Blattes führen.

  • Entstehung: intensiver Befall von Läusen, Milben oder anderen Parasiten
  • Auswirkungen: Schädigung der Blätter, in Folge Eintrocknen und schließlich Abfall
  • Abhilfe: Bekämpfung der Parasiten mit Kaliseife oder Mineralölspritzung (Spinnmilbe), bzw. Rapsölpräparate, Schmierseifelösung etc. (Läuse)

Achtung: Parasiten greifen zwar direkt einzelne Blätter an und schädigen diese bis zum Abfall. Weit schwerwiegender ist aber häufig die durch die Bissstellen geschaffene Zugangsmöglichkeit für Krankheitserreger. Bei Parasitenbefall lohnt also immer ein aufmerksamer Blick auf mögliche Anzeichen für entstehende Krankheiten.

gelbe Läuse am Oleander

Häufige Fehler

Nachdem nun die gängigen Ursachen mit möglichen Wegen zur Abhilfe bekannt sind, lohnt noch ein kurzer Blick auf häufige Fehler. Denn nicht immer führt die ergriffene Maßnahme zur Beseitigung der Ursachen. Häufig werden Anzeichen falsch interpretiert, so dass der Orangenbaum in der Folge zusätzlich belastet wird:

Kein Rückschnitt!

Verliert der Orangenbaum Blätter, ist man schnell versucht, durch einen Rückschnitt zusätzliche Wachstumsimpulse zu setzen. Da die Orange jedoch sehr langsam wächst, wird sie durch diese Maßnahme zusätzlich belastet. Bei intensivem Rückschnitt ist es der Pflanze kaum möglich, den Schnittverlust auszugleichen, so dass die Wachstumsaktivität und die Bildung neuer Blätter nochmals verlangsamt wird.

Gießmenge nicht erhöhen!

Häufig wird Blattverlust mit Trockenheit assoziiert, vor allem, wenn der Abfall mit einer Braunfärbung – dem Anzeichen schlechthin für Trockenheit – einhergeht. Aber ob Wurzelfäule oder Überdüngung, ein Überangebot an Wasser schafft selten Abhilfe. Im Gegenteil, häufig kommt durch eine Steigerung der Wasserversorgung ein weiterer Problempunkt hinzu, der den Orangenbaum zusätzlich stresst und die Voraussetzungen für einen Neuaustrieb ungünstiger gestaltet.