Orchidee lässt Blüten hängen: was tun? | 7 häufige Ursachen

Orchidee mit rosafarbener Blütenfarbe

Die Orchidee, von ihren Liebhabern auch gern als „Königin der Blumen“ bezeichnet, zieht die Menschen durch ihre wunderschönen Blüten in den Bann. Allerdings gilt die grazile Schönheit auch als recht sensibel und reagiert empfindlich auf ungünstige Standortbedingungen und falsche Pflege. Schnell lässt die Orchidee als erstes Symptom die Blüten hängen. Für dieses Phänomen kommen verschiedene – und teils gegensätzliche – Gründe in Frage, weshalb für die richtige Hilfe eine gründliche Ursachenforschung notwendig ist.

Orchidee Blüten hängen

Lässt Ihre Orchidee nach einiger Zeit des Blühens ihre schönen Blütenblätter hängen, so muss nicht zwangsläufig ein Problem die Ursache sein. Die meisten Arten zeigen ihre Pracht rund zwei Monate lang, wobei es zwischen den verschiedenen Arten hinsichtlich Zeitpunkt und Dauer jedoch große Unterschiede gibt. Nach Beendigung dieser Phase beginnen die Blüten zunächst zu erschlaffen, um schließlich zu vertrocknen und abzufallen. Zuletzt welken die Triebspitzen. Dabei handelt es sich um einen ganz natürlichen Prozess, denn die Orchidee geht nun in eine Ruhephase über. Typischerweise bildet die Pflanze nun auch keine neuen Triebe mehr aus.

Tipp: Viele Hybridsorten vor allem der beliebten Phalaenopsis- und Vanda-Orchideen halten sich nicht mehr an die natürlichen Blühphasen ihrer wilden Vorfahren. Stattdessen bilden diese Zuchtformen häufig ganzjährig neue Blüten aus bzw. legen nur sehr kurze Pausen ein.

Gegenmaßnahmen

Unterstützen Sie die Orchidee bei ihrer Ruhe, damit sie Kraft für einen erneuten Blütenflor schöpft. Optimale Hilfe geben diese Maßnahmen:

  • vertrocknete Blütentriebe abschneiden
  • Blume an einen kühleren Platz stellen
  • je nach Art nicht kühler als 15 °C bis 18 °C
  • weniger gießen
  • nicht mehr düngen

Sobald sich neue Triebe bilden, beendet die Orchidee ihre Ruhephase und kann wieder an ihrem gewohnten Standort kultiviert werden. Nach einiger Zeit bildet sie wieder neue Blütenknospen aus.

Schmetterlingsorchidee am Zimmerfenster

Blühdauer verschiedener Orchidaceae

Einen Anhaltspunkt dafür, ob es sich tatsächlich um einen normalen Verwelkungsprozess oder einen Hinweis auf ein behandlungsbedürftiges Problem handelt, liefert die arttypische Blütezeit und Blühdauer. Beachten Sie dabei jedoch, dass es sich auch bei Pflanzen um Individuen handelt – die sich ebenso wenig wie Menschen darum scheren, wann sie was zu tun haben. Es handelt sich also bei den folgenden Angaben lediglich um Richtwerte.

  • Cattleya: blühen zwischen Anfang Januar und Anfang März
  • Cymbidium: sehr lange Blühphase zwischen Oktober und März
  • Dendrobium Phalaenopsis: sehr lange Blühphase zwischen Oktober und März
  • Miltonia: blüht zwei Mal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst
  • Phalaenopsis: Hybridsorten blühen das ganze Jahr hindurch
  • Vanda: Hybridsorten blühen ganzjährig, die Arten im Frühjahr und im Herbst

Hinweis: Welken die Blüten nacheinander, so steckt oft ein natürlicher Verwelkungsprozess dahinter. Erschlaffen jedoch plötzlich alle Blütenblätter, so hat die Pflanze in der Regel ein Problem. Doch Vorsicht: Manche Orchideenarten gehen sehr plötzlich in die Ruhephase über, so dass der Besitzer fälschlicherweise eine Krankheit vermutet. Dies gilt etwa für die Miltonia-Orchideen.

Ursachen

Kann ein natürliches Verwelken der Blütenblätter ausgeschlossen werden, kommen stattdessen verschiedene Ursachen in Frage. Hierbei gilt es, sorgfältig den tatsächlichen Grund für das Phänomen zu ergründen, um eine möglicherweise falsche Behandlung der betroffenen Orchidee zu vermeiden – diese kann unter Umständen zum endgültigen Tod der Pflanze führen.

1. Veränderte Umweltbedingungen

Insbesondere einige Tage nach dem Kauf lassen Orchideen gerne die Blüten hängen und machen einen schlaffen Eindruck. Dieses Verhalten ist ganz normal und kein Grund zur Besorgnis, schließlich reagiert die Pflanze lediglich auf den Transport und dessen Umstände (bzw. Bewegung, Temperaturschwankungen etc.) sowie auf ihren neuen, ungewohnten Standort. Auch kann ein natürliches Verwelken des Blütenflors schon kurz nach dem Erwerb eintreten. Schließlich blüht die betreffende Blume möglicherweise schon einige Wochen oder Monate, so dass sie nun in ihre Ruhephase eintritt.

Gegenmaßnahmen

Lassen Sie die ohnehin schon gestresste Pflanze am besten in Ruhe und warten Sie, bis sie sich an ihrem neuen Standort gewöhnt und eingelebt hat. Bei einer guten Pflege bildet sie bald neue Blütenknospen aus, was allerdings einige Monate Geduld erfordert. Orchideen gelten als standorttreu und sollten nach Möglichkeit nicht umgestellt werden.

2. Mangel an Sonnenlicht

Mit Ausnahme der Erdorchideen wachsen die meisten Orchidaceae als Aufsitzerpflanzen im Schutz der hohen Urwaldbäume. Hier sitzen die Pflanzen jedoch möglichst weit oben, wo sie viel Licht erhalten – allerdings nicht unbedingt direktes Sonnenlicht. Bei Lichtmangel lassen Orchideen schnell die Blüten hängen bzw. werfen diese sogar ab. Grund für dieses Verhalten ist Schwäche, denn mangelndes Sonnenlicht bedeutet zugleich fehlende Photosynthese. Besonders gefährdet sind die Pflanzen während der dunklen Wintermonate, wenn die Sonne aufgrund der kürzeren Tagesdauer ohnehin seltener scheint.

Gegenmaßnahmen

  • optimaler Standort im Frühjahr und Sommer: helles West- oder Ostfenster mit Abend- bzw. Morgensonne
  • im Herbst und Winter: Südfenster mit Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung (bei Bedarf)
  • anderenfalls Installation von Tageslichtlampen oder Leuchtstoffröhren (Lichtfarbe 865)
  • Beleuchtungsdauer mindestens acht Stunden täglich

Orchidee ist eine graziöse Pflanze

3. Direkte Sonneneinstrahlung

Doch nicht nur Lichtmangel, auch ein Übermaß an Sonnenlicht lässt die Blütenpracht schlaff herab hängen und frühzeitig welken. Das gilt insbesondere für Orchideen, die über die Mittagszeit in der prallen Sonne stehen, beispielsweise an einem Südfenster. Morgen- oder Abendsonne wird hingegen in der Regel gut vertragen.

Gegenmaßnahmen

Stellen Sie die betroffene Pflanze an einen weniger exponierten Platz um und achten Sie auf eventuelle Anzeichen für einen Wassermangel.

4. Wassermangel

Ein häufiger Grund für verwelkende Blüten ist Wassermangel. Dieser lässt nicht nur den Blütenflor, sondern auch die Blätter zunächst schlaff herabhängen und später vertrocknen. Achten Sie auf den Zustand der Luftwurzeln: Normalerweise prall und grün, verfärben diese sich bei Trockenheit silbrig und glänzen.

Gegenmaßnahmen

Bei Trockenheit besteht die wirkungsvollste erste Hilfe im Tauchen der betreffenden Orchidee, so dass sie sich mit Wasser vollsaugen kann. So funktioniert es:

  • Pflanze aus dem Übertopf herausnehmen
  • Eimer mit gut abgestandenem Leitungswasser oder Regenwasser füllen
  • Pflanze mit Topf und Substrat hineinhalten
  • 10 bis 15 Minuten im Wasser halten
  • so lange tauchen wie Luftblasen erscheinen
  • herausnehmen, gut abtropfen lassen
  • erst wieder in den Übertopf stellen, wenn das Substrat nicht mehr tropft

Lassen Sie das Pflanzsubstrat zwischen den einzelnen Tauchgängen ruhig abtrocknen, zudem darf in den Töpfen kein Wasser stehen. Ein Übermaß an Feuchtigkeit führt ebenfalls zum vorzeitigen Verwelken der Blüten – und schlimmstenfalls zu Staunässe. Als Richtlinie gilt: Während der warmen Sommermonate tauchen Sie die Orchidee wöchentlich, im Herbst und im Winter deutlich seltener.

5. Zu viel Wasser/ falsches Gießen

Bei einem Übermaß an Wasser ist schnelles Handeln notwendig, um die Pflanze überhaupt noch zu retten. Falsches oder übermäßiges Gießen führt bei den feuchtigkeitsempfindlichen Orchideen rasch zu Staunässe. Diese erkennen Sie an den bräunlich bis schwarz verfärbten Wurzeln, die häufig weich werden und/ oder mit einem grünlichen Film überzogen sind. Dabei handelt es sich um Algen, die sich in dem feuchten Milieu ebenfalls sehr wohl fühlen. Dieselben Symptome erscheinen übrigens, wenn überschüssiges Gießwasser nicht abgegossen wird und die Orchidee im Wasser steht.

Gegenmaßnahmen

  • Pflanze austopfen
  • feuchtes Substrat restlos entfernen
  • Pflanze einen Tag lang abtrocknen lassen
  • dunkel verfärbte und faulige Wurzeln abschneiden
  • welke Blütentriebe ebenfalls entfernen
  • in frisches Substrat und einen neuen Topf einsetzen
  • für ca. zehn Tage nicht gießen
  • lediglich besprühen

Tipp: Vermeiden Sie außerdem das Gießen mit kalkhaltigem und / oder kaltem Wasser. Beides schädigt Orchideen und führt dazu, dass diese Blüten hängen lassen und Knospen abwerfen.

Orchideen gießen oder tauchen

6. Falscher Standort/ Obst

Essen Sie gerne Äpfel? Falls ja, gehört ein Obstkorb in demselben Zimmer wie eine blühende Orchidee zu den häufigsten Ursachen für welkende Blüten. Der Grund hierfür liegt in dem Reifegas Ethylen, welches nicht nur die Äpfel (und auch anderes Obst) reifen lässt – sondern auch den Alterungsprozess der Orchideenblüten beschleunigt. Charakteristisch für das Gas ist sein süßlicher Geruch, der das Zimmer durchzieht.

Gegenmaßnahmen

Platzieren Sie entweder den Obstkorb oder die Orchidee – letztere nur wenn es gar nicht anders geht, schließlich ist ein Standortwechsel für die Pflanze mit Stress verbunden – in möglichst getrennten Räumen.

7. Kalte Temperaturen/ Zugluft

Orchideen stammen aus Regionen, in denen es das ganze Jahr hindurch gleichbleibend warm ist. Demzufolge vertragen die exotischen Schönheiten Temperaturschwankungen nicht und reagieren schon auf Veränderungen von lediglich fünf Grad Celsius mit einem Blütenabwurf. Problematisch ist das vor allem während der Wintermonate, wenn das tägliche Lüften plötzlich eisige Luft ins Zimmer lässt. Aber auch im Sommer kann ein ungünstiger, zugiger Standort die Blüten hängen lassen. Hier leidet die Pflanze unter dem Durchzug.

Gegenmaßnahmen

Retten Sie den Blütenflor, indem Sie die Orchidee von Anfang an einen geschützten und gleichmäßig temperierten Standort stellen. Der ideale Platz sollte

  • ganzjährig gleichbleibend warm bleiben
  • sich nicht über einem Heizkörper befinden
  • sich nicht in der Nähe eines häufig geöffneten Fensters befinden

Tipp: Im Winter gekaufte Orchideen erleiden während des Transports häufig einen Kälteschock, in dessen Folge sie ihren Flor abwerfen. Vermeiden Sie diesen, indem Sie die Pflanze dick mit Zeitungspapier oder einem anderen isolierenden Material einwickeln.

Phalaenopsis, Schmetterlingsorchidee