Orchideen: gießen oder tauchen? Was Orchideen wirklich lieben

Orchideen gießen oder tauchen

Wenn die Orchidee nicht wächst, wie sie sollte oder krank erscheint, kann dies an der Bewässerungsmethode liegen. Ratschläge sind viele zum Thema Wässern erhältlich, aber wie ist es richtig? Der Pflanzenexperte klärt umfassend über die Orchideen-Bewässerung auf.

Orchideenzüchter

Bei den Profis der Orchideenzüchter, kommt in der Regel weder das Tauchen, noch das Gießen im klassischen Sinne zum Einsatz. Hier werden die Orchideen meist geduscht, indem sie mit einem Gartenschlauch und Brauseaufsatz oder einer automatisch funktionierenden Bewässerung auf die gleiche Art abgespritzt werden. Dies stellt einen Mittelweg zwischen Tauchbad und Gießen dar. Im Normalfall kann diese Methode zu Hause angewendet werden, wenn es sich um Zimmerpflanzen handelt.

Vor allem in größeren Orchideenzuchtbetrieben ist eine andere Bewässerungsart meist auch nicht möglich. Wenngleich sie gut funktioniert, muss dabei aber auch beachtet werden, dass in Gewächshäusern in der Regel optimale sowie kontinuierlich gleichbleibende Standortbedingungen vorherrschen. Dies ist auf der heimischen Fensterbank überwiegend nicht der Fall, weshalb hier besondere Vorgehensweisen erforderlich sind oder aber das Tauchbad vorgezogen wird.

Orchideen durch eine Dusche wässern

Wässerungsart

Empfindliche Orchideen reagieren auf falschen Gießen und/oder falsche Vorgehensweise oftmals mit Erkrankungen, die schlimmstenfalls zum Absterben der Pflanzen führen können. Umso wichtiger sind die richtige Wässerungsart und einige Details, die Sie beachten sollten. Ob das Tauchbad oder das herkömmliche Gießen, hier unterschieden sich viele Meinungen. Beim Pflanzenexperte erfahren Sie alles Wissenswertes darüber, wie es die Orchidaceae am liebsten hat und wie sie am besten wässern.

Regen

Naturbewässerung

Die Orchideen stammen aus den tropischen Regenwäldern ab, wo sie auf natürliche Weise bewässert werden, sei es durch die hohe Luftfeuchtigkeit oder durch Regen. Vor allem epiphytische Orchideengewächse, die auf Pflanzen oder Bäumen heranwachsen, sind auf die natürliche Wässerung angewiesen, da sie sich an keiner Stelle mit einer Wirtspflanze verbinden, über die sie Wasser erhalten könnten.

Die Herausforderung in ihrer Heimat ist, dass sich starke Regenschauer und trockene Perioden über längere Zeit hinziehen. So hat es die Orchidee gelernt, Wasser zu speichern, um über länger andauernde Trockenperioden hinwegzukommen. Für hiesige Exemplare bedeutet dies, dass sie aufgrund ihrer Wasserspeicherung nicht täglich gegossen/gewässert werden müssen und im Idealfall auch nicht sollten. Zudem läuft in freier Natur das Regenwasser in der Regel ungehindert ab, so dass Staunässe nicht entstehen kann.

Orchideen vertragen keine Staunässe beim Gießen

Dusche

Naturähnliche Bewässerungsmethode

Was die Orchidaceae nun am liebsten hat, darüber lassen sich Rückschlüsse zu ihren ursprünglichen Gewohnheiten und Eigenschaften schließen, wie sie in ihrem Ursprungsland in der Natur bestanden: eine kräftige Wässerung, die kurzzeitig anhält und darauf eine Abtrocknung erfolgt. Dies ist bei der richtigen Vorgehensweise vor allem mit einer kurzzeitigen Voll-Bewässerung wie mit Tauchbad, aber auch mit einer kräftigen Dusche zu erreichen.

Gießen

Das herkömmliche Gießen ist die gängigste Bewässerungsart bei Zimmerpflanzen in europäischen Gefilden. Allerdings nicht immer die beste Methode, vor allem, wenn bestimmte Details dabei nicht berücksichtigt werden. Zudem ist nicht zu vergessen, dass ein herkömmliches Gießen nicht dem natürlichen Bewässerungssystem entspricht. Mit anderen Worten: wer richtig gießt, kann den Wasserbedarf einer Orchidaceae optimal stillen, wenngleich es nicht die Lieblingsmethode dieser Pflanzenart ist.

Die größte Gefahr beim Gießen besteht in einer Überwässerung, was unweigerlich zum Absterben der Gewächse führt. Unterschieden wird hierbei das Gießen von Orchideen in Kulturtopf sowie speziellen Übertöpfen und in einem Orchitop stehend.

Orchideen im Übertopf richtig gießen

Übertopf-Orchideen

Das Prinzip bei Übertopf-Orchideen besteht darin, dass regelmäßig das integrierte Wasserreservoir aufgefüllt wird, damit aufsteigende Feuchtigkeit entsteht, die bis zu den Blättern hochziehen kann. In der Regel wird die Blume ganz normal alle paar Tage je nach Temperatur- und Lichtverhältnissen, über das Substrat gegossen. Überschüssiges Wasser fließt in den Übertopf und ins Wasserreservoir.

Über dieses und die erzeugte Feuchtigkeit kann sich die Pflanze im Bedarfsfall auch Wasser über die Wurzeln ziehen, wenn das Substrat zu trocken ist. Aber dies könnte eine Belastung für sie bedeutet, weshalb dies nicht die optimalste Idee ist. Zudem laufen Sie beim Gießen von Topfpflanzen Gefahr, dass zu viel Wasser in den Topfboden gelangt und die Luftwurzeln der Orchidee dauerhaft im Wasser stehen. Das provoziert eine Wurzelfäule und bedeutet oftmals das Absterben.

Orchitop

Wenn Sie unbedingt gießen möchten, mag die Orchidee ein Orchitop lieber. Hierbei handelt es sich um einen meist lichtdurchlässigen Übertopf, der auf einem Unterteller steht. Hier füllen Sie das Gießwasser ein und lassen sich die Pflanzen über die Wurzeln und das Substrat vollsaugen. Der Vorteil liegt bei dieser Methode darin, dass Sie einen besseren Überblick über den Wasserstand haben und sehen, wenn die Pflanze Wasser benötigt, nämlich wenn der Unterteller kein Wasser mehr aufweist.

Allerdings ist ein negativer Punkt zu erwähnen, der sich mit der Wasserspeicherung ergibt. Der Kulturtopf muss tief mit Substrat gefüllt sein, damit das Wasser auch die nach oben liegende Luftwurzeln erreicht. Besitzt die Orchidaceae gleichmäßig verteilte Wurzeln und sitzt fest in lockerem, aufnahmefähigem Substrat, wird das Orchitop mit der Gießmethode der Orchidee auch gefallen.

Orchideen richtig mit Wasser versorgen

Tauchbad

Das Tauchbad tut einer Orchidee besonders gut, sofern Sie richtig dabei vorgehen und den passenden Moment abwarten. Tauchbäder mögen grundsätzlich Pflanzen mit hohem Wasserbedarf und Hängeblumen, wobei die Orchideengewächse von der daraus entstehenden hohen Feuchtigkeitsgrad auch bei der Verdunstung profitieren.

Allerdings ist es bei der empfindlichen Pflanze nicht damit getan, sie einfach mit dem Topf in einen wassergefüllten Eimer zu stellen. Wichtige Details sollten Sie dabei berücksichtigen, damit nicht plötzlich Mengen von Wasser auf sie einströmen, die so schnell die Wurzeln gar nicht aufnehmen können.

Richtige Vorgehensweise:

  • Eimer oder Wanne mit kalkfreiem Wasser füllen – Regenwasser Leitungswasser vorziehen
  • Füllstand unterhalb der Kulturtopfhöhe wählen
  • Wasser sollte lauwarm sein – auf keinen Fall kaltes Wasser verwenden!
  • ein wenig Dünger in das Wasser mischen
  • Topf leicht schräg und langsam in das Wasser gleiten lassen
  • gleichzeitig von oben Substrat angießen
  • kurz vor Eimer-/Wannenboden Pflanze aufrecht stellen
  • für einige Zeit im Tauchbad stehen lassen
  • gut vollgesogene Wurzeln werden grün
  • im Anschluss mindestens eine Stunde zum Ablaufen überschüssigem Wassers in Spüle o.Ä. abstellen
  • erst wenn kein Wasser mehr aus dem Topf läuft, Pflanze wieder in ihren Umtopf/Orchitop stellen
  • Tauchdauer: je nach Standortumgebung zwischen 20 Minuten und einer Stunde
  • Tauchbad-Rhythmus: circa ein bis zwei Wochen oder länger, wenn zusätzlich gegossen wird
  • Grundsätzlich gilt: je feuchter und kühler die Umgebung, desto kürzer die Tauchdauer und länger die Badpausen

TIPP: Wenn es mal schnell gehen soll und ein geschlossener Übertopf verwendet wird, ersetzt das Füllen mit Wasser des Übertopfs das Tauchbad. Es darf aber nicht vergessen werden, sie wieder aus dem Wasser zu nehmen und die Pflanze abtropfen zu lassen, da sonst die Gefahr der Fäulnis besteht.

hängende Orchideen mit einem Tauchbad wässern

Hängende Orchideen

Minimal anders verhält es sich bei hängenden Orchideengewächsen, Hier werden die Wurzeln in das Tauchbad gehängt, anstatt hinein gestellt. Auch hier nicht vergessen, dass die Pflanzen ausreichend Zeit erhalten, um gut abtropfen zu können.

Duschbad

Bei einem Duschbad handelt es sich um eine Art Alternativ-Mix aus Tauchbad und Absprühen, so wie es die meisten Orchideenzüchter praktizieren. Hierbei erhalten die Wurzeln hauptsächlich von oben das Wasser und ziehen dieses von unten nur aus Wasseransammlungen, die sich aus dem Duschen ergeben.

Das Duschbad sollte nur zwischen spätem Frühjahr und Spätsommer erfolgen, wenn die Umgebungstemperaturen warm sind. Der Vorteil beim Duschbad ist, dass neben der massiven Wasserbereitstellung, gleichzeitig die Blätter Wasser aufnehmen und damit die Versorgungswege in den oberen Pflanzenbereich kürzer sind. Das bedeutet, dass eine Wasseraufnahme der gesamten Pflanze gewährleistet ist. Zudem wird die Orchidaceae durch das Duschbad entstaubt.

Vorgehensweise:

  • Pflanze aus dem Übertopf nehmen
  • nur lauwarmes und kalkarmes Wasser verwenden
  • Orchidee mit Kulturtopf in eine Wanne stellen
  • leichten Wasserdruck der Brause wählen
  • immer von oben beginnen und nach unten arbeiten
  • jedes Blatt auch von der Rückseite abduschen
  • behutsam auch Staub in Verwinkelungen entfernen, um Poren für die Sauerstoffaufnahme zu öffnen
  • nach dem Duschen das auf der Substratoberfläche gesammelte Wasser einziehen lassen oder vorsichtig abschütten
  • Wichtig: das Gewächs ausreichend lange zum Abtropfen aufstellen
  • Wasseransammlungen in den Blattachsen mit Küchenpapier abtrocknen
  • erst wieder in den Übertopf stellen, wenn kein Wasser mehr aus dem Substrat läuft
  • nach dem Duschen Orchideen nie an ihren sonnigen Standort zurückstellen, sondern erst abtrocknen lassen
  • Duschrhythmus: je nach Temperatur, ein bis zweimal wöchentlich oder bei nur bei Bedarf und Trockenheit der Erde
  • Bester Zeitpunkt: morgens, wenn der Stoffwechsel zu arbeiten begonnen hat – nie abends duschen

TIPP: Sie sollten ihre Orchideen nicht abduschen, wenn das Leitungswasser zu viel Kalk enthält. Dieser hinterlässt unschöne Flecken auf den Blättern, die sich nur schlecht bis gar nicht entfernen lassen.

Orchideen zur richtigen Zeit gießen oder tauchen

Der perfekte Tauch-/Duschmoment

Dass Orchideen Tauch- und Duschbäder einem herkömmlichen Gießen vorziehen, ist theoretisch geklärt, aber dies allein, stellt sie noch lange nicht vollständig zufrieden. Es muss der richtige Zeitpunkt gewählt werden, denn zu viel Wasser fördert die Fäulnis und zu seltene Tauch- und Duschbäder verhindern die optimale Wasserversorgung/-speicherung. Die angegebenen Tauch- und Duschbad-Rhythmen sind nur Durchschnittswerte. Hohe Temperaturen lassen Pflanzen schneller austrocknen, eine hohe Luftfeuchtigkeit lässt die Orchidee weniger an Wasser benötigen, ebenso wie schattige Standorte.

Auch kommt es auf das jeweilige Substrat beziehungsweise die Inhaltsstoffe an. Ist dieses zusätzlich angereichert mit wasserspeichernden oder -abweisenden Zusätzen, verändert sich ebenfalls die Häufigkeit einer Bewässerung. Damit Sie den perfekten Moment für ein Dusch- oder Tauchbad erkennen, können Sie sich an folgenden Merkmalen orientieren.

  • leichtes Gewicht der Pflanze im Kulturtopf: braucht Wasser
  • schwerer Kulturtopf: kein Wasserbedarf
  • silbrig schimmernde Wurzeln: braucht Wasser
  • grüne Wurzeln: ausreichend Feuchtigkeit vorhanden
  • Wasserdampftropfen am Über-/ oder Kulturtopf: kein Wasserbedarf
  • im Zweifel lieber einmal weniger, als einmal zu viel wässern

Fazit

Orchideen lieben, was ihrer natürlichen Bewässerung, wie sie aus der Natur gewohnt ist, am Nächsten kommt. Das sind das Tauch- sowie das Duschbad, wobei Letzteres selbst Orchideenzüchter anwenden, um eine optimale Aufzucht gewährleistet zu wissen. Während diese aber in der Regel optimale und immer gleichbleibende Umgebungsbedingungen sowie Wasserdosen und Bewässerungsrhythmen schaffen/einhalten können, müssen Sie beim Tauch-/Duschbad einige wichtige Details beachten, damit auch Ihre Orchideen daraus profitieren und sich mit einem gesunden Wachstum und Blütenreichtum bedanken. Mit der hiesigen Anleitung, wird Ihnen das leicht gelingen.