Orchideen umtopfen – wann, welches Substrat und wie? Wir klären auf

Orchideen richtig umtopfen

Das Umtopfen der Orchidee trägt einen wesentlichen Teil zum gesunden Wachstum bei. Hier besitzt sie einen anderen Anspruch, als viele andere Pflanzen. Wann der richtige Zeitpunkt ist, welches Substrat verwendet werden sollte und wie umgetopft wird, beschreibt der Orchideen-Ratgeber detailliert.

Umtopfen

Im Gegensatz zu den meisten anderen Pflanzen, vertragen Orchideen das Umtopfen nicht gut, weshalb sie deutlich seltener umgetopft werden sollte. Eine Notwendigkeit aufgrund von Platzmangel besteht nicht so schnell, sodass auch hier kein Bedarf an einem jährlichen Umtopfen besteht. Dennoch muss von Zeit zu Zeit ein neues Substrat her. Wie Sie das richtig anstellen und wann der passende Zeitpunkt besteht, erfahren Sie im Folgenden.

Notwendigkeit

Gründe für ein Umtopfen sind bei vielen anderen Pflanzen vielfältig, doch meist kommt es durch das Wurzelwachstum dazu, dass Töpfe nach ein oder zwei Jahren zu klein werden und sich die Wurzeln nicht mehr ausbreiten können. Dies ist bei der Orchidee anders, denn ihre Wurzeln verschlingen sich, halten sich gern an den Topfrändern fest und dürfen auch aus den Topfböden oder dem Substrat herauswachsen. Deshalb kommt die Orchidaceae gut auch mit kleinen Töpfen zurecht, so dass hier sich nur seltener eine Notwendigkeit zum Umtopfen ergibt.

Substrat

Allerdings verrottet das beste Substrat eines Tages. Es verdichtet sich zunehmend und zwängt auf diese Weise die Wurzeln ein. Das hindert sie am Wachstum. Zudem nimmt die Wasserdurchlässigkeit ab, die Wurzeln verschlingen sich zu stark und der Salzgehalt kann sich im Substrat durch das Gießwasser erhöhen, je älter das Substrat wird. Bei der empfindlichen Pflanze kann dies zu lebensbedrohlichen Schädigungen führen.

Orchideen Substrat für das Umtopfen

Zu beachten ist grundsätzlich, dass das Umtopfen für die Orchideengewächse eine Belastung darstellt, sie anfangs schwächt und deshalb ein Umtopfen nur alle paar Jahre erfolgen sollte. Ausnahmen sind Situationen, in denen Schädlinge, Krankheiten oder verschimmeltes, veralgtes Substrat ein Umtopfen erfordert, weil die Wurzeln davon gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sein könnten.

Welches Substrat?

Für Orchideen stehen unzählige Substrate zur Auswahl, die exakt auf deren Ansprüche abgestimmt sind. Unterschiede gibt es dennoch in der Qualität, weshalb Sie sich prinzipiell für hochwertigere Produkte entscheiden sollten. Diese sind in der Regel etwas teurer, aber langfristig wird Ihnen Ihre Orchidee diese Investition mit Gesundheit und kräftigen Wachstum danken. Generell sollte ein gutes Substrat folgende Voraussetzungen erfüllen.

  • locker und wasserdurchlässig
  • kalkarm
  • mit Nähr- und Mineralstoffen angereichert
  • pH-Wert zwischen 5.5 und 6.0
  • oftmals mit Zusätzen versehen, die der Wasserspeicherung und/oder Bodendurchlässigkeit dienen

Substrat-Arten

Im Folgenden finden Sie einen Überblick über mögliche Orchideensubstrate beziehungsweise Inhaltsstoffe, und was diese bewirken.

Blähton

  • gut geeignet – hohe Wasserspeicherung
  • großflächige Wasserverdunstung auf der Oberfläche

Holzfasern

  • als Zusatz geeignet – speichert Wasser
  • optimiert Bodendurchlüftung

Holz-Fasern als Orchideen Substrat

Gartenerde

  • nur für einige Erd-Exemplare geeignet, wie zum Beispiel Bletilla

Growcube

  • empfehlenswert – langsamer Zerfall
  • leichtes Eigengewicht
  • besteht aus wasserbindenden Fasern

Holzkohle

  • als Zusatz geeignet – wirkt desinfizierend bei Bakterienbefall
  • Bindung von Giftstoffen
  • wirkt auflockernd

Kalk

Kompost

  • als Zusatz in fester Konsistenz nur für Erd-Orchideen geeignet – ist sehr nährstoffreich

Kokos-Fasern

  • als Zusatz geeignet – schützt vor allem junge Wurzeln
  • sorgt für verbesserte Lichtverhältnisse

Kokos-Fasern als Substrat für Orchideen

Kork/-schrot

  • meist in epiphytischen Substrate enthalten, um Luftdurchlässigkeit zu erhöhen

Lavalit

  • optimal für lithophytisch wachsende Orchideen geeignet, wie Steinlaelien, weil es wasserabweisend ist

Lehm

  • sehr empfehlenswert für Topf-Orchideen, da er enorm Wasser speichert

Perlite

  • sehr gut geeignet, vor allem für Jungpflanzen – erhöht die Luftdurchlässigkeit
  • lässt das Substrat locker sitzen

Rinde

  • als Zusatz in meist epiphytischen Standardsubstraten – je zarter die Wurzeln, desto kleiner sollten die Stücke sein

Rinde als Substrat im Orchideentopf

Sand

  • weniger geeignet, da es Substrate schneller abtrocknen lässt
  • nur bei Überwässerung geeignet

Schaumstoff

  • als Zusatz vor allem für ältere Orchideen geeignet – erhöht die Luftdurchlässigkeit

Seramis

  • als Zusatz für Alt- und Allein-Substrat für Jungpflanzen geeignet
  • hohe Wasserspeicherung mit langsamer Abgabe

Seramis als Substrat-Art für Orchideen

Sphagnum

  • weniger geeignet, da es sich schnell zersetzt und meist ein jährliches Umtopfen erfordert

Styroporkugeln

  • in Substrat bedingt geeignet – wasser- und nährstoffabweisend
  • erhöht die Luftdurchlässigkeit
  • senkt pH-Wert

Weißtorf

  • nicht geeignet – nimmt zwar viel Wasser auf
  • verdichtet aber schnell und verringert die Lichtdurchlässigkeit

Styroporchips

  • als Drainage gut geeignet – wirkt wasserabweisend

Styroporchips als Substratbestandteil für Orchideen

Zeolith

  • geeignet zur Vorbeugung von zu viel Düngergabe, da es diesen speichert und langsam wieder abgibt

Zeitpunkt

Für die Orchidee gilt ein Zeitrahmen zwischen zwei und vier Jahren für das regelmäßige Umtopfen, damit sie sich optimal entwickeln kann und gesund bleibt. Zu beachten ist bei dem optimalen Zeitpunkt, dass die Pflanze Neutriebe besitzt und diese circa ein Drittel ihrer ausgewachsenen Größe erreicht haben sollten, bevor umgetopft wird. Die meisten Orchideen treiben im Frühjahr aus, weshalb hier auch der beste Moment für das Umtopfen gegeben ist.

Manche Orchideenarten bilden im Herbst Neutriebe, sodass diese auch hier in frisches Substrat umgepflanzt werden können. Allerdings eignen sich die Monate von Oktober bis Ende Januar weniger. In der Regel liegen in diesem Zeitraum die Lichtverhältnisse deutlich unter denen, wie sie von Februar bis September herrschen. Durch den Lichtmangel verliert die Pflanze an Energie und Kraft, was sie bei einem Umtopfen einer noch höheren Belastung aussetzt.

Vorbereitung

Vor dem Umtopfen ist es sinnvoll, einige Vorbereitungen zu treffen. Da das Umtopfen kräftezehrend für die Orchidaceae ist und sie im Anschluss nicht gleich mit zusätzlichen Nährstoffen versorgt werden sollte, ist ein vorheriges Düngen mit einer guten Wässerung ratsam. Dazu tauchen Sie ein bis zwei Tage vor dem Umtopfen Ihre Pflanze in ein Wasserbad und fügen etwas Orchideendünger hinzu.  Das Wässern hat zudem den Vorteil, dass Sie das Gewächs anschließend leichter aus dem Kulturtopf entnehmen können.

Zusätzlich sollten Sie sich einige Utensilien bereitlegen, bevor Sie mit dem Umtopfen beginnen:

  • scharfes Schneidewerkzeug
  • 70 oder 80 prozentigen Alkohol zum Desinfizieren des Schneidewerkzeugs
  • etwas größeren Kulturtopf und gegebenenfalls Spezial-Orchideen-Umtopf
  • Sprühflasche
  • Orchideensubstrat
  • Blähton
  • Kohle- oder Schwefelpulver zum Verschließen von Schnittstellen

Umsetzen

Austopfen

Der besondere Kniff ist hierbei, die Wurzeln nicht zu beschädigen. Sind außen liegende Luftwurzeln zu sehr ineinander verschlungen, sollten sie vorsichtig auseinander gezogen werden. Durch das vorherige Wässern sollte sich der Kulturtopf leicht abziehen lassen, nachdem Sie sie Seitenwände rundherum ein wenig eingedrückt haben. Dies löst Wurzeln von der Topfwand und lockert die Erde auf.

Orchideen brauchen frisches Substrat um zu Gedeihen

Sollte die Pflanze nicht leicht herauszunehmen sein, so setzen Sie keine übermäßige Kraft ein, denn die Chance auf ein Beschädigen der Wurzeln ist dann zu hoch. Schneiden Sie den Kulturtopf einfach mit einer Schere auf, wenn möglich, ohne dabei in Wurzeln zu schneiden.

Erdentfernung

Altes Substrat setzt sich gern an den Wurzeln fest und bleibt haften, je enger die Wurzeln ineinander verschlungen sind. Um das alte Substrat vollständig von der Pflanze zu lösen, reicht es in der Regel, den Wurzelballen auf einem harten Untergrund auszuklopfen. Gehen Sie dabei vorsichtig vor, damit keine Wurzeln beschädigt werden. Erfahrungen zeigen, dass das Ausklopfen besser gelingt, wenn Sie etappenweise vorgehen.

Das heißt, klopfen Sie erst den unteren Wurzelbereich aus, während Sie die Restwurzeln festhalten. Anschließend lösen Sie den mittleren Wurzelbereich aus Ihrer Hand, klopfen nochmals aus und wiederholen dies, bis zum obersten Wurzelbereich. Ist Substrat vollständig von Wurzeln eingeklammert, belassen Sie es dort, da eine Lösung mehr Schaden anrichten kann, als wenn die alte Erde vorhanden bleibt.

TIPP: Hartnäckig angesetzte Erde können Sie auch entfernen, wenn Sie die Wurzeln einige Sekunden unter einen Wasserstrahl halten, sodass sich diese durch den Wasserdruck und die Feuchte löst. Verwenden Sie lauwarmes Wasser.

Wurzel-Behandlung

Nun ist der perfekte Moment gegeben, die Wurzeln nach eventuellen Schädlingen oder Erkrankungen wie Fäulnis zu untersuchen. Auch wenn Sie keine Schädlinge entdecken sollten, empfiehlt es sich, die Orchidaceae für zwei bis drei Stunden in ein handwarmes Wasserbad zu stellen. Auf diese Weise ersticken die meisten Schädlingsarten, die Sie eventuell übersehen haben.

Zusätzlich sollten Sie folgende Schritte beachten:

  • faule oder abgestorbene Wurzeln mit einer scharfen Schere oder einem Messer abschneiden
  • niemals gesunde Wurzeln durchtrennen, da das Wachstum extrem eingeschränkt werden könnte
  • ab vier vorhandenen Bulben, kann die älteste für einen kraftvolleren Neutriebwuchs abgetrennt werden
  • Schnittstellen immer mit Schwefel- oder Kohlepulver bestäuben, um Infektionsgefahr zu minimieren
  • nach Möglichkeit kein gesundes Wurzelgewebe aus Versehen anschneiden/verletzen

Orchideen Wurzeln vorsichtig behandeln

Topfwahl

Prinzipiell ist es ratsam, einen neuen Kulturtopf zu wählen, der maximal fünf Zentimeter größer ist, als der vorherige. Zwar benötigen viele Orchideenarten nicht zwingend alle paar Jahre mehr Platz und fühlen sich in engen Umgebungen wohl, aber ein größerer Topf begünstigt bei allen Arten das Wachstum von Neutrieben.

Der Topf sollte aus Kunststoff bestehen und transparent sein, so dass Tageslicht hindurch scheinen kann, welches die Wurzeln benötigen. Benutzen Sie den alten Topf erneut, hat eine Desinfizierung stattzufinden. Spülen Sie ihn mit Alkohol aus oder säubern ihn gründlich mit einem sauberen, zuvor in Alkohol eingetauchten Lappen und lassen Sie den Topf dann an der Luft abtrocknen. Herkömmlicher Getränke-Alkohol eignet sich nicht zum Desinfizieren.

Blähton-Drainage

Bevor der Kulturtopf mit Substrat gefüllt beziehungsweise die Pflanze eingesetzt wird, sollte der Boden mit Blähton ausgelegt werden. Hier reicht in der Regel eine Dicke von einem Zentimeter. Der Blähton übernimmt am Topfboden die Funktion einer Drainage und trägt dazu bei, dass keine Staunässe entsteht.

Pflanzensetzung

Ist die Drainage aus Blähton gelegt, folgt die Pflanzensetzung. Damit sich die Wurzeln nicht verkeilen oder abgeknickt werden, gibt es einen Trick: die Orchidee leicht drehend einsetzen! Die Ausrichtung hat so zu erfolgen, dass Neutriebe ausreichend Distanz zum Topfrand erhalten und sich optimal entwickeln können.

Substrat-Auffüllung

Sitzt die Orchidaceae in dem Kulturtopf, wird das Orchideensubstrat hinzugefügt. Dies geschieht portionsweise, nachdem es mit einer wassergefüllten Sprühflasche zuvor gut befeuchtet wurde. Die Auffüllung erfolgt wie in folgenden Schritten beschrieben.

  • vor jeder neuen Portion Topf mit dem Boden zur Erdsetzung leicht auf einen harten Untergrund klopfen
  • ist der Topf Dreiviertel gefüllt, erfolgt nochmals die Kontrolle/Nachbesserung der Pflanzenausrichtung
  • Substrat darf nur so hoch füllen, dass es maximal die Neutriebe leicht berührt – sonst Fäulnisgefahr
  • um den Hauptstamm herum das Substrat für mehr Pflanzenhalt, leicht festdrücken
  • Mulde, die daraus entsteht, locker mit Substrat aufzufüllen.

Alternativ kann auch Blähton verwendet werden. Dieser wird ebenfalls vorher angefeuchtet und der Topf regelmäßig auf eine harte Unterlage geklopft, weil sich auch Blähton setzen muss. Für eine Stabilisierung der Pflanze kann zusätzlich ein Plastikstäbchen dienen.

Gießen

Gegossen wird die Orchidee nach dem Umtopfen erst nach circa fünf Tagen. Dies hat den Sinn, dass eventuell beschädigte Wurzeln sich erholen und Schnittstellen nicht durch die zusätzliche Feuchtigkeit beginnen zu faulen. Da sie aber dennoch Feuchtigkeit benötigt, wird sie nach dem Umtopfen täglich mit kalkarmen Wasser besprüht. Orchideengewächse besitzen aufnahmefähige Blätter, so dass es auf diese Weise zu keiner Austrocknung während der Gießpause kommen kann.

Orchideen blühen nach dem Umtopfen auf

Düngen

Sowohl neues, frisches Substrat als auch Blähton beinhalten in der Regel bereits Nähr- und Mineralstoffe. Ein zusätzliches Düngen könnte eine Überdosierung verursachen, welche den Orchideen schadet. Aus diesem Grund ist die Pflanze in den ersten drei bis vier Wochen nach dem Umtopfen nicht zu düngen.