Paprika selber anbauen

Paprika (Capsicum) stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und gehört zur Familie der Nachtschattengewächse. Je nachdem, welche Größe, Geschmack oder Schärfe die Früchte haben, werden ihnen besondere Namen wie Peperoni oder Chili gegeben. Es ist ganz einfach, die unterschiedlichen Sorten der Paprika selbst zu ziehen. Das gelingt sowohl im Gewächshaus als auch im Freien, ausgepflanzt ins Beet oder im Kübel. Was Sie alles beachten sollten, erfahren Sie hier.

Paprika

Standort

Paprika sind Wärme liebende Pflanzen. Deshalb bevorzugen sie einen sonnigen und windgeschützten Standort. Umso mehr Licht und Wärme die Pflanzen bekommen, umso schneller wachsen sie. Auch die Früchte reifen an einem sonnigen Standort besser und schneller.

Freiland:

  • Lichtbedarf: hoch (so sonnig wie möglich)
  • warm und windgeschützt
  • Südbalkon oder Südterrasse
  • südliches Beet

Paprika im Freien anbauen

Gewächshaus:

  • Lichtbedarf: absonnig bis halbschattig
  • gut belüftet
  • Luftfeuchtigkeit: 65 bis 70%
  • Temperatur: 22-28 Grad

Eine Paprikapflanze mag es aber nicht nur tagsüber warm, sondern auch in der Nacht. Steht die Pflanze im Freiland, positionieren Sie sie am besten in direkter Nähe zu einer Hauswand. Diese Wand wärmt sich tagsüber durch die Sonne auf und gibt die Wärme nachts langsam wieder ab.

Boden

Paprika benötigt einen humosen und nährstoffreichen Boden. Deshalb wird der Gartenboden idealerweise im Vorfeld mit reifem Kompost angereichert.

  • locker und nährstoffreich
  • gut durchlässig für Wasser
  • pH-Wert: neutral bis schwach sauer (6,0 bis 6,5)

Aussaat

Wenn Sie keine vorgezogenen Jungpflanzen im Handel kaufen möchten, beginnt die Anzucht der Paprika mit der Aussaat Mitte März. Es ist nicht besonders schwierig, aus den Kernen eigene Paprika zu ziehen. Für die Anzucht eignet sich ein helles und warmes Gewächshaus oder Wintergarten. Aber auch die Fensterbank eines Südfensters bietet gute Voraussetzungen. Wichtig für das Gelingen der Anzucht sind vor allem zwei Faktoren: hochwertiges Saatgut und spezielle Anzuchterde. Das Substrat für die Aussaat sollte nährstoffarm und zudem locker und feinkrümelig sein. Enthält die Erde wenig Nährstoffe, fördert dies das Wurzelwachstum, da die jungen Keimlinge danach „suchen“ müssen.

  • Zeitpunkt: ab Mitte März
  • nur nährstoffarme Substrate verwenden
  • spezielle Anzuchterde, Kakteenerde
  • Saattiefe: 1 cm
  • Temperatur: 20 bis 25 Grad
  • Keimzeit: 14 bis 21 Tage
  • hell, aber keine direkte Sonne
  • gleichmäßig feucht halten

Bedecken Sie den Topf mit Plastikfolie oder einem Gefrierbeutel, bis die Samen gekeimt haben. Gelegentliches Lüften beugt Schimmelbildung vor.

Paprika braucht zum Wachsen einen nährstoffreichen Boden

Pikieren

Je nach Standort und Temperatur zeigen sich nach zwei bis drei Wochen die ersten kleinen Pflanzen. Insgesamt verbleiben die Paprikapflanzen vier Wochen im Aussaatgefäß, bevor sie in einen größeren Topf vereinzelt (pikiert) werden. Neben den beiden Keimblättern sollte sich bereits das erste richtige Laubblatt gebildet haben. Gehen Sie beim Vereinzeln der Sämlinge sehr vorsichtig vor, um die feinen Wurzeln nicht zu verletzen.

  • warm und hell stellen
  • hohe Luftfeuchtigkeit
  • Erde weiterhin leicht feucht halten

Achten Sie beim Umtopfen darauf, dass die Paprika nicht tiefer als vorher eingepflanzt wird. Ansonsten besteht die Gefahr für die typische Paprika-Krankheit, der Stängelfäule.

Pflanzen

Je nachdem, ob die Paprika ins Gewächshaus oder ins Freiland gepflanzt werden soll, sind ein paar spezielle Punkte zu beachten. In beiden Fällen ist es möglich, die Pflanzen sowohl in Töpfen als auch ausgepflanzt zu kultivieren.

Gewächshaus

Die vorgezogenen Pflanzen dürfen bereits ab Ende März bis Anfang April in ein beheiztes Gewächshaus eingesetzt werden. Da die Paprika sehr kälteempfindlich ist, dürfen die Temperaturen keinesfalls deutlich unter 10 Grad fallen. Wird es zu kalt, kann dies zu einer Verzögerung im Wachstum bis hin zum Absterben der Pflanze führen.

  • Zeitpunkt: ab Ende März in beheiztes Gewächshaus
  • ab Mitte Mai in ungeheiztes Gewächshaus
  • Pflanzabstand: 40 bis 50 cm

Freiland

Paprika dürfen erst dann ins Freie, wenn keine späten Fröste mehr zu erwarten sind. Da weder die selbst gezogenen noch gekaufte Jungpflanzen kühle Temperaturen und pralle Sonne gewöhnt sind, müssen sie zunächst abgehärtet werden. Dazu positioniert man sie an einen windgeschützten, halbschattigen Platz im Freien. Stellen Sie die Paprikapflanzen zunächst nur tagsüber für kurze Zeit nach draußen. Im Laufe von etwa zwei Wochen dürfen die Pflanzen immer länger und sonniger draußen stehen. Nach der Eingewöhnung kommen sie an ihren endgültigen Platz im Garten oder auf dem Balkon.

Paprika braucht einen warmen, sonnigen Standort

  • Zeitpunkt: ab Mitte Mai
  • Pflanzabstand: 40 bis 50 cm

Kübelkultur

Die verschiedenen Capsicum-Sorten lassen sich hervorragend auch in Töpfen oder anderen Pflanzgefäßen ziehen. Entscheidend für ein gutes Wachstum sind hierbei vor allem die Größe des Gefäßes und das Substrat.

  • Pflanzgefäß: mindestens 10 Liter
  • normale Balkonkästen bieten nicht genügend Platz
  • muss Abflussloch enthalten
  • Drainage aus Kies, Splitt, Lavagranulat oder Blähton anlegen
  • nur geeignete Substrate verwenden
  • Tomaten- und Gemüseerden
  • humose Kübelpflanzenerde

Pflege

Haben die Paprika einen sonnigen und warmen Standort, gelten sie als relativ pflegeleicht. Anders als bei Tomaten entfällt das Ausgeizen der Triebe. Dennoch benötigen die Nachtschattengewächse einen gewissen Pflegeaufwand, damit sich zahlreiche Früchte an der Pflanze bilden können. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der ausreichenden Versorgung mit Wasser und Nährstoffen. Pflanzen, die in Gewächshäusern gezogen werden, müssen eventuell künstlich bestäubt werden.

Gießen

Paprika benötigt vor allem in den Sommermonaten sehr viel Wasser. Deshalb ist es wichtig, auf eine gute Wasserversorgung zu achten. Der Ballen sollte nie komplett austrocknen. In Trocken- und Hitzeperioden muss sogar mehrfach am Tag gegossen werden. Achten Sie vor allem zwischen dem Auspflanzen und den ersten Blüten auf einen guten Wasserhaushalt bei den Paprikapflanzen. Gießen Sie in diesem Zeitraum zu viel oder zu wenig, werden die Blüten abgestoßen. Durch die geringe Wurzelmasse bei Jungpflanzen ist es sinnvoll, lieber häufiger mit wenig Wasser zu gießen, da es sonst leicht zu Staunässe kommt.

Paprika kann auch im Kübel kultiviert werden

  • Erde stets leicht feucht halten
  • Staunässe vermeiden
  • nicht über die Blätter gießen
  • am besten morgens und/oder abends
  • eventuell Boden mit Rasenschnitt mulchen

Düngen

Paprikapflanzen zählen zu den Starkzehrern, deshalb benötigen sie entsprechend viele Nährstoffe. Besonders bewährt haben sich organischen Langzeitdünger, die die Pflanzen langsam aber stetig mit Stickstoff und anderen lebensnotwendigen Nährstoffen versorgen.

  • Hornspäne oder Hornmehl
  • keine Mineraldünger verwenden
  • spezielle Tomaten- oder Paprikadünger
  • organische Gemüsedünger
  • als Zusatzdünger eignet sich Brennnesselsud
  • Flüssigdünger alle 14 Tage über das Gießwasser verabreichen
  • Holzasche liefert Kali

Rankhilfe

Die meisten buschig wachsenden Sorten kommen ohne eine Stütze für die Triebe aus. Höhere Sorten oder auch Triebe mit vielen großen Früchten hingegen brauchen Halt, damit sie bei stärkerem Wind nicht brechen. Als Rankhilfe eignen sich einfache Stäbe aus Kunststoff, Metall oder Holz, wie beispielsweise ein Bambusstab. Die Rankhilfe kann entweder direkt beim Pikieren oder auch später mit in den Topf gesetzt werden.

Paprika mit einer Rankhilfe versehen, um die Pflanze zu stabilisieren

Königsblüte entfernen

Zwar müssen Paprika nicht ausgegeizt werden, trotzdem lässt sich der Ernteerfolg positiv durch ein paar Maßnahmen beeinflussen. Sobald sich die erste Blüte an der Paprikapflanze zwischen dem Haupttrieb und dem ersten Seitentrieb gebildet hat, wird diese sogenannte Terminalblüte oder Königsblüte herausgebrochen. So treibt die Pflanze zahlreiche neue Blüten nach, aus denen sich später die Früchte bilden. Zusätzlich kann die Triebspitze herausgebrochen werden, um die Verzweigung der Paprikapflanze zu fördern. Dies geschieht am besten bei noch jungen Paprikapflanzen, die etwa acht bis zehn Blätter haben und um die 20 cm hoch sind.

Bestäubung

Die Bestäubung der Blüten übernehmen im Freiland verschiedene Insekten wie Bienen oder Hummeln. Kommen keine Insekten ins Gewächshaus, müssen die Blüten der Paprika künstlich bestäubt werden. Im Normalfall reicht es aus, wenn die Pflanzen vorsichtig geschüttelt werden, um den Blütenstaub gut zu verteilen. Sollte dies nicht zum Erfolg führen, öffnet man die Blüten vorsichtig mit einer Pinzette und überträgt mit einem feinen Pinsel den Blütenstaub von einer Pflanze zur anderen (ähnlicher Sorte).

Ernte

Im Gewächshaus können Sie die ersten Früchte bereits gegen Mitte Juli ernten. Im Freiland dauert es normalerweise etwas länger, bis die Früchte reif sind. In der Regel sind die Schoten zu diesem Zeitpunkt noch grün. Anders als bei einigen anderen Nachtschattengewächsen wie Tomaten und Kartoffeln sind die grünen Paprika- oder Chilischoten nicht giftig. Grüne Paprika haben einen würzigen, leicht bitteren Geschmack. Etwa drei Wochen danach sind die roten, süßlichen Sorten erntereif.

Paprika zum Beispiel mit einem scharfen Messer ernten

  • Früchte mit einem scharfen Messer schneiden
  • alternativ Schere benutzen
  • ein Stück Stiel an der Frucht stehen lassen
  • nicht abreißen

Die Erntezeit im Freiland zieht sich, je nach Witterungsverhältnissen, bis zu den ersten Frösten gegen Ende Oktober. Im geschützten Gewächshaus kann normalerweise bis etwa Mitte November geerntet werden.

Lagerung

Nach der Ernte sind die Paprikafrüchte nur für einige Tage bei Raumtemperatur haltbar. Ideal ist die Lagerung in dunklen, kühlen Kellerräumen bei etwa 10 Grad. Ist die Lagerung im Keller nicht möglich, können die Früchte entweder im Kühlschrank oder in einem kühlen Zimmer abgedeckt aufbewahrt werden.

Unreife Früchte

Paprika müssen reif geerntet werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Früchten reifen Paprikaschoten nach der Ernte nicht nach. Die sicherste Methode, im Herbst noch rote Paprika zu ernten, ist deshalb, sie ins Haus zu holen und drinnen zu überwintern.

Überwinterung

Grundsätzlich gehören Paprika zu den mehrjährigen Pflanzen. Bei uns werden sie wegen des erhöhten Pflegeaufwandes in der Regel einjährig kultiviert. Wer sich jedoch die Mühe macht, seine Paprikapflanzen durch die Wintermonate zu bringen, wird im zweiten Jahr häufig durch eine sehr ertragreiche Ernte belohnt. Ein ideales Winterquartier besteht aus einem hellen, kühlen Raum, der vor Frösten schützt.

  • Zeitpunkt: sobald die Außentemperatur nachts unter 5 Grad fällt
  • heller Standort
  • nur verhalten gießen
  • nicht düngen
  • regelmäßig mit kalkarmem Wasser besprühen

Untersuchen Sie Ihre Pflanzen vor der Einlagerung ins Winterquartier auf Schädlinge. Häufig schleppt man sich Blattläuse oder andere saugende Insekten mit ein. Diese können die Pflanze so stark schädigen, dass sie abstirbt. Bereits im Februar wird die Paprikapflanze auf die neue Wachstumsperiode vorbereitet. Hierzu setzen Sie die Paprika in etwas größere Gefäße mit frischer, nährstoffreicher Erde. Ab sofort wird die Pflanze wieder etwas mehr gegossen und mit moderaten Mengen an Flüssigdünger oder einem Langzeitdünger versetzt.

Vermehren

Lassen Sie die Früchte an der Pflanze ausreifen, können sich auch die Samen im Inneren der Schote vollständig entwickeln. Nach der Ernte entnimmt man flachrunden Samen und breitet sie zum Trocknen auf einem Zeitungspapier oder Küchenrolle aus. Bis zum nächsten Frühjahr sollten die Samen trocken und dunkel aufbewahrt werden. In der Regel sind die Samen aus eigener Ernte nicht sortenrein.

Paprika bis zum Verzehr kühl lagern

Krankheiten

Krankheiten und Schädlinge

Vor allem zu kühle Temperaturen und zu wenig Licht schwächen die Pflanze, sodass es zu einem Befall mit saugenden Insekten kommen kann. Außerdem kommen gelegentlich auch spezielle Krankheiten bei der Paprikapflanze vor.

Fusariumwelke

Zu den gefürchteten Krankheiten bei allen Capsicum-Sorten zählt die Fusariumwelke, da sie in kurzer Zeit zum Absterben der ganzen Pflanze führt. Diese Krankheit wird durch einen Pilz übertragen, der über den Boden in die Wurzeln der Paprika eindringt und sich über die Leitbahnen in der ganzen Pflanze verteilt. Dort verstopft er die Gefäße, sodass das Laub oder ganze Triebe plötzlich absterben.

  • befallene Pflanze umgehend entfernen
  • im Hausmüll entsorgen
  • Werkzeug gründlich reinigen/sterilisieren

Die Krankheit ist extrem ansteckend und kann sich rasch auf benachbarte Pflanzen ausbreiten. Zudem überlebt der Pilz problemlos mehrere Jahre im Boden und kann auch in den Folgejahren weitere Paprikapflanzen befallen. Da es kein Mittel gegen die Fusariumwelke gibt, gilt es, befallene Pflanzen umgehend zu entsorgen und in den nächsten vier bis fünf Jahren im betroffenen Beet keine Paprika anzupflanzen.

Blütenfäule

Eigentlich handelt es sich bei der sogenannten Blütenfäule nicht um eine Krankheit im herkömmlichen Sinne, sondern um eine Mangelerscheinung. Zwar sind die genauen Ursachen für die Blütenfäule nicht im Einzelnen geklärt, es konnte jedoch immer ein Mangel an Kalzium festgestellt werden. Ein solcher Kalziummangel macht sich vor allem an der Spitze der Früchte bemerkbar. Dort entstehen große, braune Flecken. Kommt es zu diesem Erscheinungsbild, sollten Sie folgendermaßen vorgehen.

  • auf starke Temperaturschwankungen prüfen
  • gab es Extreme bei der Wasserversorgung
  • Nährstoffversorgung überprüfen
  • Boden-pH-Wert kontrollieren

In der Regel schafft ein kalziumhaltiger Blattdünger aus dem Fachhandel Abhilfe.

Tabakmosaikvirus

Auch der Tabakmosaikvirus verursacht zunächst braune bis gelbliche Flecken auf der Paprika. Im weiteren Verlauf der Viruserkrankung verkümmern die Blätter und Schoten und sterben ab. Leider ist diese Erkrankung sehr ansteckend und kann nicht bekämpft werden. Deshalb ist es wichtig, infizierte Pflanzen so schnell wie möglich zu entfernen und im Hausmüll zu entsorgen.

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