Pfifferlinge-Saison

Pfifferlinge sind anspruchsvoll und wachsen nicht zu jeder Jahreszeit. Wer sich auskennt mit der Erntezeit, verlässt den Wald mit prall gefülltem Sammelkorb. Dieser Ratgeber macht Sie vertraut mit allen Infos rund um die Pfifferlinge-Saison.

Haupt-Saison ist im Sommer

Goldgelbe Pfifferlinge wecken die Sammelleidenschaft bei begeisterten Freunden erntefrischer Pilzgerichte. Um dem genussreichen Hobby zu frönen, ist das Zeitfenster nur begrenzt geöffnet. Die beliebten Speisepilze weigern sich konsequent, unter kontrollierten Bedingungen des gewerblichen Anbaus zu wachsen, wie ganzjährig verfügbare Champignons. Einzige Option für einen prall gefüllten Korb mit knackigen, taufrischen Pfifferlingen ist ein Streifzug durch den Wald. Der Termin will klug gewählt sein, denn die dottergelben Naturschätze gedeihen nach dem Motto: Willst du gelten, mach dich selten. Weil sich die Natur nur ungern in ein festes Terminkorsett zwängen lässt, beruhen die folgenden Angaben auf Erfahrungswerten:

  • Haupt-Saison: Ende Juni/Anfang Juli bis Mitte/Ende Oktober
  • vorzeitiger Beginn der Erntezeit: witterungsbedingt ab Mitte/Ende Mai
  • verlängerte Erntezeit: witterungsbedingt bis Mitte/Ende November
Echter Pfifferling (cantharelluscibarius)
Quelle: By User:EPO – Own work, Attribution, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7850055

Das letzte Wort über Beginn und Ende der Sammelzeit hat das Klima. Welche drei Wetterphänomene sich explizit auswirken auf die Eierschwammerl-Saison, erfahren Sie in den folgenden Abschnitten.

Einflussfaktor meteorologische Singularität

Drei Wetterphänomene stehen im unmittelbaren Zusammenhang mit der Erntezeit von Pfifferlingen. Die Rede ist von meteorologischen Singularitäten, die zu bestimmen Jahreszeit ohne erkennbaren Grund auftreten oder ausbleiben. Fallen die Eisheiligen aus, öffnet sich das Zeitfenster für die Saison parallel zum Beginn der Pflanzzeit im Garten. Verwöhnt uns der Oktober mit einem prächtigen Altweibersommer, erstreckt sich die Sammelzeit bis weit in den Herbst. Mitunter mischt die Schafskälte sich noch ein und spannt erwartungsvolle Pilzsammler besonders lange auf die Folter.

Eine alte Bauernregel steht in enger Verbindung mit den Gedenktagen von fünf Heiligen zwischen dem 11. und 15. Mai. Demzufolge ist erst mit einer stabilen, frostfreien Wetterlage zu rechnen ab dem 15. Mai, wenn sich mit der kalten Sophie die letzte Eisheilige verabschiedet hat. Im Zuge der Klimaerwärmung herrschen häufig schon ab Anfang Mai milde Temperaturen, sodass von Eisheiligen nicht mehr die Rede sein kann. Dann lachen Ihnen bereits ab Mitte Mai goldgelbe Pfifferlinge aus der Laubdecke des Waldes entgegen.

Mit strahlendem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen aktiviert ein Altweibersommer das Wachstum von Pfifferlingen. Kaiserwetter bis weit in den Oktober hinein lassen sich Pfifferlinge nicht entgehen und wachsen munter weiter. Dank der willkommenen Saisonverlängerung stehen die delikaten Pilze bis Allerheiligen auf der heimischen Speisekarte.

Störfaktor für eine lange Erntezeit ist die Schafskälte. Mit ruppigem Wetter lässt das Phänomen wärmeliebende Eierschwammerl frösteln, die ihren Wachstumsstart daraufhin vertagen, bis sich die Rahmenbedingungen verbessern. Die meteorologische Singularität tritt mitunter auf um den 11. Juni mit winterlich anmutendem Kälteeinbruch. In den vergangenen Jahren war das klimatische Übel allerdings nur selten zu beklagen.

 Echter Pfifferling (cantharellus cibarius)
Quelle: Игорь Лебединский, Cantharellus cibarius, bearbeitet von Plantopedia, CC BY 3.0

Hinweis: Wussten Sie, dass es eine gesetzliche Höchstmenge gibt für das Sammeln von Pfifferlingen? Die begehrten Speisepilze unterliegen der Bundesartenschutzverordnung. Gemäß Abschnitt 1, § 2, dürfen Pfifferlinge lediglich für den Eigenbedarf in kleinen Mengen aus der Natur entnommen werden. Je nach Region belaufen sich die zulässigen Mengen zwischen einem und zwei Kilogramm pro Pilzsammler.

Premium-Pilze finden – Tipps & Tricks

Bei schwül-warmer Witterung legen Pfifferlinge den Turbo ein und überfluten den Waldboden mit verheißungsvollen Pilzhüten. Heißes Sommerwetter mit Gewitterneigung lockt scharenweise Pilzsammler in den Wald für ertragreiche Sammeltouren. Feuchte Wärme lässt die Pilze regelrecht aus dem Boden schießen. Wer sich auskennt mit den besonderen Vorlieben von Pfifferlingen, kann die schönsten Exemplare finden. So gelingt es:

  • typische Vorkommen: in Wurzelnähe von Fichten, Tannen, Kiefern, Eichen und Buchen
  • vielversprechende Standorte: lichte, nach Osten weisende Hänge mit jungen, nachwachsenden Rotbuchen
  • häufige Fundorte: lockerer Boden, bedeckt mit dem Laub alter Buchen
  • beste Tageszeit: in den frühen Morgenstunden bei feucht-warmer Witterung
  • weitersuchen: ein Pfifferling wächst selten allein
  • Verwechslungsgefahr beachten: jeden Pfifferling einzeln prüfen
Giftiger Ölbaumtrichterling (omphalotus oleariu)
Quelle: Thomas Schoch, Omphalotus olearius Mallorca, bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 3.0

Eine Fingerprobe entlarvt giftige Doppelgänger von Pfifferlingen. Alle essbaren Pfifferlingsarten gedeihen als Leistlinge mit fest verwachsenen Leisten unter dem Hut, die am Stiel herablaufen. Falscher Pfifferling (Hygrophoropsis aurantiaca) und giftiger Ölbaumtrichterling (Omphalotus olearius) sind hingegen Lamellen- oder Blätterpilze. Unter dem Hut befindliche schmale Blätter lassen sich indes mit leichtem Fingerdruck lösen und verschieben.