Pfirsich ziehen: die Schritte vom Kern bis zum Pfirsichbaum

Pfirsichbaum, Prunus persica

Der Pfirsichbaum oder Prunus persica zeichnet sich durch seine schmackhaften Früchte aus. Die darin enthaltenen Pfirsichkerne stellen Steinkerne dar und verfügen über genau einen Samen. Einen Pfirsich aus einem Kern zu ziehen, erfordert Geduld und mehrere Schritte. Diese reichen von der Auswahl geeigneter Samen über die Wahl des Substrats bis zu Vorzucht und Standortwahl.

Pfirsichkern und Pfirsichbaum im Überblick

Die Früchte des Pfirsichs beinhalten einen fest verankerten Steinkern, der den Samen beinhaltet. Grundsätzlich benötigt ein aus dem Kern gezogener Pfirsichbaum einige Jahre der Pflege, bis er selbst Früchte trägt. Einige Samen und Sorten eignen sich gut für die Vermehrung, andere keimen nicht. Wachstum und Ertrag des selbstgezogenen Pfirsichbaums hängen dabei unter anderem von der gewählten Sorte ab.

Pfirsichbaum, Prunus persica
Pfirsichbaum, Prunus persica

Sorten und Samen

Die richtige Auswahl

Grundsätzlich haben die Kerne fast sämtlicher bekannter Pfirsichsorten das Potential, sich zu Bäumen zu entwickeln. Viele davon entwickeln sich jedoch nicht wie gewünscht, bleiben klein oder bilden keine Früchte aus.

Um langfristig Freude an dem Projekt des Pfirsichbaums zu haben, empfehlen sich kernechte Sorten. Diese firmieren auch unter der Bezeichnung wilde Pfirsiche. Kernechtheit bedeutet eine Übertragung der Attribute der Mutterpflanze auf den Samen. Bei modernen Hybriden ist häufig keine Kernechtheit gegeben, sodass die Samen und die daraus gezogenen Pflanzen andere Eigenschaften aufweisen als die ursprüngliche Pflanze. Bei kernechten Sorten können Gärtner mit einiger Gewissheit sicher sein, dass sich daraus ein Früchte tragender Pfirsichbaum ziehen lässt.

Kernechte Sorten

Einige der kernechten Sorten tragen ihre Eigenschaft bereits im Namen. Allgemein gehören viele weißfleischige Sorten zu den kernechten:

  • Naundorfer Kernechter
  • Vorgebirgspfirsich oder Roter Ellerstädter
  • Weißer Ellerstädter
  • Ussurischer Wildpfirsich
  • Proskauer

Diese Sorten erreichen ihre Fruchtreife meist Ende August bis Mitte September. Der Ussurische Wildpfirsich stellt eine spätere Sorte dar.

Pfirsich, Prunus persica

Reife Früchte

Die richtige Auswahl

Neben der reinen Sorte spielt auch die Reife der Frucht beim Pfirsichbaum eine wichtige Rolle. Damit verbunden ist der Erntezeitpunkt. Aus nicht hinreichend reifen Pfirsichkernen lassen sich meist keine Keimlinge ziehen. Die Reife eines Pfirsichs lässt sich meist daran erkennen, dass der Pfirsichbaum bereits von alleine Früchte abwirft. Bei gekauften Früchten ist Vorsicht geboten, da sie häufig in unreifem Zustand geerntet wurden. Daher empfiehlt es sich, zur regulären Erntezeit Pfirsiche zu kaufen. Lokale Sorten bieten eine größere Wahrscheinlichkeit auf eine reife Ernte. Weiterhin haben sie den Vorteil, bereits an die hiesigen Umweltbedingungen angepasst zu sein.

In jedem Falle lohnt sich das gleichzeitige Einpflanzen mehrerer Pfirsichkerne. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich einer der Samen gut entwickelt und sich die Pflanze gut ziehen lässt.

Pfirsichbaum ziehen: Anleitung

Vorbereitung des Pfirsichkerns

Zunächst ist das Fruchtfleisch rund um den Pfirsichkern zu entfernen. Hierbei ist besondere Sorgfalt erforderlich, denn im Falle einer längeren Aufbewahrung würden diese Fruchtfleischreste sonst faulen. Für die Reinigung empfehlen sich eine Bürste und fließendes Wasser. Anschließend ist es von Vorteil, den Pfirsichkern einige Tage zum Trocknen auf eine Zeitung oder Küchenpapier zu legen.

Pfirsichkerne von Fruchtfleisch befreien

Schale vom Samen entfernen?

Zu den Bestandteilen des Pfirsichkerns gehören eine holzige Hülle und der darin befindliche Samen. Hier stellt sich die Frage, ob die harte Holzschale entfernt werden sollte. Die Hülle muss nicht zwingend entfernt werden, da der Samen auch bei Verbleib in der Schale keimt. Beim Versuch, die harte Schale zu öffnen, kann zudem der Samen verletzt werden.

Wer die Schale dennoch entfernen möchte, sollte den Pfirsichkern besonders lange trocknen lassen. Dies führt dazu, dass der Samen etwas schrumpft und sich anschließend leichter von der Schale löst. Zudem wird das Holz spröde und lässt sich anschließend mit einem Nussknacker öffnen. Beim Umgang mit diesem Samen ist Vorsicht geboten. Einerseits ist er sehr empfindlich und zum anderen enthält er giftige Cyanide.

Kälteperiode

Bedeutung der Kälteperiode

Der Pfirsichkern benötigt eine gewisse Kälteperiode, bevor er keimen kann. Botaniker sprechen auch von einer Keimhemmung, die verhindert, dass der Samen zu einer unvorteilhaften Jahreszeit keimt. Junge Pflanzen würden den drohenden Frost nicht überleben. Der Pfirsichkern benötigt zum Keimen Temperaturen unterhalb von 8 °C. Der Prozess dient der Brechung der Keimhemmung und trägt auch den Namen Stratifikation.

In Regionen mit langen und kalten Wintern lässt sich der Pfirsichkern schon im Herbst oder Winter direkt in den Boden einpflanzen. Hierbei ist ein schattiger Standort ohne Sonneneinstrahlung zu bevorzugen. Ein sandiger, wasserdurchlässiger Boden ist geeignet, um einen neuen Pfirsichbaum zu ziehen. Bei einer Einpflanztiefe von 2 bis 4 Zentimetern braucht der Pfirsichkern nur noch gelegentlich gegossen zu werden. Der Boden sollte leicht feucht, nicht jedoch ganz nass sein. Diese Variante erfordert eine dauerhafte Kältephase.

Künstliche Kälteperiode

Sicherer ist die Methode einer künstlichen Kältephase. Hierbei sollte der Kern in ein verschließbares Gefäß mit feuchtem Sand eingepflanzt werden, das anschließend in den Kühlschrank gelegt wird. Eine Herausforderung besteht darin, den Kern feucht zu halten, ohne dass es zu Schimmelbildung kommt. Bevor der Pfirsichkern in das Gefäß kommt, sollte er über Nacht in Wasser eingeweicht werden. Der richtige Zeitpunkt liegt zwischen Mitte Dezember und dem frühen Januar. Bis zum Beginn des Frühjahrs sollte der Kern nun unter Feuchthaltung etwa 8 Wochen im Kühlschrank ruhen. Alternativ ist auch eine Lagerung in einem kühlen Keller möglich, so lange die Temperaturen dort nicht über 7 °C liegen.

Pfirsichbaum, Prunus persica

Keimlinge während der Kältephase?

Während der Stratifikation kann es bereits zur Keimung kommen. In diesem Fall ist der Keimling sofort einzupflanzen. Diese Pflänzchen sind sehr empfindlich und bedürfen daher einer vorsichtigen Behandlung. Der Kern ist auf eine humose Erdmischung zu legen, wobei die Richtung der Einpflanzung zu berücksichtigen ist. Im Regelfall wächst zunächst die Wurzel, bevor sich auf der anderen Seite der Trieb zeigt.

Bereits während der Kälteperiode gekeimte Pflänzchen sollten Sie sehr vorsichtig behandeln. Legen Sie den Kern auf die humose Erdmischung, die Sie bis 4 Zentimeter unterhalb des Randes eingefüllt haben. Achten Sie dabei auf die Einpflanzrichtung. Natürlich muss die Wurzel nach unten, der Trieb nach oben eingepflanzt werden. Ragt lediglich eine kleine grüne Spitze aus der holzigen Schale, positionieren Sie diese nach unten. Denn normalerweise wächst zuerst die Wurzel und erst deutlich später der eigentliche Trieb auf der anderen Seite.

Der Umgang mit den Keimlingen

Sobald sich die Keimlinge zu einem kleinen Pfirsichbaum entwickelt haben, empfiehlt sich das Einpflanzen in einen kleinen Topf. Etwa 15 Zentimeter große Gefäße sind geeignet. Die Positionierung an einem nach Osten oder Norden ausgerichteten Fenster ist gut, bis der Stamm eine Größe von etwa 30 Zentimetern erreicht hat und leicht verholzt ist. Die Pflanze sollte im Haus bleiben, bis es draußen dauerhaft warm ist. Ein junger Pfirsichbaum braucht viel Licht und nicht allzu hohe Temperaturen. Je langsamer das Wachstum ausfällt, desto eher bilden die Pflanzen einen kräftigen Stamm aus. Ein solcher ist wichtig, um später gegen Wind und Wetter gewappnet zu sein.

Einpflanzen

Zeitpunkt und Substrat

Das eigentliche Einpflanzen beginnt im Frühjahr, nachdem der Kern die Kälteperiode überdauert hat. Ab März sind die meisten Kerne nach der vorherigen Behandlung bereit. Das Substrat sollte durchlässig sein. Anzuchterde oder Kakteenerde sind hierbei empfehlenswert. Das Substrat sollte zudem keine zu hohen Mengen an Nährstoffen beinhalten. Die Einpflanztiefe beträgt auch hier etwa 2 bis 4 Zentimeter.

Ein warmer und heller Standort ohne direkte Sonneneinstrahlung ist beim Ziehen des Pfirsichbaums zu bevorzugen. Die Erde beziehungsweise das Substrat sind stets leicht feucht zu halten, ohne es zu durchnässen. Die Keimzeit kann nach dem Einpflanzen zwischen mehreren Wochen und mehreren Monaten betragen.

Pfirsichbaum, Prunus persica

Auspflanzen

Haben die Pflanzen einen leicht holzigen Stamm ausgebildet und sind die Temperaturen dauerhaft hoch, lassen sie sich direkt in den Garten einpflanzen. Frühester Zeitpunkt für das Auspflanzen ist Mitte Mai. Von hoher Bedeutung ist, dass es unter keinen Umständen mehr zu Nachtfrost kommt. Der junge Pfirsichbaum will sich zunächst langsam an den neuen Standort im Freien gewöhnen. Daher empfiehlt es sich, sie zunächst an einen schattigen bis halbschattigen Platz zu stellen. Täglich kann die Pflanze nun an etwas mehr Sonne gewöhnt werden. Das ideale Substrat ist noch immer ein gut durchlässiger und humoser Boden.

Auslese und Standort

Bereits beim Keimen und bei der Entwicklung der jungen Pflanze können Gärtner einschätzen, welcher Pfirsichbaum sich gut entwickeln wird. Tendenziell gilt, dass Jungpflanzen mit breiten Blättern später schöne Früchte ausbilden.
Während des frühen Wachstums der Pflanze ist es besonders wichtig, den Boden regelmäßig auf eine optimale Feuchtigkeit hin zu kontrollieren. Gießen ist erforderlich, sobald die obere Schicht abgetrocknet ist. Die Wurzeln benötigen eine Weile des Wachstums, bis sie in tiefere Regionen des Erdreichs vordringen, weshalb regelmäßiges Wässern erforderlich ist.

Pfirsichbaum, Prunus persica

No votes yet.
Please wait...