Fichte, Picea: Arten, Wachstum, Pflanzen und Pflege-ABC

Gemeine Fichte - Picea abies
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Blütenfarbe
gelb, rot
Standort
Halbschatten, Sonnig
Blütezeit
April, Mai, Juni
Wuchsform
aufrecht
Höhe
bis zu 50 Meter hoch
Bodenart
sandig, lehmig
Bodenfeuchte
mäßig feucht, frisch
pH-Wert
neutral, schwach sauer
Kalkverträglichkeit
Kalktolerant
Humus
humusreich
Giftig
Nein
Pflanzenfamilien
Kieferngewächse, Pinaceae
Pflanzenarten
Nadelbäume, Zierbäume
Gartenstil
Parkanlage, Waldgarten

Fichten begegnen uns hierzulande an vielen Orten. In Mitteleuropa ist aber nur die Gemeine Fichte (Picea abies) heimisch. Es gibt jedoch viele Arten, die Sie im Garten auspflanzen können. Zwergformen können im Kübel gehalten werden. Die pflegeleichten Nadelbäume eignen sich im Garten als Einzel- oder Gruppengehölz. Allerdings sollten Sie die Flachwurzler nicht in die Nähe von Hauswänden oder Gartenwegen pflanzen, da sie mit ihrer Wurzelkraft kräftige Schäden anrichten können.

Steckbrief

  • botanischer Name: Picea
  • Pflanzenfamilie: Kieferngewächse (Pinaceae)
  • Wuchs: Baum oder Zwergwuchs
  • Blütezeit: Mai bis Juni
  • Blütenfarbe: gelb (männlich), rötlich (weiblich)
  • Wuchshöhe: bis zu 50 Meter hoch
  • Flachwurzler
  • immergrün
  • Verwendung: Zierpflanze, Einzelstellung, Heckenpflanze
  • heimische Art: Gemeine Fichte (Picea abies)

Standort

Goldspitzenfichte - Picea Orientalis 'Aureospicata'
Fichten – hier die Goldspitzenfichte – bevorzugen, je nach Art, einen sonnigen bis halbschattigen Standort.

Sie kommen aber auch mit einer kühlen Nordlage im Garten zurecht. Sollen höher wachsende Arten gepflanzt werden, dann sollte der Standort windgeschützt sein, um die Windwurfgefahr zu verringern. Des Weiteren sollten Sie einplanen, dass die Fichten im Fall der Fälle keine Gebäude beschädigen können.

Tipp: Da Fichten mit sich selbst unverträglich sind, darf bei einer Neupflanzung dort zuvor kein Fichtenbaum gestanden haben.

Hohe, aufrecht wachsende Fichten kommen am besten als Solitärpflanzen zur Geltung. Zwergfichtenarten kommen unterschiedlich zum Einsatz. Da viele Zwergfichten kugel- bis kissenförmig wachsen, passen sie gut in Heide- oder Steingärten. Weiter finden sie Verwendung als Begleiter von Rhododendren oder kommen als grüne Pole in Rosen- oder Staudenbeete.

Tipp: Zwergfichten können Sie auch in Trögen oder anderen Pflanzgefäßen halten.

Boden

Fichten gelten als äußerst bodentolerante Nadelbäume. Allerdings vertragen sie trockene und schwere Böden auf Dauer nicht, da sie in der Natur auf eher feuchten bis hin zu morastigen Böden wachsen. Der bevorzugte pH-Wert ist von Art zu Art unterschiedlich. Der optimale Boden hat folgende Eigenschaften:

  • nicht zu trocken
  • gut durchlässig
  • frisch-feucht
  • lehmig bis leicht sandig
  • locker
  • idealer pH-Wert: 5,5 bis 6,5
  • pH-Wert bei lehmigen Böden: nicht unter 6
  • pH-Wert bei anderen Böden: nicht unter 5

Hinweis: Ist der Boden dauerhaft zu trocken, dann erhöht sich die Gefahr eines Windwurfs.

Pflanzen

Fichten, die im Container gekauft werden, können beinahe das ganze Jahr über gepflanzt werden. Wichtig ist, dass Sie nach dem Pflanzen die Wasserversorgung gewährleisten. Größere Bäume sollten Sie nach dem Einpflanzen mit einem schräg eingeschlagenen Pfahl vor dem Umkippen schützen. Gegen das Austrocknen des Bodens hilft eine Mulchschicht aus Rindenkompost.

Tipp: Sie können Fichten sogar im Winter pflanzen, da sie sehr frosthart sind. Allerdings darf der Boden nicht gefroren sein.

Soll die Fichte im Kübel gehalten werden, sollten Sie eine Drainageschicht aus Tonscherben und/oder Kies anlegen, um Staunässe vorzubeugen. Das ideale Substrat ist Rhododendronerde.

Pflege

Borstenfichte - Picea asperata
Männliche Blüten der Borstenfichte.

Fichten sind pflegeleichte Nadelbäume. In trockenen Perioden sollten Sie sie gut gießen, denn wenn Fichten unter Wassermangel leiden, sind sie anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. Außerdem sollten Sie den passenden Standort für die Fichten wählen, damit diese sich wohlfühlen.

Gießen

Fichten brauchen eine ausreichende Versorgung mit Wasser und dürfen nicht mit Trockenstress konfrontiert werden. Daher sollten Sie die Nadelbäume gießen, sobald die Erdoberfläche angetrocknet ist (Daumenprobe). Zum Gießen sollten Sie im Idealfall Regenwasser oder entkalktes Teichwasser verwenden.

Frisch gepflanzte Fichten brauchen in den ersten Wochen eine besonders gute Wasserversorgung, denn diese unterstützt die Verwurzelung im Boden. In der Regel werden sie alle zwei bis drei Tage gegossen. Ist die Witterung trocken, brauchen die frisch gepflanzten Nadelbäume häufiger Wasser. In diesem Fall empfiehlt es sich, die Erdoberfläche täglich zu prüfen.

Tipp: In der Kübelkultur sollten Sie jedoch Staunässe vermeiden. Deshalb leeren Sie den Untersetzer etwa 20 Minuten nach dem Gießen.

Düngen

Ab dem zweiten Standjahr brauchen Fichten regemäßige Düngergaben. Als Langzeitdünger hat sich ein handelsüblicher Koniferendünger, der zusätzlich Magnesium enthält, bewährt. Diesen geben Sie im März/April aus. Eine zweite Gabe des Langzeitdüngers kann im Juni/Juli erfolgen.

Alternativ können Sie zwischen März bis Anfang August alle drei bis vier Wochen Kompost und Hornspäne in den Boden bzw. das Substrat einarbeiten. Ab August sollten Sie die Düngergaben einstellen, damit die Fichte vor dem kommenden Winter ausreifen kann.

Schneiden

Einen regelmäßigen Schnitt brauchen die Nadelbäume nicht. Geschnitten wird nur, wenn sich zwei Spitzen bilden. Ist dies der Fall, dann sollten Sie möglichst früh eine der beiden Spitzen am Ansatz herausschneiden. Der Leittrieb darf jedoch nicht abgeschnitten werden, denn dadurch wird die Krone für das gesamte Leben der Fichte vollständig entstellt. Zwar bilden sich durch das aufrechte Weiterwachsen von Seitentrieben neue Spitzen, aber die eigentliche Stelle hat dauerhaft einen unschönen Knick.

Überwintern

Gemeine Fichte - Picea Abies
Mit wenigen Ausnahmen kommen Fichten gut mit kalten Wintertemperaturen zu recht.

Insbesondere bei jungen Fichten im 1. Pflanzjahr sowie Arten, die im Kübel gehalten werden sollten Sie aber Wert auf Winterschutz legen und sie im Winter folgendermaßen schützen:

  • Wurzelbereich von jungen Fichten mit Lauberde, Stroh oder Reisig anhäufeln
  • Stamm und junge Triebe mit Schilfmatten vor der Wintersonne schützen
  • Fichten im Kübel: mit Pflanzenschutzflies oder Noppenfolie Kübel ummanteln
  • Substrat mit Nadelkompost, Sägemehl oder Laub bedecken
  • Kübel auf eine Holz- oder Styroporplatte stellen

Tipp: Herrscht Kahlfrost, dann müssen Fichten jeden Alters und jeder Kultivierungsform auch im Winter gegossen werden, damit sie nicht unter Trockenstress geraten.

Umpflanzen

Fichten, die im Garten ausgepflanzt sind, dürfen nur bis zu einem Alter von fünf Jahren umgepflanzt werden. Erfolgt das Umsetzen später, dann müssen Sie mit einem Totalausfall der Nadelbäume rechnen. Der optimale Zeitpunkt für eine Umpflanzung ist zwischen Mitte Oktober und Ende März. Damit sich die Fichte auf den bevorstehenden Standortwechsel vorbereiten kann, stellen Sie ab Juni die Düngergaben ein. Gehen Sie folgendermaßen vor:

  • Wurzelballen mit dem Spaten abstechen
  • Radius des Kreises = Wuchshöhe der Fichte
  • Wurzeln mit einer Grabegabel lockern
  • Baum mit dem Spaten aus der Erde heben
  • am neuen Standort einpflanzen
  • Pflanztiefe wie am alten Standort
  • in den ersten Wochen regelmäßig gießen

Tipp: Eine Mulchschicht hilft dem Nadelbaum, sich an den neuen Standort zu gewöhnen.

Vermehren

Für den Hobbygarten ist die Samenform der einfachste Weg, die Nadelbäume zu vermehren. Die Samen können Sie aus den heruntergefallenen Zapfen sammeln. Gehen Sie dabei wie folgt vor:

  • reife Zapfen vom Boden aufsammeln
  • Samen herauslösen
  • Samen einige Tage trocknen
  • in Papiertüten an einem luftigen, trockenen und dunklen Platz aufbewahren
  • Die Aussaat der Samen erfolgt dann im März des kommenden Jahres:
  • Samen 48 Stunden im Kühlschrank quellen lassen
  • Samen dazu in einen Folienbeutel mit feuchtem Sand geben
  • anschließend direkt im Garten breitwürfig aussäen
  • alternativ in Schalen mit Anzuchterde aussäen
  • in beiden Fällen nur dünn mit Erde bedecken

Krankheiten und Schädlinge

Fichte - Bittersalz
Mit Bittersalz können Sie Fichten-Krankheiten wie dem Omorikasterben vorbeugen.

Fichten gelten als robuste Nadelbäume, allerdings können Sie durch Pflege- und Standortfehler, wie Staunässe oder zu trockene Böden, geschwächt werden. Dies führt in der Folge zu Krankheiten und Schädlingsbefall.

Krankheiten

Rotfäule

Die Rotfäule wird durch den Wurzelschwamm (Heterobasidion annosum) ausgelöst. Dieser siedelt sich bevorzugt an den Stämmen junger Fichten an. Da er eine Kernfäule verursacht, stirbt der Baum im Laufe der Jahre ab. Da es meistens schon zu spät ist, wenn der Pilz erkannt wird, sollten Sie auf vorbeugende Maßnahmen setzen. Zu den biologischen Waffen, mit welchen der Pilz bekämpft werden kann, gehört das Präparat Rotex, ein natürlicher Gegenspieler des Wurzelschwamms. Behandeln Sie Schnittwunden und Rindenverletzungen als vorbeugende Maßnahme gegen den Pilz.

Omorikasterben

Die Ursache für diese Krankheit, die besonders die Serbische Fichte (Picea omorika) befällt, tritt überwiegend bei jungen Fichtenbäumen auf. Bislang werden als Ursachen extreme Witterungsbedingungen und ein verdichteter, lehmiger Boden vermutet. Vorbeugende Maßnahmen sind:

  • pH-Wert mit Bittersalz regulieren
  • in Trockenperioden Fichten regelmäßig mit kalkarmem Wasser gießen
  • Koniferendünger mit Magnesium geben

Beim Auspflanzen der Fichten sollten Sie darauf achten, dass der Boden locker ist. In der Kübelkultur sollten sie auf hochwertige Kübelpflanzenerde setzen.

Schädlinge

Sitkafichte
Die Sitkafichte wird bevorzugt von der Sitkafichtenlaus befallen.

Buchdrucker (Ips typographus)

Dieser Borkenkäfer hat sich auf Fichten spezialisiert. Die braunen Käfer, die bis zu fünf Millimeter lang werden, nisten sich unter der Rinde ein, wo sie sich explosionsartig vermehren. Allerdings hat der Buchdrucker in einem gesunden Fichtenbaum mit reichlichem Saftstrom keine Chance, da er ertrinkt. Daher sind eine gute Pflege und Wasserversorgung das beste Mittel gegen den Käfer. Hat sich der Käfer jedoch bereits ausgebreitet, dann muss der Baum gefällt werden, um zumindest seine Ausbreitung zu verhindern.

Fichtengallenlaus (Sacchiphantes viridis)

Einen Befall mit Fichtengallenläusen erkennen Sie an bis zu fünf Millimeter großen Gallen an den Trieben. Gehen Sie gegen die Gallen, die im Aussehen an eine Ananas erinnern, mit einem Spritzmittel auf Paraffinölbasis vor. Stark befallene Triebe müssen sofort abgeschnitten werden. Vorbeugend hilft regelmäßiges Mulchen mit angewelktem Grasschnitt. Natürliche Feinde der Fichtengallenlaus sind zum Beispiel Marienkäfer, Florfliegen und Schlupfwespen. Besonders gefährdet ist die Rotfichte (Picea abies).

Sitkafichtenlaus (Elatobium abietinum)

Neben der Sitkafichte befällt diese Laus auch die Serbische Fichte und Rotfichten. Sie ist sehr gut an ihren roten Augen zu erkennen. Sie kann mit rapsölhaltigen Präparaten bekämpft werden. Sprühen Sie diese auf die Ober- und Unterseite der Zweige im Abstand von zwei Wochen.

Arten

Zuckerhutfichte - Picea glauca
Ihre kegelförmige Form verleiht der Zuckerhutfichte ihren Namen.

Innerhalb der Gattung Picea gibt es, je nach Systematik, zwischen 28 und 56 Arten. Nachfolgend werden die wichtigsten Fichtenarten für den Garten vorgestellt.

Mähnenfichte (Picea breweriana)

  • Synonym: Siskiyou-Fichte (gleichnamige Berge im Südwesten der USA)
  • Wuchsform: hängende Zweige
  • Wuchshöhe: 1.000 Zentimeter
  • Wuchsbreite: 600 Zentimeter

Orientalische Fichte (Picea orientalis)

  • schlanker Wuchs
  • Wuchshöhe: 2.000 Zentimeter
  • Synonyme: Kaukasus-, Orient-, Sapinus oder Morgenländische Fichte
  • besondere Sorte: „Aurea“ mit goldgelben, jungen Zweigen

Purpurfichte (Picea purpurea)

  • Wuchshöhe: 1.500 Zentimeter
  • kegelförmige Krone
  • dunkelgrüne Nadeln

Rotfichte (Picea abies)

  • viele interessante Sorten für den Garten
  • Wuchshöhe bis zu 800 Zentimeter
  • Zwergformen bis 50 Zentimeter
  • Sorten (Beispiele): „Inversa“ (hängender Wuchs), „Echiniformis“ (Zwergform)
  • Synonyme: Gemeine Fichte, Gewöhnliche Fichte, Rottanne

Serbische Fichte (Picea omorika)

  • in Deutschland weit verbreitet
  • Wuchshöhe: 150 bis 300 Zentimeter
  • Wuchsbreite: 250 bis 400 Zentimeter
  • schmaler Wuchs
  • Verwendung: Einzel- oder Gruppengehölz

Stechfichte (Picea pungens)

  • spitze, stechende Nadeln (Name!)
  • bekannt für ihre blauen Sorten
  • „Blue Mountain“: bis 2.000 Zentimeter hoch, Zapfen erst ab dem 30 Lebensjahr, pflegeleicht, bodentolerant

Weißfichte (Picea glauca)

  • Baum oder Zwergform erhältlich
  • typisch: zuckerhutförmige Krone
  • „Conica“: 300 bis 400 Zentimeter hoch, 180 bis 200 Zentimeter breit
  • „Starlight“ (Zwergform): 80 bis 90 Zentimeter hoch, 30 bis 40 Zentimeter breit
  •  Synonym: Zuckerhutfichte
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