Hyazinthengewächse, Hyacinthaceae – Steckbrief, Merkmale und Arten

Hyazinthe, Hyacinthus

Die Hyazinthengewächse (bot. Hyacinthaceae), heute Scilloideae, sind eine Unterfamilie in der Familie der Spargelgewächse (bot. Asparagaceae) in der Ordnung der Spargelartige (bot. Asparagales), die zur Gruppe der Monokotyledonen gehören. Die Hyazinthengewächse umfassen zwischen 30 bis 70 Gattungen und über 1.000 Arten, obwohl die Zahlen hier nicht eindeutig sind. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst Europa vom Mittelmeerraum bis nach Asien zum Himalayagebirge und südlich bis nach Afrika.

Hyazinthengewächse

Niedrigere Klassifizierungen

Die Hyazinthengewächse sind seit der Antike bekannt und einige der Gattungen erhielten schon zu dieser Zeit ihren noch heute gebräuchlichen Namen, wie Scilla (Blausterne). Im Jahr 2009 wurde durch die Angiosperm Phylogeny Group die ursprüngliche Familie der Hyacinthaceae in die neue Unterfamilie Scilloideae komplett eingefügt und dementsprechend umbenannt. Da diese Entscheidung jedoch rein auf der Prioritätsregel basiert, bleibt die Verwendung der Namen den Botanikern selbst überlassen. Aus diesem Grund kann es vorkommen, dass Taxa entweder als Hyacinthaceae oder Scilloideae aufgeführt werden, obwohl offiziell nur die Bezeichnung Scilloideae richtig wäre.

Die Familie umfasst die folgenden Triben:

  • Oziroëeae: 1 Gattung
  • Ornithogaleae: 1 – 19 Gattungen, je nach Einordnung
  • Urgineeae: 4 Gattungen
  • Hyacintheae: 24 Gattungen

Da die Einteilung all der Gattungen und Arten bei den Hyazinthengewächsen noch lange nicht abgeschlossen ist, schwankt die Anzahl erheblich. Dazu kommt die Einteilung der gesamten Familie nach verschiedenen Botanikern und Forschern, die alle ihre eigene Auffassung haben, welche Gattungen und Arten in diese Unterfamilie gehören. Das macht das genaue Festlegen der wirklichen Vielfalt der Unterfamilie schwierig. Die Hyacintheae sind innerhalb der Scilloideae der größte und bekannteste Tribus und verfügt über folgende, wichtige Gattungen.

  • Schopflilien (bot. Eucomis)
  • Kaplilien (bot. Veltheimia)
  • Brimeura
  • Hasenglöckchen (bot. Hyacinthoides)
  • Hyazinthen (bot. Hyacinthus)
  • Traubenhyazinthen (bot. Muscari)
  • Blausterne (bot. Scilla)

Früher wurden viele Triben der Unterfamilie zu den Lilienartigen (bot. Liliales) hinzugezählt.

Vegetative Merkmale

Die vegetativen Merkmale der Hyazinthengewächse sind eindeutig der Unterfamilie zuzuweisen, auch wenn sie sich manchmal mit anderen Familien, zum Beispiel den Lilienartigen, in ihrer Morphologie überschneiden. Ein direkter Vergleich ist dabei etwas schwierig, doch haben die Gewächse gemein, dass sie trockene, warme und sonnige Plätze bevorzugen.

Die Merkmale:

  • Wuchsform: krautig, Aufsitzerpflanze, aufrecht, flach auf dem Boden liegend
  • Lebenszyklus: ausdauernd, bilden Überdauerungsorgane aus, saisonalgrün, einige Arten immergrün
  • Überdauerungsorgane: Zwiebeln, seltener Rhizome
  • Kontraktionswurzeln bilden schleimigen Milchsaft
  • Laubblätter: wechselständig, spiral, häufig in Rosetten (grundständig), schmal, zylindrisch, nadelförmig
  • Beschaffenheit der Laubblätter: einfach, ungestielt, ganzrandig, parallelnervig, seltener lanzettlich, unbehaart
  • Farbe: einfarbig, von dunkelgrün bis purpur
  • einige Arten bilden Warzen auf der Blattoberseite aus, ebenso Pusteln und Haare
  • einige Arten giftig für Vieh
  • Nutzung: Nahrungsmittel, Medizin

Generative Merkmale

Viele Arten der Hyazinthengewächse werden als Zimmerpflanzen genutzt, da sie in einer Vielzahl von Farben angeboten werden. An den Blüten und Früchten der Unterfamilie lassen sich die einzelnen Gattungen und Taxa sehr einfach voneinander unterscheiden.

  • Blütenstandschaft ohne Blätter
  • Blütenstand: endständig, einfach, verzweigt, häufig traubig, seltener ährig, kopfig
  • Hochblatt: häufig 1, sehr selten 2, groß, klein
  • Blüte: zwittrig,  dreizählig, radiärsymmetrisch, zygomorph
  • Blütenhüllblätter: 6 in 2 Kreisen, mehrfarbig, gleichgestellt, frei, röhrig verwachsen
  • Staubblätter: 6 in 2 Kreisen, frei, fruchtbar, seltener verwachsen mit den Blütenhüllblättern
  • Fruchtknoten: oberständig, fruchtbar
  • Septalnektarien werden gebildet
  • Fruchtknotenkammern: 3, einfacher Griffel, viele Samen
  • Bestäubung: Insekten, Vögel, Nagetiere
  • Frucht: Kapselfrüchte mit abgeflachten Samen
  • schwach bis stark duftend
  • Farben: gräulich, grün, rot, orange, gelb, weiß, blau

Arten

  • Ostasiatischer Blaustern (bot. Barnardia japonica)
  • Hellblaue Wiesenhyazinthe (bot. Brimeura amethystin)
  • Bleiches Hyazinthchen (bot. Hyacinthella leucophaea)
  • Puschkinie (bot. Puschkinia scilloides)
  • Grüner Milchstern (bot. Honorius boucheanus)
  • Nickender Milchstern (bot. Honorius nutans)
  • Riesen-Chincherinchee (bot. Galtonia saundersiae)
  • Orangefarbener Milchstern (bot. Eliokarmos dubius)
  • Narbonne-Milchstern (bot. Ornithogalum narbonense)
  • Kletterkartoffel (bot. Bowiea volubilis)
  • Nickender Milchstern (bot. Ornithogalum nutans)
  • Römische Hyazinthe (bot. Bellevalia romana)
  • Gartenhyazinthe (bot. Hyacinthus orientalis)
  • Weiße Meerzwiebel (bot. Drimia maritima)
  • Schizocarphus nervosus
  • Drimia haworthioides
  • Drimia media
  • Avonsera convallarioides
  • Albuca juncifolia
  • Albuca nelsonii
  • Traubenhyazinthe, Muscari – Anzucht aus Samen + Pflege-Anleitung

    Aus der Türkei stammt die anmutige Traubenhyazinthe, die ihren Namen erhalten hat, weil ihre Blüten an wie auf dem Kopf stehende Trauben erinnern. Die meist blauen bis violetten Blüten zeigen sich zwischen April und Mai, es handelt sich daher hierbei um einen Frühblüher. Bereits in den Jahren zwischen 1560 bis 1620 wurde die dekorative Zwiebelpflanze aus der Türkei nach Europa eingeführt.

  • Ledebouria cooperi – Steckbrief und Pflege

    Ledebouria cooperi stammt aus dem südlichen Afrikas. Sein Zuhause hat das Gewächs mit den markanten olivgrünen Blättern und den glockenförmigen Blüten im kräftigen Violett in Südafrika, Swasiland und Lesotho. Die Pflanze wächst aus Knollen und zählt zu den Hyazinthengewächsen. Verschiedene Publikationen und Pflanzenporträts ordnen sie auch bei den Liliengewächsen ein. In ihrer Heimat Afrika ist Ledebouria cooperi wintergrün. In Deutschland zeigt sie sich als Pflanze für Innen in immergrünem Blattschmuck.

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